Besprechen Sie mit einem Ologen Ihrer Wahl die Semipermeabilität oszillierender Entitäten in Ihrem Badezimmer.
Schreiben Sie was Heiteres zur Manifestation megalomanischer Identitätskonstrukte.
Reformulieren Sie, einfach so als Fingerübung, Ihre reflexive Haltung zur Dienstleistungskunst im öffentlichen Raum.
Denken Sie ruhig mal ein bißchen über eine radikale Neubewertung taxonomischer Teilaspekte des Holzhackens nach.
Skizzieren Sie einen knackigen Gegenentwurf zur Macht der Beliebigkeit markanter Massenspektakel.
Verfassen Sie einen flotten Zweizeiler über Entindividualisierung und Identitätsexhibitionismus.
Räsonieren Sie über die Sinnhaftigkeit der Dekontextualisierung von Kaffeekannen.
Oder besuchen Sie meinethalben den Chor der schreienden Männer.
Aber machen Sie mir bitte dieses Mal keine Fisematenten!
Das lässt mich aufhorchen. Das Wort ‚Fisematenten’, welches während der Besetzung des Rheinlands durch napoleonische Truppen entstand, im aktiven Wortschatz einer Österreicherin! Eine weite Reise.
Die Fisematenten sind im ösitanischen Wortschatz schon lang daheim, Mauriz Schuster, “Alt-Wienerisch. Wörterbuch veraltender und veralteter Wiener Ausdrücke und Redensarten.” Wien, 1950:
»Fisimantént’n (selt. Fisimatett’n): Förmlichkeiten, Federlesen; Flausen, Umstände, Ausflüchte. “F. mÃ¥ch’n”: Umstände machen, Ausflüchte gebrauchen, z.B. “Gengan S’, mÃ¥ch’n S’ kane F.!” – Verballhornung der ehem. amtlichen Benennung einer k.k. Patentschrift (lat. visae patentes, “ordnungsgemäß verdientes Patent”). Dieser Ausdruck erfuhr in den mundartl. Formungen “Fisepatenten” bis “Fisimatent’n” die Bedeutungsverschlechterung “zweckloses Gekritzel” und gelangte über den geringschätzigen Sinn “überflüssige Aktenfexerei” zu der eingangs verzeichneten Bedeutung.«
in meiner sonntagmorgenfadesse entstand genau ihren angaben folgend der nun hier folgende zweizeiler, den ich ihnen hiermit - egal ob sie ihm folgen können - schenke:
so blieb ich ich,
als ich mir wich.
Liebe Frau Julia,
wenn das mal nicht inspirierend ist, was dann? Schließlich kam beim wiederholten Durchlesen mein sonntäglich-träges Hirn erst richtig in Fahrt. :-)
[klugschiss] @ALL: Für “Fisematenten” gibt es auch noch eine andere Erklärung, nämlich die, dass französische Soldaten zu Zeiten napoleonischer Besetzung zu den jungen deutschen Damen gerne “Visitez ma tente!” (”Besuchen Sie mein Zelt!”, nicht etwa “Besuchen Sie meine Tante!”) sagten, wenn sie amouröse Absichten hatten. Daraus machte der vor allem rheinische Volksmund dann “Keine Fisematente”. Siehe auch hier, wo sich auch die Erklärung von Herrn Nömix findet. [/klugschiss]
Lieber knurps, Fisematenten macht man auch in Oberösterreich… :)
lieber nömix, vielen Dank für die schöne Zusammenfassung. Meine Mum hat lang in Wien gelebt, vielleicht kommt’s daher..
liebe la mamma, ich bin verzaubert!
lieber Herr Scheibster, da will ich hoffen, daß es nicht in einen fetten Stau geriet. Das Hirn. Meins ist immer noch nicht ganz hochgefahren, irgendwie. (Und haben Sie ebenfalls Dank für das Besuch-mein-Zelt!)