Archiv für die Kategorie 'Geständnisse'

Aus der Reihe “schöne Mails von meinen Lesern”

Datum: Mon, 23.04.2007, 10:54
Betreff: [dieJulia] keine schlechten karma-taten mehr?

hejda jule,

was ist denn los dieses jahr? ich vermisse den alljährlichen
flieder-diebstahl-blog-beitrag (zeit ist’s ja schon langsam dafür)! du wirst
doch nicht auf deine alten tage deine bösen seiten hinter dir lassen….
lg
andreas

Ähm… was soll man sagen? Ich und Fliederstehlen? Was für eine Unterstellung! Niemals! Pfui! Pflücken vielleicht. Beim Heimgehen, wenn’s schon spät ist. Aber doch nicht stehlen! Ich doch nicht!

… aber: trotzdem gut mitgedacht! Zeit wird’s. :)

Monsterschnuckel-Content

Kannst du mein Monster halten?
Kannst du mein Monster halten?
Kannst du mein Monster halten?
Kannst du? Kannst du?

Oh ja.
Oh wow!

Immer wieder… Was Mädchen wirklich wollen (ich weiß das, bin ja schließlich eins): Canon EOS 1D Mk II. Plus EF 50mm 1:1.4. Wem’s was sagt. Oh mann! Mannohmannohmann! (bricht in unkontrolliertes Schnurren aus und grinst debil in die Runde). Spielkind im Badezimmerspiegel mal wieder. Ich liebe dieses ungeschlachte Vieh von Kamera! Dicken Dank an den monsterschnuckelborgenden US of A-reisenden technischen Direktor an dieser Stelle. :)

Monsterschnuckelbadezimmerspiegelselbstbildnis

[Monsterschnuckel + Monsterschnuckelbändigerin groß machen? Klick!]

Systematisch

Das Prinzip, auf dem Desktop einen Ordner namens Zeugs anzulegen und alle Ordner und Dateien darin unterzubringen, die man sich eigentlich dringend wieder einmal durchschauen sollte, um sie gegebenenfalls zu sichern oder zu löschen, kann man speziell dann Selbstbetrug nennen, wenn man sich anschließend am Anblick eines aufgeräumten Arbeitsplatzes weidet. ;-)

Oh Mann!

Nachdem ich heute einen wunderbaren Weckruf erhalten hatte, begab ich mich in die Küche, trank einen Kaffee und beschloß, meiner Wohnung die längst schon überfällige Mittelklassetiefenreinigung angedeihen zu lassen (die High-End-Variante inklusive Bücherregalabstauben und Altglas/Gerümpel entsorgen habe ich immer noch nicht über mich gebracht, aber das samstägliche Normalputzen schaut auch anders aus).
Nachdem das Werk schließlich getan war, war ich ein bißchen stolz auf mich und machte mich gleich noch an mein neuerdings durchaus regelmäßig (klopf auf Holz) durchgezogenes Wohnzimmerworkout, nahm eine Dusche und fand, daß der Tag bisher prima verlaufen war.
Anschließend - das war vor einer halben Stunde - schulterte ich fröhlich meinen Rucksack, warf meinen CD-Player an, sang laut mit Les Mc Cann mit und trabte die Treppe hinunter in Richtung Supermarkt.

Wo mir das Lachen abrupt verging, denn ich stand vor verschlossenen Türen, drinnen war alles dunkel und kein Mensch außer mir war auf der Straße zu sehen. Niemand kann sich vorstellen, in welchen Schockzustand mich das versetzte, und zwar nicht, weil ich meine Milch und mein Brot nicht auch am Westbahnhof kaufen kann, wo es ein Geschäft gibt, das auch sonn- und feiertags geöffnet hat.

Nein, ich zweifelte an meinem Verstand. Wo ist der Tag geblieben, der mir fehlt, kreischte es in meinem Gehirn. Bin ich verrückt geworden? Es kann doch noch nicht Sonntag sein! Äh, okay, beruhige dich, schaltete sich meine Ratio ein. Vielleicht haben die einfach die Öffnungszeiten geändert. Ich schaute auf das Schild, wo mich das vertraute “Samstag: 8-18h” anblinzelte. Die Ratio dachte kurz nach. Inventur, sagte sie lässig. Gehen wir halt zum nächsten Supermarkt.

Dort erwartete mich allerdings dasselbe Bild. Ein dunkles, verschlossenes Geschäft. Öffnungszeiten Samstag: 8-18h. Benommen und sehr verwirrt machte ich mich auf den Heimweg und nahm mir vor, mich nötigenfalls an eine einschlägige Hotline für psychiatrische Notfälle zu wenden, sollte es tatsächlich nicht Samstag sein, sondern schon Sonntag. In der Wohnung angekommen erreichte meine Verwirrung dann einen einsamen Höhepunkt, als ich den Rechner hochfuhr, meine Funkuhr anschaute und feststellen mußte, daß ja tatsächlich Samstag ist. Hatte ich etwas übersehen? Generalstreik in Österreich? Was, wieso und weshalb?

