Archiv für die Kategorie 'private parts'

Glaubensbekenntnis

Letzte Fahrgästin im letzten Bus der Nacht, ich.
Und die Sofa Surfers.
Und dann der Regen. Ganz leicht. Wie Vogelfedern.

Monopolise me
Magnetise me
Take me for the fool for you that I am

Idolise me
Philosophise me
Change me from the innocent to the wisest of men

Make me a believer..
Make me a believer

Disorganise me
De-civilise me
Introduce me to the truth of what it really means

Desensitise me
Look in the eyes me
Speak to me in tongues that only you and I understand

Make me a believer..
Make me a believer

[Lyrics: sofa surfers/Believer]

Weiß

Die Realität ist in Watte gepackt. Ich bin nicht richtig da, sondern ein Geist in einer Nebelwelt, wo er sich nur zurechtfinden kann, wenn er die Augen schließt. Mein Körper findet traumwandlerisch seinen Weg durch eine erstarrte Wirklichkeit, jeden Moment erwarte ich, daß der Film gestoppt wird, die Farben sind seltsam unecht heute, die Eindrücke zweidimensional.

Der größte Teil von mir ist an einem Ort, an dem er den Kontrast von Weiß auf Weiß sehen und die absolute Stille hören kann. Gänsehaut überzieht meine Haut, ich kann ihr heißkaltes Glitzern spüren. Die Kuppel der Zeit wölbt sich wie ein ferner Himmel über mir, meine Beine tragen mich kaum, die Schwerkraft ist anders als sonst. Mit jedem Schritt wird der Widerstand größer, weil ich nicht befugt bin, dieses Gelände zu betreten, aber niemand wird mich hier vertreiben.

Als ich die weiße Sonne erreicht habe, ist meine Haut längst weggeschmolzen, sind meine Knochen längst zu Asche verbrannt, aber etwas in mir ist stärker, und dann breche ich ihren Willen wie eine Erdnuß, schäle sie und zerbeiße ihren Kern, der als weißes Licht in meinen Eingeweiden explodiert und mich mit einem letzten Kraftakt an den Rand der Wahrnehmung schleudert, wo ich mir eine neue Haut und neue Knochen wachsen lasse, um in die Wirklichkeit zurückzukriechen.

Nebel

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Sie wünschen, wir spielen!

10 schöne Sätze

#1 “ich liebe dich!”
#2 “Und ich dich!”
#3 “Du bedeutest mir die Welt!”
#4 “Ich möchte mit dir alt werden!”
#5 “(…) Solltest du demnächst irgendwann irgendwie das Bedürfnis verspüren, dich zu vermehren, würdest du dich dann an mich wenden?”
#6 “Ich habe mein Leben lang auf dich gewartet.”
#7 (…) “Jetzt bin ich da.”
#8 (…) “Meine Bettdecke ist groß…”
#9 “Bis gleich.”
#10 (…) “Du weißt, wo du mich findest. Den Schlüssel hast du ja…”

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[Soundtrack des Augenblicks: James Brown | Shhhhhhhhhhhhhhh (for a little while)]
[achja, und zum Vergrößern bitte Bild klicken]

Wohl und Weh

All die Jahre stellte ich früher oder später fest, was ich nicht will. Seit einiger Zeit weiß ich, was ich will. Unverbrüchlich. Ohne jedes Zögern. Gedeih oder Verderb, ich habe die Wahrheit gesehen. Es hat mich entschieden, jenseits von Gut und Böse, zu meinen Gunsten.

