Archiv für die Kategorie 'dieJulia kocht!'

Einen Hirschen zu braten

[Hirschragout mit Semmelknödel]

Es ist ja so, daß ich zum einen aus einer Wildererhochburg stamme und zum anderen das Kind einer kulinarisch unendlich begabten Mutter bin, die mich schon als junge Adeptin in die Geheimnisse der Küchenzauberei einweihte, und von der ich mir auch heute noch gelegentlich Ezzes hole, wenn es am Herd um mehr als die Wurst geht. Und so wurde es im Palais Focky heute endlich einmal richtig wild, und das Rezept will ich hier nicht schuldig bleiben.

dieZutaten:

1) Hirschragout:

ca. 500 g. Schulterbraten vom Hirsch
ca. 10 g Bauchspeck
1 kleine Zwiebel
3-4 Karotten
1/2 Sellerie
1/4 l Rotwein (trocken)
Salz
1 TL Senf
1-2 EL Preiselbeerkompott
Wildgewürzmischung (gibt’s fertig zu kaufen, ansonsten: Knoblauch, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Liebstöckl, Thymian, Senfkörner, Zitronenschale, Pfeffer & Gewürznelken mörsern)
bei Bedarf Suppenwürfel zum Schummeln
bissl Öl zum Anbraten

2) Semmelknödel:
ca. 250 g Knödelbrot (oder 5 altbackene Semmeln, in 1×1 cm große Würfel geschnitten)
2/8 l Milch
1/8 l Wasser
2 Eier
1 Handvoll Mehl
2 EL getrocknete (oder 4 EL frische) Petersilie
Salz

3) Salat:
1 grüner Salat, zB Grazer Krauthäupl, Marinade zB bestehend aus
[2 Zehen Knoblauch
1 TL Senf
Salz/Pfeffer
4 EL Essig (Weißweinessig), 4 EL Wasser
2 EL Olivenöl]

So geht’s:

Als erstes bereitet man sinnvollerweise die Masse für die Semmelknödel vor: Knödelbrot, Mehl, Petersilie und Salz in eine Schüssel geben; Eier, Milch und Wasser verquirlen, alles gut vermischen (bei Bedarf noch ein bißchen Wasser dazu…) und zugedeckt ziehen lassen.
Sodann die Zwiebel und den Speck fein hacken, Karotten und Sellerie putzen und in kleine Würfel, das Fleisch in ragoutgroße Stücke schneiden.
In einer großen Pfanne Öl heiß werden lassen und das Fleisch von allen Seiten scharf anbraten; dann die Zwiebeln, den Speck und das Wurzelgemüse zugeben und gut durchrösten…

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… mit dem Rotwein ablöschen, aufkochen lassen, mit Wasser aufgießen, Gewürzmischung [im Schummelmodus auch Suppenwürfel], Senf und Preiselbeeren dazu…

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… Deckel drauf und ca. eine Stunde köcheln lassen. Währenddessen ein bissl lesen oder mit Vatern telefonieren oder so. Dann einen großen Topf mit Salzwasser für die Knödel zustellen; inzwischen das Fleisch aus der Sauce in einen weiteren Topf geben und die Sauce durch ein feines Sieb über das Fleisch streichen. Gemüsereste mit etwas Wasser noch einmal aufkochen lassen und den Vorgang wiederholen. Wenn das Knödelwasser kocht, Knödel formen (geht mit nassen Händen am besten) und ca. 20 Minuten mehr wallen als kochen lassen, bis sie ihre Genußfertigkeit signalisieren, indem sie sich erdengleich um sich selbst drehen. In der Zwischenzeit den Salat zubereiten, Ragout eventuell abschmecken und dann einfach genießen (Preiselbeerkompott dazu reichen).

