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Antwortstunde

Was Sie vielleicht immer schon über dieJulia wissen wollten, sich aber nie (bzw. bis vor kurzem nicht) zu fragen trauten - am Montag gab’s die Fragestunde, hier sind nun die Antworten.

Hast Du Piercings im Intimbereich? Wenn ja, welche?
Es ist ein bißchen - auf der anderen Seite aber auch wieder überhaupt nicht - überraschend, daß es gleich am Anfang so unverblümt unter die Gürtellinie ging, aber bitteschön: Nein - ich habe überhaupt keine Piercings. Der Idee des Tätowierenlassens kann ich viel abgewinnen (und ich habe mir sehnlichst gewünscht, daß man mir zum Dreißiger ein Tattoo schenkt, allerdings vermutlich nicht wild genug mit dem Zaunpfahl gewedelt), aber Piercen ist mir zu brutal irgendwie und sieht für meinen Geschmack dann doch auch zu hart aus. Ausnahme: ein kleines Schmucksteinchen im Nasenflügel. Hätte ich nicht so das leise Gefühl, daß mein Körper sich dagegen zur Wehr setzt, würde ich sowas glatt tragen wollen.

hatten sie mal ein wirklich schreckliches date? wie schlimm wars?
Ich glaube, ich hatte in meinem Leben mehrere sehr schräge Dates, aber das war ja nicht die Frage… schlimm waren nur die, bei denen ich mich nachgerade tödlich langweilte und aus Höflichkeit eine halbe Stunde oder so hinter mich brachte, ehe ich mich freundlich verabschiedete und nie wieder abhob, wenn das Date in der Folge anrief. Ich habe aus diesem Grund sogar schon einmal die Telefonnummer gewechselt.

was ist in derJulias leben romantisch bzw. was war ihr romantischster augenblick?
In meinem Leben gibt es ziemlich viel Romantik, denke ich. Zettelbotschaften mit Liebeserklärungen, Überraschungslieferungen (Sandwiches, ein Körbchen Kirschen,…) ins Büro, kleine und große Aufmerksamkeiten, und ja: Blumen. Der romantischste Augenblick… hm. Einer der romantischsten Augenblicke meines Lebens fand am Flughafen statt, als ich nach Monaten der Sehnsucht meiner großen Liebe zum ersten Mal in die Arme fiel.

wenn sie einen tag tun könnten was sie wollen ohne irgendwelche konsequenzen fürchten zu müssen: was würden sie anstellen?
Zunächst einmal ohne Wecker ausschlafen und unentschuldigt nicht zur Arbeit kommen. Dann würde ich ein paar sehr höfliche Banküberfälle machen und mich bei allen Obdachlosen, denen ich keinen Augustin abgekauft habe, entschuldigen, indem ich ihnen eine kleine Entschädigung in Form eines größeren Geldbetrages überreiche. In der Folge würde ich mir einen Hummer, äh, ausborgen, damit eine Spritztour unternehmen und währenddessen (bis zur Stadgrenze) ohne Freisprecheinrichtung ein paar Leute anrufen, um ihnen zu sagen, was ich von ihnen halte. Auf der Autobahn würde ich mich keinen Deut um Geschwindigkeitsbeschränkungen scheren und auf wahnsinniger Lautstärke Muse hören. Absolution vermutlich. Abends ginge ich dann nackt in der Alten Donau schwimmen, und bevor der Tag vorbei wäre, würde ich noch durch die Parks der Stadt ziehen und mir einen riesigen Blumenstrauß pflücken.

was denken sie als erstes und letztes am tag?
Mein letzter Gedanke vorm Einschlafen ist meistens so das klare Bewußtsein, am richtigen Platz zu sein, verbunden mit einem ausgeprägten Wohlgefühl. Mein erster Gedanke beim Aufwachen hängt oft noch am gerade geträumten Traum, kann sich aber auch schon in Richtung der geplanten Aktivitäten des jeweiligen Tages drehen.

ich hatte bisher irgendwie den eindruck sie sind so ganz und gar nicht tussihaft: sind sies doch - ein bisschen?
Das ist eine schwierige Frage, weil Tussihaftigkeit am Ende ja eine Frage der Definition ist. Klassisch Tussihaftes hab ich wohl tatsächlich nichts an mir; dazu bin ich zu pragmatisch, ironisch und desinteressiert an Äußerlichkeiten - wiewohl echte Schönheit mich natürlich - verstärkt durch meine Leidenschaft zur Fotografie - sehr anspricht. Mich interessieren aber jedenfalls keine Frauenmagazine, Fetzchen, Schühchen oder Klünkerchen, und Leuten, die sich mit sowas ernsthaft befassen, unterstelle ich (wenn auch vielleicht zu Unrecht) Hohlköpfigkeit. Für Lokale mit Türsteher bzw. deren Klientel habe ich nichts außer Spott und Hohn übrig, Veranstaltungen, die “Abendgarderobe” vorschreiben, besuche ich aus Prinzip nicht, und das Gehabe der sich durch gekaufte Äußerlichkeiten sehr elitär fühlenden Bussi-Bussi-Menschen (billige Leute, die teuer ausschauen) erinnert mich an rotärschige Pavianrudel, mit denen ich nichts zu tun haben will.

sind sie gerade glücklich? warum?
Es ist nicht so, daß mir tagtäglich die Sonne aus dem Arsch scheint; die Tagesverfassung variiert ja, und sicher hat man bisweilen Kaputtschlaglaune oder kurzfristige Befindlichkeitsunebenheiten. Aber grundsätzlich bin ich glücklich, und zwar sehr. Jemand hat einmal geschrieben, daß es kein richtiges Leben im Falschen gibt, und ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn das Leben kratzt und zwickt wie ein zu kleiner Pullover, den man nicht ausziehen kann. Inzwischen ist es aber umgekehrt. Ich führe das richtige Leben im Richtigen. Und dessen bin ich mir sogar sehr bewußt.

ist ihnen ehrlichkeit wichtig? auch, wenn sie wissen, dass es ihnen ohne vieles wissen besser ginge?
Ehrlichkeit ist in den essentiellen Dingen das Wichtigste überhaupt. Klar weiß ich, daß kleine Lügen der soziale Kitt sind, klar sage ich nicht jedem ins Gesicht, was ich wirklich von ihm halte bzw. vermeide ich Ehrlichkeit dort, wo ich andere unnötig verletzen könnte, und klar erfinde ich manchmal sozial verträgliche Ausreden, wenn ich für etwas oder jemanden keine Zeit habe; ganz zu schweigen von Causen wie Verschlafen und zu spät ins Büro kommen. Aber in den Bereichen, in denen es an die Substanz geht, gerade in einer Partnerschaft, ist ohne Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit alles nichts.

