Tag-Archiv für 'lustig kochen mit derJulia'

Lady Marmalade

Duftender Honigapfel, spröde Schöne, launische Diva, roh ungenießbar, eingekocht ein höchst bezaubernder, den Gaumen überraschender Genuß: die Quitte.

Die meisten Rezepte sehen als Resultat Quittengelee vor, für das die Früchte samt Schale und Kerngehäuse weichgekocht werden, um den so entstandenen Saft durch Mull zu seihen, mit Zucker einzukochen und abzufüllen; bloß: mir sind die – in unseren Breiten wahnsinnig schwer erhältlichen – Früchte zu schade, um den Großteil davon auf den Kompost zu werfen, außerdem verkochen sie ohnehin zu einer sehr musigen Angelegenheit. Dies sei allerdings bitte nicht als Dogma zu verstehen.

Quittenmarmelade:

Quitten vom Flaum befreien, waschen, vierteln, vom Kerngehäuse trennen, schälen und in kleinere Stückchen schneiden. Die Früchte mit dem schneeweißen, intensiv nach Äpfeln? Birnen? Zitronen? duftenden Fruchtfleisch sind steinhart (also Vorsicht beim Verarbeiten!) und verfärben sich an den Schnittstellen fast unmittelbar braun, aber das gehört so.
Abwiegen und mit ein bißchen weniger als gleichschwer Zucker vermischen. Quitten enthalten sehr viel Pektin, deshalb muß man es mit dem Zucker nicht übertreiben; es muß noch nicht einmal Gelierzucker sein. Wer mag, kann noch ein bißchen Zitronensaft, Zitronenschale, Zimt etc. beifügen.
Sodann die Masse in einem richtig großen Topf zum Kochen bringen und unter ständigem Rühren und der eventuellen Beigabe von ganz wenig Wasser sprudelnd kochen, bis die Fruchtstücke weich und musig werden. Die Farbe der Marmelade verändert sich während des ca. halbstündigen Kochprozesses in ein tiefes Dunkelorange bis helles Korallenrot.
Sofort in saubere, heiß ausgespülte Gläser füllen (die Gläser bitte auf ein nasses Tuch stellen, damit sie nicht zerspringen), gut verschließen und auskühlen lassen. Anschließend an einem kühlen, dunklen Ort lagern (grundsätzliche Lagerfähigkeit: mehrere Monate bis Jahre, wird aber in der Praxis vorher aufgegessen).

Quittenmarmelade schmeckt (für meinen Gaumen) irgendwie leicht orientalisch, mollig-fruchtig, ein bißchen honigartig und eignet sich laut einigen Kochbuchautoren, Großmüttern und sonstigen kulinarischen Weisen neben ihrer Verwendung als Frühstückssemmerlaufstrich u.ä. auch hervorragend als Beigabe zu Wildgerichten.

Quittenmarmelade

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Pannonische Freuden: Update

Wie ich einmal das Gemüse ganz schön reingelegt habe:

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Pfefferoni, ganz schön reingelegt

[Fotos: Herr Ad]
[Aufgrund optischer Unspektakularität nicht im Bild: das anschließende Köcheln im Wasserbad.]
[Wer was an der Haltungsnote zu bemäkeln hat, kriegt es mit meinem großen Bruder zu tun!]
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Fastfood aus Ö: Fleischpflanzerln mit Erdäpfelsalat

Und wieder ein wunderschönes Rezept aus der Reihe “wie bei Muttern”. Liebevoll zubereitetes Fastfood statt figurfreundlicher Fastenküche. Yippie-ya-yay, Schweinebacke!

Zutaten:

600 g gemischtes Faschiertes (=Hackfleisch)
1 große Zwiebel
1 Handvoll Knödelbrot
1 extragroßes Biofreilandei
3 Knoblauchzehen (besser 4-5)
2 EL Majoran
2 EL Petersilie
1 TL Salz
Pfeffer, wenn gemocht
1 beherzter Klecks Senf
eventuell bissi Mehl

Zwiebel fein hacken, Knödelbrot mit bissi Wasser befeuchten, alle Zutaten in eine große Schüssel geben und gut durchkneten, zudecken, rasten lassen.