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Mahlzeit!
Empfohlener Soundtrack (beim Kochen): Felix Mendelssohn-Bartholdy/Ein Sommernachtstraum

Fisolen im Rinderwahn

Neuerdings genieße ich, so zwischen zwei Jobs und mit meinem - laut Eigenbekunden meinen Kochkünsten aufs äußerste zugetanen - wunderbaren Mann an meiner Seite, ja durchaus die häuslichen Seiten des Lebens. Kein Witz. Mir taugt das echt! Sollten sich in mittlerer Zukunft einmal diverse Eigenbaukinder und Haustiere dazugesellen, wäre das ganz nach meinem Geschmack. Selig grinsend stünde ich dann - Leckereien um Leckereien fabrizierend - vor dem Herd, auf der Hüfte ein Neugeborenes und um die Beine mehrere Katzen, schwünge den Kochlöffel und summte mit Sarah Vaughan-gleichem Timbre Standards von Cole Porter und Co.,… äh, wo war ich? Ach ja. Genau. Bei den häuslichen Seiten des Lebens. Kochen, Freunde der Sonne. Kochen!

Jetzt hat ja der Sommer quasi über Nacht seine Sachen gepackt und ist abgerauscht wie eine beleidigte Diva. Stürmisch und mirnix dirnix. Weg war er. Und was tut der kluge Mensch bei Nieselregen und Temperaturen unter jeder Kritik? Richtig. Er kocht Suppe. Und zwar nicht irgendeine Suppe, sondern die klassische. Vom Rind.

[Rindsuppe]

Kauf ein schönes Stück (ca. 500 g) Rindfleisch zum Sieden. Muß nicht gleich Tafelspitz sein, Hauptsache man kann dir glaubhaft die Tatsache vermitteln, daß der gehörnte Lieferant nicht mit Hormonen vollgepumpt oder zum Schlachten durch halb Europa gekarrt wurde. Halbiere eine Zwiebel, laß die Schale dran, lege sie mit der Unterseite in den Topf, den du als deinen Suppentopf erkoren hast (oder auf die Herdplatte), und laß sie bei ordentlicher Hitze schön braun werden. Schäle fünf Karotten, putze einen halben Sellerie und eine Petersilwurzel. Stelle jetzt das Fleisch und das Gemüse mit kaltem Wasser, einigen Pfefferkörnern, Liebstöckel oder einem Sträußchen grüner Petersilie und einem Teelöffel Salz zu. Warte, bis das ganze zu kochen anfängt, reduziere sofort die Hitze und laß es ca. anderthalb Stunden dahinsimmern (nicht zudecken, nicht kochen, sonst wird die Suppe trüb), bis das Fleisch gar ist. Schmecke dein Süppchen, wenn nötig, mit ein bißchen Suppenpulver ab. Auch ein Plachutta hat einmal klein angefangen. Serviere es - samt mitgekochtem Gemüse und Fleisch - mit einer Einlage deines Vertrauens (Backerbsen, Suppennudeln, Grießknödel, Leberknödel, Fleischstrudel, Schöberl, Fritatten - alles kann, alles darf, nichts muß), streu Schnittlauch drüber, löffle und lächle.

Wenn dir während des Garvorganges langweilig ist, kannst du dich übrigens an dieser Stelle perfekt mit der Erzeugung von Apfelkompott beschäftigen. Vielleicht fällt dir ja zwei Stunden nach dem Verzehr der Rindsuppe ein, daß du wahnsinnigen Gusto auf Kaiserschmarren hast. Aber das ist eine andere Geschichte…

… anderntags hast du nun also ein gehöriges Stück Rindfleisch, was dir viele schöne Möglichkeiten eröffnet. Zum Beispiel die Erzeugung von Rindfleischsalat, die hier aber nicht erörtert wird. Nein, wenn’s draußen ein Sauwetter hat, braucht der Mensch was Warmes im Bauch. Zum Beispiel Rindfleisch mit Erdäpfeln und Fisolengemüse. Auch so eine österreichische Hausmannsg’schicht. Die wie folgt geht:

[Fisolengemüse/Rahmfisolen]

Zerlaß ein bißchen Butter, gib bei mäßiger Hitze einen Eßlöffel Mehl dazu (= Roux = Einbrenn), paß höllisch auf, daß dir die Pampe nicht anbrennt, und lösche sie daher rasch mit Suppe ab, um sie alsdann mit dem Schneebesen erst zu einer cremigen Creme und dann, unter Beigabe von mehr und mehr Flüssigkeit, zu leicht sauciger Konsistenz ohne Boverln (= Klümpchen) zu rühren. Soweit alles klar? Prima! Weil jetzt ist alles ein Kinderspiel. Gib die Fisolen dazu (eine Tiefkühlpackung = 1 kg), schau, daß sie gut mit Flüssigkeit bedeckt sind, rühr gut um, Deckel drauf, köcheln lassen. Nach ca. 20 Minuten, wenn die Fisolen weichgekocht sind, kommt noch ein bissel Sauerrahm, Petersilie und Salz nach Bedarf dazu, und fertig sind die Rahmfisolen. In der Zwischenzeit koch (heurige) Kartoffeln, wärm das Rindfleisch und richte das ganze sodann auf einem Teller an.