Was zieht sich die Julia, wenn sie nach Hause kommt neben Jacke, Mantel, Schal und so zuerst aus? Schuhe, Strümpfe, BH? oder was?
My Home is my Castle, und in letzterem bin ich privat und auf Wohlfühlen programmiert. Deshalb reiß ich mir tatsächlich die Kleider vom Leib, sobald ich die Wohnungstür hinter mir zugemacht habe, und zieh mir erstmal Wohlfühl-T-Shirt und Wohlfühl-Schlabberhose an, um wieder Mensch zu sein; wenn’s eine Hitzewelle hat, bleib ich nackig. ;)

was machen sie gegen schlechte laune?
Wild herumfauchen, brüllelaut Lieblingsmusik hören und hoffen, daß sie mich auf andere Gedanken bringt (mit Albin Janoskas “Le Grand Baheux” geht das zum Beispiel fast immer), irgendwas Stupides tun (Wohnung aufräumen,…), wenn’s auf dem Weg zur Arbeit passiert, lege ich (natürlich beohrstöpselt) größere Strecken zu Fuß zurück.

was hat dieJulia zum bloggen gebracht?
2003, also relativ spät, wurde ich erstmals auf das Medium “Blog” aufmerksam, weil ein (durchaus etwas nerdig zu nennender) Freund bloggte. Da er sehr gewandt im Umgang mit der Sprache ist und voller schräger Ideen steckt, war ich schlagartig begeistert. Anfang 2004 schenkte mir ein bester guter Freund dann mein virtuelles Wohnzimmer mit eigener Domain und allem Drum und Dran, das ich seither mit großem Spaß an der Freud’ bewohne.

und wo hat die Julia ihren ersten kuß bekommen?
Mein erster Kuß war wohl so unspektakulär, daß ich ganz offengestanden vergessen habe, von wem, wann und wo ich ihn bekommen habe.

wohin läßt sich dieJulia am liebsten küssen?
Der Hals ist eine ganz speziell gute Gegend für Küsse. Und die Augenlider. Und natürlich die Lippen.

sind sie sie eher die romantische blümchensextante oder die wilde ungezügelte?
Beides, glaube ich. Ich mag ja auch nicht jeden Tag Schnitzel oder Kohlsuppe; manchmal muß es ein deftiger Braten sein, manchmal ein simples frisches Stück Brot mit Butter und Käse, manchmal was Süßes. Von meiner Neigung her bin ich ein neugieriges Tier und setze mir, was Genüsse betrifft, keine Grenzen, weil Sex und Essen ja zum Glück so unendlich varianten- wie facettenreich sind und ich an dem großartigen Buffet, das die Götter da aufgebaut haben, ganz sicher keine von anstandsdamenhafter Scham diktierte Zurückhaltung kenne.

laut oder leise?
Leise. Ich bemühe mich zumindest. ;)

sex oder seelenfrieden?
Ohne Sex kein Seelenfrieden. Ganz eindeutig.

wo würden sie ganz gern mal bepaart werden?
Der Phantasie sind ja wie gesagt keine Grenzen gesetzt… und da ich nun einmal keine libidinöse Trauerweide bin, komme ich an nicht wenigen Orten auf solche Gedanken. Ob das nun das klassische Kornfeld, der duftende Waldboden, der nächtliche Strand oder die einsame Berghütte ist - zu Schandtaten bin ich so gut wie immer bereit. Nur Zuschauer brauche ich keine.

und: wie war ihr erstes mal?
Verwirrend, aufwühlend, auf eine Art enttäuschend (”und das soll diese große Sache sein, auf die ich immer so neugierig war?”), stressig (es war für uns beide das erste Mal, ich hatte panische Angst, schwanger zu werden), ungeschickt, unentspannt, irgendwie auch unangenehm - eine denkbar kurze und komische Initiation. Ein Wunder eigentlich, daß ich’s nicht dabei bewenden ließ. Aber der Körper hat, glaub ich, seine eigene Intelligenz und wußte, daß das noch sehr, sehr interessant werden würde. ;)

Und jetzt die wirklich schwierige Frage ;) - Was sind Deine 3 Lieblingssongs?
Die in der Tat mit Abstand schwierigste Frage. Musik spielt in meinem Leben von Kindesbeinen an eine genauso wichtige Rolle wie Lesen, da ich das riesengroße Glück hatte, in einem Elternhaus aufzuwachsen, in dem beides an der Tagesordnung stand und auf eine Art und Weise gefördert wurde, daß ich in eine wohl lebenslange Musik- und Buchabhängigkeit geriet. Eine der ältesten Lieblingsnummern ist für mich daher neben verschiedenen Tearjerkern aus der Swing-Ära wahrscheinlich Gershwins “Summertime”, eine der genialsten Rocknummern “Baby Love” (Mother’s Finest) und einer der am meisten geliebten und bestaunten Songs neueren Datums “Big Balloon” von Beady Belle.

Was ist Ihre Lieblingsfarbe für oben herum? Jacke, Pullover, Bluse, T-Shirt etc.
Schwarz-wie-die-Nacht-Schwarz.

Wie häufig haben Sie Lust, sich Schuhe zu kaufen.
Eher selten. Weil ich weiß, wie lange es dauert, sie so einzulaufen, daß ich mich damit wohl fühle und nicht blute, wenn ich länger damit unterwegs bin. Aus diesem Grund greife ich auch vorwiegend auf meine geliebten Turnschuhe (aka Sneakers) zurück, die ich dann bis zum völligen Verschleiß trage.