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Erdäpfelsalat:

1 Kilo Erdapferln, möglichst speckig/festkochend
1 rote Zwiebel
Essig
Öl
Salz
Pfeffer
Senf

Erdapferln je nach Größe 30-50 min in Salzwasser kochen, bis sie gar sind, und mit viel kaltem Wasser abschrecken.
Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und, hier kommt Trick von Julia!, in einer großen Schüssel gut mit Salz mischen (bei mir isses nämlich so, daß ich von rohen Zwiebeln gern Sodbrennen bekomme – wenn ich sie allerdings vorher einsalze, ist der Oesophagus später nicht sauer), Erdapferln schälen und scheibchenweise noch lauwarm in die Schüssel mit den Zwiebeln schnippeln.
Sodann eine Marinade aus halb Essig/halb Wasser (ich verwende weißen Balsamico mit einem Säuregrad von 7,1 %), einem Schuß Öl, Senf und Pfeffer machen, über die Erdapferln gießen (aber nicht zuviel auf einmal – lieber nach und nach. Manche Erdäpfel saugen die Marinade richtig schnell auf, manche eher zögerlich) und gut durchmischen. Bei Bedarf abschmecken.

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Finale:

Aus der Fleischmasse Laibchen formen und in ein bißchen heißem Öl von beiden Seiten braten, eventuell noch ein bissi im vorgeheizten Backrohr ziehen lassen und dann ab auf den Teller!

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Mahlzeit!

PS: Fleischpflanzerln werden offiziell Fleischlaibchen oder -laberl und inoffiziell (im Hause Atz) Deliriumskrapferln genannt. Das kann, muß man aber nicht wissen.
PPS: Die hier angegebenen Zutaten reichen für ca. eine halbe Dorfgemeinschaft, wobei sich die Laberln und auch der Salat aber auch perfekt zum am-nächsten-Tag-kalt-essen eignen.

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Hühnersuppe wie bei Muttern

Wenn’s den Menschen innerlich friert, braucht er Hühnersuppe, und zwar höchstselbst gekochte. Idealerweise kombiniert mit Bröselknöderln. Aber Vorsicht an alle überzeugten Singles: diese sinnstiftende, herzergreifend duftende und geschmacksknospenschmeichelnde Kombination hat mitunter schon Heiratsanträge ausgelöst, also sagen Sie nachher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Man nehme:

1 frisches Landhenderl (= Huhn)
so ca. 8 Karotten
2 fingerdicke Scheiben Sellerie
ca. 150g Tiefkühlerbsen (Kann, nicht Muß)
~ 2 1/2 l Wasser
Liebstöckl, wenn bei der Hand
Salz
Pfefferkörner nach Belieben
1 Handvoll frischer Petersilie.

Hühnersuppe, Making-of 1 Hühnersuppe, Making-of 2 Hühnersuppe, Making-of 3 Hühnersuppe, Making-of 4
Making-of 5 Making-of 6 Making-of 7 Making-of 8

…bringe das ganze in einem richtig großen Suppentopf (ein dickes Danke an dieser Stelle an Muttern, die mich zu Weihnachten mit einem solchen Prachtstück aus feinstem Email bedachte!) zum Kochen und lasse es ein Stündlein oder zwei sanft vor sich hin wallen, bis das Henderlfleisch von selbst vom Knochen fällt. Das mitgelieferte Leberl läßt man gegen Ende von Phase 1 nur 15 Minuten oder so mitköcheln.

