… ich könnte es so machen wie ursula in hundert jahre einsamkeit, als die schlaflosigkeit macondo heimsucht und sie mit der herstellung von… was war das noch einmal? marzipantierchen? … egal, sagen wir einfach, mit der herstellung von marzipantierchen beginnt. wirklich. ich könnte mein backrohr reparieren lassen und köstlichkeiten backen, in der nacht, weil ich ohnehin nicht schlafen kann. das geht jetzt seit ein paar wochen so. ich bin müde. tagsüber bin ich manchmal so müde, daß ich auf der stelle einschlafen könnte, ich habe vor lauter müdigkeit tiefe augenringe und ein verschwollenes, bleiches käsegesicht, aber nachts, wenn ich mich ausstrecke und das licht ausschalte, kommt mit der dunkelheit die angst. bilder im kopf, immer haben die mit krankenhäusern und blaulichtern zu tun und mit telefonen, die klingeln, mit schlechten nachrichten und mit einem unbeschreiblichen grauen, das um mich herumschleicht. mein nachbar schläft auch nicht, nachts. wenn ich irgendwann um halb vier das letzte mal aufs klo gehe, sehe ich seine hellerleuchtete wohnung gegenüber, und das tröstet mich. und wenn ich dreieinhalb, vier stunden später aufstehe, gerädert und mit brennenden, tränenden augen, gerade zu dem zeitpunkt, an dem echte erholung einsetzen würde, bin ich manchmal ein bißchen neidisch, weil seine vorhänge zugezogen sind und er sich offenbar im gegensatz zu mir am vormittag ausschlafen kann. ich bin so scheiß müde. ich könnte mein backrohr reparieren lassen und köstlichkeiten backen, in der nacht, oder wieder einmal hundert jahre einsamkeit lesen, bücher schreiben, mir einen nachtjob suchen und tagsüber schlafen, urlaub machen, irgendwo hinfahren, wo ich noch nicht war und wo mich die schlaflosigkeit nicht findet, und dann schlafen, schlafen, schlafen …
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Es ist das eine, als vollkommener Fremder einmal jährlich in meine Privatsphäre einzudringen, mit schweren Schuhen in meine Wohnung zu latschen und Dreck zu machen.
Es ist das andere, das für den Zeitraum zwischen 7 und 9 Uhr anzukündigen und um 8:29h noch nicht einmal im Haus zu sein.
Ich bin somit völlig unnötig um 6:30h aufgestanden und darf jetzt auf den Menschen, dessen Beruf gesucht wird, warten. Wird er kommen? Wann wird er kommen? Wird er rechtzeitig kommen? Wird er mich auch finden? Fragen, lieber Leser, geschätzte Leserin, über Fragen. So ein spannender Morgen! Daß ich in Gedanken meine Zähne spitze und davon träume, ihm die Augen auszukratzen, ist klar. Oder?
Also das war so. Zuerst konnte ich nicht schlafen, weil ich einen Hexenschuß hab und sich einfach keine bequeme Liegeposition finden ließ.
Also las ich mit herzlichem Vergnügen ein wenig in Midas Dekkers’ Das Gnu und du herum (”Der anrührendste Anblick, den ich kenne, ist der Gesichtsausdruck einer Katze, die gerade beim Scheißen ist”), fand anschließend eine halbwegs erträgliche Seitenposition, in der ich nur ein leichtes Stechen im Nacken verspürte und schickte mich an, einzuschlafen.
Was sich ca. folgendermaßen abspielte: Ich sollte das Album umsortieren. Die Leute wollen die Fotos nicht in chronologischer Reihenfolge sehen, sondern die Brüller zuerst. Du hast nur eine Chance, sie zu kriegen: die erste Seite … irgendwie hab ich Durst. Wasserglas in der Küche vergessen. Mist. … ich muß morgen unbedingt Klopapier kaufen. Und Kaffeefilter. … Man sollte schlechten Geschmack flächendeckend verbieten, besonders nachts. Was muß der Idiot in der Nachbarwohnung eigentlich ausgerechnet jetzt Folklore unklarer Provenienz hören? … Irgendwie hab ich Hunger. Waren da nicht noch diese Kekse, die der Liebste dagelassen hat? Haha, Scherz. Ich mag keine Kekse. Und außerdem war heute Elmex-Gel-Tag. Ein Hoch auf die Remineralisierung der Zähne! Oh. Toll. Jetzt muß ich aufs Klo. Na, eh praktisch. Kann ich gleich das Wasser mitnehmen.
