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Frag Onkel Douglas…

You live and learn. At any rate, you live.

(Douglas Adams)

Anything goes (Credo)

Selten, aber wirklich ganz selten, überkommt mich diese unheilige Gier, in meinem eigenen Leben herumzustochern. Ich bin keine Grüblerin, schon lange nicht mehr, das hab ich mir irgendwann in meinen Mittzwanzigern weniger abgewöhnt als verboten, als mich die Erkenntnis streifte, daß ich mich - gepeitscht und gepeinigt von dunklen Gedanken, die perverserweise noch dazu meine eigenen waren - doch immer nur in einem blöden Hamsterrad abquälte, um mich an Kinderkram abzuarbeiten. Für nichts. Da machte ich dann das Fenster auf und ließ die Sonne herein und jede Menge frische Luft. Das Leben, beschloß ich ganz willentlich und so eiskalt, wie ich es mir selbst nie zugetraut hätte, ist gut. Oder, wie ich von irgendeinem Aureliano (oder war’s ein Arcadio?) aufschnappte, in den hundert Jahren Einsamkeit dieser Panikzeit, aus dem Weg, Kühe, das Leben ist kurz. Lebensweisheit absolut auf den Punkt gebracht. Es war der mit den Hahnenkämpfen, glaube ich.

Aber manchmal geht in den Sumpfzonen des Hirns etwas um, etwas Böses, etwas Boshaftes, etwas Kaltes, etwas, das so alt ist wie mein Bewußtsein. Und überall, wo es meinen Verstand streift, kriegt es augenblicklich hungrige Junge, die sich in erschreckender Geschwindigkeit zu Lemuren auswachsen, die mit langen, begehrlichen Fingern an der Ratio kratzen, gut verwahrte Ängste wachkitzeln und neue Ängste zeugen, düstere, kleine, schlaue Götter, die ins Zentrum meiner Existenz wollen, das Bollwerk meines Optimismus überwinden, die Armee meiner Lebensfreude infiltrieren und mein Leben in Schutt und Asche legen.

Es sind Nächte wie diese, in denen ich der ältesten meiner privaten Ängste zu unterliegen drohe. Blindheit. Ich kann nicht sehen, wohin - und vor allem wie - es gehen soll. Ich fühle mich ohnmächtig, bei vollem Bewußtsein, ich fühle mich in die Enge getrieben und von bedrohlichen Elementen eingekreist, der Verstand geschwächt von Frust und Druck, das Selbstbewußtsein geschrumpft auf etwas, das aufrecht unterm Teppich gehen kann.

Es ist ein Meer der Ideenlosigkeit, und es herrscht Flaute. Die bläßlich-fette Verzweiflung sitzt mit an Bord und macht das Boot noch schwerer als nötig.

Bis ich mich, das schlaffe Segel und den unerwünschten Gast verfluchend, auf eine alte Idee besinne. Rudern. Ich muß rudern! Meine Vigilanz kommt auf die Beine. Es beginnt zu rechnen in meinem Hirn, überschlagsmäßig, es könnte sich, es kann sich, es muß sich ausgehen. Weil ich human bin, biete ich der Verzweiflung einen Schwimmreifen an, der nicht mir gehört. Verschwinde hier. Pack dich, Pack.

Ich werde rudern. Wenn nötig, bis ans Ende der Welt.
Geht mir aus dem Weg, Hindernisse. Sonst niete ich euch um. Euch alle. Und ich meine es ernst. Ernster als alles andere zuvor. Alles geht, alles kann, alles darf. Das hier muß.

c r e d o.
Ich glaube.
Und ich kann somit Berge versetzen. Mit ein bißchen zusätzlichem Rudern darf das kein Problem sein. Darf es nicht. Kann es nicht. Credo, quia absurdum. Meinethalben. Ich glaube. Das allein zählt.
Anything goes.
Oh ja.

Very late thoughts

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Ich sehe es an der Gänsehaut, die sich auf deinen Armen emporstachelt. Tut das weh?

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Uns bleibt nur wenig Zeit. Ich schlage vor, dann mal ins Bett zu gehen. Da liegen wir dann und warten auf die Apokalypse. Ich bin friedlich und heiter. Freiheit ist auch ein schönes Wort, findest du nicht? Sag doch was! Es ist spät, und es ist dunkel, aber ein bißchen Konversation wäre jetzt nett. Bist du überhaupt noch da?

