Archiv für die Kategorie 'Geschmackspolizei!'

Wie ich einmal auf derStandard.at zensiert wurde

Es geht um diesen Artikel und meinen - zugegeben etwas sehr sarkastisch formulierten Kommentar dazu, der da lautete:

Hilfe!
Ich will als Konsument aber nicht von einem Denver-Clan-Frustwachtel-Lookalike “geprimed” werden!

Er war etwa zwei Stunden online, ich erhielt vier positive Bewertungen und eine Antwort (”ja, die ähnlichkeit mit krystle carrington ist verblüffend.” von User “lercherl”) dann allerdings schlug der Zensor zu und entfernte mein Posting und einige weitere.
Grund genug für einen vergnügten Eintrag auf meinem eigenen Blog, und zwar weil ich denke, daß in diesem Fall die vermeintliche Samtschuhbehandlung einer langjährigen Agenturchefin gar nicht so recht mit dem Grundsatz “Jeder User hat das Recht auf freie Meinungsäußerung” konform geht. Was der eifrige Zensor auch übersah: ich habe nicht die Dame, die ich ja nicht persönlich kenne, “Frustwachtel” genannt, sondern lediglich (in zugegebenermaßen flockigen Worten) festgestellt, daß sie optisch der Denver-Clan-Frustwachtel gleicht - womit ich übrigens auch beileibe nicht die sehr attraktive Schauspielerin Linda Evans, die ich nicht persönlich kenne und niemals Frustwachtel nennen würde, sondern die dargestellte Figur Krystle Carrington meinte. Somit hat meine - der Redaktion zu grobianisch formulierte - Nebenaussage dafür gesorgt, daß der eigentliche Kern meiner Kritik an der Methodik der Dame* nicht mehr gelesen werden kann - denn es ging ja wohl nicht tatsächlich darum, diesen selbst als unerwünschte Aussage zu unterdrücken…

Wie auch immer. Die
Große Nordkoreanische Meinungsfreiheitsgedächtnismedaille
ergeht hiermit an die derStandard | Etat-Redaktion. dieJulia gratuliert!

*“Mein Ziel ist es, über Beeinflussung der neuronalen Netzwerke einer Marke Kaufentscheidungen beim Konsumenten schon in der ersten Sekunde vorauszuprägen – zu primen.” Abgesehen davon, daß das m.E. nicht korrekt formuliert ist und ich annehme, daß man die neuronalen Netzwerke des Kunden zugunsten der Kaufentscheidung für eine Marke beeinflussen will, stehe ich nach wie vor zu meiner Aussage, daß ich mich weder “primen” noch blitzdingsen noch sonstwas lassen will, damit ich dann schokoladefressend darüber nachdenke, wie ich mir den ersehnten 3er BMW bei Bank x finanzieren lassen könnte. Das klingt erstens gruselig und wäre zweitens ja noch schöner!

Von Frau zu Frau

Wieder einmal ist B. mit seinen Kumpels unterwegs - anstatt mit seiner Frau einen schönen Abend zu verbringen. S. sitzt zu Hause. Ihre Gefühle schwanken zwischen Ärger und Angst. “Vielleicht ist es ihm zu langweilig mit mir?”, “Er liebt mich eben nicht so sehr wie ich ihn” oder “Um mich kümmert er sich überhaupt nicht” sind die Sätze, um die sich ihre Gedanken drehen.

Wenn B. nach Hause kommt, merkt er sofort, dass es seiner Frau nicht gut geht. Wie so oft, wenn er alleine etwas unternimmt. Das nervt, schließlich war er ja nur drei Stunden weg!

Der Weg aus dieser Misere?

Sie lässt ihren Partner los. Er darf Zeit für sich haben und was unternehmen. Sie wird es schwer aushalten - aber kann sich vor Augen führen, daß er zurückkommt, ihr dann von seinen Erlebnissen erzählt und sie das bekommt, wonach sie sich sehnt - echte Nähe zu ihm.