In der Zwischenzeit bereite man die Knödelmasse vor:

1 trockene Semmel vom Vortag, in kleine Würfel geschnitten (oder entsprechende Menge Knödelbrot)
ca. 1- 1 1/2 Tassen Semmelbrösel
1 großzügige Scheibe Butter (ca. fingerdick)
1 Ei
1/2-1 Tasse Wasser (bei Bedarf mehr)
bissi Salz
wieder ca. 1 Handvoll Petersilie

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(ich mach das immer ein bißchen grobianisch – ich verrühre in einer Schüssel die Butter mit dem Ei (von wegen “schaumig rühren”) und vermische das dann mit Wasser, Knödelbrot, Semmelbröseln und der Petersilie. Wichtig ist eigentlich nur, daß die Masse nicht zu weich und nicht zu hart ist, also nicht bröselt, aber auch nicht mehr an den Fingern klebt, wenn man sie durchknetet; das kann man aber ganz leicht durch die weitere Zugabe von Wasser bzw. Semmelbrösel steuern).

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Wenn das Henderl schon gar arg im Zerfall begriffen ist und somit seine Bereitschaft zur Vollendung signalisiert, richte man sich ein großes Schneidbrett, ein scharfes Messer, einen zweiten großen Topf und ein sehr feines Sieb sowie Butter und Mehl her, hebe das Henderl und das Gemüse auf das Brett, bereite ein wenig Mehlschwitze zu, im Volksmund auch – wenig einladend – Einbrenn genannt (Butter zergehen lassen, Mehl dazu, anschwitzen) und seihe die Suppe durch das Sieb drauf, wobei man immer schön engagiert mit einem Schneebesen umzurühren hat, um die Bildung von sog. Boverln (= Klümpchen) zu unter- und das Süppchen per se zu binden. Das läßt man dann so ca. eine halbe Stunde dahinköcheln. Währenddessen mache man sich daran, Karotten, Sellerie und Fleisch zu zerkleinern, wobei man allerhöchste Sorgfalt in Sachen Haut-, Fett- und Knochenentfernung walten lassen muß; es gibt kaum etwas Abstoßenderes als so einen Hühnerknorpel oder irgendein nicht näher definiertes Schlumperzeug, auf den/das man beim Essen beißt… Das kleingeschnittene Fleisch und Gemüse wie auch die Tiefkühlerbsen läßt man in der Suppe noch ein bißchen mitziehen, ganz zum Schluß kommt die Petersilie dazu.

Währenddessen hat man in einem weiteren Topf Salzwasser zum Kochen gebracht (Köche sind multitaskingfähig!) und aus der Knödelmasse sehr kleine Knöderln geformt, die man eine Viertelstunde mehr ziehen als kochen läßt und als Suppeneinlage serviert.

dieHühnersuppe

Guten Appetit!
[Empfohlener Soundtrack: Hubert von Goisern/S'Nix]

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Einen Hirschen zu braten

[Hirschragout mit Semmelknödel]

Es ist ja so, daß ich zum einen aus einer Wildererhochburg stamme und zum anderen das Kind einer kulinarisch unendlich begabten Mutter bin, die mich schon als junge Adeptin in die Geheimnisse der Küchenzauberei einweihte, und von der ich mir auch heute noch gelegentlich Ezzes hole, wenn es am Herd um mehr als die Wurst geht. Und so wurde es im Palais Focky heute endlich einmal richtig wild, und das Rezept will ich hier nicht schuldig bleiben.

dieZutaten:

1) Hirschragout:

ca. 500 g. Schulterbraten vom Hirsch
ca. 10 g Bauchspeck
1 kleine Zwiebel
3-4 Karotten
1/2 Sellerie
1/4 l Rotwein (trocken)
Salz
1 TL Senf
1-2 EL Preiselbeerkompott
Wildgewürzmischung (gibt’s fertig zu kaufen, ansonsten: Knoblauch, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Liebstöckl, Thymian, Senfkörner, Zitronenschale, Pfeffer & Gewürznelken mörsern)
bei Bedarf Suppenwürfel zum Schummeln
bissl Öl zum Anbraten

