- und insbesondere meine ich damit dieser Tage Massive Attacks Heligoland und Peter Gabriels scratch my back. In beide kann ich eintauchen wie in ein gutes Buch oder einen guten Film, beide habe ich in den letzten Wochen abwechselnd wieder und wieder gehört, beide machen mir, und zwar tatsächlich körperlich, Gänsehaut.
Und sie gehören für mich irgendwie zusammen, ich vermutete, weil sie dank Amazon in kurzem Zeitabstand in meinem CD-Player gelandet sind und ich dieser Tage die lustvolle Qual der Wahl habe – die eine oder die andere, oder die eine nach der anderen. Und daß ich vermutete schrieb, hat einen Grund – denn es gibt tatsächlich eine reale Ebene, auf der sie sich treffen.
Als ich mir YouTube sei dank das Original von “Mirrorball” (scratch my back) anhöre, kommt mir die Stimme des Sängers so merkwürdig vertraut vor, und ich grüble und grüble – aber es ist nichts, das ich kenne. Oder doch? Aber klar! Er singt ja schließlich das unheimlich eindringliche Flat of the Blade (Heligoland).
Und so schließt sich der Kreis schließlich wundersamer Weise bei Elbow, einer Band, von der ich sträflicherweise bis dato nicht wußte, daß sie existiert.
Und wenn es Ihnen genauso geht und Sie diesen Zustand ändern möchten (und oh, Sie sollten!), versuchen Sie es doch mit dem ungemein seelenvollen “One Day Like This”…
Huch!
Da bloggt man einmal ein paar Tage nix, und dann ist schon wieder ein ganzer Monat vorbeigeflutscht! Gottseidank habe ich aber wenigstens aufmerksame Verwandte, die mich beim Lebensmitteldealer meines Vertrauens an der Wurschtsemmerltheke auf diesen natürlich voll nicht tragbaren Zustand hinweisen! Also gut, dann bleibe ich nach meiner letzten Geschichte mit dem Schaf auch gleich tierisch und weise Sie, verehrenswerte Leserschaft, auf ein – mir scheint, recht neues – Musikstück von Thomas Gansch und Georg Breinschmid mit dem wirklich bewundernswerten Titel “I pee a hedgehog with long-lasting waves” hin, das Sie absolut definitiv dringend sehen müssen. Wirklich!
[*auf Deutsch: ich pinkle einen Igel mit Dauerwellen]
[via Gutfreund und Foto-Graf Wolf-Dieter Grabner, der übrigens gerade auf derstandard.at mit einem Interview über HDR zu lesen ist.]
Weil dieser groovige, hookige, rollende, wunderbare Song (“die naerrin”) kein Geheimtip bleiben darf. Und überhaupt. Hinklicken, anhören, tanzen und staunen, was für großartige Musik Leute in diesem kleinen Land so hervorbringen!
Über die Beatles ist, wie über die Liebe, schon alles gesagt worden. Aber nicht von allen!
SaBine Brezina (“Die Mutter der Fab4″ – SaBine Brezina über SaBine Brezina), Nadja Milfait, Peter Marnul und Wilfried Modlik (allesamt Herrschaften, die mit und für so illustre Namen wie Wolfgang Ambros, Jose Carreras, Udo Jürgens, The Dubliners, Rainhard Fendrich, VSOP, Drahdiwaberl, Liederlich Spielleut, Vereinigte Bühnen, Hans Theessink, Luthricia Mc Neal, Schmetterlinge, Alexander Göbel, Chris de Burgh, Andy Baum auf der Bühne standen) betreiben als The Fools On The Hill mit Gesang, Cello, Geige, Gitarre, Mandola (!), Ukulele und Akkordeon die etwas andere Grundlagenforschung über die fabulösen Vier von der Insel, die mit ihren Songs nichts geringeres als die Welt veränderten.
