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I, Robot

Ein dickes, schwarzes X kriegt er, dieser Tag.
Weil Dinge sich nicht ändern. Weil Menschen sich nicht ändern. Weil ein Charakter sich nicht einfach ausziehen läßt, die Nähte nach oben, wie ein schlabberiger schwarzer Pullover voller Fusseln. Unlogisch. Menschen sind unlogisch. Manchmal. Oft. Sehr.

Was hab ich denn erwartet?
Daß das Universum lieb ist zu mir, Hakuna Matata singt und eine Runde Nektar und Ambrosia schmeißt, nehmt nur, is ja genug für alle da?

Nein, ja, weiß nicht, vielleicht. Oh, wie ich es hasse, dieses vielleicht!
Viel leicht. Haha, wenn’s bloß so wär’.
Irgendwie fühle ich mich selber wie ein schwarzer Pullover, zusammengeknüllt und in die Ecke geschmissen, achtlos, nein, mit viel Verve, weil ich es mir gefallen lasse; eure Sorgen soll ich haben. Oh ja. Darf ich so denken? Three Laws Safe. Ich erinnere mich.

(1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
2. A robot must obey orders given to it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Law.
)

Immer mach ich mir Sorgen, immer weine ich meinen Ausschnitt naß euretwegen, immer bin ich vernünftig und rede mir den Mund fusselig, immer nehme ich mir mehr, als ich eigentlich fressen kann, immer nasche ich von der Apokalypse, immer bin ich bang, bitte, danke, Hofknicks, ich knie, stehe ein für das, woran ich glaube, beschwichtige, halte aus, mehr als eigentlich geht, glaube, wo es nichts zu glauben gibt, als wär ich der naivste Idiot der Welt.

I seem to you to seek a new disaster every day
You deem me due to clean my view and be at piece and lay
I mean to prove I mean to move in my own way, and say,
I’ve been getting along for long before you came into the play

Aber wer bin eigentlich ich?
Bin ich immer nur der Spiegel, an dem ein anderer sich selbst erkennt? Der, der sieht, aus dem Schlick zieht, rennt, rettet?
Bin ich ein Medium, blind, stumm, praktisch, zuverlässig, kräftig? Ist da nicht eigentlich sowas wie Leben in mir? Was eigenes? Was lebendiges? Etwas, das rennen will, oder fliegen? Oder nachdenken? Und was ist das eigentlich, Vernunft? Und wie fühlt sich das eigentlich an, das Lieben?

If there was a better way to go then it would find me
I can’t help it, the road just rolls out behind me
Be kind to me, or treat me mean
I’ll make the most of it, I’m an extraordinary machine

Da draußen alles dreht sich
Still um nix herum
Und ich male
Deine Schatten
An jede Wand.

Ich komme mir hier so nutzlos vor.
Wenn ich wenigstens bei dir sein könnte. Deine Hand halten. Dein Gesicht streicheln. An deinem Bett sitzen, ganz still, während du schläfst. Nur in deiner Nähe sein.
Aber ich bin hier. 900 Kilometer von dir entfernt. Diese Distanz trennt uns sonst auch, aber gestern hat sie eine Dimension erreicht, die mich unendlich einsam macht und mir schonungslos vor Augen führt, wie sehr du mir fehlst. Und alles, was ich tun kann, ist an dich zu denken und dir alle meine guten Gedanken zu schicken, weil ich dich nicht sprechen kann, und das ist neu, weil kurz nach Mitternacht nie ein Thema für uns ist, unter normalen Bedingungen. Und ich sitze hier, und ich muß schon wieder ohne Ende heulen, und irgendwie ist es so bitter zu begreifen, daß man so vieles als so selbstverständlich hinnimmt, bis dann plötzlich eine Zäsur da ist und die Dinge sich gnadenlos mit einem befassen. Ich habe mir oft gedacht, eigentlich kann uns nichts passieren, solange keiner von uns krank wird, und habe doch nie geahnt, welchen Gehalt dieser Gedanke hatte.

Manchmal ist es so schwer, sich zu sagen, daß morgen ein neuer Tag ist.
Und ich hoffe, du schläfst einen tiefen, erholsamen und heilsamen Schlaf, und ich weiß, daß ich auch diese Nacht wachen werde, sinnlos, traurig, erschöpft und verrückt vor Sorge um dich.