Erst der Blick auf den Kalender brachte mir dann schließlich die Erkenntnis in Form einer roten Ziffer, die mich einerseits beruhigt und andererseits ärgert…
… wieso hat mir eigentlich keiner gesagt, daß heute ein Feiertag ist?

So. Und jetzt fahre ich zum Westbahnhof. Milch und Brot kaufen…

Oryx…

Alles, was hier geschrieben sein sollte, ist zu groß, um hier hin zu passen.
Wissen Sie, ich bin ein sentimentales Ding, manchmal. Aber ich weiß auch, wann es sich und mich zu beherrschen gilt, und ich kann den Sekunden und Minuten und Stunden standhalten. Mein Rücken ist breit. Zumindest bin ich fähig, mir das einzureden. Glaubhaft. Wissen Sie?

Oryx

Kernkollaps, enge Doppelsternsysteme

[…] Sterne mit geringerer Masse können ebenfalls als Supernova explodieren, aber nur dann, wenn sie sich in einem engen Doppelsternsystem befinden und in ihrem vorläufigen Endstadium als Weißer Zwerg Material von ihrem Begleiter, typischerweise einem roten Riesen, akkretieren. Im Laufe der Zeit kann es dabei zu mehreren Nova-Ausbrüchen kommen, bei dem der Wasserstoff des akkretierten Gases fusioniert und Fusionsprodukte zurück bleiben. Das setzt sich so lange fort, bis die Masse des Weißen Zwergs die Chandrasekhar-Grenze überschreitet und er durch seine Eigengravitation zu kollabieren beginnt. Die dabei einsetzende Kohlenstofffusion zerreißt den Stern völlig. […]

Wikipedia weiß halt in jeder noch so kosmischen Lebenslage bescheid…
(Aus der Reihe Astronomie für absolute Anfänger.)

...

[© NASA. Quelle: Wikipedia]

Horror vacui oder so

Es ist ja nicht erst seit ein paar Tagen so.
Um ehrlich zu sein, dauert dieser Zustand jetzt schon ein paar Wochen an.
Das gefällt mir nicht.

Ich rede, verehrte Leserschaft, nicht etwa von Gemütsverdunkelung oder Seelenpein, ganz im Gegenteil, es ist nur einfach so, und das geht mir nicht erst seit der (womöglich sogar berechtigten) Degradierung von Platz eins auf Platz 14 auf der Blogroll eines Bloggers da draußen auf den Wecker, es ist also, um auf den berühmten Punkt zu kommen, einfach so, daß die Qualität meines kleinen virtuellen Wohnzimmers hier seit einiger Zeit den Bach runter geht.
Haben Sie Michael Ende gelesen? Die unendliche Geschichte? Ganz so schlimm ist es vielleicht nicht, und der Vergleich hinkt wie ein bedauernswerter Straßenköter in Süditalien, weil ich im Moment das genaue Gegenteil von nihilistisch repräsentiere, aber das Nichts ist schon bedenklich nahe gerückt.

Meine Lust, das Internetz auf Kuriositäten hin zu durchstöbern, lustige Geschichten aus meinem Leben zu erzählen, wahnwitzige Texte trauriger, lustiger oder gestörter Natur herauszulassen oder einfach nur die Nachrichten zu verfolgen und mir was dazu zu denken, hält sich momentan in so engen Grenzen wie zuletzt im Kindergartenalter, als ich noch nicht sonderlich gut schreiben konnte.

Meine Schreibhand ist in Winterstarre verfallen, meine Feder ausgetrocknet, was schon wieder so ein blödsinniger Vergleich ist… Herrgottnochmal! Ich kann nimmer schreiben! Oder halt, das stimmt nicht. Ich könnte ja schreiben, aber was dabei herauskäme, hätte ausnahmslos mit Blumenwiesen, Händchenhalten, Schmetterlingen, Vermissenmüssen (aber nimmer lang) und Frühlingsgefühlen zu tun. Die Gedanken fahren munter Ringelspiel, der Bauch applaudiert, das Herz flattert, und das Hirn hat alle Hände damit zu tun, die notwendigen Lebensfunktionen zu koordinieren und hie und da den Körper dazu zu bewegen, eine Karotte einzuwerfen oder eine Kiwi. Wegen der Vitamine. Es herrscht Themenlosigkeit. Limerenzbedingte Ideendürre. Es ist die Zeit des Gefühlsüberschusses und der - auch worttechnischen - Fokussierung auf einen ganz bestimmten Menschen da draußen. Nachrichten? Lese ich kaum zur Zeit. Ich! Bloß in der Früh kurz derstandard.at, um zu gucken, ob die Welt noch steht. Regierungsbildung? Mir sowas von wurscht. Angesichts dessen, was da gerade passiert mit mir, spielt die Außenwelt nur mehr eine marginalisierte Rolle. Eine durch die Tiefe meiner Gefühle an der Oberfläche der Bedeutungslosigkeit dümpelnde Miniaturrolle. Mit einem Wort: Das Blog verdorrt. (Daß ausgerechnet in dieser Phase knallgrau bei mir vorbeikommt und sich ein bißchen umschaut, wie ich der Statistik entnehmen durfte, ist jetzt übrigens auch irgendwie fies vom Schicksal, mir aber genau wurscht.)

