der rote Teilzeitmitbewohner

Er muß irgendwo aus der Nachbarschaft stammen, und er ist hier in der Gegend der definitive Chefkater. Pöbelt ständig die anderen Katzen an, pirscht sich dann und wann ein bißchen an die Amseln ran, schreitet nach unweigerlich erfolgtem Mißerfolg mit hocherhobenem Köpfchen von dannen, um sich eingehend der Pflege seines seidigen Fells zu widmen und liebt es in der warmen Jahreszeit auf den Steinplatten zu liegen und seinen Bauch in die Sonne zu halten, wobei er sich ganz gern auch kraulen läßt. Als es langsam Herbst wurde, saß er immer öfter vor unserem Hauseingang und schaute geduldig den Türgriff an. Wir haben ihn lange nicht ins Haus gelassen, weil wir ziemlich sicher waren, daß er nicht zu uns ins Haus gehört, und weil wir natürlich nicht irgendwem seine Katze abspenstig machen wollen, aber als es dann doch ernst wurde mit dem Winter und der arme Kerl eines dunklen Abends mit richtig schlimmen Minusgraden wieder einmal wie ein Häufchen Elend um Einlaß bat, nahmen wir ihn mangels Alternativen mit hoch.

Er inspizierte die Wohnung mit der Lässigkeit eines Hausbesitzers, der bei seinen Mietern zum Abendessen eingeladen ist, aß ein bißchen Rindfleisch (ich kochte an diesem Abend Gulaschsuppe) und machte es sich sodann – immer auf der Hut, ob das denn erlaubt sei – auf dem Bett bequem, während wir von Entzücken und Ergriffenheit ganz weiche Knie bekamen, und als er uns in dieser Nacht in den Schlaf schnurrte, war es völlig um uns geschehen.

Mittlerweile stellen wir dem Kleinen (irgendwo hab ich von einer – ob seiner nicht geklärten Menschenzugehörigkeit ebenfalls besorgten – Nachbarin einmal aufgeschnappt, sein Name sei angeblich Willi) ein Katzenklo für alle Fälle, Weich- und Trockenfutter sowie ein Schälchen mit Wasser (nicht Milch, denn das verdirbt Katzen bekanntlich den Magen!) zur Verfügung, gewähren ihm Asyl, wann immer er das will, lassen ihn bei uns im Bett schlafen, und nennen ihn abwechselnd “Katerchen” oder aufgrund seiner Fellfärbung und seines leicht ins Rüpelhafte gehenden Verhaltens in freier Wildbahn “Pol Pot” – und sind bis über sämtlich verfügbare Ohren verliebt in ihn, weil… ach, sehen Sie selbst.

Katerchen

PS – es stimmt. “Die Menschheit läßt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte.” (Petrarca)

8 Kommentare zu “der rote Teilzeitmitbewohner”


  1. 1 chronovisor

    Ich HABS ja gewusst, dass Menschentiere IMMER von Katzentieren okkupiert, adoptiert, ueberrumpelt, eingefangen, oder was auch immer, werden und NICHT umgekehrt!
    Und das geschieht dir/euch SOWAS von recht, aber auch SOWAS von!
    Doch letztendlich glaube ich, dass das deine/eure Bestimmung ist, und dass es in einem fernen Leben einmal umgekehrt kommen koennte, gell ‘Kaetzchen mit den scharfen Krallen?’.
    (War natuerlich ein Spass, ich weiss von nichts, ausser, dass mir heiss ist, hier im Osten Australiens.) Pfuuhhh…..

    Cheers, |cv| —> chronovisor.

  2. 2 dieJulia

    Daß uns das recht geschieht, werte ich als großes Kompliment, und daß ich in einem vorigen Leben möglicherweise selber einmal eine Katz war, halte ich für durchaus recht wahrscheinlich… *purr* *breitpratzig* *schnurrrrrrrrrrr*

    (Saaaaag, bist du eigentlich immer noch in Australien, oder schon wieder? In beiden Fällen: NEID!)

  3. 3 katze

    viel schöööööner als jedes weihnachtsmärchen!!! miau! und für mein nächstes leben reservier ich mir hiermit den platz bei euch! ok??? schnurr!

  4. 4 dieJulia

    :-))
    Abgemacht! Wir bauen dann auch eine Katzenklappe ein… :)

  5. 5 chronovisor

    Noch IMMER in Australien, Allerwerteste, noch IMMER! ;-)
    Muss allerdings aus verschiedenen Gruenden (auch visumstechnisch) ab April fuer 5 Monate zurueck, und da dann in die Steiermark, ja sogar in die obere! Uns trennen dann demnach etwa 120 Kilometer. Hoffe bloss, dass sich das Wetter bis dahin zum Fruehlingshaften gewendet hat (bin ja sooo winterentwoehnt!). Danach gehts wieder zurueck nach Australien, und ich darf mich dann wirklich als ‘Ausgewanderter’ bezeichnen.
    Solltet ihr euch mal nach Australien wagen, so stelle ich mich schon jetzt (nach Moeglichkeit) als ‘Herbergsvater’ (frei nach Joachim Witt) zur Verfuegung.
    Sodale – gehe jetzt die wilden Papageien fuettern, die in unserer backyard herumluemmeln.

    Cheers, |cv|

  6. 6 MoniqueChantalHuber

    ah, endlich sind sie auch angekommen im zeitalter des haustierbloggings. sehr schön!

  7. 7 Popvatern

    Umsonst waren sie nicht heilig im alten Ägypten.
    Katzen mag man eben ! Und wer sie nicht mag …..
    (Siehe Julia’s PS)

  8. 8 dieJulia

    @chronovisor: ja Wahnsinn! Da bist du ja quasi das wandelnde Austria-Australia-Paradoxon! Meld dich doch mal, wenn du sommers in der guten alten Donaumonarchie weilst.. sofern du den Kultur- und Temperaturschock gut bewältigst. ;-)

    @MoniqueChantal: Werteste Frau Königin, ich wittere gar Schröckliches. Denn was kann nach Kochrezepten und Haustieren noch kommen? Schockschwerenot, wie der nihilistische Existenzphilosoph Donald D. es einmal so unübertrefflich ausgedrückt habe! Ich werde daher auf der Hut sein!

    @Popvatern: Genau! Das flauschige Katerchen hat uns in der Zwischenzeit sowas von fest in der Hand, daß wir selbst dann noch in an völlige Verzückung grenzende Rührung ausbrechen, wenn er gegen seinen neuen Erzfeind, die Gardine, in den Ring steigt…

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