Warum haben Sie den Herrn Ad genommen? :D (warum haben sie den herrn ad genommen, wenn der herr pulsiv doch viel besser ist? :P)
Warum fließt Wasser nach unten? Warum scheint die Sonne? Warum schnurren Katzen? Warum gibt es die Sterne? Warum lächeln wir? Warum weinen wir? Warum haben wir ein Bewußtsein? Was denkt uns? - Ich weiß es nicht. Ich kann nicht einmal sagen, daß es Liebe auf den ersten Blick war, weil wir uns ja noch nicht einmal von Angesicht zu Angesicht kennengelernt hatten, als wir uns ineinander verliebten, was vielleicht die verrückteste Geschichte in meinem ganzen Leben ist, aber es war tatsächlich so, daß ich wußte, “er ist es”. Es war ein Wissen, eine Antwort auf eine Frage, die ich nicht gestellt hatte, die wie eine unumstößliche Tatsache mehr in meinem Unterbewußtsein als in meinem Bewußtsein aufging wie eine Sonne; etwas, von dem ich felsenfest überzeugt bin und von dem ich gleichzeitig nicht überzeugt sein muß, weil es einfach in mir ist; wie die Kraft, die einen Fluß dazu bewegt, seinem Meer entgegenzustreben. Und so ist es bis heute. :)

was wären ihre worte, wenn man sie beim fremdgehen erwischen würde?
Die Sache ist die, daß Fremdgehen keine Option ist. Die Idee existiert für mich ganz einfach nicht, nicht, weil ich plötzlich zum keuschen Engel mutiert wäre, sondern weil mir jegliches Interesse an Fremd-Körpern fehlt. Man sagt, daß alles, was denkbar ist, machbar sei. Fremdgehen ist für mich nicht einmal denkbar.

Wenn Sie als Musikinstrument reinkarniert werden, was für welches wärn’s denn gern?
Ein Akkordeon in den Händen eines Meisters. Kein Instrument kann gleichzeitig so fremd, so daheim, so wild, so sanft, so komisch, so schön, so laut, so leise, so melancholisch, so erheiternd, so todtraurig und so furios lebenslustig klingen.

welche ihrer brüste ist die größere?
Nojo, die linke isses nicht, also wird’s wohl die rechte sein.

wenn sie sich eine übernatürliche fähigkeit aussuchen könnten… welche wäre es, und warum?
Fliegen, so wie ich in ganz, ganz seltenen Träumen fliegen kann. Weil das Glück, das ich dabei empfinde, überwältigend ist.

ist das flugfeld glatt oder gibts ne einflugschneise?
Die Terminologie irritiert mich zwar ein bißchen, aber ich glaube, mit “Einflugschneise” die richtige Antwort zu geben. :)

Nicht Fisch, nicht Fleisch

… es ist ein Twitter. (Siehe auch: Wie man beim Zeitverscheißen Zeit sparen kann.)

Wartet nur, Euch erwischt’s auch noch!

Mercy dispence

Als des Englischen noch weitestgehend unkundiges älteres Kind hörte ich öfter eine sehr bekannte Janis Joplin-Nummer im Radio und kam nach ausführlicher Fachlektüre, die damals aus einem im elterlichen Haushalt lagernden Fremdwörterlexikon mit angeschlossenem Englisch-Deutsch/Deutsch-Englisch-Teil bestand, zum Schluß, “Mercedes Benz” müsse eine Art Kirchenlied sein, in dem es sich um die flehentliche Bitte einer jungen Frau um eine “Gnaden-Dispens” (”mörseii dispens“) dreht.

“Oh Lord won’t you buy me a mercy dispence
My friends all drive porsches, I must make a man”
verstand ich damals.

“Klarer Fall”, folgerte ich, und war stolz auf meine interpretatorischen Qualitäten. “Das ist ein tragisches Liebeslied und Religionsunterrichtslehrbeispiel dafür, daß nicht sein kann, was nicht sein darf!” Weil daß eine Cousine ihren Cousin nicht heiraten darf, ohne vorher zum Papst oder Bischof (so sicher war ich mir da nicht) gepilgert zu sein, das wußte ich schon, und ohne jeden Zweifel ging es hier um eine unerlaubte Liebesheirat zwischen zwei durch ihre Konsanguinität benachteiligten Personen - und einen ausgeprägten Kinderwunsch. Anders konnte ich mir nämlich die Sache mit “meine Freunde fahren alle Porsche, ich möchte einen Mann machen” nicht erklären.

Daß es sich um ein katholisches Kirchenlied handeln müsse, erklärte sich mir auch aus dem Zusammenhang zwischen “Oh Lord won’t you buy me” und “a mercy dispence”. “Aha, Ablaßhandel auch noch”, dachte das von einer in ihrer Komplexität derart umwerfenden Geschichte in einer Pop-Nummer schwer irritierte Kind, und kratzte sich am Kopf. “Wenn sie ihren Cousin heiraten und ein Kind von ihm will, wieso fragt sie dann aber Gott, ob er ihr durch den Kauf einer, wie heißt das noch einmal gleich… Dispens die Heirat ermöglichen könnte? Wäre es nicht einfacher, selber zum Papst/Bischof zu fahren? Wendet sie sich klagend an den Lord, weil es eh aussichtslos ist, die katholischen Oberhäupter zu konsultieren? Aber wieso sollte Gott ihr eine Dispens kaufen? Könnte er die Heirat nicht einfach so erlauben, ohne den ganzen kirchlichen Papierkram?”

Diese ganzen Fragen, vermischt mit dem schummrigen Thema der Cousinenheirat und der noch viel schummrigeren Sache mit “I must make a man”, wälzte ich, bis ich irgendwann Jahre später beim sonntäglichen Mittagessen, als die Nummer im Radio kam, blitzartig kapierte, daß es sich bei “mercy dispence” um nichts anderes als einen Mercedes Benz handelt. Dann machte nämlich auch das “my friends all drive porsches” Sinn, das ich immer so in Richtung “ich will Mann und Kind, während meine dämlichen Freunde mit großen Autos protzen müssen” gedeutet hatte…

Völlig unwichtig

Der Lichtträger und Nessy erkundigten sich (der eine vor längerer, die andere vor kurzer Zeit) nach “unwichtigen Dingen/Gewohnheiten/Macken” von dJ, sechs an der Zahl. Nun denn. Weil es hier die Tage eh schon wieder ein bißchen flautös zugeht: Bitteschön.

