Archiv für die Kategorie 'Geständnisse'

Weibchenmagazin-Bashing

Vor ein paar Jahren habe ich in vollkommener juveniler Verblödung ein Hochglanz-Frauenmagazin österreichischer Provenienz abonniert, das mit Wie anfängt und mit nerin aufhört. Die Gründe dafür sind an einer Hand abgezählt: das Heft kostete damals am Kiosk satte 48 Schilling, das Einjahres-Abo (zehn Ausgaben) im Supersonderangebot hingegen 180; für leiwande Printwerbung interessierte ich mich immer schon (es gab Zeiten, da habe ich ganze Kampagnen gesammelt, um sie zu launigen Collagen zusammenzufügen), und dann war da noch die Geschichte mit den Kosmetikpröbchen. Und überhaupt: vollkommene juvenile Verblödung eben. Jahre später flattert mir dieser unsägliche Schrott aus unerfindlichen Gründen immer noch zehn Mal per anno ins Haus, und da es eben schon einmal in meinem Postkasten landet, nehme ich es halt auch mit hinauf in meine Wohnung, check mir die Pröbchen, die für Kurzurlaube recht praktisch sind, blättere das Ding mit spitzen Fingern durch und trage es anderntags wieder hinunter, um es mit höhnischem Gesichtsausdruck dem Altpapiercontainer zu überantworten.

Und immer wieder, wenn ich mir dieses letztrangige Übel in Hochglanzverpackung so durchblättere, bin ich grenzenlos verwundert über das nachgerade unerträgliche Maß an Seichtheit und Dekadenz; dieses jede höhere Intelligenz beleidigende Geschwafel, das da mit bemerkenswerter Selbstsicherheit verbrochen wird. Es will mir scheinen, daß sich die Redaktion dieses Machwerks aus dürren Gehirnpygmäen in so teuren wie häßlichen Designerfetzchen und pinken Schleifchen im Haar zusammensetzt (erinnert sich wer an die “Frauen von Stepford”?), alternde Kindfrauen, die nix anderes im Kopf haben als das weiße Rauschen der völligen Denkfreiheit, ihre gequirlten Diätdrinks und den nächsten Shopping-Trip oder schlecht übersetzte Society-News, wie sie einem auf gmx.de und Konsorten stündlich um die Ohren gehauen werden. Ach ja, aufwendige Fotostrecken werden auch geboten. Irgendein Assi irgendeines Starfotografen giert immer darauf, dummglotzende Kleiderständer abzulichten und damit ein bißchen Kohle und noch viel mehr Publicity einzustreifen. Möglicherweise ist aber alles ganz anders: dieses Magazin wird nämlich, so meine aktuelle Theorie, von bierbäuchigen, goldkettchentragenden Machos gemacht. Ich persönlich habe seit längerer Zeit den Verdacht, daß dieser Dreck in Wahrheit für patriarchalische, bigotte Mittvierziger gedacht ist, die sich natürlich nicht an den nichtssagenden Storys, die man alibihalber ins Heft pappt, sondern selbstverständlich an den schmollmündigen Lolitas begeilen, die da Ausgabe für Ausgabe unter dem Deckmäntelchen der neuesten Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Wintertrends zur Schau gestellt werden. Das vermittelte Frauenbild paßt übrigens ganz gut ins Konzept: das angeblich emanzipierte Weibchen soll hübsch sein, locker Job und Familie schmeißen, sich ein ganz kleines bißchen für Politik und Kunst interessieren, Kochrezepte sammeln, brav das Horoskop lesen und immer schön fit bleiben. Erlebnisberichte, wie es beim Schönheitschirurgen und im Wellnesstempel so zugeht (”das Botoxspritzerl ziept nur ein winzigkleines bißchen!”, darf da die selige Babsi aus der „Schönheit-Redaktion“ nach dem Selbsttest stolz verkünden), wechseln sich mit andeutungsweise frivolen Dossiers ab, die davon handeln, wie man etwa als Betthupferl für den anspruchsvollen Herrn unvergeßlich bleibt, oder womit man den betuch… äh, geliebten Göttergatten in spe morgens bewirten muß, damit aus einem One Night Stand eine funktionierende Ehe wird. Gewürzt wird das ganze mit durchwegs geschmackvollem Bildmaterial aus dem Hause Corbis & Co. Dazwischen thronen ganzseitige Einschaltungen für die Antifaltencreme von Saint Irgendwas und den fetten Benz und – nicht immer sauber vom „redaktionellen“ Teil abgegrenzt – versteckte Anzeigen für allerlei luxuriösen Kram.

Alles in allem eigentlich eine unfaßbare, wenn nicht sogar eigentlich unter Höchststrafe zu stellende Papierverschwendung.
Andererseits gibt es ja auch genug dumpfbackige Leute, die sich mit Inbrunst den Musikantenstadl anschauen, Bergdoktor und Traumschiff als hochwertige Abendgestaltung empfinden und demnächst eventuell die Anschaffung eines Drittbuchs planen (ein Roman von Rosamunde Pilcher und irgendein vulgärpsychologischer Lebensratgeber stehen schon im Buchregal!). Publikum wird also durchaus vorhanden sein, und ich darf mich - mea culpa! - an dieser Stelle eigentlich schon überhaupt nicht aufregen. Obwohl ich anfügen möchte, daß ich… nun ja… nix bezahle für dieses eigentlich schon lange abgelaufene Abonnement.

Morgen jedenfalls befreie ich mich von diesem Übel. An der unnötigen Abholzung heimischer Wälder zum Papiergewinn möchte ich nämlich nicht mit schuld sein, das belastet dann nämlich wohl mein - was hab ich da auf Seite 120 gerade aufgeschnappt? - Karma.

Und wo wir grad bei den Hochglanzmagazinen sind: es ist ein Quantensprung da hinüber und um alles in der Welt nicht als Beleidigung gedacht, wenn ich mit dem abschließenden Atemzug dieses Postings darauf hinweise, aber: carnivoren Hedonisten empfehle ich an dieser Stelle aus ganzem Herzen die neueste Ausgabe des besten Magazins der Welt: Fleisch 5 ist da!

post scriptum: Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich niemanden beleidigen will, weil er einen anderen Geschmack hat als ich, daß ich beste Kontakte mit Frauenmagazinleserinnen unterhalte, obwohl ich meine Reifen höchst persönlich wechsle, daß bei der Erstellung dieses Postings keine Tiere zu Schaden kamen und daß man mich in meiner halböffentlichen Stänkerlust bitte nie bierernst nehmen darf (außer es geht um Strache und Konsorten). Sie als meine besten Leser der Welt wissen das aber ohnehin.