Also Klo. Wieder zurück in die Bettstatt, einigermaßen nackenschonende Haltung eingenommen. Siehe voriger Absatz. Kurz nach Drei: zum letzten Mal aufs Klo gegangen und auf die Uhr geschaut.
Kurz vor Vier: Ich wache, aufgescheucht von einem bösen Alptraum, an den ich mich nicht erinnern kann, auf und bin der Überzeugung, daß ein Monster im Zimmer ist, das offenbar zuvor den Nachbarn mit der Folklore erledigt hat. Es ist still. Unnatürlich still. Verkrampft harre ich unter der Bettdecke und warte auf verdächtige Geräusche, die Monster beim Aufenthalt in kleinen Stadtwohnungen zu machen pflegen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, worauf ich eigentlich achten soll. Der Adrenalinspiegel sinkt, und ich stelle fest, daß ich aufs Klo muß und mein scheiß Nacken wirklich höllisch wehtut. Irgendwann wird mir das zu blöd, und ich beschließe - Monster hin oder her -, pinkeln zu gehen. Kein Monster. Das Licht lasse ich trotzdem aufgeschaltet. … Liegeposition finden. Boah, die Vögel! So klein und soviel Krach machen.
Halb Fünf. Komm schon, Mädchen. Du hast dreieinhalb Stunden. Mach was draus. Aber das Monster…? Klappe jetzt.
Entschädigt werde ich dann in Form einer Reise nach New York, wo ich in einem riesigen Buchgeschäft Heroines von Bettina Rheims um vier Euro neunzig (!) kaufe und dazu ein afrikanisch anmutendes Hemdblusenkleid aus herrlich anschmiegsamem und wunderschön gewirktem Stoff erhalte, das ich auch gleich anziehe. Außerdem komponiere ich eine unglaublich geniale Nummer, schaffe es aber leider nicht, aufzuwachen und sie in das Diktiergerät zu singen. Schade, denn ich wäre berühmt geworden, glaube ich. Als ich mich gemeinsam mit Freunden, die ich in dem sauteuren Hotel, in das ich eingeladen wurde, getroffen habe, anschicke, die köstlichste Pasta meines Lebens zu verspeisen, läutet irgendwo ein Telefon… meins.
Das Buch mußte ich leider im Hotel lassen.
Aufmerksamen Betrachtern wird es nicht entgangen sein, daß ich mein Blog seit heute mit zwei wunderbaren Buttons aus der Produktion des äußerst geschätzten Rationalstürmers geschmückt habe. Und das nicht ohne Grund. Denn wenn ich auch im Prinzip ein sehr friedfertiger Mensch bin, gibt es doch die einen oder anderen Momente, in denen ich mich äxteschwingend und zähnebleckend zum virtuellen Mord und Totschlag aufmachen möchte.
Jetzt sollten Sie wissen, daß ich auch nicht im entferntesten etwas gegen die derzeit im Netz recht präsenten Bauchweg-Aktionen habe. Es ist Frühling, die Badehosensaison steht vor der Tür, alle Arten von Frauen- und pilzgleich aus dem Medienboden schießenden Wellness-Magazinen sind saisonal bedingt voll davon: Klar, daß so mancher Bloggershausener auf diesen Zug aufspringt und - teils umfassend bebildert - sein Abspecken thematisiert bzw. dokumentiert. Gut so, sag ich mir da. Denn wenn jemandem was an seinem Leben nicht paßt, führt nun einmal kein Weg daran vorbei, die gewünschte Veränderung tatsächlich und aktiv einzuleiten, anstatt zu jammern. Und was wäre für manche Charaktere auch besser geeignet als ein Web-Tagebuch, um sich in den das Vorhaben förderlichen Wettbewerb mit anderen Abnehmwilligen zu begeben und sich von der Community kommentartechnisch mit Erfahrungen und Durchhalteparolen versorgen zu lassen. Und nein, das war nicht zynisch gemeint.