Mahlzeit!

Wiener Foto-Lovestory - Rindfleisch mit Fisolen

[Klick für richtig groß!

Happiness is a warm Teller of Letscho

Das Heimkommen ist immer schön, und als geländegängiger Mensch, der noch dazu nicht aus Zucker ist, kann man im Salzkammergut auch ziemlich großen Spaß im Starkregen haben (wie ich in meinem gestrigen Posting schon anklingen ließ).
Im Spätsommer ist das Heimkommen schon rein kulinarisch ein Hochgenuß. Die Marillen werden reif (ja, richtig gelesen. Das Salzkammergut ist nicht die Wachau!), da und dort kann man schon erste heruntergefallene Klaräpfel stibitzen, und in Mamas Garten haben die Zuchinis, die Gurken, die Fisolen und die Paradeiser Hochsaison. Auch die Paprikapflanzen im Glashaus waren nicht untätig.

Gartenfreuden Gartenfreuden 2 Gartenfreuden 3

Paprika und Paradeiser. Die fette, schwarze Erde, die Sonnenglut, die wilden Regengüsse. Die Essenz des Sommers. Was liegt da also näher als die Erzeugung von Letscho? Letscho/Lecsó ist ein ursprünglich ungarisches Gericht, das in schier unendlichen Varianten im Internet zu finden ist - mit edelsüßem Paprika, mit Thymian, mit Sauerrahm, mit Fleisch, mit Wurst, mit mitgekochtem Reis… Ich halte mich an das Rezept meiner Mum (ich habe Letscho schon als Kind geliebt!) und gehe sehr puristisch wie folgt vor:

Vier Zwiebeln werden geschält, geviertelt und dann in nicht zu kleine Stücke geschnitten. In einem Topf erhitzt man ca. 2 EL Olivenöl und schwitzt darin die Zwiebeln an, dann reduziert man die Hitze, sodaß sie sanft schmurgeln. Währenddessen schneidet man die Paprikas (ca. 500 g) je nach Vorliebe in Streifen oder ca. daumennagelgroße Rauten und gibt sie nach und nach in den Topf. Ebenso verfährt man danach mit den Paradeisern (auch ca. 500 g). An Gewürzen braucht die ganze Geschichte bloß Salz. Wenn man mag (so wie ich), gibt man noch zwei kleingehackte/gepreßte Knoblauchzehen und ein bißchen Tomatenmark dazu, bevor man den Deckel auf den Topf legt und das Gemüse ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde sanft seiner Vollendung entgegenköcheln läßt. Dazu reicht man im Idealfall Fladenbrot vom Türken ums Eck.

Empfohlener Soundtrack: Macy Gray/The Id. Legt man die CD kurz vor dem Zwiebelschälen ein, ist das Letscho perfekt, wenn der letzte Akkord von “Forgiveness” verklungen ist.

[diese wunderbaren Bilder werden per Klick hübsch groß und können durchaus auch als Desktop-Hintergrund verwendet werden.]

Als Antithese zur Molekularküche - Münchner Pickelsteine

Gut, so eine richtige Hitzewelle hat es heuer bisher nicht gegeben, aber hätte denn eine solche stattgefunden, wäre es seit diesem Wochenende mit dem Sommer vorbei; die aktuelle Temperatur beträgt in der Innenstadt so ca. 14 Grad, und man ist versucht, einzuheizen. Stattdessen kann man aber, wenn man Zeit und Muße hat (und bei mir war nachmittags zufällig beides vorrätig), ein kontemplatives Eintopfkochen veranstalten, an dessen Ende ein sauleckeres (und nach der Fünf-Elemente-Kochdings der Chinesen ganz sicher wärmendes) Gericht steht, das ich unter dem Namen Münchner Pickelsteine von meiner Besten Mutter Von Allen lernen durfte, als ich noch kaum groß genug war, um über den Topfrand zu lugen.