[eins] Ich vertraue der reinigenden Kraft von handelsüblichen Geschirrspülern nur ungern (was ein Euphemismus ist, denn in Wahrheit gestehe ich ihnen allenfalls optische Effekte zu) und wasche daher meine Gläser und Tassen in der Firmenküche immer mit brühheißem Wasser aus, bevor ich sie benütze. In Restaurationsbetrieben bin ich dahingehend allerdings total entspannt. Sind ja auch Industriespüler, die da zugange sind. Und zu Hause spüle ich manuell.

[zwei] Ich mag es nicht, wenn mir fremde Menschen zu nahe kommen, wo genug Platz ist. Und es gibt sie, die Exemplare, die sich in einer fast leeren U-Bahn-Station nur einen knappen Meter von mir entfernt hinstellen, sodaß ich fauchend das Weite suche und mich unter anhaltendem Hervorschleudern tödlicher Blicke meinerseits in angemessenen drei Metern Abstand positioniere. Angesichts dieser Form des anscheinend in der Natur des Menschen liegenden Herden- und Fremdkuscheltriebes zweifle ich gelegentlich meine terrestrische Abstammung an. Und bin froh, daß ich kein Japaner geworden bin.

[drei] Ich hole meine Haustürschlüssel schon ca. 500 Meter vor meiner Wohnung aus der Tasche, obwohl mir die Sinnlosigkeit dieses Handelns völlig bewußt ist. Ich könnte ja ebenso gut direkt an der Haustür danach kramen, aber das käme mir vor wie Zeitverschwendung.

[vier] Ich bin eine leidenschaftliche und teilweise lautstarke Abmahnerin dummdreister Kraftfahrzeuglenker, die vor dem Zebrastreifen nicht anhalten, den ich mich gerade anschicke zu queren. Auch hier kommt das anhaltende Hervorschleudern tödlicher Blicke zur Anwendung; meist in Kombination mit hier nicht wiederzugebenden Flüchen eher derber Provenienz. “Schutzweg, du A****loch!” ist noch eine denkbar harmlose Variante, die mir da über die Lippen kommt.

[fünf] Ich bin praktizierende Immer- und Überall-Leserin. Während des Zähneputzens habe ich in den letzten Wochen zum Beispiel die nicht ganz dünnen Bücher “Pan Aroma” und “Middlesex” einfach so weggenascht. Man glaubt ja gar nicht, was man während langweiliger Verrichtungen an leckerem Lesestoff zu sich nehmen kann! Dafür habe ich mir aber das nächtliche Einschlaflesen im Bett abgewöhnt, weil es mich naturgemäß am Einschlafen hindert.

[sechs] Ich muß immer einen roten Gegenstand mit oder an mir tragen, sei es nun eine Tasche, Schuhe oder - ich bin ja ein praktisch denkender Mensch auch - mein Portemonnaie.

[Ad Stöckchen ist zu sagen: wer will, soll. Mein Wurfarm lahmt.]

Huch!

Ich - ich! - mutiere zur Spießerin.
Nicht nur, daß ich mir eine Jahreskarte für den Tiergarten Schönbrunn zugelegt habe, um den Sonntagsausflugsradius zu erweitern und die (angesichts solcher Inhalte vermutlich demnächst in Scharen davonlaufenden) Blogbesucher nebst ausführlichen Bilddokumentationen über den Botanischen Garten nun auch mit Tierfotos zu langweilen.
Es kommt noch schlimmer.
Neuerdings stelle ich mir mein eigenes Müsli im Internet zusammen und lasse es mir nach Hause schicken.
Gibt es Hoffnung?
… Daß ich die Antwort kenne, macht mir alles andere als Mut.

Neunundneunzig

wirklich wahre Wahrheiten über mich!