Ich verrate - kleiner Exkurs - an dieser Stelle außerdem, daß mein Leben seit einiger Zeit in ziemlich gesundheitsförderlichen Bahnen verläuft; eine Einstellung, in der ich durch ein paar Geschehnisse in meiner jüngeren Vergangenheit nur bestätigt wurde. Wie ich das genau anstelle, geht allerdings niemanden was an, das ist - ausnahmsweise - reine Privatsache beziehungsweise inhaltlich hier völlig fehl am Platze und daher obsolet. Exkurs Ende.
Was mich allerdings wirklich aufregt sind so Leute, die sich in ungeahnter Selbstgefälligkeit zu Verbalinjurien übelster Art gegen “die Dicken”, “die Raucher” etc. aufschwingen und sich gar entblöden, sich für ihre eigene Lebensart auch noch auf die Schulter zu klopfen, weil sie das Gesundheitssystem entlasten, während die Dicken am besten weggesperrt oder unter Burka-ähnlichen Umhängen versteckt gehören, um - im Falle von Menschen in der Öffentlichkeit - den Kindern vorm TV den krankmachenden Anblick zu ersparen (die Verlinkung erspar ich mir an dieser Stelle auch. Und die Gegenfrage, was Kinder denn eigentlich vorm Fernseher verloren haben, ebenfalls).
Solche Sager, selbst wenn ironisch hingerotzt, stinken. Und zwar ganz übel. Und deshalb, ihr geifernden Körperkultblogger, die ihr euch um die Volksgesundheit sorgt und wohl am liebsten hättet, daß in den Krankenhäusern der EU nur mehr schlanke Nichtraucher aufgenommen werden und man die anderen Kostenfaktoren im Falle von selbstverschuldeten Erkrankungen am besten gleich verrecken läßt: zieht euch von mir aus eine Leni Riefenstahl-DVD rein, während ihr auf irgendeiner Maschine eure geschmeidigen Muskelgruppen durchtrainiert und euch einen Diät-Drink genehmigt. Erfreut euch an euren idealen Körpermaßen, ergeht euch stundenlang in ausführlichen Selbsthuldigungen, stellt euch mit dem Maßband vor den Spiegel und singt halleluja, diskutiert mit gleichgesinnten, schönen und gesunden Körpern die nächste Gesundheitsreform und freut euch eures glorreichen und langen Lebens.
Ich bin euch nichts neidig, wenn ich das nächste Mal Mutterns köstlichen Schweinsbraten (Schopf, schön durchzogen) mit Semmelknödel und Salat zelebriere, und zwar ohne danach drei Tage zu fasten, oder ein Gedicht von einer gefüllten Kalbsbrust, oder Ente mit Rotkraut (ein Gesamtkunstwerk, das man in all seinen wundervollen Facetten zu huldigen nachgerade gezwungen ist!), oder ein Geselchtes mit Griesknödel und Sauerkraut, die fleischgewordene Attacke gegen jeden EU-Gesundheitsminister. Ich bin euch weder um eure tüchtig gestählten irdischen Hüllen noch um eure verquere Lebenseinstellung, die scheinbar nur aus Berechnungen, was wie viele Joule hat und welcher Mensch dem System wieviel kostet, besteht, neidig. Es stünde euch, liebe Körperkultblogger, gut, euch einmal mit einem ganz fundamental wichtigen Begriff auseinanderzusetzen, und der lautet: Toleranz. Auch Nichtraucher müssen sterben, hat Torberg einmal ein Buch betitelt, und das kann man jetzt fortführen und sagen: Auch Menschen mit BMI <20, in euren Augen sicherlich ohnehin schon lebensbedrohlich adipös, müssen sterben. Klar, ihr seid furchtbar klasse und liegt total im Trend, weil Restriktionen und hysterisch-apokalyptische Schnattereien darüber, wie der volkswirtschaftlich wertvolle Bürger sein Leben zu gestalten hat, das Must der Dekade sind. Aber vielleicht überlegt ihr euch einmal, wenn zwischen der Körperertüchtigung noch Platz bleibt, daß dieses Gekeife genau eins ist: menschenverachtend. Jeder soll so leben, wie er es für richtig hält, und basta. Und fanatische Missionierungsattacken wie eure sind sowas von für die, ja, genau, Würscht‘, daß es auf keine Kuhhaut geht.