Deshalb, liebe Leserschaft, bitte ich um Nachsicht.
Und nicht nur das. Jetzt kommt es nämlich: Wenn Sie mir wohlgesonnen sind, werfen Sie mir an dieser Stelle ein Stichwort zu. Schenken Sie mir einen ersten Satz. Eine Idee, die von der Bedeutungslosigkeit bis hin zu krausesten Gedanken reichen kann. Ich will wieder einmal eine Geschichte schreiben. Ich will schauen, ob ich es noch kann. Wecken Sie das Schreibtier in mir… Bitte!

miscellaneous

… sich dabei ertappen, wie man in der Nacht wach wird und sein Kissen streichelt.

… sich dabei ertappen, wie man einen Gedanken laut ausspricht, während man nicht allein im Zimmer ist. Sich über die fremde Stimme wundern. Die Kollegin mit großen Augen anschauen. Der Kollegin den Lachanfall gönnen. Mitlachen.

… sich dabei ertappen, wie man zur Kollegin sagt: “Ich werde schon einmal die Präliminarien einleiten”, während man sich ans Kaffeekochen macht. Damit das Klischee einer klugscheißenden Lektorin erfüllen. Das witzig finden.

… sich dabei ertappen, wie man die Milch in der Mikrowelle sucht.

Seufz.

Yo, genau.

“Julchen” dürfen mich übrigens genau nennen:

Mein Papa,
der Kristof
und eigentlich… hm. wenn ich so nachdenke… mein Großcousin, der Gabriel. Und der Tibor von der Arbeit. Und sonst?

sonst niemand.
damit das einmal klar ist. Genau.

(The Artist Formerly Known As Semmel darf mich hiermit und auf alle Zeiten “datJulschen” nennen. Aber der kommt hier ohnehin schon lang nimmer vorbei. Also Makulatur.)

Damit das auch einmal gesagt wäre.

Wie ich einmal an einem Samstag-Nachmittag den Betrieb in einem Supermarkt zum Erliegen brachte

