Archiv für die Kategorie 'im Kino'

DVDependenz

In den letzten sechs Wochen habe ich so viele Filme (zum Teil wieder) gesehen wie in den vergangenen vier Jahren zusammen. Und dabei gemerkt, daß zu zweitiges Couchkartoffeln doch was Schönes sein kann. Deshalb an dieser Stelle ein paar Gedanken zum Gesehenen:

The Others: Hysterieexpertin Nicole Kidman als nervlich zerrüttete und heillos überforderte mutmaßliche Kriegswitwe, die ihre an einer ominösen Lichtallergie leidenden Kinder in einem waschechten Spukhaus mit allerlei katholischen Erziehungsmaßnahmen und das nicht ganz koscher erscheinende Personal mit ihren Befindlichkeiten traktiert. Wirklich gelungener Überraschungseffekt inklusive.

Mary Shelley’s Frankenstein: Kenneth Branaghs opulente Kitschorgie wirft mit viel Pomp und Trara einige Fragen auf, zum Beispiel warum man die frisch zombifizierte Ehefrau quer übers Gesicht zusammennähen muß, wo man doch eigentlich nur ihren Kopf auf einen Körper gepflanzt haben will, oder wieso zum Geier John Cleese es nötig hatte, da mitzuspielen. Robert de Niro als lebendes Schnitzel scheint aber Spaß an seiner Rolle gehabt zu haben. Außerdem kann ich Helena Bonham-Carters schokoriegelgroße Augenbrauen nicht mehr vergessen. Ein Film wie Peking-Ente. Ist er zu Ende, ist man heillos überfressen.

Krieg der Welten: H.G. Wells hätte diese Adaption seines Romans gemocht, da bin ich mir nach wie vor sicher, und welcher Sekte Herr Cruise angehört oder was er privat sonst so tut, kann mir gottseidank blunzenwurscht sein, weil ich ja schließlich nicht jeden zweiten Tag mit ihm auf ein Bier gehen muß. Genauso unangebracht wie reflexhaftes Cruise-Bashing ist übrigens reflexhaftes Spielberg-Bashing. Neinnein, da fährt die (brennende) Eisenbahn drüber: dieser Film ist ein großartiger.

28 Days Later: Wenn Danny Boyle am Existenziellen kratzt, erinnert das trotz der ja schon eher infantilen Idee mit der Turbotollwut ein bißchen an Rosendorfers “Großes Solo für Anton” oder Glavinics grandiosen Alptraumroman “Die Arbeit der Nacht”. Die Hölle, das sind die anderen. Ein eschatologisches Kammerspiel der Extraklasse in einem menschenleeren London. Groß.

Terminator: Doch, man kann sich auch den ersten Terminator bisweilen wieder einmal anschauen. Ja, die Frisur von Linda Hamilton ist wirklich jenseits von Moral und Anstand, und ja, über den Soundtrack sollte man besser betreten schweigen, am besten für immer – aber hej, das waren die frühen Achtziger, und der Film hat auch 23 Jahre nach seinem Entstehen wenig von seiner düsteren Faszination eingebüßt.

American History X: Edward Norton als Ikone der Neonazi-Szene und der androgyn-engelsgesichtige Edward Furlong als sein kleiner Bruder, der ihm bedingungslos nacheifert; ein heftiger und erstaunlich unpathetischer Film über Rassismus, Schuld und Einsicht. Tragisch im aristotelischen Sinn.

Komm, süßer Tod: Hader super. Haas super. Murnberger super. Sofa Surfers super. Super, um nicht zu sagen: extremst leiwander Film, auch nach dem n-ten Mal. Dasselbe gilt für das (wenn auch um einiges düsterere) Silentium.

Gottes Werk und Teufels Beitrag: Auch wenn im Vergleich zum gleichnamigen Roman viele Details, Handlungsstränge, Figuren und Feinheiten auf der Strecke bleiben mußten, haben Lasse Hallström und John Irving, der höchstselbst das Drehbuch verfaßte, in allen Belangen gute Arbeit geleistet. Tobey Maguire ist als Homer Wells so überzeugend, daß man meint, sich den Protagonisten schon beim Lesen so vorgestellt zu haben, Michael Caine brilliert als Wilbur Larch, und keine hätte Rose Rose so verkörpern können wie Erykah Badu. Taschentücher sollte man sich durchaus bereitlegen, wenn man den Film zum ersten Mal sieht. Und Äpfel. Frische, knackige Äpfel, auf die man garantiert Appetit bekommt.

Wächter der Nacht: Dieser Film könnte ein Meisterwerk sein, wäre da nicht das leider wirklich extrem lausige Drehbuch. An Komik allerdings kaum zu überbieten. Russischer Sozialhilfeempfänger-Neo (© Ad) trifft auf allerlei obskures Zwielichtpersonal im Plattenbau. Visuell in jedem Fall umwerfend.

Butterfly Effect: Chaostheorie light für die MTV-Generation, immer wieder sehenswert.