Ist das nicht ein Gedicht von einem Lebensratgeber? Ein Traum von einem Frauenbild? Sie, die verhärmte junge Gattin, sitzt malerisch auf der Wohnlandschaft, schaut die Wände an und seufzt leise, sie hat Angst, ist verzagt und weint ein bißchen, während der Göttergatte um die Häuser zieht. Aber wenn er dann nach Hause kommt, kann er ihr von seinen Erlebnissen erzählen… klar, Frauen haben ja keine Hobbys, interessieren sich weder für Bücher noch für Musik oder Filme und haben auch keine Freundschaften, die sie pflegen. Sie sind nur dafür gemacht, ihn zu haben, der ausziehen und ihnen dann von seinen Erlebnissen erzählen kann.

Satire? Nein.
Auszug aus einem Frauenratgeber aus den Fünfzigern? Nein.
Die drei Absätze da oben geben jenes Frauenbild wieder, das die Zeitschrift “Wienerin” in ihrer Ausgabe September 2007 auf Seite 130 f für zeitgemäß hält.

dieJulia gratuliert und verleiht der Redaktion hiermit die Gunnar Prokop-Gedächtnismedaille für ein modernes Frauenbild!

Butt not for me

Warnung! Dieser Eintrag ist aufgrund streng subjektiver, vulgärer, sarkastischer und unappetitlicher Inhalte nicht für sensible Naturen, kleinere Hunde und Jugendliche unter 18 geeignet! Außerdem sind die Sätze verschachtelt, was immer passiert, wenn ich mich aufpudle. Lesen auf eigene Gefahr!

Zu den traurigsten, häßlichsten und bizarrsten Auswüchsen der Zivilisation, wenn nicht überhaupt zu den sichersten Zeichen für den baldigen Niedergang aller Kultur und den nahenden evolutionären Sieg der Kerbtiere über die Menschheit, zählt das sogenannte Gutscheinheft.

Dieses Produkt der Hölle, das als Prototyp des Verbrauchers die traurige Karikatur debiler Horrorhausfrauen in Polyestherblümchenkleidern und ihrer degenerierten Sippschaft (wie Manfred Deix, der Meister des Häßlichen, sie so gern zu Papier bringt) annimmt und neben drei, vier Anzeigen scheinbar seriöser Unternehmen (zu meinem absoluten Entsetzen hat auch derStandard einen Bon darin plaziert) im - graphisch jeder Beschreibung spottenden - Kleinstformat Knebelverträge für wertlosen Kram zu überteuerten Preisen als besondere Schnäppchen feilbietet; diese Beleidigung für jeden halbwegs denkenden Menschen flatterte mir also (entgegen meinem generell respektierten Nein zu Werbematerial) vor ein paar Tagen vor die Wohnungstür.

Da ich meinen Müll selbstverständlich strikt trenne, hob ich das ressourcenmordende Heftchen (”Willi’s INFOBON”, klarerweise nicht ohne Deppenapostroph) auf und legte es auf die Mikrowelle, um es anderntags der Altpapiertonne zu überantworten. Nun verhält es sich aber so, daß ich die - sicherlich nicht sehr damenhafte, aber was an mir ist schon damenhaft? - Angewohnheit habe, beim Stoffwechseln zu lesen. Das Lesen und das Stoffwechseln sind bei mir quasi eine unverbrüchliche Symbiose eingegangen, wobei ich mitunter, um die Defäkation zu unterstützen, zu Hardcore-Stoff wie eben unerwünschtem Werbematerial (oder einem dümmlichen Weibchenmagazin österreichischer Provenienz) greife. So kam mir dann also das - eigentlich als wegwerfbereit klassifizierte - Gutscheinheft in die Hände, und ich besah mir beim, nennen wir es einmal ganz uneuphemistisch: Kacken, was man solcherart versucht, an den Mann und die Frau zu bringen.

Neben pixeligen Anzeigen für Nullneunhundertdreißig-Hotlines (”Ostfrau Olga will dich kennenlernen!”), parfümierte Sojakerzen zum Kennenlernpreis um nur zwölfeuroneunzigstattspäterfünfzehneuroneunzig, Dessous-Abos (?!) und echt versilberte Christusanhänger fand ich dann etwas, das mich, nun ja, auch nach dem abschließenden Händewaschen noch beschäftigte, und das ich meinen wunderbaren Lesern einfach nicht vorenthalten kann. Etwas, das mich nachhaltig irritiert, weil ich es auch nach Tagen nicht und nicht verstehe.

