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Archiv für August 2008
Das Burgenland, und insbesondere die Gegend rund um den Neusiedler See, ist ja so ein Landstrich, in dem mir das Herz aufgeht. Der See, die Weinberge, die Dörfchen, die Menschen, nicht zu vergessen die Sonnenblumenfelder, die Zwetschken-, Birn-, Apfel-, Walnuß-, Mandelbäume, die Kürbisse, die Paradeiser und die Paprikas… Vielleicht liegt der besondere Charme dieser Gegend darin, daß sie bis 1920 zu Ungarn gehörte. Vielleicht auch darin, daß meine Eltern dort, seit ich ein kleines Kind war, Urlaub machten, so daß ich sie noch immer irgendwie mit Sommer, Ferien und endlosem Kindheitsglück verbinde.
Jedenfalls weilte Muttern nun eine Woche in ihrem angestammten Urlaubsdomizil, wobei Herr Ad und ich sie letztes Wochenende hinkutschierten und Vatern ihr am Freitag folgte, um selbst zwei Tage zu bleiben und dann gemeinsam mit ihr wieder nach Hause zu fahren. So kam es, daß wir den Samstag miteinander verbrachten, und zwar unter anderem im Dorfmuseum Mönchhof - einem absolut liebevoll gestalteten Freilichtmuseum zum Herumschlendern und Anfassen, dessen Besuch ich nur jedem ans Herz legen kann, der in östlicheren Gefilden wohnt. Und weil’s so schön war, gibt es davon auch Fotos in verschwenderischer Fülle. Letzteres paßt ja zu diesem wunderbaren Fleckchen Welt. Bitteschön:
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[die Bilder freuen sich, werden groß und noch viel schöner, wenn man sie anklickt!]
[mehr Informationen zum Dorfmuseum Mönchhof gibt es auf www.dorfmuseum.at]
[Weitere Bilder gibts, wie üblich, beim Herrn Ad (klick!)]
Vom Hundertsten ins Tausendste ist es ja manchmal nur ein Katzensprung, und wenn man so vor sich hin gugelt, um zum Beispiel zu sehen, was zum Beispiel aus Bandkollegen von früher geworden ist, von denen man schon lange nichts gehört hat, passiert es manchmal, daß einem richtige Schätze ins Netz gehen. Wie zum Beispiel das - Damen und Herren, ich sage es nicht nur so dahin: sensationelle! - Video von The Billy Rubin Trio*
Queens Of The Stone Age, arrangiert für smoothen Jazzgesang, Piano, Schlagwerk und Bass. Akustisch und optisch ein Hochgenuß. Schau’n Sie sich das an!
*ft. Lady S., dabei hatte ich eigentlich nach Iris T. gesucht…
Das Heimkommen ist immer schön, und als geländegängiger Mensch, der noch dazu nicht aus Zucker ist, kann man im Salzkammergut auch ziemlich großen Spaß im Starkregen haben (wie ich in meinem gestrigen Posting schon anklingen ließ).
Im Spätsommer ist das Heimkommen schon rein kulinarisch ein Hochgenuß. Die Marillen werden reif (ja, richtig gelesen. Das Salzkammergut ist nicht die Wachau!), da und dort kann man schon erste heruntergefallene Klaräpfel stibitzen, und in Mamas Garten haben die Zuchinis, die Gurken, die Fisolen und die Paradeiser Hochsaison. Auch die Paprikapflanzen im Glashaus waren nicht untätig.
Paprika und Paradeiser. Die fette, schwarze Erde, die Sonnenglut, die wilden Regengüsse. Die Essenz des Sommers. Was liegt da also näher als die Erzeugung von Letscho? Letscho/Lecsó ist ein ursprünglich ungarisches Gericht, das in schier unendlichen Varianten im Internet zu finden ist - mit edelsüßem Paprika, mit Thymian, mit Sauerrahm, mit Fleisch, mit Wurst, mit mitgekochtem Reis… Ich halte mich an das Rezept meiner Mum (ich habe Letscho schon als Kind geliebt!) und gehe sehr puristisch wie folgt vor:
Vier Zwiebeln werden geschält, geviertelt und dann in nicht zu kleine Stücke geschnitten. In einem Topf erhitzt man ca. 2 EL Olivenöl und schwitzt darin die Zwiebeln an, dann reduziert man die Hitze, sodaß sie sanft schmurgeln. Währenddessen schneidet man die Paprikas (ca. 500 g) je nach Vorliebe in Streifen oder ca. daumennagelgroße Rauten und gibt sie nach und nach in den Topf. Ebenso verfährt man danach mit den Paradeisern (auch ca. 500 g). An Gewürzen braucht die ganze Geschichte bloß Salz. Wenn man mag (so wie ich), gibt man noch zwei kleingehackte/gepreßte Knoblauchzehen und ein bißchen Tomatenmark dazu, bevor man den Deckel auf den Topf legt und das Gemüse ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde sanft seiner Vollendung entgegenköcheln läßt. Dazu reicht man im Idealfall Fladenbrot vom Türken ums Eck.
