All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are
endowed with reason and conscience and should act towards one another in a
spirit of brotherhood. (Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 beschlossenen Fassung)
Ich muß da mal was loswerden.
Ich bin kein Gutmensch, das möcht ich einleitend betonen. Ich kann, wenn ich in Fahrt bin, fluchen und verbal um mich schlagen, das würden Sie nicht glauben. Wenn mir jemand blöd kommt oder jemandem, den ich mag, werde ich rasch zur Furie und sehr giftig. Aber, und das liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an meiner Erziehung, ich habe ein paar Werte, für die ich einstehe. Mein Wertesystem hat eigentlich einen ganz banalen Kern, und der lautet, so simpel, daß es schon fast weh tut: Leben und leben lassen.
Was ich auf den Tod nicht ausstehen kann und wo ich die Wände hochgehe ist, wenn Leute andere Leute heruntermachen. Sich verächtlich über Leute äußern, die anders sind als sie selbst, in der Minderheit, schwächer, einen – in ihren Augen minderen - Lebensstil verfolgend.
Und das fängt nicht erst an, wenn einer dem anderen den Schädel einschlägt, weil der seiner Meinung nach die falsche Weltanschauung hat; das fängt im kleinen an – exakt dann, wenn Leute glauben, anderen Leuten vorschreiben zu können, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ich habe etwas gegen Leute, die sich einbilden, was besseres zu sein als andere, weil die die falsche Musik hören, die falschen Filme sehen oder die falschen Klamotten tragen. Ich habe etwas gegen das Hinhauen auf Raucher, Dicke, Unsportliche, Junkies, Obdachlose, Ausländer, Prolos, Schlagerfans und Briefmarkensammler undsoweiterundsofort.
Wissen Sie, was mich so aufregt? Das ist dieser latente Sozialdarwinismus (vielleicht ein zu starker Ausdruck, aber der beste, der mir einfällt), der wie eine stinkende Wolke über unserer kleinen Welt liegt. Überall selbsternannte Eliten, die sich einbilden, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, cool, weltoffen und verdammt schlau zu sein und sich mit einem Selbstverständnis, bei dem mir nichts mehr einfällt, über andere stellen, die nicht in ihr kleinkariertes Weltbild passen. Wißt ihr was, ihr armseligen Gehirnamputierten da draußen: kauft euch eine Insel, baut euch eine große Mauer und ergeht euch in ewigen Tiraden gegen die Andersdenkenden und Andersartigen und badet euch in eurer Exklusivität – ihr werdet im Paradies sein. Und der Rest der Menschheit auch.
Die Welt ist ein reicher, runder Planet, auf dem jeder seine Daseinsberechtigung hat. Die Raucher, die Dicken, die Unsportlichen, die Obdachlosen, die Ausländer, die Prolos, die Schlagerfans und die Briefmarkensammler. Kein Mensch hat einem anderen Menschen vorzuschreiben, wie er zu leben hat. Kein Mensch hat das Recht, verächtlich auf etwas hinzuhauen, was er nicht versteht oder nicht selbst erlebt hat. Kein Mensch hat das Recht, einem anderen vorzuschreiben, wie er zu sein hat.
Ich weiß, daß das alles ganz schrecklich naiv klingt und den Mief von Sozialromantik mit sich bringt, und ich weiß außerdem, daß ich meinen eigenen Gedankengang ad absurdum führe, wenn ich mich in einem Atemzug über Business-Schlämpchen und ihre Verehrer, Bobos, kalte Sozialdarwinisten, Indie-Faschisten, Gesundheitsfanatiker, Missionare und elitäre Arschlöcher aufrege und gleichzeitig leben und leben lassen postuliere. Egal. Mich kotzt sie nur einfach an, diese Arroganz, diese Überheblichkeit, mit der manche Zeitgenossen der Welt begegnen, als hätten sie sie persönlich erfunden und als würde sie ihnen persönlich gehören.
Ich glaube an die Kartenspieler
Und an meinen Vorstadtkinderinstinkt
Mehr als an die Regeln der Vorstandsvorsitzenden
Nachsitzender, der ich in der Schule war.
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Ein bißchen Toleranz täte uns allen gut, kann ich abschließend nur sagen.
Und jetz is wirklich gut.
[siehe auch… und so.]