2) Semmelknödel:
ca. 250 g Knödelbrot (oder 5 altbackene Semmeln, in 1×1 cm große Würfel geschnitten)
2/8 l Milch
1/8 l Wasser
2 Eier
1 Handvoll Mehl
2 EL getrocknete (oder 4 EL frische) Petersilie
Salz

3) Salat:
1 grüner Salat, zB Grazer Krauthäupl, Marinade zB bestehend aus
[2 Zehen Knoblauch
1 TL Senf
Salz/Pfeffer
4 EL Essig (Weißweinessig), 4 EL Wasser
2 EL Olivenöl]

So geht’s:

Als erstes bereitet man sinnvollerweise die Masse für die Semmelknödel vor: Knödelbrot, Mehl, Petersilie und Salz in eine Schüssel geben; Eier, Milch und Wasser verquirlen, alles gut vermischen (bei Bedarf noch ein bißchen Wasser dazu…) und zugedeckt ziehen lassen.
Sodann die Zwiebel und den Speck fein hacken, Karotten und Sellerie putzen und in kleine Würfel, das Fleisch in ragoutgroße Stücke schneiden.
In einer großen Pfanne Öl heiß werden lassen und das Fleisch von allen Seiten scharf anbraten; dann die Zwiebeln, den Speck und das Wurzelgemüse zugeben und gut durchrösten…

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… mit dem Rotwein ablöschen, aufkochen lassen, mit Wasser aufgießen, Gewürzmischung [im Schummelmodus auch Suppenwürfel], Senf und Preiselbeeren dazu…

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… Deckel drauf und ca. eine Stunde köcheln lassen. Währenddessen ein bissl lesen oder mit Vatern telefonieren oder so. Dann einen großen Topf mit Salzwasser für die Knödel zustellen; inzwischen das Fleisch aus der Sauce in einen weiteren Topf geben und die Sauce durch ein feines Sieb über das Fleisch streichen. Gemüsereste mit etwas Wasser noch einmal aufkochen lassen und den Vorgang wiederholen. Wenn das Knödelwasser kocht, Knödel formen (geht mit nassen Händen am besten) und ca. 20 Minuten mehr wallen als kochen lassen, bis sie ihre Genußfertigkeit signalisieren, indem sie sich erdengleich um sich selbst drehen. In der Zwischenzeit den Salat zubereiten, Ragout eventuell abschmecken und dann einfach genießen (Preiselbeerkompott dazu reichen).

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Mahlzeit!
Empfohlener Soundtrack (beim Kochen): Felix Mendelssohn-Bartholdy/Ein Sommernachtstraum

Fisolen im Rinderwahn

Neuerdings genieße ich, so zwischen zwei Jobs und mit meinem – laut Eigenbekunden meinen Kochkünsten aufs äußerste zugetanen – wunderbaren Mann an meiner Seite, ja durchaus die häuslichen Seiten des Lebens. Kein Witz. Mir taugt das echt! Sollten sich in mittlerer Zukunft einmal diverse Eigenbaukinder und Haustiere dazugesellen, wäre das ganz nach meinem Geschmack. Selig grinsend stünde ich dann – Leckereien um Leckereien fabrizierend – vor dem Herd, auf der Hüfte ein Neugeborenes und um die Beine mehrere Katzen, schwünge den Kochlöffel und summte mit Sarah Vaughan-gleichem Timbre Standards von Cole Porter und Co.,… äh, wo war ich? Ach ja. Genau. Bei den häuslichen Seiten des Lebens. Kochen, Freunde der Sonne. Kochen!

Jetzt hat ja der Sommer quasi über Nacht seine Sachen gepackt und ist abgerauscht wie eine beleidigte Diva. Stürmisch und mirnix dirnix. Weg war er. Und was tut der kluge Mensch bei Nieselregen und Temperaturen unter jeder Kritik? Richtig. Er kocht Suppe. Und zwar nicht irgendeine Suppe, sondern die klassische. Vom Rind.

