Aus der Reihe “gefährliche Selbstversuche” (4)

Wo die Katze mit dem schiefen Gesicht wohnt, kann der krumme Hund gar nicht weit sein, da hat Vatern völlig recht. Und so hab ich es also wieder getan. Einmal mehr in diesem Theater: Ab- bis jenseitige Spontanlyrik in H-moll.

Es war einmal ein krummer Hund
(der Zusatz “krumm”, der kam aufgrund
der ausgeprägten Klautendenz des Viehs
Das nicht einmal im Lenz von seiner Unart ließ)
- Es war also der krumme Hund
sehr müd von einer Reise
Die ihn geführt in den Burgund
Wo er, dafür gibt’s aber keinerlei Beweise,
Ein Ei aus einer Küche stahl.
Auch daß der Koch zum Messer griff
und ein allseits bekanntes Liedchen pfiff
Als er den Hund brutal entleibte
Ist ein Gerücht.
Mehr nicht.
Der Hund, es war ein Labrador,
war eigentlich ein Lieber.
Wenn man nicht grad ein Metzger war
Oder ein Koch aus dem Burgund
Da wurde schnell zum Dieb er.

Es war einmal ein krummer Hund
Der eigentlich viel eher bunt
und etwas kleptomanisch war.
Was nie aus Bosheit oder Gier geschah
Sondern aus Hunger und Fadesse
Gelegentlich vielleicht aus Streß.

Und die Moral von der Geschicht?
Glaubt, Kinder, bloß dem Volksmund nicht!

2 Kommentare zu “Aus der Reihe “gefährliche Selbstversuche” (4)”


  1. 1 zeze

    Dafür, daß ich es sträflichst unterlassen habe, Deinem Katzengedicht, liebe Julia, den ihm gebührenden Applaus zu spendieren, ereilte mich soeben, beim Lesen dieses Hundegedichts, ein allseits bekannter, weil per definitionem unendlicher, Ohrwurm.
    Recht geschieht mir!
    So bemühe ich mich nun, Deinen Tieren liebzutun, indem ich ihnen auf die Schnelle ‘nen Gefährten zugeselle. Es ist dies der Garmet, ein in hiesigen Breiten eher unbemerkt residierender putziger Vertreter der heimischen Fauna:

    De testiculi Garmeti
    (Ein Lehrgedicht)

    Der Garmet ist ein weithin unbekanntes Wesen,
    nur über seine Hoden kann man öfter lesen,
    und zwar in der »Brigitte«.

    In fast beinahe jeder frischgedruckten Nummer
    stehn neben neusten Trends und Rat bei Liebeskummer
    auch schicke Kleiderschnitte.

    Dann folgen Reisetips und Interviews mit Frauen,
    und schließlich kann man auch mit Glück den Garmet schauen,
    gleich nach dem Tortenboden.

    Es wechseln Horoskope, Hautcrèmes und Diäten;
    was bleibt, sind Kochrezepte für Soufflés, Pasteten —
    und eben »Garmethoden«.

    P.S.: Abschließend möchte ich mich für das schöne Wort »Fadesse« bedanken und — Piefke, der ich nun mal bin — höflichst fragen, ob die Überreste des o. g. (oben gemeuchelten) Hundes auch als »Hundstrümmerln« bezeichnet werden dürfen oder ob dies sprachlich abwegig wäre.

  2. 2 dieJulia

    Liebstes zeze,

    vielsten Dank über diese - lyrisch umwerfenden und äußerst einprägsamen - Zeilen über die Garmethoden. Und jetzt ist mir nämlich auch endlich klar, warum die Brigitte nie über Trachtenmode schreibt. Es trägt so eine Lodenhose mit Stolz halt nur nur der Ho. Ähm ja.

    Ja, und das mit den Hundstrümmerln… ja, freilich! Also technisch ist das einmal völlig korrekt. Sofern der Koch ordentlich zugehauen hat. Aber bitte immer ein Sackerl nehmen, zumindest in Wien (da fällt mir ein: bei Tchibo/Eduscho gibt es gerade “Glück in Tüten”… hm…

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