Jemand hat die Sonne ausgeknipst. Mir wird kalt und mir wird kälter. Der Krater links vorne schmerzt wie eine alte Kriegsverletzung. Schmerzen? Es ist mehr so ein Ziehen. Dabei war ich doch nie richtig dabei… oder bin ich einfach nur nie da gewesen? Ich habe Sonnenuntergänge gesehen. Sonnenaufgänge. Dazwischen immer nur schlechte Filme. Scheiß Sentimentalität, ich sage dir… Das Fühlen ist ein göttlicher Witz. Das Verstehen die sarkastische Versuchung eines schlauen Teufels. Am Ende bleibt immer nur nichts. Schlaf gut. Und viel Glück.

Jemand hat die Sonne ausgeknipst.

-

Hallo, Mr. Gott, hier spricht - -

Wo geh ich her, wo komm ich hin und was zum Teufel soll der ganze Scheiß?*

Ich will nicht um jeden Preis glücklich sein.
Ich würde mir nur wünschen, nicht unglücklich sein zu müssen, wenn’s leicht geht. Und wo ist da die Wahrheit? Und warum gibt es Leute, die andere Leute hassen, einfach so, ohne Grund, lässig, nebenbei, so als Lebenseinstellung, oder als Zeitvertreib, und warum gibt es Leute, die andere Leute abschlachten, und warum gibt es Leute, die krank werden, und warum gibt es den Tod als letzte Instanz, und warum gibt es überhaupt so viel Leid, und warum gibt es diese Existenz ganz generell, wenn sie doch nur endlich und vergänglich ist, weil bei der Geburt schon das ungefähre Ablaufdatum dran klebt an jedem einzelnen kleinen Klumpen Mensch, und warum bin ich dann eigentlich so froh, da zu sein, und warum hat diese Spezies überhaupt so etwas wie Mitgefühl oder Trauer oder Freude oder Sprache, Musik, Kultur hervorgebracht, warum will der Mensch sich mitteilen oder ausdrücken und verstanden werden und gehalten und eben leben, wenn doch im Endeffekt alles sowas von egal ist, und warum tun wir einander weh oder versuchen es im Idealfall, einander so schön und angenehm als möglich zu machen, warum tun wir uns zusammen, und warum fällt uns der Himmel nicht gleich auf den Kopf, und warum können wir eigentlich lieben, und warum sehnen wir uns eigentlich, anstatt uns zu zerfleischen, und warum bauen wir Städte und U-Bahnen und Einkaufszentren und Denkmäler, und warum schießen wir Satelliten in die Umlaufbahn und Menschen auf den Mond, und warum sind wir überhaupt da, und was ist eigentlich nachher, und warum können wir uns das Nichts nicht vorstellen, und warum erinnern wir uns eigentlich, und warum nehmen wir uns eigentlich ernst, und warum versuchen wir eigentlich zu planen und vorauszuschauen, warum begreifen wir, wenn auch nur ansatzweise, unsere Existenz, und was denkt uns eigentlich, was lenkt uns, warum Seele, warum Bewußtsein, warum Gedächtnis, warum das alles, das Fressen und Gefressenwerden, das Strampeln, das Sehnen, dieses Leben, warum um alles in der Welt der Gedanke, ein neues Leben in die Welt zu setzen, wo wir doch selber nicht weiterbestehen können, wenn der letzte Vorhang gefallen ist, warum das alles, warum, warum, warum?

(Machen Sie sich keine Sorgen.
Ist bloß ein nächtliches Randalieren des überreizten Hirns. Legt sich wieder. Schlaf. Ich brauche Schlaf.)

*[Juli Zeh, Adler und Engel.]

Literatur-Content

Er ging umher wie ein verkannter Reicher und bekümmert wie ein Geizhals, der seinen Schatz von Dieben belauert weiß. Alle, die ein geschwätziges Entzücken aus dem Theater Sapajou in die Welt hinaustrugen, waren Diebe in seinen Augen, denn sie drohten die Schar der Dummen und Banalen hinter sich her zu ziehen, die das Große in den Staub schleifen, indem sie es zur Mode machen.

Es war sein Traum, die Tänzerin auf eine verlassene Insel im Ozean zu entführen. Er hätte sich dann begnügt, sie anzubeten, ohne ihr mit einem Wunsch zu nahen.