Es ist allerdings eine sehr schlechte Idee, im Spiegellabyrinth in Panik zu verfallen. Ich habe den roten Faden losgelassen, weil ich ihn nicht mehr brauche, und bin losgegangen, völlig sicher in dem, was ich tue. Es ist zum Greifen nah, das Glück, aber dazwischen ist ein dutzendfach verwinkelter gläserner Moloch, und plötzlich renne ich gegen Wände und lasse mich blenden und stelle fest, daß ich mir ganz schön dringend was einfallen lassen muß, aber das Hirn versagt den Dienst in dieser Nacht, und der ganze Rest heult und heult und heult, und mit einem Mal ist die Kraft futsch, und ich gehe in die Knie und werde erdrückt von situativen Mächten, aber die kommt wieder, die Kraft, wart nur, ich werd mich zusammenballen heute Nacht, zusammenstürzen auf meinen kleinsten Punkt, und morgen, morgen wird da dann rasende Energie sein, die notfalls ganze Löcher ins Universum reißt, zumindest diese beschissenen Rahmenbedingungen für das alles hier zertrümmert, alle Hindernisse egalisiert und endlich freie Bahn signalisiert.

So ein Nullpunkt.
So ein absoluter Nullpunkt.
So ein mächtiges Nichts um mich.
Und dieser Wille hier, der sich aufbäumt und einfach weiß, daß er gewinnen muß.
Auf diesem schmalen Grat zwischen Wohl und Weh.

Geschichten von Marie (2)

Marie fror, als sie an diesem Morgen aufstand.
Nicht einmal der duftende Kaffee konnte sie wärmen, denn die Kälte wurde, das spürte sie, tief in den Zellenfabriken ihrer Knochen produziert, rasch und effizient durch das verästelte Rohrsystem ihrer Blutgefäße transportiert und an Nervenenden geliefert, die sie sofort weiterverarbeiteten zu einem anhaltenden Frösteln.

Vor ihrem Fenster tobte ein so heftiger Schneesturm, daß die Häuserzeile vis à vis nur mehr schemenhaft erkennbar war: die Straße, die Autos, der Himmel: alles verblaßte zu einem verwischten Weiß ohne Anfang und Ende. Es war vollkommen still.

Marie stand auf, zog frierend einen weiteren Pullover an, stellte sich ans Fenster und schaute in das Weiß. Selbst das Licht hatte einen unwirklichen Ton. Es gab keine Schatten mehr, nur mehr diffuses, weiches Schimmern und zarte Umrisse von Gebäuden; es war, als ginge die Welt unter in einem unendlich sanften Rieseln von Schnee, der wispernd alles Existierende unter sich begrub.

Gedankenverloren spielte sie mit einer Muschel, ließ ihre Fingerkuppen von kalkigen Erhebungen massieren, dachte an das Meer, das dieses wundersame Gebilde an einen fremden Strand gespült hatte, auf der anderen Seite der Welt, an den weichen Bewohner, der darin gelebt hatte, sein undefinierbares Schicksal, sein Dasein in einem warmen, salzigen Wasser, den Menschen, der sie gefunden hatte, hob sie ans Ohr und lauschte dem Rauschen und -.

Erschrocken legte sie die Muschel auf das Fensterbrett, abrupt, machte einen Satz zurück, hielt den Atem an und starrte sie an, das Herz klopfend, die Augen geweitet. Sie lauschte. Aber nichts – dieselbe Stille wie vorhin, und hinter der Fensterscheiben endloses Weiß. Dann siegte die Neugierde. Sie wagte sich einen Schritt vor, hielt die Muschel erneut ans Ohr und horchte. Tatsächlich, sie hatte sich nicht getäuscht. Durch das Rauschen, das sie erwartet hatte, wand sich unendlich zart der Klang eines verstimmten Klaviers, brüchig, aus einer anderen Welt. Jemand spielte holprig und nicht sehr gekonnt ein Kinderlied. Zweihändig. Unsicher. Wieder und wieder brach das Lied an der selben Stelle ab, und der Spieler begann von vorn.

Hallo? Maries Kehle war trocken. Sie räusperte sich. Hallo, fragte sie erneut, diesmal mehr in Richtung Muschel. Die Musik hörte auf. Unendlich weit entfernt ein Stimmchen: Wo bist du?
Ich bin hier… draußen. Marie setzte sich benommen auf den Teppich, der Boden schwankte unter ihr. Sie lauschte.
Kommst du? Das Stimmchen klang begeistert.
Wie denn, hauchte sie, die Muschel an ihr Ohr pressend.
Was, wie? Sie hörte ein helles Kinderlachen. Siehst du nicht die Tür? Du mußt nur durchgehen!

