Aus der Reihe “gefährliche Selbstversuche” (3)

Weil unlängst so ein Gugelhupfer mit dem Suchbegriff “Gedicht: Die Katze mit dem schiefen Gesicht” hier (mehr gestrandet als) gelandet ist und wohl nicht fündig wurde, reich ich es halt nach. Das Gedicht.

Die Katze mit dem schiefen Gesicht
Hat vorne eine Nase
Zwei Ohren, Schnurrbart, alles da-
So frontansicht…lich ist sie mit Sicherheit kein Hase

Jetzt schnurrt sie wohlig
Und schielt aus Augen, die des Reimes wegen kohlig,
Auf Schrödingers Apparatur
“Mach doch mal was mit Hochfrequenzmassenspektrometrie”
Denkt sie. “Es ist ja nur -
In diese Kiste steig ich nicht. Egal, was Schrödinger sich da verspricht.
Im Leben ist nicht alles Symmetrie.
Oder auch Überlagerung und solches Zeug.
Als wär sowas ein Quantensprung.”

Die Katze mit dem schiefen Gesicht
Putzt sich genüßlich eine Pfote
Und schnurrt.
Das ist fürwahr ein komisches Gedicht.
Mittag ist’s schon. Ich eß jetzt meine Brote.

13 Kommentare zu “Aus der Reihe “gefährliche Selbstversuche” (3)”


  1. 1 eigenart

    Niemals stimmten Form und Inhalt so perfekt überein.

  2. 2 dieJulia

    Ja-haaa, gell?
    Ich bin froh, daß Sie das mit geübtem Blick so-fort durchschaut haben!

  3. 3 eigenart

    Schließlich liegt nicht viel zwischen einem schiefen Gesicht und einem schiefen Gedicht.

    Auf der Tastatur weniger als 1 Zentimeter.

  4. 4 dieJulia

    Sie sind mit dem Gesicht in die Tastatur gefallen? Oh Gott, das tut mir leid - soweit wollte ich mit meiner Experimental-… äh… Lyrik auch wieder nicht gehen. Geht’s wieder?

  5. 5 eigenart

    Jaja, geht schon.

    Während meiner Magisterarbeit bin ich mal auf der Tastatur eingeschlafen. Als ich aufwachte, hatte das Dokument über 700 Seiten.
    War aber nichts Brauchbares dabei.

  6. 6 dieJulia

    Womit Sie eindrucksvoll bewiesen hätten, daß die Katholen mit ihrem “Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf” auf dem falschen Dampfer sind. Zumindest ist, ich ahne das schon lange, nix Brauchbares dabei.

  7. 7 eigenart

    Vielleicht lag’s auch nur daran, dass ich nicht katholisch bin …

  8. 8 dieJulia

    Für bigott, selbstgerecht, lustfeindlich, unliberal, intolerant, abergläubisch, fanatisch, missionarisch, frauenfeindlich und vernagelt hätte ich Sie auch nie gehalten… (ich schon. Noch. Römkath unter Anführungszeichen. Also aufm Papier. Aus purem Mangel an Behördenwegsantrieb.)

  9. 9 Träger des Lichts

    Ein toller Dialog. Fast schon einen eigenen Blogeintrag wert ;-)

    @eigenart
    Mit Ihrem, wie ich hoffe, nunmehr nicht mehr allzu schiefem Gesicht auf der Tastatur, wiederlegten Sie, neben Ihrer vermuteten Konfession, ohne Ihnen mit Folgendem zu nahe treten zu wollen, auch das Infinite Monkey Theorem, das zu widerlegen für gewöhnlich zumindest eines Affen bedürfte, jedoch, um es nochmals zu konstatieren, ohne Sie mit einem Primaten verglichen haben zu wollen.

    @dieJulia
    Form und Inhalt sind tatsächlich deckungsgleich. Sehr schönes schiefes Bild. Der eine oder andere Reim erinnerte mich an Morgensterns ‘Böhmisches Dorf’, wenn auch jenes nicht schief war.

    Sie:
    “Jetzt schnurrt sie wohlig
    [...], die des Reimes wegen kohlig,”

    Morgenstern:
    “Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
    ihn begleitet) ist um Rat verlegen.”

    Ich sehe eine große lyrische Zukunft für Sie voraus.

    Mit besten Grüßen aus dem Licht!

  10. 10 Popvatern

    Das Gedicht mit der schiefen Katz
    ist wirklich ein schönes, liebe Frau Atz
    Wie gern hätt ich aus Ihrem Munde
    ein ähnliches vom “Krummen Hunde”

  11. 11 la-mamma

    also mich erinnert´s an robert gernhardt - und das soll natürlich auch ein kompliment sein!

  12. 12 dieJulia

    Werteste la-mamma,

    ich hab jetzt eine ganze Weile gebraucht, bis ich Sie gefunden hab - der Link tut’s nämlich nicht, und ich hab mich schon beim letzten Mal gefragt, ob Sie nimmer bloggen oder so, was nämlich schade wär…
    (oh, und: DAS ist ein so schönes wie unverdientes Kompliment! Das heb ich mir auf! Danke!)

  1. 1 dieJulia
    Pingback am 4. Mar 2008 um 11:15

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