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Es verwirrt mich allein schon die Aussprache. Spreche ich es [Butt] aus, obwohl das ganze ja offensichtlich kein Fachmagazin für Plattfischzucht ist (denn wieso sollte man dann ein Menschenkleinkind aufs Cover tun?), oder, englisch, [Batt], was (vulgär) für “Arsch”, “Hintern”, aber auch “Gewehrkolben”, “großes Faß”, “Kippe”, “Stummel” und “Zielscheibe” steht?* Baby-Hintern ist noch die nobelste Variante, aber… Soll man ein Baby-Magazin wirklich Baby-Hintern nennen? Oder hat es mit “Putt-putt-putt” (der Österreicher verschleift ja harte Konsonanten gern zu weichen. Siehe Amerigana) zu tun? Und macht man das nicht eher angesichts von Truthähnen?

Vielleicht kann mich ja jemand aufklären. Vielleicht ist aber auch das Ende nah. Das heimtückische Kerbtier an der Wand schaut schon ganz bedenklich drein. Heute Nacht übernehmen sie die Macht. Das war’s dann mit der Menschheit. Haben Sie eine schöne Apokalypse und machen Sie’s gut, man sieht sich!

* LEO D-E Ergebnisse für “butt”

Ein, äh, sensibles Geschäft…

Manchmal kann man ja einfach nur sprachlos stehenbleiben und die Kamera zücken.

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[groß? Klick!]

Katzen-Jammer

Jemand in meiner Nachbarschaft übt seit ca. zwei Stunden mit der unzerrüttbaren Inbrunst eines Sonderschülers, der gerade mit dem Zusammensetzen seines ersten, fünfteiligen Puzzles in Form einer Kuh zugange ist, auf einem Saiteninstrument. Und so komme ich, ob ich will oder nicht, seit rund 120 Minuten in den zweifelhaften Genuß derselben vier Takte, wobei das Gejaule an sich am ehesten noch wie der schaurige Todesgesang einer Kreuzung zwischen Esel und Hund klingt, der gerade Unaussprechliches widerfährt. Ein Geräusch, bei dem einem das Blut in den Adern gefriert und Fliegen tot von den Wänden fallen. Verzweifelt. Gequält. Agonie in Reinkultur. Katzen bei der Paarung klingen übrigens auch so ähnlich.

Ich bin ein friedlicher Mensch. Ich bin ein sehr, sehr friedlicher Mensch. Pazifist aus Überzeugung. Aber schön langsam erwacht in mir der wirklich große Wunsch, dem unbegnadeten “Übenden” da draußen seine einsame Katzen-Jam-Session zu vereiteln. Ihm sein Instrument wegzunehmen, es vor seinen flehenden Augen zu zerhacken, anschließend anzuzünden und zuletzt die Asche aus dem Fenster zu streuen. In alle vier Windrichtungen. Genüßlich. Und gnadenlos. Harharhar.

Aus der Reihe: Dinge, die ich in diesem Leben nicht kennenlernen möchte

Würchwitzer Milbenkäse (”Im Verlaufe des von außen nach innen ablaufenden Reifungsprozesses färbt sich das Äußere des Käses nach etwa vier Wochen gelb, bis es nach drei Monaten in ein rötliches Braun und nach einem Jahr schließlich in eine schwärzliche Färbung übergeht. Die Milben werden beim Verzehr des Käses mitgegessen.”)

Gerade noch hungrig, jetzt nicht mehr. Mehr über den “lebendigsten Käse der Welt” auf milbenkaese.de. Mahlzeit. ;)

Meine Spar!

An Mann oder Frau wos sitzt in Agentur wos mocht Wärbung fir Spar!

Grießditsch!

“Meine Spar” nix is gut Deitsh!
Frogst du nächste Mal Läktor, wenn du mochst Kampagne, fir wos du kriegst viel Gäld und Ruhm. Frogst du zum Baispil mich, moch ich gern fir dich, nix is teuer. Guckstu Impressum fir Kontakt.