01. Ich wurde an einem Feiertag geboren.
02. Ich bin, obwohl ich jede Religion für potentiell gefährlichen Dummsinn halte und gerade dem Katholenflügel des Christentums tagtäglich heftigere Abneigung entgegenbringe, auf dem Papier immer noch römkath.
03. In Amtsdingen bin ich dermaßen schlampig, daß ich es bis heute nicht geschafft habe, die (bereitliegenden) Unterlagen an die zuständige Bezirkshauptmannschaft zu faxen, um mich offiziell vom Katholenverein loszusagen, derweil sich die Kirchensteuermahnungen häufen, die ich dann einmal im Jahr zähneknirschend und gallespuckend einzahle.
04. Ich habe in meinem Leben bei mindestens 9 teils durchaus nicht unerfolgreichen Bands gesungen (soviele fallen mir auf Anhieb ein), kann keine Noten lesen und kriegte in Musikerziehung ein “Befriedigend” (3), weil ich mich weigerte, die chromatische Tonleiter auswendig zu lernen.
05. Im Kindergarten ermordete ich aus Schreck den mitgebrachten Maikäfer eines anderen Kindergartenkindes, worauf die Schwestern mich für eine latente Sadistin hielten, dabei wollte ich ihn nur streicheln.
06. Mein Vater wurde wegen mir einmal in die Schule zitiert. Das war, als ich das “Befriedigend” in Musikerziehung bekam.
07. In der Volksschule habe ich mich zum ersten Mal so richtig heftig verliebt - er hieß Guido, und ich stellte mir immer vor, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden und mich von ihm verarzten zu lassen.
08. Ich bin süchtig nach Kaffee.
09. Es gibt eine nicht ganz unbekannte Band, die wegen mir so heißt. Ich hab da aber nie mitgesungen.
10. Ich kann mich im Traum oft an vergangene Träume erinnern.
11. Ich träume seit meiner Kindheit von abstürzenden Flugzeugen/Raumschiffen.
12. Ich halte nichts von Traumdeutung.
13. Ich war einmal Sängerin in einer Band, die heute Doppelplatin- und mehrfach Goldstatus hat.
14. Ich habe irgendwann so mit 25 wo mitgekifft. Es war der schrecklichste Abend meines Lebens, weil ich total paranoid wurde und mich nicht mehr aufs Klo traute, obwohl ich dringend mußte. Das war’s dann auch schon mit meinen Drogenerfahrungen.
15. Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich mit 13. Ich sang “Ich hätt getanzt heut Nacht” auf dem hiesigen Faschingsball.
16. Ich wollte immer Schauspielerin werden. Weil ich davon hörte, daß es nachgerade unmöglich sei, die Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt-Seminar zu schaffen, inskribierte ich - wie so viele - Theaterwissenschaften. Die beiden Semester haben mir die Freude am Theater nachhaltig vergällt.
17. Ich scheue “Infomationen” bzw. PR-Meldungen über das Privatleben von Künstlern wie der Teufel das Weihwasser, weil ich Angst davor habe, daß mir Musik, Filme oder Bücher nicht mehr gefallen, wenn sich der Urheber als dumm oder sonstwie daneben entpuppt. Mit Amy Winehouse ist es mir so ergangen.
18. Ich liebe die Bücher von Juli Zeh, und zwar abgöttisch, traue mich aber nicht, die Wiener Lesung zu besuchen, weil sie ja eine arrogante Zicke sein könnte.
19. Ich wollte einmal Kindergärtnerin werden, hatte aber irgendwo gehört, daß man an der Kindergärtnerinnenschule ein Instrument und Noten lesen können muß, deshalb ließ ich es bleiben.
20. Ich war während eines Schulschikurses in der Unterstufe einmal so unsterblich in einen Schüler aus der Parallelklasse verliebt, daß ich drei Tage am Stück weinte und jede Nahrungsaufnahme verweigerte, weil er nicht mit mir gehen wollte.
21. Ich war als Kind Ministrantin.
22. Ich war auch unsterblich verliebt in Captain Kirk und der festen Überzeugung, daß unser damaliger Bademeister aussah wie er.
23. Damals spielte ich öfters mit dem Gedanken, einen Badeunfall vorzutäuschen und mich von ihm retten zu lassen. Dazu kam es aber nie.
24. Ich war einmal ziemlich verliebt in den besten Freund meines damaligen Freundes, doch sagte ich ihm das erst Jahre später, wobei er mir gestand, daß es ihm ebenso ergangen war. Wir haben es aber dabei bewenden lassen, weil ich gerade einen Freund hatte. Später, als mit diesem Freund Schluß war, war er dann vergeben und so weiter, und so sind wir immer aneinander vorbeigerannt.
25. Als Kind habe ich immer gedacht, die Sternsinger würden extra wegen mir “Hallo Julia” singen.
26. Ich bin ziemlich geruchssensibel und empfinde 90 Prozent aller Kosmetika, Waschmittel etc. als stinkend, vor allem, wenn sie nach “roten Früchten” oder ähnlichem Unsinn riechen.
27. Am schlimmsten ist es mit sogenannten Lufterfrischern und WC-Steinen.
28. Was ich noch nie verstanden habe, ist, warum man Duschgels rot, gelb oder blau färbt.
29. Wer sich WC-Steine ins Klo hängt, gehört meiner Meinung nach mindestens entmündigt, besser aber geteert und gefedert.
30. Ich war als Kind jahrelang der Überzeugung, daß die kleinen blaßrosa Keime im Linsen- bzw. Bohneneintopf Würmer seien. Meine Cousine hat mir das damals eingeredet, und ein wenig hasse ich sie dafür.
31. Ich war schon einmal in Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.
32. Ich besitze kein einziges Paar Stöckelschuhe und habe nicht vor, an diesem Zustand was zu ändern.
33. Es gab eine Zeit, in der ich glaubte, Marla Glen sei ein Mann.
34. Ich war noch nie in den USA.
35. Menschen, die die Form über den Inhalt stellen, finde ich ausgesprochen lächerlich.
36. Ich hatte einmal einen echten Lachkrampf, und das war gar nicht so lustig, wie es sich anhört.
37. Als Kind habe ich nach einem einschlägigen Traum einmal geglaubt, ich könnte fliegen, bin auf dem Schulweg ein paar Nachmittage lang immer auf eine kleine Mauer geklettert, um mich in die Lüfte zu erheben, und war dann total frustriert, daß es mir nicht gelang. Nach ein paar Tagen gab ich auf.
38. Ich habe noch nie etwas gestohlen.
39. Ich habe mir noch keinen einzigen Knochen gebrochen.
40. Als ich mein erstes weißes Haar entdeckte, habe ich mich total gefreut.
41. Das einzige, was an meinem Körper nicht mehr dran ist, sind Mandeln, Weisheits- und Eckzähne.
42. Meine Jungfräulichkeit verlor ich an einem Sommernachmittag an einem Wasserfall.
43. Im Botanischen Garten gibt es eine uralte und dementsprechend riesige Schwarzpappel, deren Stamm ich jedesmal ein bißchen begrapsche, wenn ich dort bin.
44. Ich lese Bücher, die mir wirklich gut gefallen, mindestens zwei, meistens aber drei bis vier Mal. Mit ein- bis mehrjährigen Pausen dazwischen.
45. Ich weiß bis heute nicht, wie ich eigentlich bei der Rechnungswesen-Matura durchgekommen bin.
46. Ich liebe Krähen.
47. Ich hatte einmal eine Ratte namens Max.
48. Alkohol trank ich erst mit 24 halbwegs regelmäßig, mittlerweile trinke ich schon wieder gar keinen.
49. Ich sehe immer ein bißchen verschlafen bzw. verkatert aus, egal, ob ich es wirklich bin oder nicht.
