Zwar interessiere ich mich nicht auch nur ansatzweise für Fußball und muß gestehen, daß meine persönliche Freude angesichts der hermetischen Abriegelung ganzer Stadteile, der temporären Schließung von Bundesgärten und Kultureinrichtungen und der Verschiebung des doch gern besuchten Donauinselfestes in die triste Jahreszeit mild ausgedrückt endenwollend ist, aber Interviews mit Stermann und Grissemann gehen immer. SCHWEIZ, WIR WISSEN, WO DEIN AUTO STEHT (Interview: Matthias Wagner). (via).
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Also:
Gestern sehr tapfer gewesen. Zwei Hosen, drei T-Shirts und zwei Jacken gekauft. Elektronikgroßmarkt meines Vertrauens nicht betreten. Bin sehr, sehr stolz auf mich!
Kapuzenjacken heißen neuerdings auch hierzulande Hoody. Bekomme den Satz “Da kommt der Rudi mit seiner neuen Hoody” nicht mehr aus dem Kopf. Das nervt!
Heute massives Aufkommen von zwitscherndem Kleinfedervieh, wolkenloser Himmel und Sonne, Sonne, Sonne. Totalitärer Frühlingsgefühlsausbruch!
Außerdem:
Der unpackbar leiwande Rainer von Vielen geigt - samt Kauz - heute im Ost-Klub auf. Freu mich!
Sonst: schreibgehemmt und trotz oder wegen hoher Stattfindnisdichte irgendwie blo(g)ckiert. Blockade aber nicht gleich Blog ade. Bleiben Sie mir treu, wenn’s geht!
Gerade zwei doch durchaus themenverwandte Bücher gelesen: Von einem meiner Lieblingsautoren T.C. Boyle stammt Dr. Sex, die (mit vielen fiktiven Elementen angereicherte bzw. aus Sicht des fiktiven Charakters John Milk erzählte) Geschichte über das Leben und Wirken von Alfred Kinsey, die sich schon beim ersten Lesen als einer der sehr guten Boyles erweist, weil er in diesem Buch ein sehr plastisches (Sitten-)Bild der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts zeichnet und man beim Lesen eine gewisse Ahnung davon bekommt, was es gerade für junge Menschen bedeutet haben muß, in einer prüden und streng konservativen Gesellschaft zu leben, in der Sexualität nicht nur tabuisiert, sondern tatsächlich kriminalisiert wurde, sofern man nicht verheiratet war. Dann war da mein zweiter Chuck Palahniuk - Der Simulant, ein - wie nicht anders zu erwarten war - denkbar bizarrer Roman über einen Charakter, der, halbherzig seine Sexsucht kurierend, das Geld für die Betreuung seiner an Wahnvorstellungen leidenden und auch sonst nicht gerade vor Gesundheit strotzenden Mutter zusammenkratzt, indem er in einem Freiluftmuseum arbeitet und abends in Restaurants Erstickungsanfälle simuliert, worauf er von seinen “Rettern” aus Mitleid auch noch mit Schecks eingedeckt wird. Wer Palahniuk (Autor von “Fight Club”) kennt, weiß, daß die Dinge nicht gerade besser oder gar lebenswerter werden, wenn einer seiner Protagonisten sich absurderweise auch noch verliebt, und wenn ein Sexsüchtiger sich zur Ärztin seiner durchgeknallten Mutter hingezogen fühlt und immer mehr Hinweise erhält, daß er sowas wie Jesus Christus ist: nun ja.
Zum einen also Boyles von feinem Witz durchzogene, sprachlich gewohnt geschmeidige fiktiv/reale Geschichte im Hochschulmilieu, zum anderem das düstere Palahniuk’sche Universum, in dem es ausschließlich kaputte Gestalten, Drogen- und sonstige Exzesse und wilde verschwörungstheoretische Ansätze (”Wenn in einem Hotel ein Herr Sowieso an die Rezeption gerufen wird, bedeutet das einen Terroranschlag, wenn der Donauwalzer gespielt wird, Feuer”) gibt; immer mit einem schiefen Grinsen im Gesicht. Während Boyle in so perfekt formulierten wie detailreichen Worten die derbsten Dinge beschreibt, kennt Palahniuk keine falsche Scham und schreibt im tiefsten Gossenslang und mit der berserkernden Fabulierlust eines enttäuschten Idealisten - schräg ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt - über, genau, die derbsten Dinge. Aber das klingt vielleicht zu wertend, denn abschließend kann ich sagen, daß meines Erachtens beide sehr lesenswert sind und mein Lesejahr somit insgesamt gut begonnen hat.
1. Zwischendurch Amélie Nothomb: Quecksilber gelesen. Ein gewissermaßen altmodisches Kammerspiel - eine Insel, ein Haus ohne Spiegel, ein alter Mann, zwei junge Frauen und ein schreckliches Geheimnis. Auf den ersten Blick so schlicht geschrieben, daß einem schon fast die Lust an der Lektüre vergeht, dennoch von der ersten Seite an fesselnd, voller Überraschungen und bald schon gescheiter Dialoge - scharfe Wendung und alternativer Zweitschluß inklusive. Und wieder ist es (wie schon in der Reinheit des Mörders) eine so intelligente wie pragmatische Frau, die einem widerwärtigen alten Mann mit Allmachtsphantasien zeigt, wo der Hammer hängt, ohne daß das Buch den Stallgeruch von Weibchen”literatur” verbreiten würde. Doch. Als Entrée durchaus empfehlenswert.