[Rindsuppe]

Kauf ein schönes Stück (ca. 500 g) Rindfleisch zum Sieden. Muß nicht gleich Tafelspitz sein, Hauptsache man kann dir glaubhaft die Tatsache vermitteln, daß der gehörnte Lieferant nicht mit Hormonen vollgepumpt oder zum Schlachten durch halb Europa gekarrt wurde. Halbiere eine Zwiebel, laß die Schale dran, lege sie mit der Unterseite in den Topf, den du als deinen Suppentopf erkoren hast (oder auf die Herdplatte), und laß sie bei ordentlicher Hitze schön braun werden. Schäle fünf Karotten, putze einen halben Sellerie und eine Petersilwurzel. Stelle jetzt das Fleisch und das Gemüse mit kaltem Wasser, einigen Pfefferkörnern, Liebstöckel oder einem Sträußchen grüner Petersilie und einem Teelöffel Salz zu. Warte, bis das ganze zu kochen anfängt, reduziere sofort die Hitze und laß es ca. anderthalb Stunden dahinsimmern (nicht zudecken, nicht kochen, sonst wird die Suppe trüb), bis das Fleisch gar ist. Schmecke dein Süppchen, wenn nötig, mit ein bißchen Suppenpulver ab. Auch ein Plachutta hat einmal klein angefangen. Serviere es – samt mitgekochtem Gemüse und Fleisch – mit einer Einlage deines Vertrauens (Backerbsen, Suppennudeln, Grießknödel, Leberknödel, Fleischstrudel, Schöberl, Fritatten – alles kann, alles darf, nichts muß), streu Schnittlauch drüber, löffle und lächle.

Wenn dir während des Garvorganges langweilig ist, kannst du dich übrigens an dieser Stelle perfekt mit der Erzeugung von Apfelkompott beschäftigen. Vielleicht fällt dir ja zwei Stunden nach dem Verzehr der Rindsuppe ein, daß du wahnsinnigen Gusto auf Kaiserschmarren hast. Aber das ist eine andere Geschichte…

… anderntags hast du nun also ein gehöriges Stück Rindfleisch, was dir viele schöne Möglichkeiten eröffnet. Zum Beispiel die Erzeugung von Rindfleischsalat, die hier aber nicht erörtert wird. Nein, wenn’s draußen ein Sauwetter hat, braucht der Mensch was Warmes im Bauch. Zum Beispiel Rindfleisch mit Erdäpfeln und Fisolengemüse. Auch so eine österreichische Hausmannsg’schicht. Die wie folgt geht:

[Fisolengemüse/Rahmfisolen]

Zerlaß ein bißchen Butter, gib bei mäßiger Hitze einen Eßlöffel Mehl dazu (= Roux = Einbrenn), paß höllisch auf, daß dir die Pampe nicht anbrennt, und lösche sie daher rasch mit Suppe ab, um sie alsdann mit dem Schneebesen erst zu einer cremigen Creme und dann, unter Beigabe von mehr und mehr Flüssigkeit, zu leicht sauciger Konsistenz ohne Boverln (= Klümpchen) zu rühren. Soweit alles klar? Prima! Weil jetzt ist alles ein Kinderspiel. Gib die Fisolen dazu (eine Tiefkühlpackung = 1 kg), schau, daß sie gut mit Flüssigkeit bedeckt sind, rühr gut um, Deckel drauf, köcheln lassen. Nach ca. 20 Minuten, wenn die Fisolen weichgekocht sind, kommt noch ein bissel Sauerrahm, Petersilie und Salz nach Bedarf dazu, und fertig sind die Rahmfisolen. In der Zwischenzeit koch (heurige) Kartoffeln, wärm das Rindfleisch und richte das ganze sodann auf einem Teller an.

Mahlzeit!

Wiener Foto-Lovestory - Rindfleisch mit Fisolen

[Klick für richtig groß!