Damen und Herren, drehen Sie die Lautsprecher auf, lehnen Sie sich zurück und sehen Sie jetzt eine anmutig-leidenschaftliche Cholerikstudie über das Gelbe Unterseeboot called Love:
Es wird langsam wieder Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, welche Musikalienveröffentlichungen im ausklingenden Jahr besonderer Erwähnung bedürfen, welche Tonträger uns am meisten beeindruckt haben. Dabei wollen wir aber auch nicht die Veröffentlichungen ausschließen, die vielleicht schon etwas älter sind, aber erst jetzt oder aber erneut die Trommelfelle erfreut haben.
2008 war nicht gerade das fetteste CD-Erstehungs-Jahr in meiner Vita, aber um ein paar Neuveröffentlichungen bin ich dann doch nicht herumgekommen. YouTube und myspace sei dank auch nicht um ein paar Entdeckungen, die darüber hinaus das Herz erwärmen und den Popo in Schwingungen versetzen, hier aber den Rahmen sprengen würden. Meine Nennungen erfolgen unter besonderer Berücksichtigung der österreichischen Kleinode dieses Jahres.
Als erstes muß man da THE SLOW CLUB – house of sleep nennen. Schon der Vorgänger (This is the Slow Club), Hansi Langs Interpretationen von Standards aus dem Great American Songbook, wunderschön arrangiert von Thomas Rabitsch und zart elektrisiert von Sofa Surfer Wolfgang Schlögl, zählt zu meinen absoluten alltime Lieblingsplatten. Auf house of sleep ist dieses Dream Team wieder zusammengekommen, um dieses Mal ausschließlich Eigenkompositionen zu vertonen. Hansi Lang, der im August 2008 im Studio einen Schlaganfall erlitt, an dem er kurze Zeit später verstarb, hat eine große Lücke hinterlassen. Und mit diesem Album, an dem er mit Schlögl und Rabitsch zwei Jahre gearbeitet hat, ein Juwel von einem Abschiedsgeschenk.
Probehören: das versponnen-melancholische The Talk of The Sun
Und wo wir gerade bei Thomas Rabitsch sind – der hat tief in die forensische Trickkiste gegriffen und eine atemberaubende Rekonstruktion eines Konzerts von Falco mit 80-Mann-Orchester aus dem Jahr 1994 vorgelegt: Falco – Symphonic erschien zwar pünktlich zum zehnten Todestag des Falken, hat aber mit Leichenfledderei nicht im geringsten zu tun. Ein gutgelaunter Falco, eine großartige Band (mit dem international äußerst erfolgreichen Österreichexport Thomas Lang am Schlagzeug), Falcos Musik definitiv gerecht werdende Arrangements (Dirigent Raoul Herget): ein bondesker, bombastischer Augen- (DVD) und Ohrenschmaus (CD).
Probehören: Nachtflug/Rock me Amadeus als YouTube-Direktlink
Österreicher, Teil 3: Madita, die zarte Schöne mit der eindringlichen Stimme, die mich schon 2002 auf „Gran Riserva“ von DZihan & Kamien aufhorchen ließ und 2005 mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum meine Ohren im stillen Sturm eroberte, meldete sich 2008 mit “too” zurück, das auf eine Art fröhlicher ausgefallen ist als ihr Erstlingswerk. Besonders angetan haben es mir die Bigband-Nummern (Bläserarrangements: niemand geringerer als Heinrich von Kalnein), zum Beispiel das durchgeknallt-laszive “You”, das unmittelbar an die wunderbare MM erinnert; das ungemein seelenvolle “Karma” bringt mich direkt zum Schmelzen, und wer beim versponnen-jazzigen “fragile” nicht Wange an Wange mit seinem Lieblingsmenschen ganz langsam barfuß in den Sonnenaufgang tanzen will, dem ist bei Gott nicht zu helfen. www.madita.com