2. Wiederentdeckt: eine der leisesten, verschrobensten und herzerwärmendsten (und fleißigsten) Bands auf diesem Planeten. Phish. Fast ein kleines Tränchen der Rührung zerdrückt gestern. Sooo schön!
3. Wenn der allmächtige Staatsfunk am 7. November den Advent ausruft, wird es allerhöchste Zeit, sich für den Rest des Jahres nach Abu Dhabi zu verziehen. Für den Fall, daß man den geschmacklosen Plunder und die künstlich aromatisierten Schnapsausdünstungen der ach so schönen Christkindlmärkte, die von jetzt bis Jänner krakengleich ein engmaschiges Netz des Grauens über Wien werfen, äh, nicht so gern hat.
Leider ist Abu Dhabi teuer. Vielleicht werde ich Teilzeitfremdenlegionärin. Oder so.
4. Hat gestern einer gegugelt: “Sitze im Fahrstuhl fest”. Leider ohne nähere Angaben. Ich hoffe, Sie sind wieder freigekommen.
Der junge Mann (29) ist Quantenphysiker und begnadeter Fotograf. “Um ehrlich zu sein, ich mag es nicht, zu fotografieren” vertraut er der Zeitschrift “Photographie” an, und es klingt kein bißchen kokett. Seine Bilder sind unheimlich, haben einen ganz eigenartigen Schmelz und ziehen einen sofort in ihren Bann. David Lynch faßte es so zusammen: “They are all beautiful”.
Wer sich in die dunklen, surrealistischen und alptraumhaften Welten des Andrzej Dragan wagen möchte, begebe sich auf seine Seite.
Stermann & Grissemann. Klick den Link, Trailer startet.
[Ich erwäge inzwischen ja die Einführung einer Kategorie “Empfehlungen”. Ach… wo ich es schon erwäge… es gibt jetzt eine neue Kategorie… :) Und ja, ich weiß - im Moment is hier nicht sonderlich viel los, und auch anderswo halten sich meine Beiträge in Kommentarform in Grenzen. Das liegt, der gewitzte Leser, die kluge Leserin hat das sicher schon voll durchschaut, vor allem an diesem seltsamen Countdown hier… und dann ist auch noch mein Bein kaputter als angenommen, und außerdem lese ich gerade Juli Zehs neuen Roman, über den bald einmal was gesagt werden wird hier im Blog. Link ist aber kein Verlegenheits-Posting, sondern echt klickenswert!]
[drei]
klick. Ton an, unbedingt.
Und das alles nur wegen dem Googlehupf (Katzenmarmelade). Web 2.0. Einfach saugeil.
[sechs]
Ich möchte Albin Janoskas Katze interviewen. Nicht nur, weil sie bei “Login” mitsingt und das Cover von “le grand baheux” ziert, sondern weil sie sicher viel erzählen kann über den Albin. Bin dahingehend in Verhandlungen mit allen möglichen Informanten. Und den Medien.
Gestern kam, dank dem Holden, ein heißersehntes Buch in meinen Postkasten geflutscht. Chuck Palahniuk (Autor von “Fight Club”): Flug 2039. Ein Mann, Tender Branson, hat ein Flugzeug entführt, alle Passagiere am Flughafen zurückgelassen, sich vom Piloten, der daraufhin mit dem Fallschirm abspringen durfte, das Notwendigste erklären lassen und den Autopilot eingeschaltet. Das Flugzeug wird so lange fliegen, bis der Treibstoff über dem Australischen Outback ausgeht, und Tender Branson wird der Blackbox seine mit allerlei seltsamem Personal bevölkerte Geschichte erzählen… den Ausgang kenne ich selbst noch nicht, ich bin erst bei der Hälfte. Aber ich bin sehr daran interessiert, ihn noch heute herauszufinden. Tolles Buch!
Ich nominiere e!genart hiermit für den hiermit (hoffentlich) spontan erfundenen Blog-Oscar 2007, und zwar für “Nuss für Arthur”.
Es hat mehr als 32 Jahre gedauert, bis ich, und zwar zufällig, im ewigen Kampf gegen Herpes labialis, das quasi legendenbildende Gestein der Waisen (heute wieder mal mit Karl Auer gefrühstückt, was, dieJulia?) gefunden habe. Heute früh beim Zähneputzen. One Drop Only Mundpflegekonzentrat. Brennt wie Sau, wirkt wie nix anderes. Heureka!
Bin jetzt von EST (Essigsaure Tonerde, wer’s kennt) auf Pasta Cool (kein Scherz. Heißt wirklich so!) umgestiegen. Kann immerhin wieder humpelfrei gehen. Hoffentlich auch bald bollenkäferfrei.
[sieht schlimmer aus, als es ist. Also nicht so sehr das Bein, sondern eher der Fußboden (ist die Stelle unter meinem Schreibtisch). Also auch nicht so sehr das Bein. Sieht schlimmer aus, als es sich anfühlt.]
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Ich möchte an dieser Stelle auf eine Veranstaltung hinweisen, auf die ich mich schon seit Ewigkeiten freue - Albin Janoska präsentiert sein absolut umwerfendes, kürzlich erschienenes Album “Le Grand Baheux”.
Morgen (Samstag, 6. Oktober 2007). Ab Mitternacht. Im Porgy & Bess. Mit fetter Band, versteht sich.
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