dieZutaten:

ca. 600 g mageres Rindfleisch (zB. Wadschinken; im Zweifelsfall zu “Gulaschfleisch” greifen)
ca. 1 kg Erdäpfel
4 große Karotten
1 Kohlrabi
2 Lauchstangen

2 EL (Oliven-) Öl
6 Knoblauchzehen (aus Mutterns Garten)
1 Glas Kapern
die Schale einer (möglichst ungespritzen) Zitrone
2 TL Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Ein paar Spritzer Essig
Wasser zum Aufgießen
ev. Suppenwürfel, falls geschmackliches Schummeln notwendig sein sollte.

dieZutaten
das alles muß in diesen Topf.

So geht’s:

Am Anfang steht ja immer die bange Frage: “Wird sich auch dieses Mal das alles in meinem Topf ausgehen?”, und während man Berechnungen anstellt oder Wetten mit sich selbst abschließt, wie das Match Topf vs. Lebensmittel heute enden wird, kann man ganz gemütlich das Gemüse schälen…

Gemüse, nackert

… und sodann in kleine Würfel schneiden, wobei man die Karotten und den Lauch in ein extra Gefäß gibt (aus Gründen, die später erläutert werden). Zuletzt wird das Rindfleisch ebenfalls zu nicht zu großen Würfeln verarbeitet, die Zitronenschale in feinen Streifen abgehobelt und geschnitten und der Knoblauch gehackt (oder durch die Presse gejagt, ich bin da überhaupt nicht streng).

Stilleben mit Fleisch

Das stellt man sich dann alles in Reichweite und holt den guten Topf aus dem Schrank. Und einen Kochlöffel.

derTopf
der packt das!

Und jetzt kann der Kampf beginnen! Wir erhitzen 2 EL Öl und braten, wenn es raucht, die Rindfleischwürfel bei großer Hitze gut an. Ist das Fleisch schon schön angegart, kommen Knoblauch und Salz ins Spiel. Und immer schön engagiert rühren, bitte. Stammleser kennen das ja. Zu diesem Zeitpunkt sollte sich schon Flüssigkeit gebildet haben, falls nicht, ist an dieser Stelle mit Wasser und ein paar Spritzern Essig nachzuhelfen, schließlich lassen wir ja nichts anbrennen, nä? Wir lassen nun Kapern und Zitronenschale zum schmorenden Fleisch hüpfen und freuen uns über das prächtige Aroma, das uns direkt ins Stammhirn fetzt und dort wunderliche Dinge tut… Ja, und jetzt sind Kartoffeln und Kohlrabi dran - ab damit in den Topf, umrühren, Wasser dazu, und zwar so, daß alles schön bedeckt ist. Deckel zu. Und bei kleiner Hitze schmurgelig-kochig schmoren lassen. Nach einer halben Stunde kommen die Karotten dazu, bei dieser Gelegenheit kann man gleich schon einmal testen, ob der Geschmack soweit paßt und eventuell ein bißchen aufgießen und/oder nachwürzen; dann kommt aber wieder der Deckel auf den Topf, und das Köcheln geht in die nächste Runde. Ungefähr 20 Minuten vor dem geplanten Serviertermin geht es dann gnadenlos dem Lauch an den Kragen (der verkocht sich sehr rasch - wer ihn beim Essen noch sehen will, gibt ihn erst zehn Minuten vor Ende zum Rest), und dann heißt es nur mehr auf’s Essen warten. Wobei man in der Zwischenzeit zum Beispiel abwaschen und die Küche aufräumen kann, wenn man dieJulia ist.

Das Endergebnis kann es optisch zwar in keinster Weise mit dem - durch die Symbiose von Kapern, Zitronenschale und Essig unglaublich genialen - Geschmack aufnehmen, wird hier aber dennoch gezeigt:

Münchner Pickelsteine

Mahlzeit!

Empfohlener Soundtrack: Joachim Deutschland/Ein wenig Anarchie

[Alle Bilder werden durch Klick groß. Sie sind, Kollege e!genart hat es einst unübertrefflich formuliert, ein Geschenk an das Internet, und dürfen bei Gefallen für jedweden Zweck verwendet werden.