Marie merkte, wie sie den Halt verlor. Das Zimmer schmolz und wölbte sich, die Wahrnehmung kippte, ihr Körper gehorchte ihr nicht länger und sackte zusammen, sie schloß die Augen, weil alles sich drehte in diesem Zerrspiegel, öffnete sie wieder und fand sich in einem Raum wieder, der bis auf einen Unterschied wie ein Ei dem anderen jenem glich, den sie kannte. Bloß daß da eine Tür war, die für normal nicht existierte. Und das verstimmte Klavier jetzt näher klang.

Zittrig kam sie auf die Beine, drückte die Klinke herunter. Die Tür war nicht verschlossen. Dahinter ein Stiegenhaus aus weißem Stein, das sich in die Unendlichkeit emporschraubte. Und das Kinderlied, das sanft in der Luft schwebte und heruntersank wie Schnee. Marie lächelte. Huschte zurück in ihr Zimmer und plazierte einen schweren Stein, den sie vor Jahren aus der Wüste mitgebracht hatte, zwischen Türblatt und Schwelle. Dann machte sie sich auf den Weg nach oben.

Als sie endlich hoch droben angekommen war, stand sie in einem riesigen, hellen Raum, die Wände weiß, der hölzerne Fußboden ebenfalls. Weiße Vorhänge bauschten sich wie Segel vor riesigen Fenstern, es war warm und es duftete nach Linden. Draußen Frühsommer. Mitten im Raum stand ein alter, verstimmter Flügel, schwarz, ein Bösendorfer, davor saß ein kleiner, hübscher Junge, vielleicht sechs Jahre alt, mit weizenfarbenem Haar, baumelte mit den Beinen und spielte ein Lied, das sie jetzt plötzlich erkannte. Wenn ich ein Vöglein wär‘. Der Junge, konzentriert, bemerkte sie nicht und brach zum x-ten Mal an derselben Stelle ab.

Marie applaudierte.

Der Junge drehte sich zu ihr um und schaute sie mit hellen Augen an.
Ich komme nicht über die Stelle, sagte er, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Zeigst du mir, wie es geht?
Marie ging langsam auf ihn zu, das übermächtige Verlangen, ihm über den blonden Schopf zu streicheln, niederkämpfend.
Du bist groß geworden, murmelte sie so leise, daß er es nicht hören konnte, dann setzte sie sich neben ihn auf den Hocker.
Ich habe es selber nie richtig gelernt. Aber an das erinnere ich mich. Fang noch einmal an. Willst du?
Der Junge nickte, plazierte seine kleinen Hände sorgfältig und gewissenhaft auf den Tasten und begann zu spielen. Marie legte sanft ihre Finger über seine, und als er bei weil’s aber nicht kann sein stockte, griff sie ein, lenkte sein Spiel, spürte ihn aufblühen, lauschte selbst dem kleinen Lied, spürte den Lufthauch vom Fenster und wollte für immer da verharren.

Der Junge strahlte sie an. Das war schön, sagte er.
Das war es. Marie lächelte ihn an, dann schaute sie auf ihre Hände.
Du mußt gehen, nicht? Er wirkte entspannt.
Ja, das muß ich.
Wirst du wieder kommen? Er zupfte am Saum seiner Hose, die nackten Beine, sommerbraun, baumelten weit über dem Boden.
Ich weiß es nicht. Marie bugsierte die Tränenflut zurück in die dafür vorgesehenen Säcke und verschnürte diese fest. Aber ich glaube schon.
Der Junge legte seine Hände wieder auf die Tasten.
Bis bald, sagte er, dann begann er erneut mit seinem Lied. Draußen dufteten die Linden.