So wie er für Lorm, den Schauspieler, Beifall verlangt hatte, haßte er den Beifall, den die Tänzerin gewann. Nicht weil sie ein Weib war, nicht aus Männereifersucht. Er betrachtete sie gar nicht wie ein Weib. Sie war ihm als Wesen die Erfüllung dunkler Ahnungen und Gesichte; sie war das Leichte im Gegensatz zum Schweren, das in ihm und allen andern lastete; das Schwebende im Gegensatz zum Kriechenden, das Geheimnis im Gegensatz zum Wissen, die Figur im Gegensatz zum Wirrsal.

Er sagte: »Dieses berühmte zwanzigste Jahrhundert, so jung es ist, geht mir auf die Nerven, die Menschheit wälzt sich wie ein häßlicher, plumper Wurm über die Erde. Sie will von ihrer Wurmhaftigkeit befreit werden, und in ihrer Sehnsucht nach Entpuppung entsteht in ihr die Lust zu hüpfen. Es ist der Gipfel barbarischer Komik.«

Das Leben, das er führte, war ihm als herausfordernde Störung seiner schweißtriefenden Mitmenschen wohl bewußt. Er schwärmte von Zeiten, in denen die herrschende Klasse wirklich geherrscht, wo ein geistlicher Fürst unter den Angestellten seines Hofstaats einen Kapaunenstopfer gehabt und irgendein unbedeutender Reichsgraf eine Armee besoldet hatte, die aus einem General, sechs Obersten, vier Trommlern und zwei Gemeinen bestand.

Daß ihn die Tänzerin aus der Zeit riß, ganz anders noch als der Komödiant, das war es, was er ihr dankte.

Er schuf sich ein Idol, denn es kamen die Jahre, wo er dessen bedurfte, ein satter Gieriger, lüstern nach Vogelflug.

einmal.jpg

(mein Lieblingsbuch.)

Zwischenreich

Als ich noch ein kleines Kind war, gab es da, wo ich lebte, ein Spielzeuggeschäft, Bunter Laden hieß das, und verkauft wurde da nicht nur Spielzeug aller Art, nein, es gab auch Uhren. Wanduhren. Es gab eine ganze Wand mit Uhren, die alle um die Wette tickten, und als Kind tauchte ich immer in eine andere Welt ein, wenn ich dieses Geschäft mit seiner irren Kakophonie betrat. In meiner Erinnerung, von der ich nicht weiß, ob sie mich betrügt, ob sie beschönigt und versüßt, in meiner Erinnerung betrete ich es immer an der Hand meiner wunderbaren Mama, an verregneten Sommernachmittagen, wenn es sonst nichts zu tun gab, weil die Papiermaché-Basteleien zu langweilig wurden… und die Spaziergänge durch die Feuchtigkeit atmenden Wälder mit ihren dampfenden Mooskissen und den triefenden Zotteln der geduldigen Bäume und den zerbrechlich-hübschen Häusern der Bänderschnecken.

Wenn ich mich an den Bunten Laden erinnere, den es längst nicht mehr gibt und dessen Inhaberin eine reichlich verschrobene Frau mit dem zuckersüßen Lächeln einer aus heutiger Sicht nur sehr nachlässig verkappten Schießbudenfigur war, rieche ich eine seltsame Mischung aus Sommernachmittagsstaub und kleinen, alten, unbenennbaren Dingen, Objekte der Begierde für kleine Kinderherzen, -augen und -hände; und vor allem höre ich das schmatzende, gleichmütige, unregelmäßig-regelmäßige Ticken der Uhren, die unbeirrt ihrer jeweiligen Zeit huldigten, ohne sich um ihre unmittelbare akustische Nachbarschaft zu kümmern.

Es war wirklich so. Die Zeit hörte da drinnen auf zu existieren. In diesem samtig tickenden Paralleluniversum habe ich bestimmt Jahre meines Lebens verbracht, während draußen nur Stunden vergingen. Ich erinnere mich an das Hinterzimmer, vollgestopft mit Kostbarkeiten. Puppenköpfe, Drachen, Porzellanfiguren. Geschichten, die mir zugeraunt wurden von weit her. Und über allem das unwiderstehlich lockende Murmeln der Zeit.

