Seit gestern ist es also soweit: ich entsafte.
Äpfel, Orangen, Karotten, Kiwis, Trauben, Ananas, Melonen, Sellerie – nichts, was der edelgestählte Schnuckel nicht anstandslos zu wohlschmeckendem Flüssigkraftstoff verarbeiten würde, daß es nur so trestert.
Und weil ich beileibe keine Verächterin des subtilen Unterhaltungswerts von Bedienungsanleitungen, Gebrauchsanweisungen und Beipackzetteln bin, habe ich das schmale Heftchen zur Hand genommen und gründlich studiert, bin nun aber auf der Suche nach Erkenntnisgewinn in drei Punkten:
1) Die Nähe von Wasser stellt eine Gefahr dar, auch wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Das macht mich nachdenklich, ist doch dieser herrliche Planet, auf dem wir alle wohnen, bekanntlich zu 70 Prozent von Wasser bedeckt. Wußte der Verfasser der Bedienungsanleitung mehr als die Wissenschaft? Sitzt er in einer trockenen Klause im sandigen Akakus und sieht von dort aus sorgenvoll die nasse Apokalypse heraufdämmern? Wie definiert sich “Nähe”? Darf ich, so relativ nah an der Donau lebend, überhaupt noch frohen Mutes sein, ob mit oder ohne Entsafter? Wird es Regen geben? Wieviel Wasser enthält eigentlich so ein Glas frischgepreßter Fruchtsaft?
2) Berühren Sie keine sich bewegenden Teile des Gerätes und warten Sie, bis das Gerät zum Stillstand gekommen ist. Nun ja. Daß man während des Betriebes nicht in den Einfüllstutzen greifen soll, wenn man nicht gerade die totale religiöse Ekstase durch schmerzinduzierte Trance herbeizuführen gedenkt, versteht sich eigentlich von selbst; schwieriger wird es allerdings mit dem Warten, bis das Gerät zum Stillstand gekommen ist. Dieser Entsafter stellt sich in der Bedienungsanleitung nach und nach als echtes Mysterium dar. Wie es scheint, muß man ihn erst in die Wüste tragen und dann warten, bis er seinen Freudentanz über die gebannte Wassergefahr abgeschlossen hat und zum Stillstand gekommen ist, ehe man überhaupt erst ans Entsaften denken darf. So viel Zeit habe ich nicht! Und überhaupt, woher soll ich in der Wüste Äpfel, Orangen, Karotten, Kiwis, Trauben, Ananas, Melonen und Sellerie nehmen? Der Entsafter, die paradoxe Weltmaschine.
3) Entsaften Sie mit diesem Gerät nur Nahrungsmittel. Ich überlasse es an dieser Stelle der geschätzten Leserschaft, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und denke währenddessen über Nahrungstabus und den Stein der Weisen nach.
Der Entsafter steht auf dem Tisch und schaut geheimnisvoll.
Der Wasserhahn tropft.
Ich warte.