Marie machte sich auf den Weg.
Die Stufen waren brüchig, die Rückkehr ein endloser Sturz. Unten die Tür stand offen. Das Weiß hinter dem Fenster war in eine gütige, dunkle Nacht übergegangen. Die Muschel lag still auf dem Teppich. Als Marie sie ans Ohr hielt, war da nur Rauschen.

[Zusammensetzung: 80% Traumfragmente, 8% Schneesturm, 12% Verfremdung durch Niederschreiben. Soundtrack: Tarantula A.D., Kimmo Pohjonen & KTU.]

Insomnia

„Das war mehr ein Geschehen als ein Tun, und es geschah ganz unter der Hand, nebenbei und heiter.“

Danke für die Suchanfrage des Tages. Ich habe nicht herausgefunden, wer da zitiert wurde, weil es mir egal ist. Schön ist es allemal. Nein, ich schlafe nicht. Ich schlafe schon wieder nicht. Ich bin hellwach, meine Augen zwei mit Schmirgelpapier bearbeitete Kostbarkeiten, mies behandelt in letzter Zeit, mein Nervenkostüm ein zerrissener Fetzen, meine Energiequelle unerklärlich, die schon wieder weiße Nacht eine Autorität, der ich mich, wenn auch protestierend, beuge. Mein Wille in der Luft zerfetzt, sieh nur, es regnet Konfetti, wie hübsch. Den Fasching hab ich immer gehaßt, weil - wozu sich eigentlich verkleiden, wenn man ohnehin die ganze Zeit über sein kann, was man will: man selbst? Masken mag ich nicht sonderlich.

Ein wenig habe ich in alten Worten herumgewühlt. Sie aufgehoben da und dort, ihre Bedeutung versucht zu ermessen, sie an die Nase geführt, daran geschnüffelt, sie für muffig und abgestanden befunden, sie weggeworfen. 300 Meter Luftlinie trennen mich von einer ersehnten Schachtel. 900 Kilometer trennen mich von der Liebe meines Lebens. Ein paar Wochen trennen mich von meiner Ankunft, wenn denn alles glatt geht. Sehnsucht verkeilt sich in Sehnsucht, verursacht schlimmes Chaos, ich, ausgerechnet ich, versuche zu kalmieren. Und versage kläglich. Und hocke hier und versuche die Ruhe zu bewahren. Ich könnte mich auf mein Fensterbrett setzen und ein bißchen zwitschern und warten, daß sie mich abholen, ich könnte aber auch einfach versuchen zu schlafen.

Meine Lippe blutet, sie ist eingerissen, als ich mein Bestes gab und lachte, kläglich versagend.
Ich bin so müde. Meine Müdigkeit wiegt mehr als ein Elefant, ein Rhinozeros und ein fetter Blauwal zusammen. Ich baue einen Altar für den Schlaf und spreche ein eindringliches Gebet. In ein paar Stunden muß ich aufstehen. Komm schon, Morpheus. Ich ziehe mir auch eine Maske auf für dich. Komm schon. Nimm mich mit. Ich bitte dich…

insomnia...

I am the vinegar and salt
And you are the oil that dissolves
My frustrations
Limitations
and I am the vinegar and salt
And you are the oil that dissolves
My frustrations
Limitations
And I…

a change is gonna come

I don’t know what’s up there beyond the sky
It’s been a long time coming
But I know a change is gonna come

An vieles, bloß nicht an Schlaf war zu denken letzte Nacht.
Von zwei bis vier Uhr früh lag ich wach, keinen Funken müde, Gedanken spinnend, an einem Traum bauend wie ein Kind an einer Sandburg, unbefangen und gleichzeitig beseelt von tiefem Ernst, von Zeit zu Zeit der kleinen, leuchtenden Echse auf dem Bücherstapel neben meinem Kopfkissen zuzwinkernd. Dann ließ ich mich von der Welle erfassen und mich unter Wasser ziehen, dicht unter der Oberfläche, nicht schlafend, nicht wach, im Zwischenreich, sicher ein sprichwörtlicher Traum für jeden Gehirnforscher. In dieser Grauzone tauchen Bilder auf und vergehen wieder, schwächer und ganz anders als Träume, ist man, die Augen geschlossen, wach und bei vollem Verstand, kann aber nicht eingreifen, das Denken ausgeschaltet; weiß man, daß man eigentlich schlafen sollte, will das aber gar nicht, weil man ein bißchen in die Zukunft schauen darf.