Küchen-Quickie

1. Welche Essige stehen in deiner Küche?
Ein guter Mittelklasse-Balsamico und ein guter Mittelklasse-Weißweinessig.

2. Welche Öle?
Extra natives Bio-Olivenöl, Distelöl, selbst angesetzt: Knoblauch-, Chili- und Steinpilzöl.

3. Welche Sorten Reis stehen dir derzeit zur Verfügung?
Nur eine. Total schnörkelloser Langkornreis der Marke Spar.

4. Welche Sorten Nudeln?
Spaghetti, Tagliatelle verde, Fettuccine (ja, beides), Hörnchen, Farfalle, Asia-Nudeln, Penne. Ich esse aber trotzdem relativ selten Nudeln.

5. Welche Zuckerarten hast du in deiner Küche?
Braunen Rohrzucker aus Mauritius. Ich brauche allerdings so wenig davon, daß ich mit einer 500-Gramm-Packung locker zwei Monate über die Runden komme.

6. Von welchem Gewürz hast Du die meisten Varianten in Deiner Küche?
Kräuter - Thymian, Lorbeerblätter aus Mutterns Garten, Basilikum, Majoran, Oregano, Petersilie, Schnittlauch, Dill. Paprikapulver bzw. Chili gibt’s auch in einigen Schärfegraden von edelsüß bis scharf. Und Pfeffer, schwarz, weiß, bunt.

7. Welches andere Nahrungsmittel hast du in auffallend großer Variantenzahl vorrätig?
Gemüse. Nie darf meine Küche ohne frische grüne Paprika, Paradeiser, Zwiebeln, Knoblauch (Giant Garlic) und Gurken sein. Kohlrabi-Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, weil ich rohen Kohlrabi liebe. Sauergemüse kommt hier in den Varianten Perlzwiebel, Pfefferoni, Senf- und Essiggurken (Polnischer Art) vor. Ohne Oliven wäre das Leben nur halb so schön. Zur Basisausstattung gehören außerdem passierte, geschälte und zu Paradeismark verarbeitete Exemplare der Gattung Solanum lycopersicum L. Zitronen müssen auch immer im Haus sein (werden ausgepreßt, mit Leitungswasser verdünnt und ungesüßt getrunken), Teesorten hat es hier an die 15 verschiedene, und ohne meinen täglichen Apfel tu ich’s nicht.

Ich möchte um eine optionale Frage erweitern (Entschuldigung, Frau Kaltmamsell!):

8. Was darf in deiner Küche niemals - wirklich niemals - fehlen?
Kaffee. Vollmilch von der Kuh. Salz.

Gefragt hat Frau Obstsalat, und weil er eine sehr inspirierende Kochkategorie hat, reich ich das Ding an Janocjapun weiter, und, weil ich heute total verwegen bin und damals seinen österlichen Wildunfall so charmant fand, auch an Herrn e!genart. Kann, nicht muß. Sowieso. Alle anderen bedienen sich bitte hemmungslos.

Paprikasch!

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Höllenschnelle Spätzlepfanne

Manchmal muß es ja schnell gehen, bevor die Unterzuckerung aus einem ein kollabierendes Wrack macht. Bei mir geht es sowieso vorzugsweise schnell, weil ich mit dem Kochen meist so lange warte, bis der Hunger in meinem Magen Gewittergeräusche veranstaltet. Was auch immer: hier ein leckeres Rezept für eine “richtige” warme Mahlzeit aus der Kategorie “Höllenschnell und saugut”.

dieZutaten:

1 kleine Zwiebel
1 roter Paprika
1 kleine Zucchini
150g (Toast-) Schinken (Pflanzenfresser dürfen das tote Schwein weglassen)
1 Becher Sauerrahm
Chiliöl (oder was man halt am liebsten hat)
Salz
1 TL Paprikapulver (edelsüß in meinem Fall, Menge je nach Geschmack)
getrocknete Chilischoten aus der Mühle
1 Packung Spinatspätzle (oder weiße. Wie Sie mögen)
die hier angegebenen Zutaten reichen für ca. 3-2 Portionen

So geht’s:

Minute 1: Wasser für Spätzle zustellen. Zwiebel fein hacken, in etwas Chiliöl andünsten. Paprika und Zucchini schneiden, anbraten. Schinken in Streifen schneiden, ab in den Topf. Wenn das Wasser kocht, Spätzle zugeben und lt. Herstellerhinweis (ca. 12-14 min) sanft wallend köcheln lassen.