Es ist so ohne dich.

-

Ich hab doch nichts Unerfüllbares gewagt zu wollen, nur einen kleinen, friedlichen Zipfel vom Glück. Und kriege schon wieder eine saubere kosmische Tachtel. Warum eigentlich?

Reden wir übers Leben*

einmal reißt es uns alle hinaus
aus sterben in leben
aus siechtum in siegende kraft
aus kleinheit in glorie
aus engen zeiten in ewige weiten.

cyrill v. alexandrien

[*Eigentlich sollte an dieser Stelle und unter diesem Titel etwas völlig anderes stehen, aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Das Leben ist kurz, das hab ich schon 1-3 mal erwähnt, glaub ich. Es liegt an uns, etwas aus der Zeit zu machen, die wir zur Verfügung haben, und es ist unsere Pflicht, gut auf uns aufzupassen und darauf zu schauen, daß es uns gut geht, damit wir, wenn's einmal an der Zeit ist, halbwegs leichten Herzens loslassen und uns sagen können: es ist gut, es war schön. Danke, Waltraud, für den Text. Und für alles andere. Ich habe eine Kerze angezündet und höre die Beatles, "While my guitar gently weeps". Ich glaube, es würde ihn freuen.]

Anything goes (Credo)

Selten, aber wirklich ganz selten, überkommt mich diese unheilige Gier, in meinem eigenen Leben herumzustochern. Ich bin keine Grüblerin, schon lange nicht mehr, das hab ich mir irgendwann in meinen Mittzwanzigern weniger abgewöhnt als verboten, als mich die Erkenntnis streifte, daß ich mich - gepeitscht und gepeinigt von dunklen Gedanken, die perverserweise noch dazu meine eigenen waren - doch immer nur in einem blöden Hamsterrad abquälte, um mich an Kinderkram abzuarbeiten. Für nichts. Da machte ich dann das Fenster auf und ließ die Sonne herein und jede Menge frische Luft. Das Leben, beschloß ich ganz willentlich und so eiskalt, wie ich es mir selbst nie zugetraut hätte, ist gut. Oder, wie ich von irgendeinem Aureliano (oder war’s ein Arcadio?) aufschnappte, in den hundert Jahren Einsamkeit dieser Panikzeit, aus dem Weg, Kühe, das Leben ist kurz. Lebensweisheit absolut auf den Punkt gebracht. Es war der mit den Hahnenkämpfen, glaube ich.

Aber manchmal geht in den Sumpfzonen des Hirns etwas um, etwas Böses, etwas Boshaftes, etwas Kaltes, etwas, das so alt ist wie mein Bewußtsein. Und überall, wo es meinen Verstand streift, kriegt es augenblicklich hungrige Junge, die sich in erschreckender Geschwindigkeit zu Lemuren auswachsen, die mit langen, begehrlichen Fingern an der Ratio kratzen, gut verwahrte Ängste wachkitzeln und neue Ängste zeugen, düstere, kleine, schlaue Götter, die ins Zentrum meiner Existenz wollen, das Bollwerk meines Optimismus überwinden, die Armee meiner Lebensfreude infiltrieren und mein Leben in Schutt und Asche legen.

Es sind Nächte wie diese, in denen ich der ältesten meiner privaten Ängste zu unterliegen drohe. Blindheit. Ich kann nicht sehen, wohin - und vor allem wie - es gehen soll. Ich fühle mich ohnmächtig, bei vollem Bewußtsein, ich fühle mich in die Enge getrieben und von bedrohlichen Elementen eingekreist, der Verstand geschwächt von Frust und Druck, das Selbstbewußtsein geschrumpft auf etwas, das aufrecht unterm Teppich gehen kann.

Es ist ein Meer der Ideenlosigkeit, und es herrscht Flaute. Die bläßlich-fette Verzweiflung sitzt mit an Bord und macht das Boot noch schwerer als nötig.

Bis ich mich, das schlaffe Segel und den unerwünschten Gast verfluchend, auf eine alte Idee besinne. Rudern. Ich muß rudern! Meine Vigilanz kommt auf die Beine. Es beginnt zu rechnen in meinem Hirn, überschlagsmäßig, es könnte sich, es kann sich, es muß sich ausgehen. Weil ich human bin, biete ich der Verzweiflung einen Schwimmreifen an, der nicht mir gehört. Verschwinde hier. Pack dich, Pack.