Happiness is a warm Teller of Letscho

Das Heimkommen ist immer schön, und als geländegängiger Mensch, der noch dazu nicht aus Zucker ist, kann man im Salzkammergut auch ziemlich großen Spaß im Starkregen haben (wie ich in meinem gestrigen Posting schon anklingen ließ).
Im Spätsommer ist das Heimkommen schon rein kulinarisch ein Hochgenuß. Die Marillen werden reif (ja, richtig gelesen. Das Salzkammergut ist nicht die Wachau!), da und dort kann man schon erste heruntergefallene Klaräpfel stibitzen, und in Mamas Garten haben die Zuchinis, die Gurken, die Fisolen und die Paradeiser Hochsaison. Auch die Paprikapflanzen im Glashaus waren nicht untätig.

Gartenfreuden Gartenfreuden 2 Gartenfreuden 3

Paprika und Paradeiser. Die fette, schwarze Erde, die Sonnenglut, die wilden Regengüsse. Die Essenz des Sommers. Was liegt da also näher als die Erzeugung von Letscho? Letscho/Lecsó ist ein ursprünglich ungarisches Gericht, das in schier unendlichen Varianten im Internet zu finden ist – mit edelsüßem Paprika, mit Thymian, mit Sauerrahm, mit Fleisch, mit Wurst, mit mitgekochtem Reis… Ich halte mich an das Rezept meiner Mum (ich habe Letscho schon als Kind geliebt!) und gehe sehr puristisch wie folgt vor:

Vier Zwiebeln werden geschält, geviertelt und dann in nicht zu kleine Stücke geschnitten. In einem Topf erhitzt man ca. 2 EL Olivenöl und schwitzt darin die Zwiebeln an, dann reduziert man die Hitze, sodaß sie sanft schmurgeln. Währenddessen schneidet man die Paprikas (ca. 500 g) je nach Vorliebe in Streifen oder ca. daumennagelgroße Rauten und gibt sie nach und nach in den Topf. Ebenso verfährt man danach mit den Paradeisern (auch ca. 500 g). An Gewürzen braucht die ganze Geschichte bloß Salz. Wenn man mag (so wie ich), gibt man noch zwei kleingehackte/gepreßte Knoblauchzehen und ein bißchen Tomatenmark dazu, bevor man den Deckel auf den Topf legt und das Gemüse ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde sanft seiner Vollendung entgegenköcheln läßt. Dazu reicht man im Idealfall Fladenbrot vom Türken ums Eck.

Empfohlener Soundtrack: Macy Gray/The Id. Legt man die CD kurz vor dem Zwiebelschälen ein, ist das Letscho perfekt, wenn der letzte Akkord von “Forgiveness” verklungen ist.

[diese wunderbaren Bilder werden per Klick hübsch groß und können durchaus auch als Desktop-Hintergrund verwendet werden.]

Als Antithese zur Molekularküche – Münchner Pickelsteine

Gut, so eine richtige Hitzewelle hat es heuer bisher nicht gegeben, aber hätte denn eine solche stattgefunden, wäre es seit diesem Wochenende mit dem Sommer vorbei; die aktuelle Temperatur beträgt in der Innenstadt so ca. 14 Grad, und man ist versucht, einzuheizen. Stattdessen kann man aber, wenn man Zeit und Muße hat (und bei mir war nachmittags zufällig beides vorrätig), ein kontemplatives Eintopfkochen veranstalten, an dessen Ende ein sauleckeres (und nach der Fünf-Elemente-Kochdings der Chinesen ganz sicher wärmendes) Gericht steht, das ich unter dem Namen Münchner Pickelsteine von meiner Besten Mutter Von Allen lernen durfte, als ich noch kaum groß genug war, um über den Topfrand zu lugen.

dieZutaten:

ca. 600 g mageres Rindfleisch (zB. Wadschinken; im Zweifelsfall zu “Gulaschfleisch” greifen)
ca. 1 kg Erdäpfel
4 große Karotten
1 Kohlrabi
2 Lauchstangen

2 EL (Oliven-) Öl
6 Knoblauchzehen (aus Mutterns Garten)
1 Glas Kapern
die Schale einer (möglichst ungespritzen) Zitrone
2 TL Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Ein paar Spritzer Essig
Wasser zum Aufgießen
ev. Suppenwürfel, falls geschmackliches Schummeln notwendig sein sollte.

dieZutaten
das alles muß in diesen Topf.

