Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)
Naja. Gegenfrage könnte lauten: “Würde es Ihnen etwas ausmachen, die Frage etwas anspruchsvoller zu stellen?”
Aber doch – ein interessantes Phänomen gibt es zu berichten: Vor Jahren, da wohnte ich noch in Wien und glaubte felsenfest daran, diese Stadt als Wohnort nie wieder zu verlassen, las ich, irgendwie inspiriert von Tom Robbins’ “Halbschlaf im Froschpyjama” Paul Austers wehmütig-wunderliches “Timbuktu” und kaufte mir anderntags die “New York-Trilogie”, um sie endlich einmal zu lesen. Nun war es aber zugegebenermaßen so, daß ich mich nicht wirklich überwinden konnte, das Buch zu mögen – aber weil ich, was Bücher angeht, sehr geduldig bin und nicht nur auf die Schokostückchen im Bücherteig aus, sondern durchaus gewillt bin, mich (nötigenfalls sogar bis zum Ende, ich bin da zäh) durch einiges an nicht so schmackhafter Masse zu fressen, hab ich es halt so vor mich hingelesen. Abends vor dem Schlafengehen, beim Zähneputzen, beim Warten in der Kassenschlange, beim Warten auf den Bus.
Ja, genau. An einem leicht nieseligen Frühlingsabend, als ich gerade lesend im Wartehäuschen auf den 13A wartete, sah ich irgendwann von meiner Lektüre auf und merkte, daß der Bus schon vor mir stand (mithin ein Beweis dafür, daß die Geschichte so langweilig nicht sein kann), sprang also auf, zwängte mich grad halt noch zwischen den zischenden Türen in das Gefährt – und merkte erst, als es schon zu spät war, daß ich mein Buch auf dem städtischen Sitzmöbel liegen gelassen hatte.
So hab ich die “New York-Trilogie” irgendwo in Wien verloren (hat mein Unterbewußtsein beschlossen, es zurückzulassen) und hing oft noch dem irgendwie anregenden Gedanken nach, was daraus geworden sein könnte – die Idee des Bookcrossing gab es damals schon, und wer weiß, durch wieviele Hände es seither gegangen ist, in welchem Regal es steht, welche einsame junge Dame es sich genommen hat, um von einem jungen Mann drauf angesprochen zu werden, was sie da liest… Oder aber in welchem Mistkübel es gelandet sein mag.
Jedenfalls konnte ich mich nicht dazu aufraffen, es mir wieder zu kaufen und wieder bzw. weiterzulesen. Interessiert hätte es mich schon, aber immer wenn ich ich es so vor mir stehen sah und ich schon danach griff, um es auf den gleich zu erwerbenden Bücherstapel zu legen und zur Kasse zu gehen, ließ ich es bleiben und dachte mir “beim nächsten Mal nehm ich’s vielleicht mit”. Wieso, weiß ich nicht. Vielleicht werde ich es irgendwann einmal nachholen und verblüfft sein, wie gut es mir gefällt. Aber vielleicht werde ich nie erfahren, wie die Geschichte weiterging; vielleicht wird es das Buch sein, das ich nur einmal und nur zur Hälfte gelesen haben werde, ohne mir noch darüber bewußt zu sein, ob es mir gefällt oder nicht. Ich laß mich einfach überraschen.
Schleppend, die Updates. Sehr schleppend…
Ja, tja. Die “Neuen Artikel erstellen”-Funktion hats schon wieder dahingerafft…