Es ist schwer, nein, eigentlich unmöglich, diese Erinnerung dingfest zu machen. Sie lacht mich aus, das Sommergesicht. Zieht sich zwischen andere Eindrücke zurück. Ein Schlauchboot, das, gefüllt mit lauwarmem Wasser, als Planschbecken herhält. Lindenduft und das hellgrüne Flirren der Birken. Meine Mama, die mir die Schatzinsel vorliest und Robinson Crusoe und 20.000 Meilen unter dem Meer. Löwenzahnblüten. Abgestreifte Schlangenhaut, Fliegenpilze im Halbschatten, Knabenkräuter auf sumpfigen Wiesen und Johanniskraut im erbarmungslosen Sonnenglast. Weinbergschnecken und Kaulquappen. Der Duft des frischgemähten Heus. Jasmin. Flieder. Weiß und violett. Und Maiglöckchen. Und Narzissen. Und der Mond. Das Geräusch des Rasenmähers. Verschneite Wege, erste euphorische Fußstapfen ins weißeste Weiß.

Worauf ich hinaus will?
Auf nichts. Heute lasse ich mich treiben. Ich schlage über die Stränge und schaue, was passiert. Meine Stadt tickt heute wie der Bunte Laden meiner Kindheit. Jeder Moment ein Deep Impact. Jedes Gefühl eine kleine, rote Blüte, die im Zeitraffer ihr Köpfchen in den Himmel reckt, jeder Eindruck Gänsehaut.

Da liegt was in der Luft, elektrisierend, beruhigend, beschleunigend, verzögernd, und ich erinnere mich irgendwie in die Zukunft, und das kommt mir nicht einmal komisch vor in diesem Moment. Ich bin neugierig und wach und energiegeladen und aufmerksam.

Und traumverloren. Und das schmatzende Ticken der Zeit. Gemächlich, einladend, kurios, freundlich, surreal.
Habe ich das tatsächlich gerade gepostet?

Dieses seltsame Grinsen will mir irgendwie partout nicht aus dem Gesicht gehen. Ich bin mittendrin im Zwischenreich. Und es gefällt mir. Sehr.

Defensiv

Im Moment hab ich ja eine sehr nervöse Schreibhand. Habe? Hätte.
Weil der kleine Zensor in meinem Kopf haut mir dauernd mit dem Hammer auf den Kopf.

Blöd das.

*bonk*
*autsch!*

Sie wünschen, wir spielen!

10 schöne Sätze

#1 “ich liebe dich!”
#2 “Und ich dich!”
#3 “Du bedeutest mir die Welt!”
#4 “Ich möchte mit dir alt werden!”
#5 “(…) Solltest du demnächst irgendwann irgendwie das Bedürfnis verspüren, dich zu vermehren, würdest du dich dann an mich wenden?”
#6 “Ich habe mein Leben lang auf dich gewartet.”
#7 (…) “Jetzt bin ich da.”
#8 (…) “Meine Bettdecke ist groß…”
#9 “Bis gleich.”
#10 (…) “Du weißt, wo du mich findest. Den Schlüssel hast du ja…”

10_sch__ne_S__tze.jpg

[Soundtrack des Augenblicks: James Brown | Shhhhhhhhhhhhhhh (for a little while)]
[achja, und zum Vergrößern bitte Bild klicken]

Gedanken einer Steinfigur untertags

it’s sometimes just like sleeping
curling up inside my private tortures
i nestle into pain
hug suffering
caress every ache

i play dead
it stops the hurting*

st_othmar.jpg

[*Björk | play dead]

Oh Mann!

Eben in der Straßenbahn dachte ich mir, Julia, dachte ich mir, da hat es jetzt was mit deiner Wahrnehmung, also am besten du bleibst jetzt ganz ruhig und guckst weg und dann gaaanz vorsichtig noch einmal hin… ja, hattest einen anstrengenden Tag, also gut, jetzt guck dir den Typen mit dem Kebab noch einmal an… WAAAH!

Es dauerte wirklich ein paar (bange) Sekunden, bis ich realisierte, daß ich nicht übergeschnappt bin und der Typ echt als Zombie hergerichtet war … und daß das an diesem Tag für manche Leute ja ganz normal ist, weil - ja, genau! - Faschingdienstag und so…

Solche Dinge ziehen sowas von spurlos an mir vorbei, es ist eigentlich schon fast peinlich.