50. Ich bin eine derartige Nachteule, daß ich es, wenn ich frei habe, problemlos schaffe, jeden Tag bis 5, 6 wach zu sein und bis 13, 14 Uhr zu schlafen. Das ist - im Winterhalbjahr - eigentlich sogar eher mein Normalzustand.
51. Ich habe als Schülerin/Studentin drei Sommer lang als Stubenmädchen in einem Kurheim gearbeitet und würde diesen Job jederzeit wieder machen. Erschreckend ist die Tatsache, daß ich damals umgerechnet beinahe gleich viel verdiente wie jetzt.
52. Ich wollte vor ein paar Jahren einmal Krankenschwester werden, fühlte mich mit knapp 30 aber zu alt für diesen Schritt.
53. Manchmal bin ich mir unsicher, wie alt ich gerade bin, und muß mir dann anhand meines Geburtsjahres mein Alter ausrechnen. Heuer zu Silvester glaubte ich zum Beispiel, ich würde 32 werden, tatsächlich werde ich 33.
54. Hubert von Goisern hat mir einmal sein Songbook (Standards-Texte und Noten) geborgt und war dann zu Recht ziemlich sauer, weil ich es unter der Hand selbst verliehen habe, und zwar an einen Typen, den er nicht ausstehen kann.
55. Ich habe mich einmal in einem Walisischen Moor verirrt.
56. Ich trage Schuhgröße 36.
57. Ich habe mich noch nie um einen Job beworben.
58. Ich bin davon überzeugt, daß ich einmal ein Buch schreibe, wenn die Zeit reif ist.
59. Ich habe weder Fernseher noch TV-Karte o.ä.
60. Als ich klein war, hat mir einmal ein Kamel einen Mantelknopf abgebissen.
61. Mein absolutes Lieblingssternbild ist der Orion.
62. Bei der Sonnenfinsternis ‘99 habe ich ein bißchen geheult.
63. Die Sache mit der Firmung ließ ich ebenso aus wie den obligatorischen Tanzkurs. Für mich fallen beide Dinge auch in dieselbe Kategorie.
64. Ich habe es früher total geliebt, auf Stelzen zu gehen.
65. Ich kann ziemlich gut kochen.
66. Die Entscheidung, nach dem Gymnasium an eine HBLA für Tourismusberufe zu wechseln und dort unter anderem die Ausbildung in Kochen und Servieren (mit Diplom, bitteschön) zu machen, beruhte im wesentlichen auf einem Werbespot, in dem locker-flockige Jungköche viel Spaß in der Küche hatten. Nach den Pflichtpraktika sah ich das mit dem Spaß allerdings nicht mehr so und studierte in der Folge Publizistik.
67. Ich wollte auch einmal Zahnarzthelferin werden.
68. Mein erstes Auto war ein weißer Ford Escort mit Heckspoiler (!) und aufgeklebten Rallye-Streifen. Er hatte einen manuellen Choke und ging wie Sau.
69. Ich war in meiner Jugendzeit Mitglied des örtlichen Kirchenchors.
70. Ich wurde auf einer Fähre von Tunis nach Genua einmal total seekrank, weil wir in einen Sturm kamen und man nicht aufs Deck durfte, wo ich die meiste Zeit der Hinfahrt unbeschadet überstanden hatte. Das waren die schlimmsten 24 Stunden meines Lebens, weil ich mich generell ernsthaft krank fühle, wenn ich kotzen muß, was gottseidank nur alle paar Jahre einmal vorkommt.
71. Meine beste Freundin und ich waren in Jugendtagen zur selben Zeit ziemlich heftig in denselben Burschen verliebt. Ich finde es heute noch beachtlich, wie wir unsere Freundschaft da unbeschadet drüber gerettet haben.
72. Ich bin einmal fast in Geographie durchgefallen, weil ich mich weigerte, die österreichischen Alpenpässe auswendig zu lernen.
73. Ich kann mehrere Gedichte auswendig, weil ich mir Gereimtes ziemlich gut merken kann.
74. Der französischen Sprache mit ihren Trrrs, Prrrrs und Frrrrs kann ich absolut nichts abgewinnen; in meinen Ohren klingt sie weder elegant noch erotisch, sondern einfach nur affig.
75. In der HBLA, wo wir von Montag bis Freitag ganztags und am Samstag halbtags unterrichtet wurden, war ich in den letzten Stunden meistens so müde, daß ich mit dem Kopf am Tisch einschlief.
76. Ich habe als Kind einem von mir nicht gemochten Nachbarskind einmal den blanken Hintern durchs Fenster gezeigt, als es mich zum Spielen abholen wollte.
77. Ich habe einen Halbbruder, den ich in meinem Leben nur dreimal (das letze Mal mit ca. 13) gesehen habe.
78. Ich habe schon jahrelang kein Bügeleisen mehr in Betrieb genommen. Aber es befindet sich eines in meinem Besitz.
79. Ich habe ein bißchen Höhenangst und ein bißchen Flugangst, das hindert mich aber nicht daran, über Hängebrücken zu gehen, von Dachterrassen zu gucken oder ein Flugzeug zu benützen.
80. Ich bin einmal mit neu gekauften Schuhen auf einen ziemlich hohen Berg gegangen. Das war, rückblickend gesehen, keine sonderlich kluge Aktion.
81. Als Kind fing ich Ringelnattern, weil ich sie so süß fand, und zeigte sie in der Nachbarschaft herum. Nicht immer mit dem gewünschten Erfolg.
82. Als ich noch klein war und die Meute, mit der ich immer spielte, einmal nicht derselben Auffassung über meine geplante Nachmittagsgestaltung war, gab ich den durchaus weisen Satz “die Minderheit fügt sich nicht, die Minderheit geht” von mir.
83. Meine Mama hatte einen Bildband von Hieronymus Bosch, der eine unbeschreibliche Faszination auf mich ausübte, und den ich wieder und wieder anschaute.
84. Es gibt nur zwei Musikrichtungen, die für mich absolut nicht gehen: Schlager und Punk.
85. Ich mag laute Leute nicht. Das bezieht sich aufs Herumschreien genauso wie auf übermotorisierte Vollkoffer oder Krach in der Nachbarwohnung.
86. Ich habe trotz mehrerer Gelegenheiten noch nie Hummer gegessen und würde das auch nicht tun.
87. Irgendein Silvester vor ein paar Jahren habe ich (im Rahmen eines Jobs) in einem waschechten Schweizer Grand Hotel verbracht. Das war sehr beeindruckend, vor allem, weil die Leute dort trotz meines definitiv nicht standesgemäßen Erscheinungsbildes (Jeans und Pullover) ausgesucht höflich und überhaupt nicht arrogant waren.
88. Ich hasse billige Leute, die teuer ausschauen, mit einer Inbrunst, die mir manchmal schon selbst unheimlich ist.
89. Manchmal rede ich wie ein Wasserfall.
90. Ich habe erst einmal in meinem Leben was gewonnen; es war ein Buch.
91. Ich kann täuschend echt miauen.
92. Ungerechtigkeit ist etwas, das ich überhaupt nicht aushalte.
93. Ich bereue es heute sehr, daß ich nach einiger Zeit Unterricht bei meinem Paps nie ernsthaft Klavierspielen lernte.
94. Ich würde gern einmal ein Stündchen mit Elliott Erwitt quatschen.
95. Ich war schon einmal im Fernsehen.
96. Ich habe einmal bei einer Erotik-Hotline angerufen, einfach, weil ich wissen wollte, wie das so ist. Allerdings legte ich bald wieder auf, weil mir schon im Vorfeld diese Geschichte mit “wählen Sie die 1 für heiße Girls oben ohne, wählen Sie die 2 für wilde Omas außer Rand und Band etc.” zu anstrengend war.
97. Am Telefon habe ich mich einmal mit “Pfarramt Bad Goisern” gemeldet, als der Pfarrer anrief.
98. Ich habe keine Lieblingsfarbe.
99. Ich habe bis gestern nichts von der Existenz Seiner Blogmagnifizienz Bandini gewußt, der mit der Sache hier angefangen hat; also zumindest hatte ich ihn noch nie angeklickt. Was ein Versäumnis war.