Und falls ich jetzt zu böse war, verweise ich auf den Titel. Und der heißt nun einmal Grimm&Groll, oder: wie ich zum ProtestEsser wurde. Mahlzeit.
Ziemlich viele Menschen, macht man so ab und zu die Erfahrung, sind rohe Leute ohne jedes Benehmen, ohne jede Höflichkeit und ohne jeden Feinsinn. Bloß weil man selber freundlich ist, viel lächelt und lacht, hilfsbereit und zuvorkommend ist und sein Leben weitgehend so gestaltet, daß man anderen dabei nicht auf die Zehen steigt, heißt das noch lang nicht, daß man ein Stück Dreck ist - oder ein Übermensch, der nie ein Dankeschön oder ein Schulterklopfen braucht.
Dieses Wochenende hatte drei plakative Beispiele ein und desselben Phänomens für mich auf Lager.
Situation eins: ich geh auf ein (übrigens sehr geiles) Konzert und werde im Anschluß daran von einem der Musiker angesprochen:
M (ungeduldig): “Wieso hast du nicht fotografiert heute?”
dJ (schlecht gelaunt): “Hat mich keiner gefragt!”
M: “Na und? Du mußt global denken!”
dJ: … (denkt so bei sich: aha, und beim letzten Mal hat keiner das Maul aufgekriegt und Muh oder Mäh oder Danke oder was auch immer gesagt.) “Was heißt denn das, global denken?”
M: “Naja, einfach kommen und Fotos machen!”
dJ (in scharfem Tonfall): “Wieso sollte ich? Zu meiner Belustigung? Außerdem war eh einer da mit einer Kamera.”
M: “Ja, vielleicht - aber deine Bilder waren viel besser letztens.”
dJ (sauer) “…” (dreht sich weg und beschließt, diese Ignorantenpartie künftig zu meiden).
Situation zwei: Sonntag, Vormittag, Sonne scheint, Vögel zwitschern wie in einem extra kitschigen Film, eine gern gemochte Verwandte winkt mir. Ich marschiere barfuß und mit ehrlich erfreutem Lächeln auf sie zu. Sie grüßt freundlich und macht dann unvermittelt eine blöde Bemerkung über meine Statur (die sich seit Jahren nicht geändert hat). Mein Gesichtsausdruck verrutscht, dann starre ich sie an, bemerke in sarkastischem Ton: “schönes Wetter heute, nicht?”, drehe mich um und gehe. Und beschließe in aller Würde, ihr beim nächsten Mal nur mehr aus der Ferne zuzuwinken. Wenn überhaupt.
Situation drei: Die Autobahn. Ich bin wirklich der letzte Mensch, der sich zu Verallgemeinerungen hinreißen läßt, weil die in meinem kleinen Weltbild die Vorstufe zu Chauvinismus und noch weitaus schlimmerem sind und ich sie aus diesem Grund strikt ablehne.
Fakt ist aber, und ich beobachte das seit Bestehen meiner Führerscheinprüfung vor rund 13 Jahren und grob geschätzten 200.000 unfallfrei zurückgelegten Straßenkilometern nun doch schon eine Weile, daß die Lenker bestimmter Fahrzeugmarken, will sagen signifikant, dazu tendieren, auf den in ihren Augen wahrscheinlich nicht existenzberechtigten Rest der Verkehrsteilnehmer zu, entschuldigen Sie den Kraftausdruck, scheißen.