Fraindliche Grieße,
deine Julitschka

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[Klickstu fir mochta Plastiksack groß!]

Werbebotschaften

Es fällt mir offengestanden schwer, die bizarre Puppe mit dem verzweifelten Gesichtsausdruck, die da so dramatisch über dem Eingang des Südbahnhofs kollabiert, mit besonders verlockenden Angeboten der ÖBB in Verbindung zu bringen.

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Das mutige Werk einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Abriß und Umbau des Bahnhofs? Eine PR-Kampagne für eine neuartige Religion? Welchem grausamen Gott huldigt dieses androgyne Geschöpf mit den roten Lippen? Ist es ein Märtyrer?

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Aber schließlich brachte ich das seltsame Ding dann doch mit dem Plakat dahinter in Zusammenhang. (”ÖBB - Du am Zug.”) Naja, liebe Werber… verstehen Sie mich nicht falsch, aber… was genau wollen Sie dem Betrachter damit eigentlich sagen? Daß die verzagte Puppe besser mit dem Zug gefahren wäre? Daß Bahnfahren auch wieder nicht so teuer ist, daß man sich deshalb gleich vor den Zug werfen muß? Ich werde es wohl nie erfahren.

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Aller guten Dinge sind drei. Heute: der PSYCHOstock

Stöckchenwildwuchs hier, gell? Nun, da müssen wir durch, notfalls mit stumpfer Machete und ungeeignetem Schuhwerk. Der liebe Herr Ad hat wieder einmal einen sogenannten Stock geschnitzt und ihn mir freundlich überreicht. Wobei ich schon sagen muß, daß dieses Wurfholz ganz hervorragend für eine Person wie mich geeignet ist… harharhar…
Also.

finden sie werkzeuge schön?
Ich finde Werkzeuge sogar sehr schön! Sie sollten mal mein knallrotes Schraubenzieher-Set mit verzinkten Spitzen sehen… mit Liebe ausgewählt und immer wieder gern hervorgeholt. Überhaupt gab es für mich schon im Kindesalter nichts schöneres als Popvaterns “Fliegerkammerl”, wo all die herrlichen werkzeugmäßigen Dinge gelagert wurden. Und Schrauben, Nägel, unbenennbare Dingse. Ein Mysterium. Herrlich! Ehrlich. Also ja, ich finde Werkzeuge leiwand.

scharfe messer?
… unentbehrlich. Jedes Kind weiß, daß stumpfe Messer verletzungstechnisch viel gefährlicher sind als scharfe, weil man damit leicht vom Schneidegut abrutscht und zudem automatisch mehr Druck ausübt. Folge: tiefe, häßliche Fleischwunden, die schlecht heilen, weil das Gewebe mehr zerrissen und gequetscht als zerschnitten wurde. Probieren Sie das nur mal mit einem Paradeiser (= einer Tomate), dann wissen Sie, was ich meine. Als ursprünglich gelernte Köchin (HBLA für Tourismusberufe mit integriertem Diplom in den Berufen Koch und Kellner) und durchaus einiger Erfahrung im Gastgewerbe weiß ich den Wert gut geschliffener Messer also quasi verbrieft und besiegelt zu schätzen. Kleiner Klugscheißertip am Rande: Messer nach
Gebrauch immer sofort abwaschen und gut abtrocknen. Und nie, nie, nie in die Spülmaschine geben oder im Nassen liegenlassen. Das wird Ihnen jeder Sushi-Koch bestätigen.

äxte?
Wunderbar! Wußten Sie, daß Holzhacken das beste Beispiel für kombinierte Schwung- und Druckperkussion ist? Und nebenbei ein wunderbarer Zeitvertreib, der richtig Spaß macht? Ich liebe es, dieser Beschäftigung zuhause bei den besten Eltern der Welt, die einen wundervollen Kachelofen haben, nachzugehen. Vor allem im Winter. Der würzige Waldduft des goldenen Harzes, die Kraft, die sich von den Armen und Schultern auf das Holz überträgt… Äxte sind was Feines.