Ich werde rudern. Wenn nötig, bis ans Ende der Welt.
Geht mir aus dem Weg, Hindernisse. Sonst niete ich euch um. Euch alle. Und ich meine es ernst. Ernster als alles andere zuvor. Alles geht, alles kann, alles darf. Das hier muß.

c r e d o.
Ich glaube.
Und ich kann somit Berge versetzen. Mit ein bißchen zusätzlichem Rudern darf das kein Problem sein. Darf es nicht. Kann es nicht. Credo, quia absurdum. Meinethalben. Ich glaube. Das allein zählt.
Anything goes.
Oh ja.

Very late thoughts

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Ich sehe es an der Gänsehaut, die sich auf deinen Armen emporstachelt. Tut das weh?

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Uns bleibt nur wenig Zeit. Ich schlage vor, dann mal ins Bett zu gehen. Da liegen wir dann und warten auf die Apokalypse. Ich bin friedlich und heiter. Freiheit ist auch ein schönes Wort, findest du nicht? Sag doch was! Es ist spät, und es ist dunkel, aber ein bißchen Konversation wäre jetzt nett. Bist du überhaupt noch da?

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Mir wird kalt und mir wird kälter. Der Krater links vorne schmerzt wie eine alte Kriegsverletzung. Schmerzen? Es ist mehr so ein Ziehen. Dabei war ich doch nie richtig dabei… oder bin ich einfach nur nie da gewesen? Ich habe Sonnenuntergänge gesehen. Sonnenaufgänge. Dazwischen immer nur schlechte Filme. Scheiß Sentimentalität, ich sage dir… Das Fühlen ist ein göttlicher Witz. Das Verstehen die sarkastische Versuchung eines schlauen Teufels. Am Ende bleibt immer nur nichts. Schlaf gut. Und viel Glück.

Jemand hat die Sonne ausgeknipst.

-

das relativ sinnlose Regenwalfischbauchposting

Es regnet.
Es regnet von allen Seiten, und das Mitführen des Schirms ist ungefähr so sinnvoll wie das Tragen eines handelsüblichen Sturzhelms anläßlich eines nuklearen Fallouts.
Der Wind reißt mir die Kapuze vom Kopf und zerzaust mich gründlich, fette Regentropfen zerplatzen auf meinem Gesicht, die Hose wird binnen kürzester Zeit naß bis zu den Kniescheiben, Feuchtigkeit kriecht in die Schuhe und geht eine kühle Liaison mit den Socken ein.

Der Asphalt spiegelt die Lichter der Ampeln mit ihrem gleichmütigen Rhythmus, ich lasse mich von einem zischenden Niederflurkoloß schlucken und fühle mich wie Jonas, nur daß es da drin entscheidend gemütlicher ist als draußen. Meinen nutzlosen Schirm, der kalten Regen schwitzt, halte ich irgendwie in maximaler Körperferne, ein dünnes Regenwasserrinnsal bahnt sich seinen Weg durch den Niederflurwalfischbauch, die Scheiben sind beschlagen vom Atem der wenigen nächtlichen Mitinsassen, ich widerstehe nur knapp der Versuchung, ein Herz zu malen, oder ein simples 42.

Ein asiatischer Herr gesetzteren Alters hat meinen herumstreunenden Blick aufgefangen und streichelnd festgehalten, seine Ebereschenaugen haben sich in meinem Gesicht festgesaugt, er lächelt, und ich muß unwillkürlich zurücklächeln, mit mindestens 25 Watt, während in meinen Ohren der Grönemeyer was ziemlich Poetisches singt, es handelt sich, glaube ich, um ein Liebeslied oder sowas in der Art.

Ich schaue weg und gucke dem Wasser zu, wie es surreal-anmutige Spuren zieht auf der durchsichtigen Außenhaut des geduldig dahinschwimmenden Wienerlinien-Walfischs. Ich habe nichts zu sagen in dieser Nacht, und ich sage es doch. Ich diffundiere. Ich diffundiere in eine wilde Nacht, eine sanfte Nacht, eine Nacht jenseits der gewohnten Gänge. Vieles passiert dieser Tage, ich bin ein reichlich verwirrter Passagier, ein regennasser Mensch, der ins Trockene will, ein kleines Licht in einem unendlichen Universum, eine lachende Seele, die sich in ihrer Grundtraurigkeit spiegelt und sich zu einem heiteren Wolkenkuckucksheim aufschwingt, japsend, mit klapprigen Holzflügeln.