Ich bin, was meine Fahrweise betrifft, sicher keine Schnecke, aber ich habe, da ich mich zu den sogenannten Kleinverdienern in diesem hübschen, kleinen Land zähle, zynisch formuliert nun einmal leider nicht die Kohle, mir Radarstrafen leisten zu können. Deshalb fahre ich auf österreichischen Autobahnen zwischen 143 und 150 km/h. Ist gleich ca. 130. Mit viel Abstand. Und bei Geschwindigkeitsbeschränkungen, wie zum Beispiel im Bereich von Autobahnkreuzen oder in Baustellenabschnitten, eben soviel erlaubt ist. Plus 10 Prozent Toleranzzuschlag. Also 110 beim Knoten Linz und 88/66 auf der Baustelle. Ich habe mit dieser Spießerphilosophie in 13 motorisierten Jahren noch nicht eine Strafe bekommen und dabei immer zügig mein jeweiliges Ziel erreicht.
Mit dieser gesetzeskonformen und auf Sicherheit bedachten Fahrweise bist du in Österreich allerdings einigen anderen ein Dorn im Auge. Speziell viele Leute mit ihren (geleasten?) Potenzverstärkern BMWs, Audis, Mercedes, Alfas und gern auch Golfs und Mazdas nötigen dich auch dann, wenn du links mit ca. 150 in der Überholkolonne fährst, und, sobald du dich, ein wütendes “deppertes Arschloch” auf den Lippen, rechts hinter den dahinzuckelnden LKW einreihst, deinen Vordermann von vorhin. Diesen übermotorisierten Hirnpygmäen wünsche ich aus ganzem Herzen und kollektiv Zahnwurzelkaries, komplizierte Wurzelspitzenresektionen bei wirkungsloser Betäubung und eingewachsene Zehennägel. Beziehungsweise Strafausmaß für Drängeln in der Kolonne: mindestens drei Bruttomonatsgehälter. Oder, noch schlimmer, lebenslangen Führerscheinentzug. Ihr letztrangigen, minderbemittelten Vollpfosten. Verpißt euch zum Beispiel nach Deutschland, wenn ihr Schnellfahren spielen wollt, oder nehmt den Flieger, wenn ihr es eilig habt. Oder fahrt früher los. Aber gefährdet mit eurer unsäglichen Fahrweise nicht anderer Leute Leben. Und vor allem nicht meins. Ich hänge nämlich dran. Weiteres schönes Beispiel für lebensbedrohende Dummheit auf unseren Straßen: die Dumpfbacken, die die Bedeutung der sinnstiftenden Einrichtung namens “Beschleunigungsstreifen” nicht verstanden haben. Fahren langsam und vorsichtig bis zu dessen Ende, bleiben stehen, als wär da eine Stopptafel und biegen dann gemütlich und ohne zu schauen auf die - auch als rechte Fahrspur bekannte - Fahrbahn ab, um die mit ca. 130 Sachen nachkommenden Lenker zu wilden Brems- und Lenradverreißmanövern zu zwingen. Auch diesen Kollegen sollte man schnellstens die Fahrerlaubnis entziehen. In Zügen der ÖBB können sie vermutlich weitaus geringfügigeren Schaden anrichten, wenn sie in ihrer verschlafenen Art abrupt aus dem Abteil kommen und mit einem flott gehenden Menschen auf dem Gang kollidieren.
Ach ja, und viertens hat mir dann noch irgendein netter Mensch mein abonniertes profil vom Fußabstreifer geklaut, auf dessen entspannende Abendlektüre ich mich schon stundenlang gefreut habe. Haben Sie viel Freude damit. Ich wünsche Ihnen für die kommenden beiden Wochen eine nette bakterielle Bindehautentzündung. Beidseitig. Sie Arsch.