Was haben Madita, Tyler und Hubert von Goisern gemeinsam? Antwort: Alex Pohn, Drums. Was mich nämlich ohne Umschweife auf HvGs neuestes Album bringt: S’Nix. Ein fröhlich-urtümliches Kompendium des umtriebigen Goiserers (der einst bei meinem Vater Trompetenunterricht nahm) – nach mehreren Jahren der ruhigeren Gangart rauh, rockig, laut, schräg, quasi ein bißchen so “Hubert und wie er das Alpenland sah”. Interessant dabei die Riege der etablierten Voll(blut)profis, die er da angeheuert hat: neben Alex Pohn sorgen David Lackner, Severin Trogbacher und Helmut Schartlmüller für ein äußerst solides musikalisches Rückgrat. Auch wenn “S’Nix” nicht meine definitive HvG-Lieblingsplatte werden wird (die hat er im Jahr 2000 mit der kaum zu übertreffenden “fön” herausgebracht), zählt sie zu den erwähnenswerten Neuerscheinungen des Jahres 2008, nämlich schon allein für “Rotz & Wasser”, eine auch für Nichtfußballauskenner wie mich total umwerfende und witzige Hommage an Heribert Meisels Radioreportage des Fußball-WM-Viertelfinalspiels Österreich gegen die Schweiz (1954), oder für “Siagst as”, bei dem in Zeitlupe zwei Welten (Hubert von Goisern und Xavier Naidoo) kollidieren. Hubert von Goisern
Österreich, Teil 5: Der phantastische Hot Pants Road Club, derzeit unterwegs mit dem “Grand Funk Orchestra” (16 Mann hoch!), hat mich als langjährigen Fan bereits 2007 mit “saint here” wieder einmal aus den Socken gehauen; 2008 wurde dieses Album als Doppel-CD saint here & remixed – das Original und Remixes davon (Albin Janoska, MAdoppelT, i-wolf und viele mehr) – erneut herausgebracht.
Freunde von Groove und Funk sehen und hören sich bitteschön auf http://www.myspace.com/hotpantsroadclub um.
Weiters schwer beeindruckt haben mich dieses Jahr
Beady Belle, eine meiner absoluten Lieblingsbands, mit “Belvedere” (darauf zu hören: die deklarierten Beady Belle-Fans India Arie und Jamie Cullum!), auf der ein überraschender Richtungswechsel vom perfekt austarierten, schmerzhaft schönen Elektro-Jazz hin zu vergleichsweise leichtfüßig bluesig-lässigen Folk-Klängen zu vernehmen ist. http://www.myspace.com/beadymusic
The Roots: Rising Down (YouTube ist voll mit den Roots. Selber suchen!)
und
eine meiner vergleichsweise neu entdeckten Lieblingsbands härterer Gangart aus Deutschland, Blackmail, mit tempo tempo, das zwar nicht ganz an meinen Favoriten “Friend or Foe” heranreicht, sich aber bei jedem Mal Hören tiefer ins Stammhirn gräbt. http://www.blackmail.de/
Das ganze noch einmal in chronologischer Reihenfolge:
Falco – Symphonic (DVD), Sony BMG, 1. Februar 2008.
Madita – too, gran depot/Couch Records, 28. März 2008.
blackmail – tempo tempo, City Slang/Universal, 28. März 2008.
Beady Belle – Belvedere, Emarcy Rec (Universal), 25. April 2008.
The Roots – Rising Down, Def Jam/Universal, 25. April 2008.
Hubert von Goisern – s’Nix, lawine/Sony BMG, 23. Mai 2008.
Hot Pants Road Club – saint here & remixed, fm music/Hoanzl, 24. Oktober 2008.
The Slow Club – house of sleep, serious entertainment, 7. November 2008.
Ich mag ja Opern nicht so wirklich.
Zu knödelig, zu pompös, zu aufgedonnert, zu viel zur gleichen Zeit. “Lecker”, sagt der Mann höflich zum Lammfleisch, “aber will nicht”. Opernmäßig geht’s mir da ganz ähnlich.
Aber manchmal (selten) überkommt mich dann doch so ein bißchen der Interessensdrang, und dann grabe ich mich ahnungslos und unbedarft durch YouTube.