Um sieben Uhr siebenundzwanzig schlage ich die Augen auf und bin wieder da, ohne eine Minute geschlafen zu haben. Obwohl meine Augen brennen, stehe ich umgehend auf, keinen Deut müde, schalte die Wecker ab, die noch gar nicht geläutet haben, klettere von meinem Hochbett, mache Kaffee, schaue in einen hohen Himmel und bin auf eine ruhige Art glücklich.

Es wird übrigens schneien die Tage, zumindest wird es noch einmal empfindlich kälter; da drauf wette ich. Dazu brauche ich noch nicht einmal den Wetterbericht zu strapazieren. Mein Körper ist ein Wetterhahn. Nächte wie diese erlebe ich vorwiegend vor Wetterumschwüngen.

Aletheia

In den frühen Morgenstunden einer irrwitzigen Nacht mache ich mich, kochendes Eis in den Eingeweiden, auf den Weg, um das letzte zu tun, das noch von Belang ist. Jede Bewegung kostet mich mehr Kraft, als ich eigentlich habe, die Last, die ich trage, ist tonnenschwer. Ich weiß, daß das, was ich mich anschicke zu tun, unendlich wichtig ist, aber ich weiß nicht den Ausgang der Sache, und die Angst würgt mich. Jede Faser meiner Existenz tut weh, als ich schließlich ankomme an einem Punkt, wo Vergangenheit und Zukunft sich berühren. Alles in mir sträubt sich dagegen und schreit gleichzeitig danach, die Strahlung, die von diesem Ort ausgeht, läßt mich taub werden und blind, in meinen Ohren ein heller, scharfer Ton, vor meinen Augen nur grelles Licht, ich stehe an der letzten Grenze, panisch, fast ohnmächtig, mein Dasein auf des Messers Schneide.

Und dann hieve ich den schweren Sack von meinen Schultern und öffne ihn, lasse die Dämonen frei, die bösen Geister, das Schreckliche. Stehe nackt und schutzlos und preisgegeben vor dem Abgrund und erwarte den finalen Stoß ins ewige Dunkel. Ich taumle.

Bis deine Hände sich nach mir ausstrecken, mich an dich ziehen. Du nimmst mich in die Arme, anstatt mich wegzustoßen. Und meine Ohren hören wieder, meine Augen sehen, und um uns regnen plötzlich weiße Blüten, und der Abgrund ist keiner mehr, er verwandelt sich in ein ruhiges Meer, auf dem ein paar Schaumkronen tanzen und friedlich im sanften Ungenau vergehen, und die Dämonen sind erlöst und verwandeln sich in Schwalben, die sich wie gute Nachrichten in das blaueste Blau schwingen, und das Schreckliche hat seinen Schrecken verloren, und zum ersten Mal seit so langer Zeit bin ich ohne Angst und frei.

Ein Moment, der unvergessen bleibt, wieviele Jahre auch noch vergehen.
Du hast mit deiner Liebe - mit einer winzigen Geste nur - bewirkt, was nichts und niemand bislang vermochte: Erlösung.

...

Sprachlos und unendlich glücklich kann ich nur flüstern: Danke.

Sieben Jahre her…

Immer und immer wieder muß ich um diese Zeit an diesen neunzehnten Jänner anno Zwotausend denken. Immer und immer wieder reißt es mich an diesem Tag mit seinen Ausläufern (den kurzen Nächten davor, dem Tag an sich und den vielen, vielen Tagen danach) in die Tiefe, immer und immer wieder kocht das alles hoch, verdichtet sich zu einem Schrei ohne jeden Ton, zerreißt mich, erinnert mich, schmerzt, kratzt, mit den langen Fingernägeln der Wahrheit, die langsam und unerbittlich deine Eingeweide bearbeiten, bis du an die Decke gehst und beinah den Verstand verlierst.