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Minute 7-10: Jetzt den Sauerrahm zum Gemüse geben und mit Salz, Chili und Paprikapulver abschmecken. Köcheln lassen. Warten, bis die Spätzle fertig sind.

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[im Hintergrund können Sie sehen, was ich mit sanft wallend köcheln meine. Räusper.]

Minute 12-14: Wenn die Spätzle gar sind, abseihen, gut abtropfen lassen und mit der Sauce vermischen. Deckel drauf und 3 Minuten durchziehen lassen. In der Zwischenzeit Schneidbrett, Messer, Sieb und Spätzletopf abwaschen.

Minute 15-18: Mahlzeit!

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Empfohlener Soundtrack: Van Morrison/Fast Train.

Himmel im Mund: Erdäpfelkas!

Es gibt da ja so eine neumodische Diät, die den Verzehr von Kohlehydraten gleichstellt mit dem Ertränken junger Kätzchen. Anhänger dieser Ernährungsform holen den Exorzisten, wenn sie “Schwarzbrot” und “Kartoffeln” hören. Ihr vermutlich trostloses Dasein mögen sie in Ruhe fristen - ich veröffentliche hier heute ein Rezept, bei dem sich solche Zeitgenossen vermutlich in Agonie winden.
Gedscho, gemma.

dieZutaten:

Erdäpfel (=Kartoffeln)
Sauerrahm
Zwiebel
eventuell etwas Butter
Salz
Pfeffer
Schnittlauch

So geht’s:

Die knierzigen Erdapferln zärtlich wallend in Salzwasser kochen und auskühlen lassen, schälen. Zwieberl fein hacken (jetzt kommt ultimative Trick von Julitschka: stellst du gehackte Zwiebel - eventuell mit etwas Butter - kurz in die Mikrowelle [70W/1min], dann ist weniger scharf und macht nix Sodbrennen!). Jetzt die Erdäpfel dazugeben und mit einer Gabel schön engagiert zermantschkern (=zerdrücken), dabei entsprechende Menge Sauerrahm, Salz, Pfeffer und Schnittlauch einarbeiten, bis die gewünschte Konsistenz (=streichfähig) erreicht ist. Klar können Sie die ganze Geschichte auch mit dem Pürierstab bearbeiten, aber ich finde es viel aufregender, wenn man die Zutaten mit freiem Auge noch erkennen kann. Kurz durchziehen lassen. Fertig.

Erdäpfelkasbrot

Extras:
Ich mag das ganze am liebsten auf leicht getoastetem und noch ein bißchen warmem Schwarzbrot, es geht aber sicher jede Variante vom eleganten Mohnflesserl bis hin zum rustikalen Kornspitz.
Empfohlener Soundtrack: Hubert von Goisern | Trad.

Erdäpfelsauce: so und nicht anders!

Im Internet kann man ja heutzutage praktischerweise alles finden, aber zum Thema Erdäpfelsauce stößt man, wie ich vorhin im Zuge meiner Recherchen feststellen mußte, ausschließlich auf nackenfellsträubenden Humbug, der nichts, aber absolut nichts mit dieser paradiesischen altösterreichischen Köstlichkeit zu tun hat.

Und weil ich zufällig gerade mit der Herstellung dieses kulinarischen Kleinods zugange bin, enthülle ich auch gleich das Geheimnis der ca. schönsten Sauce der Welt.

dieZutaten:

1 kg Erdäpfel (=Kartoffeln), idealerweise mehlig
1 große Zwiebel
etwas Butter
ca. 1l Rindsuppe oder Wasser/Suppenwürfel (+/- … je nach gewünschter Konsistenz)
etwas Butter (oder meinethalben zur Not auch Öl)
4-5 Lorbeerblätter
1 gehäufter Eßlöffel Majoran
2-3 Eßlöffel (Wein- oder Apfel-) Essig, Hauptsache weiß
Salz
Pfeffer (aus der Mühle)
getrocknete Steinpilze (lasse ich weg, weil ich abgesehen von Mu-Err keine Pilze mag.)