Empfohlener Soundtrack: Macy Gray/The Id. Legt man die CD kurz vor dem Zwiebelschälen ein, ist das Letscho perfekt, wenn der letzte Akkord von “Forgiveness” verklungen ist.
[diese wunderbaren Bilder werden per Klick hübsch groß und können durchaus auch als Desktop-Hintergrund verwendet werden.]
Am Samstag war es dann also endlich soweit. Angetan mit dem guten Schuhwerk und den wasserdichten Jacken machten wir uns auf in den Wald - welchen, verrate ich an dieser Stelle nicht, weil es schließlich um in generationenlanger Tradition weitergegebene Familiengeheimnisse geht. Revierschutz quasi. Gegossen hat es wie aus Kübeln. Naß wurden wir trotz Regenjacken bis auf die Knochen. Aber was soll man sagen - es war herrlich! Der federnde Waldboden, der Duft nach Rinde, Moos und Regen, als Begleitung das stete Trommeln der Wassertropfen auf unseren Kapuzen und die oberherzigen Feuersalamander. Ja… und natürlich die Früchte des Waldes. Es geht ja nichts über das Erbeuten von Pilzen, Herrschaften! Die Saison fängt zwar da, wo wir unterwegs waren, erst noch so richtig an, aber für eine kleine Schwammerlsauce hat es, glaub ich, gereicht.
Hier im Bild: Gomphus clavatus, das Schweinsohr (mir bekannt unter “Hasenöhr’l”), von Kennern als äußerst feiner Speisepilz mit nussigen Anklängen umjubelt und Pilz des Jahres 1998, angeblich ziemlich selten (behauptet jedenfalls Dr. Ewald Gerhardt im BLV-Handbuch Pilze).
Die kennt jedes Kind - Eierschwammerl (auf Schönsprech: Pfifferlinge):
Die Chefs unter den Wildschwammerln - Steinpilze:
Beute im Bild (inklusive Bärentatzen und Reizkern):
Ach so, ja. Was die Schwammerln betrifft, bin ich übrigens total vegan. Ich esse meine Freunde nicht (ich jage und erlege sie nur. Hihi.). Will sagen - Pilzrezepte gibt’s hier ausnahmsweise keine. Bloß Bilder. Und von denen vielleicht demnächst einmal mehr, wenn die Witterung die Mitnahme der Kamera erlaubt.
[die Bilder fühlen sich geschmeichelt und werden schön groß, wenn man sie anklickt!]
[Mehr Bilder vom gesamten Wochenend-Trip - vom Toten Gebirge bis ins Burgenland! - beim Ad (klick!)]
Thomas Glavinic: “Die Arbeit der Nacht” (zum zweiten Mal gelesen, 10/10)
Ein Mensch wacht eines Tages auf und ist allein in einem leeren Wien, einem leeren Österreich, einer leeren Welt. Eine streckenweise kaum erträgliche Angststudie, die - anders als Marlen Haushofers artverwandter (und vergleichsweise versöhnlicher) Roman “Die Wand” - vielleicht einen Schluß zuläßt - die Hölle, das sind nicht die anderen.
Ich hätte mir meine Freunde von damals doch besser aussuchen sollen, wie’s aussieht.
eigentlich, so dachte ich, könnte ich ja einmal notieren, was ich so lese. Ist mehr für mich, könnte aber doch auch vielleicht jemanden interessieren, deshalb kommt es also ins Blog.
John Irving: Bis ich dich finde (zum ersten Mal gelesen, 6/10)
Marlen Haushofer: Die Wand (zum dritten Mal gelesen, 10/10)
Jeffrey Eugenides: Die Selbstmordschwestern (zum ersten Mal gelesen, 3/10)
Tom Robbins: Völker dieser Welt, relaxt! (zum dritten Mal gelesen, 6/10)
Albert Sánchez Pinol: Im Rausch der Stille (zum ersten Mal gelesen, 7/10)
Pino Cacucci: Puerto Escondido (zum zweiten Mal gelesen, 7/10)
[die Bewertung ist, wie immer in diesem Theater, höchst subjektiv und ein Geschenk an den geneigten Leser.]