Es gibt einige Menschentypen auf diesem reichen, runden Planeten, die mir schwerst auf den Senkel gehen.
Dazu gehören unter anderem Leute, die sich an der Supermarktkasse nach dem Bezahlvorgang stirnrunzelnd und mit kleinen, verkniffenen Lippenbewegungen ihre Rechnung durchlesen, um dann, mit dem hehren Gesichtsausdruck rechtschaffener Entrüstung den armen Menschen, der hinter der Kassa sitzt, anzukeifen, weil der scheinbar einen Preisnachlaß von 21 Cent nicht gewährt hat - und zum Gaudium der (direkt proportional zur so entstehenden Wartezeit wachsenden) Supermarktkassenwarteschlange nach einigen Minuten noch immer nicht einsehen, daß sie nicht recht haben, erfolgreich die Einschaltung der Filialleitung fordern und schließlich laut schimpfend das Geschäft verlassen.
Man kennt das ja.
In meinen kühnsten Horrorvorstellungen hätte ich mir nicht träumen lassen, daß ich es einmal sein würde, den die Teilnehmer der wachsenden Supermarktkassenwarteschlange am liebsten in kleine Stückchen zerfetzen würden, aber heute war es schließlich soweit.
Ich war also einkaufen. Bißchen Obst, bißchen Brot, bißchen Käse, bißchen Gemüse, ein Bürstl für die Zähne, ein Päckchen Pistazien, Taschentücher, Grapefruitsaft, Joghurt, Milch.
Über die Rechnung von 29 Euro irgendwas war ich dann zwar aufs erste etwas erstaunt, bezahlte aber, weil ich mir meiner Dyskalkulie sehr bewußt bin und überhaupt immer erst mir selber die Schuld gebe an sowas.
Trotzdem nahm ich den Kassenbon an mich, den ich sonst immer liegenlasse.
Und schlich in der Folge gesenkten Hauptes zurück zu meiner Lieblingskassierin, die ich unlängst in der geduldigen Auseinandersetzung mit einem besonders widerwärtigen Döblinger Drachen unterstützte, indem ich ihr meine Telefonnummer hinterließ, falls sie angesichts eventueller Troubles mit der Regionalleitung eine Zeugin benötigen würde.
Die Leute in der langen Schlange musterten mich verhalten.
“Bitte vielmals um Entschuldigung, Frau x”, flüsterte ich kleinlaut und sehr verschämt auf einen Posten hinweisend, “aber ich glaube, da kann etwas nicht ganz stimmen. Zwar bin ich von der hohen Qualität Ihrer Backwaren überzeugt und mir völlig bewußt, daß die Lebenserhaltungskosten in diesem Land nicht gerade dazu tendieren, laufend niedriger zu werden, doch scheint mir der Preis von 33 Euro irgendwas - wiewohl Sie mir in der Zeile weiter unten einen sensationellen Nachlaß von 16 Euro irgendwas gewähren - für zwei Kornspitze ein wenig hoch.”
Frau x., eine prächtige, resolute Weibsperson mit einigem Körperumfang und einem schönen, volltönenden Organ, antwortete in breitem Wienerisch: “Na, hearn’S! Des werd’n ma sich gleich anschaun, wenn i mit dem Herrn do fertig bin.”
Einzelne Köpfe in der langen Schlange reckten sich bereits, und ich vermeinte ein paar helle Blitze neben mir einschlagen zu sehen, die aus wütenden Augenpaaren auf mich geschleudert wurden.
Was mich dazu veranlaßte, mich vorsichtshalber hinter meinem Einkaufswagen zu verschanzen, während sie mit dem Herrn da zugange war, der mich böse anstarrte.
“So”, rief sie mir dann laut zu und schob sich die Lesebrille auf die Nasenspitze. “Jetzt zu uns zwa!”
Ich begann ein bißchen zu schwitzen und öffnete meinen Mantel, der Mob, den ich aus dem Augenwinkel beobachtete, begann sich unruhig zu bewegen wie Baumwipfel vor einem Sturm.
“Na jo!”, donnerte Frau x, “do ham Sie vollkommen recht, 33 Euro für zwa Kornspitz is a wengal gewagt!” Und dann, zur Kassierin an der Nebenkasse: “Liesl, wievü kosten die Kornspitz?” Liesl, die ich ebenfalls sehr mag, wandte sich nicht einmal um. “Woher soll denn i des wissen?”
“Und wenn Sie sie einfach stornieren? Ich brauche die Kornspitz eh nicht”, versuchte ich mich schüchtern als Problemlöserin einzubringen und lächelte den Warteschlangenmob mit der sicher angstverzerrten Karikatur eines echten Lächelns an.
Meine kurzzeitige Erleichterung wandelte sich sekundenschnell in blanke Angst, als Frau x. mich streng anschaute, ihre Lesebrille ab- und das Corpus delicti an sich nahm, um zu verkünden: “Naa, aber sicher nicht! Ich geh jetzt in die Feinkost, die sind nämlich schuld, und Sie warten hier.”

Jetzt muß man wissen, daß dieser Supermarkt wirklich groß ist. Ich versuchte mir - was angesichts meiner erwähnten Dyskalkulie nicht so einfach ist - überschlagsmäßig die Wegzeiten in die und von der Feinkostkostabteilung auszurechnen, dazu das Herausfinden des Kornspitzpreises und möglicherweise noch die eine oder andere Diskussion mit dem zuständigen Backshop-Manager oder wie immer das auch heißen mag, und wußte plötzlich, wie es ist, wenn man einfach nur im Erdboden versinken möchte. Ein rettender Spalt war aber weit und breit nicht auszumachen, und so mußte ich miterleben, wie Frau x. mit weiteren zwei Personen wieder kam und es nach peinigenden 10 Minuten schließlich schaffte, den falschen Betrag zu stornieren, den falsch abgezogenen zu addieren, den richtigen Preis einzutippen und mir am Ende 15 Euro irgendwas auszuhändigen.

Ich für meinen Teil werde für all die Wartenden nun gebrandmarkt sein als widerwärtiger Drachen, kann nie wieder unbelastet in meinem Lieblingssupermarkt einkaufen und werde mir überhaupt den Verzehr von Kornspitzen abgewöhnen. Sofern man mir nicht heimlich gefolgt ist, demnächst meine Wohnung in Brand steckt und meinen abgetrennten Kopf auf einem Pfahl zur Schau stellt, mit dem Hinweis: “Sie wird nie wieder eine Kassierin quälen!”