so geht’s:

Zwiebel fein hacken, Erdäpfel schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebel in etwas Butter anschwitzen; wenn sie glasig sind, die Erdäpfel dazugeben, bei mittlerer Hitze anbraten und - Stammleser wissen das ja - immer schön engagiert umrühren, bis man merkt, daß sich am Boden des Topfes ein leichter Belag bildet. Das ist der ideale Zeitpunkt, um die Sache mit Wasser oder Suppe abzulöschen. Dann kommen Essig, Salz, Pfeffer, Majoran und Lorbeerblatt dazu. Aufkochen lassen, Deckel drauf und warten, zwischendurch immer wieder einmal umrühren und eventuell angießen. Ich für meinen Teil mag sie generell recht “suppig”, aber das ist Geschmackssache.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde/Stunde sollte eine sämige Sauce entstanden sein (man kann natürlich mit dem Kartoffelstampfer nachhelfen, sofern man ein solches Küchengerät besitzt), die man eventuell noch einmal abschmeckt.

Der gelernte Österreicher serviert Erdäpfelsauce übrigens zu gekochtem Rindfleisch und reicht Schwarzbrot dazu, mir reicht sie als Hauptmahlzeit.

Extras:
die Herstellung dieses bodenständigen Traums von einer Sauce ist kinderleicht wie alle schönen Dinge im Leben, und der Geschmack ist - aufgrund der magischen Kombination von Essig, Majoran und Lorbeerblatt - ein Erlebnis, das sensible Naturen vor Glück durchaus ein bißchen zum Weinen bringen kann.
Empfohlener Soundtrack: Attwenger, Willi Resetarits aka (Prof. Dr. Kurt) Ostbahn oder Blood, Sweat & Tears (live).

Erdäpfelsauce

Niedergemetzelte Zucchinisuppe. Oder so.

Aus der Reihe kreativbetrunken Kochen in Wien. Eine bilaterale kulinarische Gemeinschaftsproduktion. Lesen auf eigene Gefahr!

dieZutaten:

Zucchini (5 kleine)
Kartoffeln (5 kleine)
½ Zwiebel (groß - oder 1 kleine)
1 Giant Garlic (= 4 Zehen Knoblauch)
1 Becher Sauerrahm
Wasser zum Aufgießen
Suppenwürfel
Salz
Pfeffer
Chili aus der Mühle
Thymian
Olivenöl

So geht’s:

Da dieses Rezept eine Kooperation von Herrn Ad von kreativbetrunken und derJulia ist, fiel die Aufgabenteilung im Projekt Zucchinisuppe natürlich nicht schwer. Alles, was glänzt und scharf ist, reizt den Herrn ungemein. Und Gemüse schneiden kann er wie ein Weltmeister. War klar. Während der Werteste also mit dem Zerstückeln der Hauptdarstellerinnen zugange ist, und das leicht bis mittelschwer grinsend, ziehe ich den Kartoffeln die Haut vom Leibe.

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Folgend werden die Kartoffeln mittels handtechnischer Reibung (derAd hat gesagt, ich soll das so schreiben) zu Matsch verarbeitet (…).

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Während ich mit Monsterschnuckel in der Gegend herumfuhrwerke, hat derAd (die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben!) die Zwiebel in feinste Miniaturteilchen zerhackt. Hier sieht man ihn beim anschließenden Malträtieren der antimikrobiellen und blähungstreibenden Antivampirknolle:

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Sind diese Präliminarien abgeschlossen, brät man Zwiebel und Knoblauch im Olivenöl an, gibt die Zucchini und die geriebenen Kartoffeln zu und röstet das ganze, während man immer schön engagiert umrührt. Anschließend Wasser und Suppenwürfel dazu, würzen (ordentlich, sagt er…) und dann, eh schon wissen, Deckel drauf.

