[Hirschragout mit Semmelknödel]
Es ist ja so, daß ich zum einen aus einer Wildererhochburg stamme und zum anderen das Kind einer kulinarisch unendlich begabten Mutter bin, die mich schon als junge Adeptin in die Geheimnisse der Küchenzauberei einweihte, und von der ich mir auch heute noch gelegentlich Ezzes hole, wenn es am Herd um mehr als die Wurst geht. Und so wurde es im Palais Focky heute endlich einmal richtig wild, und das Rezept will ich hier nicht schuldig bleiben.
dieZutaten:
1) Hirschragout:
ca. 500 g. Schulterbraten vom Hirsch
ca. 10 g Bauchspeck
1 kleine Zwiebel
3-4 Karotten
1/2 Sellerie
1/4 l Rotwein (trocken)
Salz
1 TL Senf
1-2 EL Preiselbeerkompott
Wildgewürzmischung (gibt’s fertig zu kaufen, ansonsten: Knoblauch, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Liebstöckl, Thymian, Senfkörner, Zitronenschale, Pfeffer & Gewürznelken mörsern)
bei Bedarf Suppenwürfel zum Schummeln
bissl Öl zum Anbraten
2) Semmelknödel:
ca. 250 g Knödelbrot (oder 5 altbackene Semmeln, in 1×1 cm große Würfel geschnitten)
2/8 l Milch
1/8 l Wasser
2 Eier
1 Handvoll Mehl
2 EL getrocknete (oder 4 EL frische) Petersilie
Salz
3) Salat:
1 grüner Salat, zB Grazer Krauthäupl, Marinade zB bestehend aus
[2 Zehen Knoblauch
1 TL Senf
Salz/Pfeffer
4 EL Essig (Weißweinessig), 4 EL Wasser
2 EL Olivenöl]
So geht’s:
Als erstes bereitet man sinnvollerweise die Masse für die Semmelknödel vor: Knödelbrot, Mehl, Petersilie und Salz in eine Schüssel geben; Eier, Milch und Wasser verquirlen, alles gut vermischen (bei Bedarf noch ein bißchen Wasser dazu…) und zugedeckt ziehen lassen.
Sodann die Zwiebel und den Speck fein hacken, Karotten und Sellerie putzen und in kleine Würfel, das Fleisch in ragoutgroße Stücke schneiden.
In einer großen Pfanne Öl heiß werden lassen und das Fleisch von allen Seiten scharf anbraten; dann die Zwiebeln, den Speck und das Wurzelgemüse zugeben und gut durchrösten…
… mit dem Rotwein ablöschen, aufkochen lassen, mit Wasser aufgießen, Gewürzmischung [im Schummelmodus auch Suppenwürfel], Senf und Preiselbeeren dazu…
… Deckel drauf und ca. eine Stunde köcheln lassen. Währenddessen ein bissl lesen oder mit Vatern telefonieren oder so. Dann einen großen Topf mit Salzwasser für die Knödel zustellen; inzwischen das Fleisch aus der Sauce in einen weiteren Topf geben und die Sauce durch ein feines Sieb über das Fleisch streichen. Gemüsereste mit etwas Wasser noch einmal aufkochen lassen und den Vorgang wiederholen. Wenn das Knödelwasser kocht, Knödel formen (geht mit nassen Händen am besten) und ca. 20 Minuten mehr wallen als kochen lassen, bis sie ihre Genußfertigkeit signalisieren, indem sie sich erdengleich um sich selbst drehen. In der Zwischenzeit den Salat zubereiten, Ragout eventuell abschmecken und dann einfach genießen (Preiselbeerkompott dazu reichen).
Mahlzeit!
Empfohlener Soundtrack (beim Kochen): Felix Mendelssohn-Bartholdy/Ein Sommernachtstraum



Sie furiose Pfannenfee, Sie furiose! Aber jetzt mal ehrlich: Haben Sie geschummelt?
Ma, schaut das gut aus - ich rieche es förmlich…
Das Rezept werde ich mir gerne ausborgen! Lg
Es hat gewirkt, es hat gewirkt! Auf meinen Hausheiligen ist doch Verlass!
Gestern habe ich in seiner Krypta eine Kerze für dieJulia entzündet, denn diese Blockade - Blog ade, sie machte mir doch sehr zu schaffen; lang wurden mir die Pausen zwischen den spärlich tröpfelnden Einträgen der letzten Wochen. (Wo ich doch so sehnsüchtig auf diese Betthupferln warte.)
“Grüßen Sie mir den Dom” haben Sie mir in Ihrer letzten Antwort befohlen. Verehrte Frau Julia: Köln ist keine gotische, es ist eine romanische Stadt. Wir haben - weltweit einmalig - eine solche Fülle ehrwürdig alter und wunderbar gestalteter romanischer Kirche, sie stellen den eigentlichen kunsthistorischen Schatz unserer Stadt dar.
Und dann herbergt die salische Krypta unter St. Andreas - eine jener Zwölfen - die sterblichen Überreste des Doctor Universalis, des Hl. Albertus Magnus. Ich, obselbst konfessions- und glaubenslos, usurpiere ihn als meinen Lieblingsheiligen, verweile mitunter an seinem Sarkophag und gebe mich dort einer kontemplativen Meditation hin.
Auch muss er bei solchen Indigestionen wie Schreib- und Liebeshemmungen mir nahe stehender Personen herhalten - schließlich zahle ich nicht umsonst für die Opferkerzen!
Also, die Opfergabe hat gewirkt.