Snatch/Schweine und Diamanten: Sowas wie Fight Club im Kleinkriminellen-Milieu, bloß daß die Gewaltverherrlichung in Fight Club irgendwie mehr Spaß gemacht hat. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur humorlos.

Die purpurnen Flüsse: Daß mit der Eliteuniversität irgendwo in den französischen Alpen was nicht stimmt, wird Jean Reno (diesmal als gewohnt kauziger Kratzbürsteninspektor) schon bald klar, als er sich mit dem bestialischen Mord am Bibliotheksleiter beschäftigt, und die unwirsche Jungglaziologin scheint auch irgendwie Dreck am Stecken zu haben. Großartige Landschaftsaufnahmen, toller Spannungsbogen, allerdings ein eher enttäuschendes Ende. Irgendwie.

Casino Royale: Quasi Hardcore-Bond für Luxusmessenbesucher, Anzugmöger, Pokerauskenner und Folterszenen-Fans. Nix für Mädchen, aber schon witzig auch, etwa wenn 007 ganz lässig in Ms Haus einbricht oder sich selbst mit dem Defibrillator behandelt.

Die Bourne Verschwörung: Der zweite und düsterste Teil der Bourne-Trilogie als atemberaubend choreographierte Hetzjagd durch das alte Europa. Als bekennender Fan sag ich da nicht mehr.

Die neun Pforten: Für mich ein bißchen so der zeitgemäße böse Zwilling von “Tanz der Vampire”, zumindest sehe ich da bisweilen gewisse Ähnlichkeiten. Mit Polanski ist es symboltechnisch gründlich durchgegangen bei diesem Film, aber ich bin ihm gar nicht böse, weil gruselig ist er schon, und Johnny Rotzbärtchen Depp macht seine Sache durchaus gut. Ach ja, und merke: 666 is the number of the Viech!

Matrix Revolutions: Die alles entscheidende Materialschlacht der Wachowski-Brüder, über die schon alles gesagt wurde.

Spurwechsel: Gavin Banek (Ben Affleck), unsympathisch, karrieregeil und passenderweise Anwalt, verursacht im dichten Morgenverkehr einen Autounfall und läßt seinen Unfallgegner, den Versicherungsvertreter Doyle Gipson (Samuel L. Jackson), kaltblütig im Regen stehen, nicht ahnend, daß er eine wichtige Akte zurückgelassen hat. Gipson kommt deshalb zu spät zum Gerichtstermin um das Sorgerecht für seine Kinder und verliert auf diese Weise alles, was ihm wichtig ist – und Banek will um jeden Preis seine Akte wieder. Was folgt, ist ein so gnadenloser wie stiller Kampf der beiden Männer, in dem Rache und Vergeltung auf Ethik und Moral treffen. Ein spannender und klug gemachter Film.

Shining: Von Zeit zu Zeit muß man sich Shining anschauen, allein schon der gruseligen Hoteleinrichtung und der ausgeflippten Horrorehefrau wegen. Kubrick war ein seltsamer Mann und hat mit seinen seltsamen Filmen Filmgeschichte geschrieben. So sei es.

The Simpsons: Die gelbste Familie der Welt als Kinofilm. Ziemlich witzig, vor allem die Sequenz bei der Inuit-Schamanin inklusive gemeinsamem Kehlkopfgesang.

Departed: Ein störrisches Biest von einem Mafiafilm, der unter einer hollywoodesken Oberfläche auf so vielen Ebenen spielt, daß man sich dauernd beim angestrengten Stirnrunzeln ertappt, was ihn halt nicht besser macht, auch wenn Scorsese dafür endlich den Oscar erhalten hat. Es ist halt alles sehr kompliziert, um einen berühmten Österreicher zu zitieren. Filme, die es schaffen, eine komplexe Geschichte ohne Stirnrunzelattacken auf Zuschauerseite zu erzählen, nötigen mir trotzdem mehr Respekt ab. Da hilft auch kein noch so brillanter Jack Nicholson, kein integrer Leonardo di Caprio und kein karrierebesessener Matt Damon.

Filmstock!

Stöcke ohne Ende hier. Auf diesen hier war ich aber irgendwie happig. Geworfen hat der wunderbare Herr Ad, mit dem ich im Kino gern Händchen halte. Weitergeworfen wird, Rache ist süß (ich sagte das schon), an Herrn Rational. Weil der mich gestern mit einem unsäglich fiesen Stück Totholz quälte. So.

1. Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast:
Ein Fisch namens Wanda. (Um ehrlich zu sein: es waren fünf- bis siebenmal. Ich hab noch keinen einzigen Film zehnmal gesehen.)

2. Ein Film, den Du mehrfach im Kino gesehen hast:
Collateral (dreimal), Krieg der Welten (zweimal), Kops (zweimal), Ice Age (zweimal).

3. Nenne einen Schauspieler/in, wegen dem/der Du geneigt wärst, einen Film anzusehen:
Christian Slater. Ich finde Christian Slater so dermaßen sexy, daß ich Christian Slater hat eine überaus faszinierende Ausstrahlung. Dicht gefolgt von Kevin Bacon, Edward Norton, Robert de Niro und Jack Nicholson.