(via)

Gott segne den Rasenmäher!

Ich bin (was sich mit fortschreitendem Alter noch verstärkt) quasi die Brauchtumszicke per se, daher fiele es mir im Traum nicht ein, den 31. Dezember anders zu verbringen als, Hausnummer, den 18. März. Und wenn schon Neujahrs-Tamtam, dann hielte ich es sowieso eher mit Ray Bradbury*.

Deshalb wird im Palais Focky heute weder kampfgetrunken noch weinselig gerückblickt oder Walzer getanzt. Wir warten eigentlich bloß drauf, daß der nach Kriegslärm klingende (und riechende) Krach da draußen aufhört, um uns dann noch einen Film oder zwei anzuschauen.

*”Großvater lächelte im Schlaf.
Weil er das Lächeln fühlte und sich fragte, warum das so war, wachte er auf. Er lag still da und lauschte, und da war das Lächeln schon erklärt.
Denn er vernahm einen Klang, der weit wichtiger für ihn war als Vögel oder das Rascheln junger Blätter. Einmal im Jahr wachte er nämlich auf diese Weise auf, lag dann da und wartete auf das Geräusch, das bedeutete, daß der Sommer auch offiziell begonnen hatte. Und es fing immer an einem Morgen wie diesem damit an, daß einer der Kostgänger, ein Neffe, ein Cousin, ein Sohn oder ein Enkel unten auf den Rasen herauskam und sich in immer kleiner werdenden Vierecken nach Norden und Osten und Süden und Westen mit dem Geklapper rotierenden Metalls durch das süße Sommergras bewegte. Kleeblüten, die wenigen noch nicht abgeernteten Löwenzahnfeuer, Ameisen, Reisig, Kieselsteine, Überbleibsel von Knallfröschen und Feuerwerk vom letztjährigen Vierten Juli, vor allem aber frisches Grün, solch eine Fontäne sprang dann auf vor dem ratternden Mäher. Eine kühle, weiche Fontäne; Großvater malte sich aus, wie sie seine Beine kitzelte, sein warmes Gesicht übersprühte und seine Nasenlöcher füllte mit dem zeitlosen Duft einer frisch begonnenen neuen Jahreszeit und dem Versprechen, daß, ja, wir alle wieder zwölf Monate vor uns haben.
Gott segne den Rasenmäher, dachte er. Wer war wohl der Tor, der den Ersten Januar zum Neujahrstag gemacht hat? Nein, sie sollten einen Mann anstellen, der die Gräser auf einer Million Rasen in Illinois, Ohio und Iowa beobachtet, und an jenem Morgen dann, wenn sie lang genug zum Mähen wären, müßte anstelle der Rätschen und der Hörner und des Geschreis eine riesige, anschwellende Symphonie von Rasenmähern das frische Gras auf den Prärien ernten. Statt Konfetti und Luftschlangen müßten sich die Menschen dann gegenseitig mit gemähtem Gras bewerfen, an diesem einen Tag im Jahr, der wirklich für einen Neuen Anfang steht!”
[Ray Bradbury: Löwenzahnwein. Roman]

Fotosteckerl!

1.) Wieviele Fotos hast Du bereits geschossen?
Seit ich digital fotografiere (Sommer 2004), knapp 40.000.

2.) Das macht etwa pro Jahr…?
~10.000 und ein paar Zerquetschte.

3.) Was fotografierst Du am liebsten?
Schwer zu sagen. Oft: Unterwegs sein. Schauen. Sehen. Staunen. Auslösen. Auch gern: Sachen ausprobieren (Wassertropfen beim Landen, Langzeitbelichtungen, Makro-Versuche mit der “Ich halte meine Optik verkehrt ran”-Technik), Konzerte.

4.) Warum fotografierst Du?
Warum atme ich? :-)

5.) Welches war Deine erste Kamera?
Eine analoge Kompakte von Samsung, Geburtstagsgeschenk von Vatern.

6.) Mit was schießt Du gerade?
Canon EOS 300D, meistens plus EF 28-135mm f/3,5-5,6 IS USM, ganz selten EF-S 17-55 mm, viel zu selten: Lensbaby.