Eigentlich ist es unbeschreiblich.
Schreiben muß ich es dennoch.
Was immer mich gerade denkt, es zwingt mich dazu.

Wochenendnotizen

Popvatern kann das beste Gulasch der Welt.
derYaris, wenn man ihm ein bißchen die Sporen gibt, kann 170 km/h und mehr.
St. Marx ist eine Wiener Band, die es leider nicht mehr gibt, bei deren Å’uvre (”Schlachthaus”) man allerdings richtig schön Dampf ablassen kann. Als ich heute (früher als sonst) in Wien ankam, war ich heiser.
Ich glaube, ich sehe mit meiner Brille so furchterregend/entschlossen aus, daß selbst abgebrühte Yuppies in sehr teuren Fahrzeugen mir heute Platz machten, sobald ich auf der linken Fahrspur nahte. Möglicherweise haben sie geglaubt, ich würde schimpfen. Dabei hab ich bloß mitgesungen.
Blockheads ist ein Film, bei dem man sich richtig bepieseln muß.
Roter Drache ist ein Mädchenfilm, weil ich ein Mädchen bin und er mir richtig gut gefallen hat.
Nachher hat der technische Direktor aus Philadelphia angerufen.
Popvatern und ich haben dann Muse (”Absolution”) und noch so einiges auf und ab gehört, und zwar richtig laut, dabei ziemlich viele Biere getrunken und bis in die frühen Morgenstunden richtig gute Vater-Tochter-Gespräche geführt.
Popvatern wollte die Nummer mit dem Rachmaninow-Intermezzo mehrmals hören. Ich auch.
Der Kater hat inzwischen mit einiger Verve den Teppich bearbeitet. Und dann hat das Biest sich unsere Hände und Unterarme vorgenommen. Wir mußten sehr lachen, der Kater auch.
Ich sehe aufgrund der Katerattacke heute aus wie ein verhindertes Selbstmordopfer (wäre ich denn Linkshänderin).
Ich habe Popvatern eine Geschichte von Herrn Poodle ausgedruckt und zum Lesen gegeben. Die mit dem Flaschenautomaten. Die fiel mir ein, weil er mir ein kleines Büchlein von Herbert Rosendorfer mit auf den Weg gab, das ich noch nicht kenne (Die Erscheinung im Weißen Hotel. Unheimliche Geschichten zu unheimlichen Bildern. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2000).
Popvatern mag Poodle und Muse. Irgendwie bringt mich das zum Grinsen.

Es ist schön, so geliebt zu werden, wie man ist.
Und sie ist schön, diese Sicherheit, daß man, wenn alle Stricke reißen, immer noch das beste Gulasch der Welt kredenzt bekommt. Mit Semmelnknödeln von Muttern. Oh yes!

Zwischenreich

Als ich noch ein kleines Kind war, gab es da, wo ich lebte, ein Spielzeuggeschäft, Bunter Laden hieß das, und verkauft wurde da nicht nur Spielzeug aller Art, nein, es gab auch Uhren. Wanduhren. Es gab eine ganze Wand mit Uhren, die alle um die Wette tickten, und als Kind tauchte ich immer in eine andere Welt ein, wenn ich dieses Geschäft mit seiner irren Kakophonie betrat. In meiner Erinnerung, von der ich nicht weiß, ob sie mich betrügt, ob sie beschönigt und versüßt, in meiner Erinnerung betrete ich es immer an der Hand meiner wunderbaren Mama, an verregneten Sommernachmittagen, wenn es sonst nichts zu tun gab, weil die Papiermaché-Basteleien zu langweilig wurden… und die Spaziergänge durch die Feuchtigkeit atmenden Wälder mit ihren dampfenden Mooskissen und den triefenden Zotteln der geduldigen Bäume und den zerbrechlich-hübschen Häusern der Bänderschnecken.