und wo wir schon beim zerstückeln von menschen sind - empfinden sie mitleid?
Es passiert schon gelegentlich, daß ich jemandem im Affekt Zahnwurzelkaries und schlimmeres an den Hals wünsche, aber der Gedanke an die Auslöschung anderer Existenzen ist mir völlig fremd. Es wird auf dieser Welt zu viel geblutet, gelitten und gestorben, mich schaudert’s.

horrorfilme?
Gerne. Vor allem alte. Der Exorzist. Das Omen. Bette Davis-Klassiker (Scarlett.. Scaaaaarlett!). Psycho. Die Vögel. Und ein paar neue auch. The Ring zum Beispiel, oder Das Schweigen der Lämmer, Hannibal und Roter Drache.

lesungen merkwürdiger personen, die ähnlich denken, wie sie?
Merkwürdig ist ein schönes Wort in diesem Zusammenhang. Bemerkenswert noch viel schöner. Und “Lesung” hat eine durchwegs positive Konnotation für mich, nachdem ich (Herbert!) dahingehend meinen Initiationsritus durchlaufen habe. Hoffentlich bald wieder. Egal ob aktiv oder passiv. Man sollte das auch in Ö. ankurbeln… passiert viel zu wenig hier, so lesungstechnisch.

sind blogger weltfremd, wenn sie schon soweit gehen, lesungen zu veranstalten?
Au contraire. Weltfremd wären sie, würden sie das nicht tun.

weltuntergang?
Wir haben bekanntlich acht Jahre, um daran vorbeizuschlittern, und wenn wir das hinkriegen, kostet es weniger als 0,12 Prozentpunkte des jährlichen Wirtschaftswachstums. Eigentlich Wahnsinn, oder? Wir leben in einem ziemlich düsteren Zukunfts-Thriller, wenn man sich das ein bißchen überlegt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich mir manchmal die Welt so anschaue, muß ich schon zugeben, daß ich irgendwie latent Angst habe. Rekordtemperaturen im April, Dürre, Notstand in Italien, rätselhaftes Bienensterben, Gletscherschmelze, Tornados, Flutwellen, weltweites Artensterben im Zeitraffer und Umweltkatastrophen unvorstellbaren Ausmaßes in China. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Feuer am Dach. Keine schöne Zeit.

finden sie meine fragen scheiße?
Bis auf die mit dem Menschenzerstückeln fand ich sie bis jetzt sehr gut!

ich starre meine sonnenverbrannten hände an und finde sie sexy. wie sehen ihre hände aus?
Auch schon ziemlich gebräunt für diese Jahreszeit. Ich hab im Moment überhaupt schon eine - hierzulande auch als Gastgartenbräune bekannte - Farbe entwickelt. Will sagen: Wenn ich nackig bin, kann ich schon sehr deutlich die T-Shirt-Umrisse erkennen.

ist schlimmes denken vernünftig?
Dazu müßten wir erst einmal definieren, was “Vernunft” überhaupt ist. Ich sag mal so: Das weite Land zwischen den Ohren läßt vielfältigste Reisen zu. Und grenzenloses Denken gehört nun mal zur Conditio humana. Und das ist gut so. Ob es allerdings vernünftig ist, steht auf einem anderen Blatt. Da müßte ich mich jetzt genauer einlesen, um in den philosophischen Diskurs einsteigen zu können. Oder so. ;)

eitelkeit?
Ich glaube, eine gesunde Form der Eitelkeit - den eigenen Output betreffend - darf durchaus als Imprägnierung gegen Sichgehenlassen, als Kreativitätsinkubator, ja sogar als gewisser sozialer Kitt gewertet und somit als positiv eingestuft werden. Wenn es allerdings um Eitelkeit im Wortsinn geht und somit um männliche wie weibliche Tussis, die Aussehen und Oberflächlichkeiten über alles stellen und sich lieber mit Schühchen, Make-Up und Fetzchen beschäftigen als sich ihres Verstandes zu bedienen, kann ich darüber nur sarkastisch lachen.

ist dieser stock bescheuert?
Ganz im Gegenteil. Sehr anregend eigentlich!