So geht’s:

Am Anfang steht ja immer die bange Frage: “Wird sich auch dieses Mal das alles in meinem Topf ausgehen?”, und während man Berechnungen anstellt oder Wetten mit sich selbst abschließt, wie das Match Topf vs. Lebensmittel heute enden wird, kann man ganz gemütlich das Gemüse schälen…

Gemüse, nackert

… und sodann in kleine Würfel schneiden, wobei man die Karotten und den Lauch in ein extra Gefäß gibt (aus Gründen, die später erläutert werden). Zuletzt wird das Rindfleisch ebenfalls zu nicht zu großen Würfeln verarbeitet, die Zitronenschale in feinen Streifen abgehobelt und geschnitten und der Knoblauch gehackt (oder durch die Presse gejagt, ich bin da überhaupt nicht streng).

Stilleben mit Fleisch

Das stellt man sich dann alles in Reichweite und holt den guten Topf aus dem Schrank. Und einen Kochlöffel.

derTopf
der packt das!

Und jetzt kann der Kampf beginnen! Wir erhitzen 2 EL Öl und braten, wenn es raucht, die Rindfleischwürfel bei großer Hitze gut an. Ist das Fleisch schon schön angegart, kommen Knoblauch und Salz ins Spiel. Und immer schön engagiert rühren, bitte. Stammleser kennen das ja. Zu diesem Zeitpunkt sollte sich schon Flüssigkeit gebildet haben, falls nicht, ist an dieser Stelle mit Wasser und ein paar Spritzern Essig nachzuhelfen, schließlich lassen wir ja nichts anbrennen, nä? Wir lassen nun Kapern und Zitronenschale zum schmorenden Fleisch hüpfen und freuen uns über das prächtige Aroma, das uns direkt ins Stammhirn fetzt und dort wunderliche Dinge tut… Ja, und jetzt sind Kartoffeln und Kohlrabi dran – ab damit in den Topf, umrühren, Wasser dazu, und zwar so, daß alles schön bedeckt ist. Deckel zu. Und bei kleiner Hitze schmurgelig-kochig schmoren lassen. Nach einer halben Stunde kommen die Karotten dazu, bei dieser Gelegenheit kann man gleich schon einmal testen, ob der Geschmack soweit paßt und eventuell ein bißchen aufgießen und/oder nachwürzen; dann kommt aber wieder der Deckel auf den Topf, und das Köcheln geht in die nächste Runde. Ungefähr 20 Minuten vor dem geplanten Serviertermin geht es dann gnadenlos dem Lauch an den Kragen (der verkocht sich sehr rasch – wer ihn beim Essen noch sehen will, gibt ihn erst zehn Minuten vor Ende zum Rest), und dann heißt es nur mehr auf’s Essen warten. Wobei man in der Zwischenzeit zum Beispiel abwaschen und die Küche aufräumen kann, wenn man dieJulia ist.

Das Endergebnis kann es optisch zwar in keinster Weise mit dem – durch die Symbiose von Kapern, Zitronenschale und Essig unglaublich genialen – Geschmack aufnehmen, wird hier aber dennoch gezeigt:

Münchner Pickelsteine

Mahlzeit!

Empfohlener Soundtrack: Joachim Deutschland/Ein wenig Anarchie

[Alle Bilder werden durch Klick groß. Sie sind, Kollege e!genart hat es einst unübertrefflich formuliert, ein Geschenk an das Internet, und dürfen bei Gefallen für jedweden Zweck verwendet werden.