4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen…
Tom Hanks. Ex aequo mit Robin Williams.

5. Ein Film aus dem Du regelmäßig zitierst…
Ein Fisch namens Wanda. („Ich entschuldige mich, ich entschuldige mich, ich entschuldige mich.“ Und: „Ich bin … enttäuscht!“. Und: „Dämliche Insekten!“). Und Signs. („Hau das Ding weg, Merrill!“)

6. Ein Musical, von dem Du alle Texte der darin gesungenen Songs auswendig weißt…
Huch! Was hat denn Musical mit Film zu tun? Ich mag keine Musicals.

7. Einen Film, den wirklich jeder gesehen haben sollte…
Murder in the First. Der Fall, der angeblich Alcatraz zu Fall brachte, mit einem grandiosen Kevin Bacon in der Hauptrolle. War in Ö. leider nie im Kino zu sehen, ich entdeckte ihn zufällig am Wühltisch. Ach ja, und “Per Anhalter durch die Galaxis” natürlich.

8. Einen Film, bei dem Du mitgesungen hast…
Hä? Seit wann singt man bei Filmen mit?

9. Ein Film, den Du besitzt…
Ein paar, die ich sehr mag. Heat, Collateral, Jackie Brown, Der Tanz der Vampire, das großartige Sin City (danke, Süßer!), Ein Fisch namens Wanda, Ice Age (!). Ich liebe Ice Age.

10. Nenne eine/n Schauspieler/in, die ihre Karriere nicht beim Film startete und die/der dich mit ihren/seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat…
Helge Schneider. Ich war von seiner Rolle in „Mein Führer“ ernsthaft beeindruckt, obwohl, jaja, blabla, man als gestandener Bobo den Film selbstverständlich scheiße finden muß und er ihn selber nicht sonderlich mag. Mir aber egal. Ich war wirklich erstaunt, was für ein wirklich guter Schauspieler der Helge ist.

11. Hast Du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?
Nope.

12. Schonmal in einem Kino geknutscht?
Na klar! Wer hat das nicht? Mit meinem ersten „Freund“, das war vor, huch, mehr als 15 Jahren, bin ich nur ins Kino gegangen, um endlich einen Vorwand zum Knutschen zu haben.

13. Ein Film, den Du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu
gekommen bist…
Down by Law, Jim Jarmusch. Den will ich schon seit Ewigkeiten mal sehen, aber keiner hat ihn.

14. Hast Du schon jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?
Nicht ganz, aber fast. Elling 2. Ich fand diese als Komödie angekündigte depressive Scheiße so dermaßen letztrangig, daß ich mich nur mit Mühe beherrschen konnte, den Saal zu verlassen respektive zu Kleinholz zu verarbeiten. War eine große Lektion in Zurückhaltung, das.

15. Ein Film, der Dich zum Weinen gebracht hat…
As good as it gets. Da muß ich zum Schluß irgendwie immer heulen. Ist gleichzeitig einer der witzigsten Filme, die ich kenne. Und irgendwie so ziemlich mein Lieblingsfilm.

16. Popcorn?
Eher selten.

17. Wie oft gehst Du ins Kino?
In letzter Zeit mangels geschmackskompatibler Begleitung viel zu selten – wird sich aber bald ändern. Früher ein- bis zweimal pro Woche.

18. Welches ist Dein Lieblingsgenre?
Alles, was in meinen Augen gut gemacht ist. Ich mag John Woo-Filme genauso wie solche von M. Night Shyamalan, Michael Mann, Hitchcock, Gondry oder Tarantino; es darf gern witzig sein, solide Action verweigere ich nie, und manchmal steh ich auch auf gute Dramen. Außerdem ziehe ich mir gern (unfreiwillige!) Trash-Filme rein. So wie „The Core“, ausgezeichnet als „Dümmster Physikfilm aller Zeiten.“

19. Was war Dein erster Film, den Du im Kino gesehen hast?
Das war, glaub ich, Moonwalker (1988).

20. Welchen Film hättest Du lieber niemals gesehen?
Elementarteilchen. Merke: niemals den Film anschauen, wenn man schon das Buch scheiße fand.

21. Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?
Sunshine.

22. Was war der merkwürdigste Film, den Du mochtest?
Praxis Dr. Hasenbein. Glaub ich.

23. Was war der beängstigendste Film, den Du je gesehen hast?
Das Ding aus einer anderen Welt, Der Tod und das Mädchen.

24. Was war der lustigste Film, den Du je gesehen hast?
Ein Fisch namens Wanda. Und: Der Tanz der Vampire. Kann mich nicht
entscheiden, bei welchem ich mehr am Boden liege.

40 Miles from the Sun – Sunshine

Hier stand einmal, daß ich den Film von Danny Boyle grandios finde. Dabei bleibe ich nach wie vor. Das ist allerdings keine Empfehlung.

Grrroßarrrrtig!

ich warrr widärrr einmal im Kino.