und sonst?
Ich grüße zwischendurch meine Tante Monika und ihren Mann, den Onkel Franz, Hauptschuldirektor a.D., Organist, sehniger Radlfahrer, Spazierengeher, Landschaftsphotographierer und Neo-Weltenbummler.
Ich kann den Regen hören und vor allem den nassen Stein riechen, und ich finde das gerade wunderbar.
Die liebenswerte und sehr bezaubernde Gusti Wolf ist gestern 95-jährig verstorben.
Das einzige Tier mit vier Knien ist der Elefant.*
Der Mond hat das gleiche Volumen wie der Pazifische Ozean.*
Die Römer färbten sich mit Vogelkot die Haare blond.*
Hasen und Meerschweinchen schwitzen nicht.*
Wenn man eine Briefmarke anleckt, nimmt man etwa eine Viertelkalorie zu sich.*
Weltweit werden 23 Prozent aller Schäden an Fotokopierern von Leuten verursacht, die darauf sitzen, um ihren Hintern zu kopieren.*
Fledermäuse fliegen immer nach links, nachdem sie ihre Höhle verlassen haben.*
Kolibris können auch rückwärts fliegen.*
Die Erde wiegt ungefähr 5.970.000.000.000.000.000.000 Tonnen.*
Das Herz eines Blauwals ist etwa so groß wie ein VW-Käfer.*
In Paulding, Ohio, darf ein Polizist einen Hund beißen, um ihn ruhig zu stellen.*
Makack-Affen waschen ihre Süßkartoffeln, bevor sie sie essen.*
Buzz Aldrin war der erste Mensch, der auf dem Mond Stuhlgang hatte.*
und:
1995 wurde das Brieftaubenkorps der Schweizer Armee aufgelöst.*

Gute Nacht. Und viel Glück.

[*Quelle: Datenbank des nutzlosen Wissens]

Weibchenmagazin-Bashing

Vor ein paar Jahren habe ich in vollkommener juveniler Verblödung ein Hochglanz-Frauenmagazin österreichischer Provenienz abonniert, das mit Wie anfängt und mit nerin aufhört. Die Gründe dafür sind an einer Hand abgezählt: das Heft kostete damals am Kiosk satte 48 Schilling, das Einjahres-Abo (zehn Ausgaben) im Supersonderangebot hingegen 180; für leiwande Printwerbung interessierte ich mich immer schon (es gab Zeiten, da habe ich ganze Kampagnen gesammelt, um sie zu launigen Collagen zusammenzufügen), und dann war da noch die Geschichte mit den Kosmetikpröbchen. Und überhaupt: vollkommene juvenile Verblödung eben. Jahre später flattert mir dieser unsägliche Schrott aus unerfindlichen Gründen immer noch zehn Mal per anno ins Haus, und da es eben schon einmal in meinem Postkasten landet, nehme ich es halt auch mit hinauf in meine Wohnung, check mir die Pröbchen, die für Kurzurlaube recht praktisch sind, blättere das Ding mit spitzen Fingern durch und trage es anderntags wieder hinunter, um es mit höhnischem Gesichtsausdruck dem Altpapiercontainer zu überantworten.