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In der Zwischenzeit kann man zum Beispiel gemeinsam Fotos bearbeiten, Zigaretten rauchen oder Passanten mit lustigen Hunden auslachen (aber das bleibt jedem selbst überlassen. Sagen wir.). Fertig gekocht ist die Suppe dann, wenn es in der ganzen Wohnung so wahnsinnig gut duftet, daß man merkt, wie man nicht nur durch das Ansehen der Bilder Hunger kriegt. Also halt so ca. nach einer halben Stunde. Hören Sie doch ein bißchen auf Ihre Instinkte, gell… Sodann wird inklusive Sauerrahm (behalten Sie zwei Löffel zum Dekorieren) geschreddert (sagt derAd. Sie können es übrigens auch Pürieren nennen.)…

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… ja, und dann:

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Speisen und mit den Ohren wackeln. Hauen Sie ordentlich rein!

Empfohlener Soundtrack: William Shatner | Has Been (I Can’t Get Behind That, featuring Henry Rollins)

… … … … … … Yeah! (sagt er…)

Seelenwärmende Krautsuppe aus dem Bundesland mit den meisten Sonnenstunden im Jahr

Ich bin ja, wie mein Bester Vater der Welt, bekennender Suppenliebhaber. Und was kann es an einem grauen, kalten Tag, wenn man in der Nacht zuvor vielleicht noch dazu schlecht geträumt hat, Sinnvolleres geben, als sich mit der Zubereitung einer schönen scharfen Suppe zu beschäftigen, die ein bißchen Zeit erfordert und deren Duft allein schon die bösen Geister vertreibt? Das Grundrezept zu diesem genialen Süppchen stammt übrigens aus meinem heißgeliebten Burgenland.

dieZutaten:

1 halber Krautkopf
1 große Zwiebel
2 EL Olivenöl
1 EL Zucker
1 gehäufter EL Paprikapulver
Tomatenmark bzw. passierte Tomaten (ich nehme ziemlich viel von letzterem)
Tabasco, wer’s scharf mag (ich mag es scharf…)
1 ½ l Rindsuppe bzw. Wasser und die entsprechende Menge Suppenwürfel
Lorbeerblätter
Salz
Pfeffer
¼ l Sauerrahm
Petersilie

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So geht’s:

Die Zwiebel in feine Würfel und das Kraut in feine Streifen schneiden. Anschließend Zwiebel im Öl anschwitzen, bis sie glasig sind, dann den Zucker rein und immer schön engagiert umrühren, während er karamelisiert. Jetzt das Kraut zugeben und (niemals aufhören mit dem Rühren!) mitrösten (naja, rösten… Hilfsausdruck. Dünsten kommt aber auch nicht ganz hin.)

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Wenn das Kraut ein bißchen eingegangen ist (verlassen Sie sich da ganz auf Ihre Intuition, gell?), das Paprikapulver beigeben (Vorsicht: nur kurz durchrühren, sonst wird es bitter!) und mit der Rindsuppe ablöschen. Ich hab natürlich nicht extra Rindsuppe gekocht und nehme Wasser und Suppenwürfel. Wenn vorrätig, kann man mit ¼ l Weißwein ablöschen und dann erst die entsprechende Suppenmenge zugeben.
Alsdann mit Lorbeerblättern (ich nehme so ca. 5-6), Tabasco, Tomatenmark/passierten Tomaten, Salz und kräftig Pfeffer würzen, Deckel drauf und ca. eine halbe Stunde+ köcheln lassen. Bis das Kraut halt den gewünschten Weichheitsgrad erreicht hat. Im Original kommen außerdem noch Wacholderbeeren und 25 dag (= 250 Gramm) feingewürfeltes Geselchtes (= Geräuchertes) dazu.

Ganz zum Schluß den Sauerrahm unterrühren (Topf von der Herdplatte nehmen, sonst flockt der Rahm aus) und mit Petersilie bestreuen.

Essen und freuen.

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Extras:
Diese Suppe kann man wieder und wieder und wieder aufwärmen. Es lohnt sich also auch für Einpersonenhaushalte, die obige Menge zuzubereiten. Besonders wenn man so faul ist wie ich und nichts dagegen hat, ca. drei Tage Krautsuppe zu essen. ;)
Empfohlener Soundtrack: Fanfare Ciocarlia, Mardi Gras.BB oder William Shatner | Has Been. Oder überhaupt gleich Let the Sunshine in, gleich in welcher Version.