Wenn ich mich an den Bunten Laden erinnere, den es längst nicht mehr gibt und dessen Inhaberin eine reichlich verschrobene Frau mit dem zuckersüßen Lächeln einer aus heutiger Sicht nur sehr nachlässig verkappten Schießbudenfigur war, rieche ich eine seltsame Mischung aus Sommernachmittagsstaub und kleinen, alten, unbenennbaren Dingen, Objekte der Begierde für kleine Kinderherzen, -augen und -hände; und vor allem höre ich das schmatzende, gleichmütige, unregelmäßig-regelmäßige Ticken der Uhren, die unbeirrt ihrer jeweiligen Zeit huldigten, ohne sich um ihre unmittelbare akustische Nachbarschaft zu kümmern.

Es war wirklich so. Die Zeit hörte da drinnen auf zu existieren. In diesem samtig tickenden Paralleluniversum habe ich bestimmt Jahre meines Lebens verbracht, während draußen nur Stunden vergingen. Ich erinnere mich an das Hinterzimmer, vollgestopft mit Kostbarkeiten. Puppenköpfe, Drachen, Porzellanfiguren. Geschichten, die mir zugeraunt wurden von weit her. Und über allem das unwiderstehlich lockende Murmeln der Zeit.

Es ist schwer, nein, eigentlich unmöglich, diese Erinnerung dingfest zu machen. Sie lacht mich aus, das Sommergesicht. Zieht sich zwischen andere Eindrücke zurück. Ein Schlauchboot, das, gefüllt mit lauwarmem Wasser, als Planschbecken herhält. Lindenduft und das hellgrüne Flirren der Birken. Meine Mama, die mir die Schatzinsel vorliest und Robinson Crusoe und 20.000 Meilen unter dem Meer. Löwenzahnblüten. Abgestreifte Schlangenhaut, Fliegenpilze im Halbschatten, Knabenkräuter auf sumpfigen Wiesen und Johanniskraut im erbarmungslosen Sonnenglast. Weinbergschnecken und Kaulquappen. Der Duft des frischgemähten Heus. Jasmin. Flieder. Weiß und violett. Und Maiglöckchen. Und Narzissen. Und der Mond. Das Geräusch des Rasenmähers. Verschneite Wege, erste euphorische Fußstapfen ins weißeste Weiß.

Worauf ich hinaus will?
Auf nichts. Heute lasse ich mich treiben. Ich schlage über die Stränge und schaue, was passiert. Meine Stadt tickt heute wie der Bunte Laden meiner Kindheit. Jeder Moment ein Deep Impact. Jedes Gefühl eine kleine, rote Blüte, die im Zeitraffer ihr Köpfchen in den Himmel reckt, jeder Eindruck Gänsehaut.

Da liegt was in der Luft, elektrisierend, beruhigend, beschleunigend, verzögernd, und ich erinnere mich irgendwie in die Zukunft, und das kommt mir nicht einmal komisch vor in diesem Moment. Ich bin neugierig und wach und energiegeladen und aufmerksam.

Und traumverloren. Und das schmatzende Ticken der Zeit. Gemächlich, einladend, kurios, freundlich, surreal.
Habe ich das tatsächlich gerade gepostet?

Dieses seltsame Grinsen will mir irgendwie partout nicht aus dem Gesicht gehen. Ich bin mittendrin im Zwischenreich. Und es gefällt mir. Sehr.

Transit

Noch ein paar Minuten in diesem kuscheligen Pullover, der mir eigentlich viel zu groß ist und so gut riecht, daß ich ihn nie wieder ausziehen will, vor dem Rechner sitzen. Die Augen schließen. Einer Umarmung nachspüren und einem Kuß. Der Sonne zuschauen, wie sie das Nachbardach vergoldet. Die Wand anlächeln und eine Muschel streicheln. Die Wohnung genauso, wie wir sie verlassen haben, um 6:27h, auf dem Weg zum Flughafen. Ich werde mir ein bißchen schwer tun, all die Dinge wieder an ihren ursprünglichen Platz zu rücken, aber irgendwie spielt es keine Rolle.

Es gibt, ich hätte es nicht für möglich gehalten, Abschiede, die so voller Zukunft sind, daß man an ihnen nichts Trauriges finden kann, selbst wenn man das sentimentalste Gefühlstier ist.

Tausend Kleinigkeiten und ein großes Ganzes.

Vielleicht sind wir voller Ankunft zu einem neuen Leben, zu einem neuen Lachen, zu einem neuen Gott.
Vielleicht? Nein.

Mit Sicherheit.