7.) Mit was würdest Du noch lieber schießen?
Canon 1D Mk III (im ernst, eine Mk II täte es auch. Hihi. Monsterschnuckel. Einfach grandios, wenn auch ein bißchen schwer, aber die Armmuskulatur soll ja auch was zu tun haben…)

8.) Was willst Du Dir als nächstes kaufen?
Budgetfrage. Wenn geht ein EF 50mm f/1.4 USM. Sonst das: EF 50mm f/1.8 II.

9.) Bearbeiten oder nicht bearbeiten?
Bearbeiten. Gehört zum Entstehungsprozeß, ganz entschieden, obwohl chez moi sehr dezent gehandhabt - für großartige Retusche fehlen mir Wille und Know-how. Uncharf maskieren, Gradationskurven, Tiefen und Lichter, Tonwertkorrektur aber mindestens. Hoffentlich bin ich technisch bald soweit, daß RAWs keine Unmöglichkeit mehr darstellen, wenn’s mengenmäßig um die Wurst geht.

10.) Was machst Du mit Deinen Bildern?
Herzeigen, hergeben (ja, manchmal auch gegen Geld), aufbewahren, drucken, verschenken, bloggen…

11.) Was war Dein fotografischer größter Erfolg mit Deinen Bildern bis jetzt?
Jedes Bild, das es geschafft hat, einen zweiten so zu berühren, wie mich das Motiv berührt hat, ist ein Erfolg. Es ist auch immer ein Erfolg, wenn jemand, den ich abgebildet habe, damit glücklich ist. Siehe Konzerte. Und es ist immer ein “Erfolg” oder jedenfalls etwas, das mich glücklich macht, Feedback zu kriegen.

12.) Fotografie als Beruf?
Wunschtraum irgendwie. Das war jetzt ein Geständnis. Ich bin aber eh Realistin auch. ;)

13.) Wo durftest Du nicht fotografieren?
Ich wurde einmal beinah tätlich angegriffen und zum Löschen der Datei gezwungen, nachdem ich einen Firmenbus mit der Aufschrift “GemüsegroBhandel” geknipst hatte. Der Mann war außer sich vor Zorn, ist mir nachgelaufen und hat gebrüllt wie am Spieß. Aua.

14.) Qualität oder Inhalt?
Inhalt vor Qualität. Rauschen und leichte Unschärfe nehme ich jederzeit in Kauf, wenn das Bild für mich was ausdrückt, das ich gerade einfangen wollte. Siehe Konzertfotos. Emotionalität siegt hier jederzeit über technische Brillanz.

15.) Wenn Du nur noch ein Bild schießen könntest, was wäre der Inhalt?
Fangfrage, oder? Im Maul des renitenten Nashorns wär’s das Gaumenzäpfchen, vermutlich. Im Angesicht des finalen Abgangs möglicherweise die Sonne. Das weiße Rauschen. Oder… keine Ahnung. Ich hoffe, das passiert so bald nicht…

Gefunden: hier.
Ich werfe an Creezy, wenn sie mag, Ad, Baby und Ker0zene (wenn er mag).

[8]

Opfer im Dienst der Fotografie

(Diesmal ist aber wenigstens der Kamera nix passiert)

aua

[Im Botanischen Garten befinden sich so tückische Wasserleitungsschacht-Abdeckungen. Die liegen aber nur lose drauf. Da nie draufsteigen, weil man die Wiese schonen will, liebe Kinder!]

[11]

Verletzungen

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, einen anderen Menschen zu verletzen, und am erfolgreichsten wird man immer dort sein, wo man mit dreckigen Stiefeln in die Privatgemächer eines anderen marschiert und fröhlich pfeifend auf die Dinge spuckt, die ihm viel bedeuten.

Ich bin ein Mensch, der im Sinne von Freundschaften oft bereit war, Dreck wegzuwischen und Spucke abzuwaschen. Man mag das einfältig nennen, aber ich bin von der Sorte, die lieber vor Wut einmal kurz kollabiert, einen cholerischen Zuckaus kriegt, einige Zeit angefressen ist, ihre Wunden leckt und dann wieder einlenkt. Ich sprenge nicht gern Brücken, die Idee des endgültigen Bruchs mit einem Menschen macht mir angst. Wer einmal mein Freund ist, kann es sich so gut wie nicht mehr mit mir verscherzen. Ich bin selber oft schnell mit meinem Mundwerk, großzügig beim Austeilen und durchaus grob mit dem, was ich von mir gebe. Ironie und Zynismus kann ich selber ganz gut. Aber ich kann auch einstecken. Nachsichtig sein. Verzeihen. Und ja. Ich habe ein gut funktionierendes Radar für die Stelle, wo’s weh tut. Eine gefährliche Waffe, die ich noch nie eingesetzt habe, weil ich im Grunde meines Herzens ein friedfertiger Mensch bin und gut damit leben kann, unterschätzt zu werden. Ich habe viel Verständnis für Handlungen anderer, weil ich mir bewußt bin, daß im Affekt oder kopflosen Zustand oft Sachen passieren, die nicht okay sind.

Heute war’s, daß jemand, was ich bisher für kaum möglich hielt, den Rahmen gesprengt hat. Mit nur wenigen Worten in mein Allerheiligstes eindrang, was schlimm genug ist, und ohne jeden Grund das verhöhnte, woran ich glaube. Und damit etwas erreichte, was ich nie für möglich gehalten hätte: die Atomisierung jeglicher Sympathie. Ich habe nicht viel, woran ich glaube, aber das, woran ich glaube, ist mir kostbar. Darauf spuckt niemand. Daran macht sich keiner zu schaffen. Da ist dieser Punkt, an dem selbst ich nicht mehr verzeihen kann. Da ist diese Grenze, weitgefaßt, die niemand - niemand! - überschreiten darf, egal, wie gut er glaubt, mich und meine Gutmütigkeit zu kennen.

Das hier ist nicht mehr und nicht weniger als die Aufkündigung einer Freundschaft.
Aber irgendwann im Leben kommt dann doch der Punkt, an dem man eine ganz bewußte Entscheidung trifft und Nein sagt. Eine Brücke sprengt. Kühl und bedacht, auch wenn es das erste Mal ist. Ofen aus.

Raus hier.

[Und ja. Das ist scheißprivat. Gehört trotzdem hierher.]