Und immer wieder, wenn ich mir dieses letztrangige Übel in Hochglanzverpackung so durchblättere, bin ich grenzenlos verwundert über das nachgerade unerträgliche Maß an Seichtheit und Dekadenz; dieses jede höhere Intelligenz beleidigende Geschwafel, das da mit bemerkenswerter Selbstsicherheit verbrochen wird. Es will mir scheinen, daß sich die Redaktion dieses Machwerks aus dürren Gehirnpygmäen in so teuren wie häßlichen Designerfetzchen und pinken Schleifchen im Haar zusammensetzt (erinnert sich wer an die “Frauen von Stepford”?), alternde Kindfrauen, die nix anderes im Kopf haben als das weiße Rauschen der völligen Denkfreiheit, ihre gequirlten Diätdrinks und den nächsten Shopping-Trip oder schlecht übersetzte Society-News, wie sie einem auf gmx.de und Konsorten stündlich um die Ohren gehauen werden. Ach ja, aufwendige Fotostrecken werden auch geboten. Irgendein Assi irgendeines Starfotografen giert immer darauf, dummglotzende Kleiderständer abzulichten und damit ein bißchen Kohle und noch viel mehr Publicity einzustreifen. Möglicherweise ist aber alles ganz anders: dieses Magazin wird nämlich, so meine aktuelle Theorie, von bierbäuchigen, goldkettchentragenden Machos gemacht. Ich persönlich habe seit längerer Zeit den Verdacht, daß dieser Dreck in Wahrheit für patriarchalische, bigotte Mittvierziger gedacht ist, die sich natürlich nicht an den nichtssagenden Storys, die man alibihalber ins Heft pappt, sondern selbstverständlich an den schmollmündigen Lolitas begeilen, die da Ausgabe für Ausgabe unter dem Deckmäntelchen der neuesten Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Wintertrends zur Schau gestellt werden. Das vermittelte Frauenbild paßt übrigens ganz gut ins Konzept: das angeblich emanzipierte Weibchen soll hübsch sein, locker Job und Familie schmeißen, sich ein ganz kleines bißchen für Politik und Kunst interessieren, Kochrezepte sammeln, brav das Horoskop lesen und immer schön fit bleiben. Erlebnisberichte, wie es beim Schönheitschirurgen und im Wellnesstempel so zugeht (”das Botoxspritzerl ziept nur ein winzigkleines bißchen!”, darf da die selige Babsi aus der „Schönheit-Redaktion“ nach dem Selbsttest stolz verkünden), wechseln sich mit andeutungsweise frivolen Dossiers ab, die davon handeln, wie man etwa als Betthupferl für den anspruchsvollen Herrn unvergeßlich bleibt, oder womit man den betuch… äh, geliebten Göttergatten in spe morgens bewirten muß, damit aus einem One Night Stand eine funktionierende Ehe wird. Gewürzt wird das ganze mit durchwegs geschmackvollem Bildmaterial aus dem Hause Corbis & Co. Dazwischen thronen ganzseitige Einschaltungen für die Antifaltencreme von Saint Irgendwas und den fetten Benz und – nicht immer sauber vom „redaktionellen“ Teil abgegrenzt – versteckte Anzeigen für allerlei luxuriösen Kram.

Alles in allem eigentlich eine unfaßbare, wenn nicht sogar eigentlich unter Höchststrafe zu stellende Papierverschwendung.
Andererseits gibt es ja auch genug dumpfbackige Leute, die sich mit Inbrunst den Musikantenstadl anschauen, Bergdoktor und Traumschiff als hochwertige Abendgestaltung empfinden und demnächst eventuell die Anschaffung eines Drittbuchs planen (ein Roman von Rosamunde Pilcher und irgendein vulgärpsychologischer Lebensratgeber stehen schon im Buchregal!). Publikum wird also durchaus vorhanden sein, und ich darf mich - mea culpa! - an dieser Stelle eigentlich schon überhaupt nicht aufregen. Obwohl ich anfügen möchte, daß ich… nun ja… nix bezahle für dieses eigentlich schon lange abgelaufene Abonnement.

Morgen jedenfalls befreie ich mich von diesem Übel. An der unnötigen Abholzung heimischer Wälder zum Papiergewinn möchte ich nämlich nicht mit schuld sein, das belastet dann nämlich wohl mein - was hab ich da auf Seite 120 gerade aufgeschnappt? - Karma.

Und wo wir grad bei den Hochglanzmagazinen sind: es ist ein Quantensprung da hinüber und um alles in der Welt nicht als Beleidigung gedacht, wenn ich mit dem abschließenden Atemzug dieses Postings darauf hinweise, aber: carnivoren Hedonisten empfehle ich an dieser Stelle aus ganzem Herzen die neueste Ausgabe des besten Magazins der Welt: Fleisch 5 ist da!

post scriptum: Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich niemanden beleidigen will, weil er einen anderen Geschmack hat als ich, daß ich beste Kontakte mit Frauenmagazinleserinnen unterhalte, obwohl ich meine Reifen höchst persönlich wechsle, daß bei der Erstellung dieses Postings keine Tiere zu Schaden kamen und daß man mich in meiner halböffentlichen Stänkerlust bitte nie bierernst nehmen darf (außer es geht um Strache und Konsorten). Sie als meine besten Leser der Welt wissen das aber ohnehin.