Mein Fazit für den Moment: auf diesem Planeten dominieren (Vorsicht, Verallgemeinerung im Affekt im Anmarsch!) die Rücksichtslosen, die Unhöflichen und die Nichtdenker. Kleine Ego-Arschlöchlein, wo du hinschaust. Manchmal geht selbst mir der gefühlte Großteil der Menschheit dermaßen auf den Keks, daß ich richtig umfassend sauer werde. Und hätte ich mich heute nicht beim eigenhändigen Reifenwechseln abreagiert (Popvatern durfte nicht interagieren. Nur jeweils die Schlußkontrolle vornehmen.), ich könnte mir glatt vorstellen, heute noch was kaputtzuschlagen. Allerdings halte ich es in dieser Stimmung für angebrachter, ein bißchen Post zu erledigen… ach ja, genau, die Kirchenbeitragsterroristen wollen ja Kohle von mir.. jau, genau das richtige für diesen Abend… harhar.
Selten, aber wirklich ganz selten, überkommt mich diese unheilige Gier, in meinem eigenen Leben herumzustochern. Ich bin keine Grüblerin, schon lange nicht mehr, das hab ich mir irgendwann in meinen Mittzwanzigern weniger abgewöhnt als verboten, als mich die Erkenntnis streifte, daß ich mich - gepeitscht und gepeinigt von dunklen Gedanken, die perverserweise noch dazu meine eigenen waren - doch immer nur in einem blöden Hamsterrad abquälte, um mich an Kinderkram abzuarbeiten. Für nichts. Da machte ich dann das Fenster auf und ließ die Sonne herein und jede Menge frische Luft. Das Leben, beschloß ich ganz willentlich und so eiskalt, wie ich es mir selbst nie zugetraut hätte, ist gut. Oder, wie ich von irgendeinem Aureliano (oder war’s ein Arcadio?) aufschnappte, in den hundert Jahren Einsamkeit dieser Panikzeit, aus dem Weg, Kühe, das Leben ist kurz. Lebensweisheit absolut auf den Punkt gebracht. Es war der mit den Hahnenkämpfen, glaube ich.
Aber manchmal geht in den Sumpfzonen des Hirns etwas um, etwas Böses, etwas Boshaftes, etwas Kaltes, etwas, das so alt ist wie mein Bewußtsein. Und überall, wo es meinen Verstand streift, kriegt es augenblicklich hungrige Junge, die sich in erschreckender Geschwindigkeit zu Lemuren auswachsen, die mit langen, begehrlichen Fingern an der Ratio kratzen, gut verwahrte Ängste wachkitzeln und neue Ängste zeugen, düstere, kleine, schlaue Götter, die ins Zentrum meiner Existenz wollen, das Bollwerk meines Optimismus überwinden, die Armee meiner Lebensfreude infiltrieren und mein Leben in Schutt und Asche legen.
Es sind Nächte wie diese, in denen ich der ältesten meiner privaten Ängste zu unterliegen drohe. Blindheit. Ich kann nicht sehen, wohin - und vor allem wie - es gehen soll. Ich fühle mich ohnmächtig, bei vollem Bewußtsein, ich fühle mich in die Enge getrieben und von bedrohlichen Elementen eingekreist, der Verstand geschwächt von Frust und Druck, das Selbstbewußtsein geschrumpft auf etwas, das aufrecht unterm Teppich gehen kann.
Es ist ein Meer der Ideenlosigkeit, und es herrscht Flaute. Die bläßlich-fette Verzweiflung sitzt mit an Bord und macht das Boot noch schwerer als nötig.
Bis ich mich, das schlaffe Segel und den unerwünschten Gast verfluchend, auf eine alte Idee besinne. Rudern. Ich muß rudern! Meine Vigilanz kommt auf die Beine. Es beginnt zu rechnen in meinem Hirn, überschlagsmäßig, es könnte sich, es kann sich, es muß sich ausgehen. Weil ich human bin, biete ich der Verzweiflung einen Schwimmreifen an, der nicht mir gehört. Verschwinde hier. Pack dich, Pack.
Ich werde rudern. Wenn nötig, bis ans Ende der Welt.
Geht mir aus dem Weg, Hindernisse. Sonst niete ich euch um. Euch alle. Und ich meine es ernst. Ernster als alles andere zuvor. Alles geht, alles kann, alles darf. Das hier muß.
c r e d o.
Ich glaube.
Und ich kann somit Berge versetzen. Mit ein bißchen zusätzlichem Rudern darf das kein Problem sein. Darf es nicht. Kann es nicht. Credo, quia absurdum. Meinethalben. Ich glaube. Das allein zählt.