Zum “edelgestählten Schnuckel” eine Anmerkung. “Du bist ein Schnuckel” sagte die junge, blitzgescheite und zum Verlieben duftende Dame Ende 1995 zu mir, als ich anregte, doch für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker Karten zu kaufen. Reizvoller ist mir nie die Unerfüllbarkeit eines Wunsches beschieden worden.
Zum “Einen Hirschen zu braten” eine weitere: Meine lippische Verwandschaft, soweit sie den Jagdschein erworben hat, kolportiert den Spruch “Wer nicht liebt Wein, Weib und andre Weiber, wird niemals Jäger, bleibt ewig Treiber”. Mein Papa hat bei Verfolgung des Schwarzwildes nur “Hussa, Hussa” gerufen, nicht geballert - ist meine Mama nun glücklich zu preisen?
Weitere Anmerkungen unter
http://www.romanische-kirchen-koeln.de/kirchen.html und
http://www.dominikaner-koeln.de/module/galleries/index.php/3/3/0
Hmmmmmm … ich werd gleich kulinarrisch!!!
Muttern’s lapidarer Kommentar:
Da braucht sie gar nicht mehr heimkommen, jetzt kann sie eh schon kochen !
Kleiner Schüttler hierzu:
Parkplatznot:
“Fahr ins Geschäft um Markenbutter”!
“Dort kann ich ja nicht parken, Mutter!
Kulinarische Grüsse
Pop
Wertester Herr Krause, ich könnte jetzt natürlich behaupten, daß ich jedesmal sieben minderjährige nepalesische Gottkönige ins Gebirge schicke, damit sie mir einen Hauch Salz pflücken, das ich dann an meinen gourmettauglichen Molekularexperimenten vorbeitrage, damit ein paar Quarks darauf überspringen, aber wenn Sie mich schon so unverblümt fragen: ei freilich habe ich geschummelt! Hab ich schon in der Schule gemacht. Sowas wird man ja nie mehr richtig los. :-)
Frau Lucretia, es ist mir eine Ehre, dir einen rechten Gusto gemacht zu haben! :)
Verehrtester Henricus, Ihre Kommentare möcht’ ich mir am liebsten jedes Mal einrahmen und in den Salon hängen, auch wenn sie mich immer wieder ein bißchen sprachlos machen.
Herr e!genart, wie geht’s übrigens Ihrer Badezimmeralm?
Du lieber Popvatern,
Wirst sehn, die Mutter schmiert dir Wecken
Mit Teebutter - das wird dir schmecken!
(richte meiner lapidaren Frau Mutter bitte aus, papperlapapp, das Kind mag zwar vielleicht 33 plus ein paar Zerquetschte und einen Hirschen zuzubereiten imstande sein, aber das heißt noch lange nicht, daß man es gleich vom Hof jagen muß. Wo doch außerdem ihr Schweinsbraten zum Herzergreifendsten zählt, das mensch sich, wenn überhaupt, nur in seinen sehnsüchtigsten Träumen ausmalen kann.) :)
Bussi!
dein Tochterkind
Das sieht soooooo lecker aus……Mist ich hab hunger !!!!!!!
Julia….ich bin entsetzt!
Wo ist die Orange? :-) So eine mit eingeschnitzem Geweih, wenn sie schon den Hirschen begleiten muss.
Ansonsten, legga. Musste doch glatt überlegen ob ich nicht gleich was koche und bebildere.
Grüße
Lay
Oliver: Verzeihungkommtnichtwiedervor! :)
Frau Wahnsinnsdompteurin: Sie ham vollkommen recht. Die Orange fehlte. Ein kaum wiedergutzumachender Lapsus. Ich bin unendlich zerknirscht und gelobe Besserung! ;)
Der Beitrag hat mir gerade noch gefehlt - hier in der Schweiz, kilometerweit vom nächsten Menschen entfernt, der sich auf die hohe Kunst des Semmelknödelmachens versteht und das noch für die nächsten vier Wochen…
Nichtsdestoweniger herzlichen Dank - Das landet ganz oben auf der Liste der Dinge, die umgehend nach Heimatrückkehr verzehrt werden müssen.
Keine Semmelnknödeln in der Schweiz? Aber Rösti zum Hirsch ist ja auch ziemlich g’schmackig! ;)
Ja… Rösti zum Hirsch, Rösti zum Dilettantengulasch, Rösti zum Gegrillten - Röstiröstirösti. Sie erkennen sicherlich, worauf ich hinausmöchte ;)
So. Gestern gleich die mundwässrige Absicht in g’schäftige Küchen-Action umgesetzt und das Rezept nachgekocht. Gibt’s heut abend zum „Dinner for two”, schön einen Tag lang durchgezogen. LECKER!
Ein paar kleine Änderungen (ich kann nicht strikt nach Rezept kochen) hinterlasse ich mal als Inspiration:
– mehr Wein ;-)
– Wildfond statt Brühwürfel
– eine Handvoll zerbröselte Trocken-Herbsttrompeten mitköcheln lassen
– Statt Semmelknödel Maronenbandnudeln dazu
– und als Vitaminbeigabe etwas im Wok gebratenen Rotkohl
Hoffentlich ist bald Feierabend …
heiliger bimbam - selbstgemachte semmelknödel machen mich schwach! da offenbart sich die nähe von bayern und österreich - genauso (bis auf das mehl) macht es meine mom auch - und ich liebe sie! also sowohl die eine als die anderen … dazu den hirschen - ein gedicht!!! einen neidvollen gruß von der nixe …