Anderntags war Kaiserwetter. Oder, wie ich das ganz pragmatisch ausdrückte, so ganz für mich, in meinem Tagebuch, damals: Ein Tag, viel zu schön für mich. Blauer Himmel, Sonne. Ich hatte das damals nicht wirklich im Griff - ganz im Gegenteil hatte es mich. Im Würgegriff. Erstaunlicherweise habe ich mich aber doch da durch manövriert, durch dieses Irrsinnsjahr. Sieben Jahre später, 2007, bläst der Sturm, den sie so gedankenlos den Herrlichen nannten, vieles weg. Ich erlaube es mir an dieser Stelle, kryptisch zu sein. Schreibe das hier: für mich allein, als Mahnmal gegen die Feigheit und gegen die womöglich falsch interpretierte Vernunft. Nur für mich, für niemand anderes.

Das Leben lebt. Und tobt. Und alles hat seinen Sinn. Das ist die Conclusio, ganz gleich, wie naiv sie ausfällt in einer ausfällig gewordenen Nacht wie dieser. Morgen wieder Normalbetrieb abseits der nächtlichen Randale. Ich verspreche es.

Splitter

Die Müdigkeit hat sich selbst überholt, in einer sehr waghalsigen Kurve ist sie mit einem Felsen kollidiert und in Abermilliarden Partikel zersplittert. Splitter, die in meinem Fleisch stecken, subkutan. Auch so ein Wort, das ich schon sehr, sehr lange mag. Obwohl es weh tut. Dieser ganze Wahnsinn da. Kafka, den ich nie ertragen habe, hat einmal geschrieben, die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.

Da sitz ich jetzt, in einem hellen Panzer aus zersplitterter Müdigkeit, die sich in mein Fleisch bohrt und mich wach hält, auf einer ziemlich bergigen, ziemlich steilen, ziemlich unbeleuchteten Straße. Vielleicht schätze ich den Grad der Verwirrung, den ich zu diesem Zeitpunkt erreicht habe; den Grad der Sehnsucht und der Traurigkeit, ja, auch den höchsten Grad der Einsamkeit. Die Müdigkeit schmilzt da und dort in Pastelltönen und löst sich von mir ab wie Schlangenhaut. Oder wie Tränen. Lange kann ich so nicht weitermachen… hab ich immer gedacht, aber die Wahrheit dahinter ist mächtiger. Stiller. Wissender.

Die Tatsachen stehen fest wie ferne Leuchttürme. Hinfinden müssen wir selbst. Ich habe Angst. Ich habe Angst, daß mein Atem nicht reicht. Ich habe Angst, in einer Wüste zu verrecken, ich habe solche Angst zu verdursten, ich habe Angst, daß meine Kraft nicht hinreichend genug ist. Solche Angst, in diesen Abgrund abzurutschen, der nur schwarz ist und leer und fürchterlich.

Die Splitter meiner Müdigkeit halten mich wach. Ich bin ein Bruchpilot in dieser Nacht. Entschlossen, unsanft gelandet, einer, der sich aufrafft und darüber nachdenkt, welchen Weg er nehmen soll. Wie er es anstellen soll, so ohne eigentlichen Plan. Er kennt nur sein Ziel, nicht die Route. Ich habe Angst, aber ich bin mutig. Muß ich ja. Das Leben ist kurz genug. Liebe ist, sich auf das dünne Eis der nicht verifizierten Grundlagen hinauszuwagen, und nicht nur das. Liebe ist, dort zu tanzen, als gäbe es kein Morgen.

Liebe ist bodenloses Vertrauen, ohne nachzufragen oder zu zweifeln.
Liebe ist fraglos.
Liebe ist.