Archiv für November 2010

31 Tage – 31 Bücher/Tag 7

Tag 7 – Ein Buch, das dich an jemanden erinnert

Komischerweise ist diese Frage für mich am schwierigsten von allen zu beantworten und diejenige, auf die ich keine spontane Antwort geben kann. Bücher erinnern mich eigentlich an niemanden. Eine Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln ist immer wie ein Stück Neuland, das man betritt, und mit dem man Seite für Seite immer vertrauter wird. Sicher ist es so, daß es punktuell immer wieder (Ab-)Sätze gibt, bei denen man aufspringen und jauchzen will “jajajajaja! Genau so ist das! Genauso fühlt sich das bei mir auch an!”. Und wie schon kürzlich erwähnt, ist es bei mir auch so, daß ich Spuren von mir selber in Büchern wiederfinde, wenn ich sie zum wiederholten Male lese (und damit meine ich jetzt nicht den Kaffeerand einer schmutzigen Tasse oder den schokoladigen Fingerabdruck). Aber daß mich ein Buch an eine bestimmte Person erinnert – nein, so ist das nicht. Es ist viel komplexer. Vielleicht ist das auch so, weil man Bücher, anders als Filme oder Theaterstücke oder Städte (oder Songs!), schließlich nur allein betreten kann. Daß man in ihnen für die Zeit des Lesens allein ist mit den handelnden Personen – kein gemeinsames “Aaaaaach” oder “wo-ho!” wie beim Filmgucken, kein “hast du das rote Auto gesehen, daß da grad durchs Bild fuhr?”. Lesen passiert ja nicht in einem streng bemessenen Zeitrahmen – also selbst wenn zwei etwa gleich schnelle Leser mit einem ähnlichen Geschmack ein und dasselbe Buch zugleich und ohne Pause lesen würden, würden sie doch nicht an genau denselben Stellen hängen bleiben und sich etwa gegenseitig zurufen “Wahnsinn, die Frau in dem roten Kleid!” (Oder vielleicht etwa doch? Wäre einmal ein interessantes Experiment…).

Jedenfalls denke ich bei Büchern ganz schlicht und einfach immer nur an ihren Inhalt, nicht an einen real existierenden Menschen. Wenn ich in meinem Hirn irgendwann auf eine Ausnahme stoßen sollte, werde ich aber sofort Bescheid geben.

31 Tage – 31 Bücher/Tag 6

Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

Naja. Gegenfrage könnte lauten: “Würde es Ihnen etwas ausmachen, die Frage etwas anspruchsvoller zu stellen?”
Aber doch – ein interessantes Phänomen gibt es zu berichten: Vor Jahren, da wohnte ich noch in Wien und glaubte felsenfest daran, diese Stadt als Wohnort nie wieder zu verlassen, las ich, irgendwie inspiriert von Tom Robbins’ “Halbschlaf im Froschpyjama” Paul Austers wehmütig-wunderliches “Timbuktu” und kaufte mir anderntags die “New York-Trilogie”, um sie endlich einmal zu lesen. Nun war es aber zugegebenermaßen so, daß ich mich nicht wirklich überwinden konnte, das Buch zu mögen – aber weil ich, was Bücher angeht, sehr geduldig bin und nicht nur auf die Schokostückchen im Bücherteig aus, sondern durchaus gewillt bin, mich (nötigenfalls sogar bis zum Ende, ich bin da zäh) durch einiges an nicht so schmackhafter Masse zu fressen, hab ich es halt so vor mich hingelesen. Abends vor dem Schlafengehen, beim Zähneputzen, beim Warten in der Kassenschlange, beim Warten auf den Bus.

Ja, genau. An einem leicht nieseligen Frühlingsabend, als ich gerade lesend im Wartehäuschen auf den 13A wartete, sah ich irgendwann von meiner Lektüre auf und merkte, daß der Bus schon vor mir stand (mithin ein Beweis dafür, daß die Geschichte so langweilig nicht sein kann), sprang also auf, zwängte mich grad halt noch zwischen den zischenden Türen in das Gefährt – und merkte erst, als es schon zu spät war, daß ich mein Buch auf dem städtischen Sitzmöbel liegen gelassen hatte.

So hab ich die “New York-Trilogie” irgendwo in Wien verloren (hat mein Unterbewußtsein beschlossen, es zurückzulassen) und hing oft noch dem irgendwie anregenden Gedanken nach, was daraus geworden sein könnte – die Idee des Bookcrossing gab es damals schon, und wer weiß, durch wieviele Hände es seither gegangen ist, in welchem Regal es steht, welche einsame junge Dame es sich genommen hat, um von einem jungen Mann drauf angesprochen zu werden, was sie da liest… Oder aber in welchem Mistkübel es gelandet sein mag.

Jedenfalls konnte ich mich nicht dazu aufraffen, es mir wieder zu kaufen und wieder bzw. weiterzulesen. Interessiert hätte es mich schon, aber immer wenn ich ich es so vor mir stehen sah und ich schon danach griff, um es auf den gleich zu erwerbenden Bücherstapel zu legen und zur Kasse zu gehen, ließ ich es bleiben und dachte mir “beim nächsten Mal nehm ich’s vielleicht mit”. Wieso, weiß ich nicht. Vielleicht werde ich es irgendwann einmal nachholen und verblüfft sein, wie gut es mir gefällt. Aber vielleicht werde ich nie erfahren, wie die Geschichte weiterging; vielleicht wird es das Buch sein, das ich nur einmal und nur zur Hälfte gelesen haben werde, ohne mir noch darüber bewußt zu sein, ob es mir gefällt oder nicht. Ich laß mich einfach überraschen.

Zwischendurch: Handlungsanweisung #17

“Legen Sie sich unter einen Baum, als ob Sie heruntergefallen wären” (Erwin Wurm)

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Als nächstes probiere ich dann: “Sagen Sie einer Feministin, mit dem Arsch hätte sie diese Einstellung nicht nötig” (ebenfalls Erwin Wurm)

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[Foto: Herr Ad]