Anything goes.
Oh ja.
“Amokläufer schrieb morbide Texte mit Gewaltphantasien.”
“Die Hinweise, wonach es vor der Bluttat vom Montag viele Warnsignale gab, mehren sich: Der aus Südkorea stammende Amokschütze an der Universität in Blacksburg hat nach Aussagen von Studienkollegen und einer Dozentin Theaterstücke geschrieben in denen seine Gewaltphantasien offenbar wurden”.
Klar. Groteske Texte sagen natürlich viel über die tatsächliche Gewaltbereitschaft eines Menschen aus. Ich lasse mich dann am besten vorsorglich einsperren, fürs Zeit totschlagen zum Beispiel. Gemeinsam mit ein paar Herrschaften von meiner Blogroll…
Ich habe ein Mobiltelefon, das mir die sagenhafte Möglichkeit bietet, fünf Weckzeiten zu programmieren - was ich gestern eingedenk der Tatsache, daß ich heute um spätestens acht aufstehen mußte, auch tat. 7:37h, 7:47h, 7:57h, 8:07h (Publikums-Joker), 8:17h (akademisches Viertel-Joker). Lautstärke: pervers. Stellen Sie sich vor, Sie stünden neben einer Kreissäge, auf der gerade jemand versucht, ein Stahlrohr zu durchsägen. (Ganz zufrieden bin ich mit dem Vergleich noch nicht, aber für eine ungefähre Vorstellung dürfte es reichen.)
So.
Heute, 7:50h: Mein offizieller Wecker, ein Radiowecker aus dem Jahre Schnee, erstanden um ca. 50 Schilling (heute ca. €3,60) beim damaligen Mondo (heute: Penny), bricht in sein in letzter Zeit dissonant verhalten-weinerliches Piepen aus, das am ehesten noch dem kaum hörbaren Winseln einer glück- und kraftlosen extraterrestrischen Kreatur gleicht, die gerade mit dem Zeh gegen ein Stuhlbein gelaufen ist. Gottlob ist mir das Schicksal heute gnädig gestimmt, und so erwache ich davon, was aber lang nicht Usus ist. An vier von fünf Wochentagen läßt mich das verhuschte Aliengejaule nämlich vollkommen kalt, vor allem wenn ich - so wie gestern - viel zu spät schlafen gehe (weil ich mich doch nicht entschließen kann, den Rechner herunterzufahren und noch einmal alle offenen Tabs aktualisiere. Suchthaufen, ich!)
Zudem schnurrt mich mein Telefon an, das ich neben das Bett gelegt habe. Weckruf vom Liebsten.
Allein das Mobiltelefon schweigt hartnäckig. Weder um 7:57h, noch um 8:07h und, wer hätte es gedacht, auch nicht um 8:17h kann es sich zu irgendeinem Geräusch aufraffen.
Und wissen Sie was?
Als ich das (eingeschaltete!) Gerät aufklappte, mich im Menü zu den Weckern klickte und die Schuld noch bei mir suchte (man kann jeden einzelnen Weckruf aktivieren bzw. deaktivieren), konnte ich feststellen, daß ALLE FÜNF brav auf aktiviert standen. Signaltyp: laut.
Es ist mir nicht zum ersten Mal passiert. Aber diesmal hab ich es auf frischer Tat ertappt. Beim Nichtwecken.
Übrigens: ich habe ein Motorola. Dieses schlanke, schwarze, das man dauernd putzen muß. Noch. Könnte ja sein, daß es mir demnächst im Affekt ins Klo fällt oder sowas.
Ernstgemeinte Frage an potentielle Kenner der Materie: gibt es da vielleicht irgendein Software-Update, das das Problem löst?
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Immer wieder dieselbe Scheiße.
Ich sehe es nicht ein. Wieder und wieder und wieder und wieder dieselbe Scheiße. Ich hab schön langsam echt die Schnauze voll.
Aber sowas von!
ABER SOWAS VON!
Is schon wieder gut. :)
