Tag 4 – Dein Hassbuch
Naja, hassen ist ja so ein Wort, das ich weitgehend aus meinem Alltagsvokabular gestrichen habe, als mich irgendwann die Erkenntnis streifte, daß es zum einen inflationär von Leuten benützt wird, die einfach zu phantasielos sind, ihrer Abneigung gegen etwas Ausdruck zu verleihen, und zum anderen irgendwie, naja, in den allermeisten Fällen überhaupt nicht aussagt, was es eigentlich aussagen soll. “Ich hasse Kohlgemüse” sollte zum Beispiel nur ein in seiner unglücklichen Kindheit unter Androhung schwerer Prügel regelmäßig zum Aufessen totgekochten, wäßrigen Kohlblätterbreis gezwungener Mensch mit posttraumatischem Streßsyndrom und versautem Leben sagen, während der Rest der Menschheit es ehrlicherweise bei “Puh, Kohlgemüse geht ja irgendwie gar nicht” belassen sollte. Sie verstehen, worauf ich hinauswill? Etwas zu hassen ist zu 99 Prozent quasi verbale Putativnotwehr, und weil der Mensch auf lange Sicht langsam wird, was er sagt (am Anfang war das Wort!), und beim hassen schon rein onomatopoetisch gesehen der Geifer spritzt und das Gesicht sich zu einer kaum einnehmenden Fratze verzieht, ist es besser, diesen Ausdruck bewußt aus seinem Vokabular herauszuhalten. Finde ich.
Nachdem ich mit diesem kleinen, lehrreichen Exkurs jetzt einmal nett, wie ich bin, die Begrifflichkeiten geklärt habe, zurück zum eigentlichen Thema, dem Un-Buch. Ich kann ja zum Beispiel diese an der Grenze von der Vulgärpischologie zum esoterisch angehauchten Schweinkram angesiedelten Werke à la “Warum Frauen immer kuscheln wollen und Männer total super heimwerken können” nicht aushalten. Einfach genetisch bedingt – Gänsehautausschlag, Fremdschämexzesse und explodierende Augäpfel müssen ja nicht sein! Oder Paolo – irgendwo saß ich und jammerte – Coelho. Oder diese vom Dauerwimmern schon ganz wunde TV-Produktions-Schauspielnase mit Profilierungsneurose, Gabriel Dingsbums, der so ähnlich heißt wie eine italienische Nudelmarke (eine WG-Kollegin hat mich seinerzeit mit talibanesquem Erweckungszwang zur Lektüre eines seiner, hust, Beziehungsprobleme aus der Sicht eines sensiblen Mannes thematisierenden Romane gezwungen – mein Gott, war das SCHLECHT! Mein Gott, war MIR schlecht!). Oder dieses sperrige Luder von einem Buch “Der Mann ohne Eigenschaften” – wer mir glaubhaft versichern kann, es tatsächlich zu seinem persönlichem Gaudium gelesen und die Lektüre genossen zu haben, ohne dabei an Vertrocknung zu sterben, möge sich bitte bei mir melden! Bitte! Ich möchte Sie kennenlernen! Oder Krimis (außer wenn sie von Ingrid Noll, Alfred Komarek oder Manfred Rebhandl und Konsorten kommen). Oder diese bemühte, hochakademisch konstruierte und um jeden Preis vergrämt, unsinnlich, depressiv und fertig mit dem Leben klingen müssende deutschsprachige Literatur eines Arnon Grünberg (“Der Vogel ist krank” – ich war es auch, nachdem ich es fertiggelesen hatte) oder eines Peter Stamm (“Agnes”? Who the f*ck is Agnes?). Oder Fantasy-Epen mit Bergwerkszwergen, saurierreitenden Monstren und idyllischen kleinen Völkchen, die ihre bloßfüßigen Helden losschicken, um die Welt und so weiter und so fort…
ABER – höret das Wort, das ich euch verkünde: das alles gilt nur und ausschließlich für mich. Jedes Buch, das auch nur von einem Menschen gern gelesen wird, hat seine Berechtigung, und jo mei, es gibt halt Menschen, die essen am liebsten Schnitzel mit Tunke und Kohlgemüse und solche, die lieber Schweinebraten mit Knödel haben, oder zum Beispiel frittierte Heuschrecken oder Tofuauflauf mit Dinkelfülle; in anderen Worten: über Geschmack kann man nicht streiten. Kann man einfach nicht! Und das ist auch gut so. Die Fülle an Büchern, Musik und Filmen wäre nämlich recht beschränkt, wenn nur die eindeutigen Sieger im Geschmacksbewerb ans Tageslicht kämen. In diesem Sinne: Peace. Und weiterlesen! :)
Schlicht & einfach: großartig.
Freu mich auf ein Buch von DieJulia (oder zumindest wieder mehr Blogg-Gedingse).
Liebe Herbstgrüße!
Mei, jetz bin ich ein bissi rot geworden. Dankeschön! :-)