Zum Beispiel heute. Einfach “Casta Diva”, wohl eine der fettesten Rosinen im Klassikkuchen, ins Suchfeld eingegeben und mich durch die Diven und Damen des Genres kopfgehörert. Die Callas… hm. Die Netrebko… uha. Barbara Frittoli… erstaunlich schön für meine Ohren. Eliane Coelho… durchaus wunderbar. Cecilia Bartoli… ein Eizerl zu nasal. Die perfekte Version wird es wohl nicht geben, denke ich. Und dann klicke ich auf Anita Cerquetti, nie ihren Namen gehört, und es reißt mir so unmittelbar das Herz aus dem Leib, daß mir das Wasser in die Augen schießt.
Nichts knödelt, schrillt, flattert, jault oder überschlägt sich da. Anita Cerquettis Stimme ist unerhört rein, hell und frisch, fast metallisch, aber nicht kalt, sondern seelenvoll, magisch und unendlich musikalisch. Sie leuchtet. Würden klassische Stimmen so klingen, ich wäre der größte Opern-Fan…
Die Karriere der 1931 geborenen Italienerin, kann man auf der englischsprachigen Wikipedia nachlesen, war kurz; sie zog sich nach vergleichsweise wenigen Jahren schon mit 30 vollkommen von der Bühne zurück, manche Quellen nennen gesundheitliche Probleme als Grund für diesen viel zu frühen Abgang (mehr Informationen auf http://cerquetti.saint-sever.org/). Leider gibt es von Anita Cerquetti auch nur zwei offizielle Tonträger. “Anita Cerquetti (Grandi Voci)”, Decca, wird auf Amazon derzeit um entmutigende EUR 462,25- feilgeboten. Das eine lagernde Stück halt.
Egal. Es gibt ja YouTube.
Hier die angesprochene Version von “Casta Diva”. Cerquetti wurde, soweit ich das (so ohne näheren Zusammenhang) verstanden habe, 1996 als alte Dame dabei gefilmt, wie sie mit ihrer Aufnahme aus dem Jahr 1956 konfrontiert wird (im Kopfhörer ist zu hören, daß sie mitsingt). Der – ich nehme einmal an – Macher dieses Films, der anfangs kurz spricht, erklärt, daß er 30 Jahre auf der Suche nach ihr war, nachdem er die Aufnahme als Kind gehört hat.
Aber eigentlich ist das alles völlig egal.
Hören und fühlen Sie selbst:
Ein paar Klavierakkorde in Moll, der leise, seltsam verschleppte Gesang einer Frau, der mehr und mehr an Dunkelheit, Macht und Eindringlichkeit gewinnt, Furor, Pathos und das unheimliche Stampfen einer Maschinenfabrik, ein düsterer Traum, der einen irgendwie verstört zurückläßt. Und süchtig macht: “The Sun” heißt der Song, und er stammt von Anja Plaschg alias SOAP&SKIN, einer jungen und schwerst talentierten Künstlerin aus Österreich, deren Namen man sich schon jetzt merken sollte – ihr Debutalbum soll im Frühjahr 2009 erscheinen, und wie man lesen kann, hat man auch im Ausland “die Story vom Wunderkind und ‘nächsten großen Ding’ schon antizipiert” (Walter Gröbchen in “profil”).
Vom Hundertsten ins Tausendste ist es ja manchmal nur ein Katzensprung, und wenn man so vor sich hin gugelt, um zum Beispiel zu sehen, was zum Beispiel aus Bandkollegen von früher geworden ist, von denen man schon lange nichts gehört hat, passiert es manchmal, daß einem richtige Schätze ins Netz gehen. Wie zum Beispiel das – Damen und Herren, ich sage es nicht nur so dahin: sensationelle! – Video von The Billy Rubin Trio*
Queens Of The Stone Age, arrangiert für smoothen Jazzgesang, Piano, Schlagwerk und Bass. Akustisch und optisch ein Hochgenuß. Schau’n Sie sich das an!