Grant, aber nicht Hugh oder Cary.

Ich habe schlechte Laune.
Ich habe nicht nur schlechte Laune, ich habe unterirdische, schlimme, bösartige, sägeblattscharfe, hohntriefende, temporär irreperable Menschenfresserlaune. Totschlaglaune. Mordlaune. Kaputtschlaglaune. Ich bin gereizt wie eine Sandviper. Ein unterernährter Kettenhund, dem man einen Knochen knapp außerhalb der Kettenreichweite hingelegt hat. Ein… erinnert sich wer an 28 Days Later? Genau. Genau so.
Das fing schon gestern an, als ich mir mit einem nicht ganz einwandfreien Kieler Heringssalat den Magen verdarb, in der Folge dauernd beim Solitär verlor und dann auch noch bei CIV II die antiken Weltwunder nicht lückenlos selber bauen konnte und von den Japanern überfallen wurde.
Das setzte sich heute früh fort, als ich eine Straßenbahngarnitur direkt aus der Hölle erwischte. Fünf Meter vor mir ein Zombie, der seine Gehörgänge coram publico mit Techno atomisierte, hinter mir ein aufgeregter Asiate, der laut schnatternd anscheinend seinen gesamten Bekanntenkreis durchtelefonierte, und auf meinen Zehen bzw. halb auf meinem Schoß drei - der Wiener kennt dafür das Wort Wappler - total körperdistanzresistente Mitpassagiere, die einen “irrsinnig intellektuellen” Diskurs über künstlerisch wertvolle Clubbings führten und wahrscheinlich Publizistikstudentlein im ersten Semester waren. Oder sowas in der Art. Kurz bevor ich die Beherrschung verlor und mich in eine fremde Kehle verbeißen konnte, hatte ich - mit Verspätung, war klar - den Westbahnhof erreicht, wo ich mir meine Tagesverpflegung zu kaufen pflege. Stellte mich also brav beim Bäcker meines Vertrauens an und mußte miterleben, wie so ein blondes Hausfrauchen mit nagetiergleich zitternder Nase, blonden Härchen auf Oberlippe und Kinn und leichtem Schweißfilm auf den fettig glänzenden Hängebäckchen irgendeinen depperten Kuchen verlangte, die herangetragenen Exemplare aus mir nicht bekannten Gründen aber jedesmal entrüstet als “nicht frisch” abqualifizierte und dem Tod durch Erwürgen nur entging, weil ich es schon verdammt eilig hatte und aus Gründen der drohenden Unterzuckerung ad hoc beschloß, den Supermarkt meines Vertrauens in Büronähe aufzusuchen. Als kurzer, aber trügerischer Lichtblick erwies sich die Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn, doch wurde zu meiner großen Enttäuschung kein Schwarzfahrer erwischt. Und im Supermarkt stand ich dann als letzte hinter einer langen Schlange aus Großeinkäufern, die sich allesamt nicht gewillt zeigten, mich vorzulassen.

Als ich den Supermarkt schließlich verließ, traute sich selbst der Regen nicht mehr in meine Nähe. Er verdampfte einen halben Meter über meinem Kopf. Wenn der Tag so weitergeht, liegt Wien in ein paar Stunden in Schutt und Asche, fürchte ich. Blöderweise ist er aber noch lange nicht vorbei. Beten Sie besser.

[Geht aber nicht nur mir so. Gerade durfte ich die geharnischte Mail eines Kollegen auf eventuelle Böcke kontrollieren. Ich glaub, da ist heut’ was im Wasser. Oder so.]
[Schau schau. Ich könnte das jetzt mit Tags versehen, eine Möglichkeit, die mir das upgedatete WordPress neuerdings bietet. Bravo Burschen, da seid’s ihr ja wirklich gaaaaanz früh draufgekommen, das so richtig deppensicher zu machen und ins Feld für neue Postings zu integrieren. Blitzgneißer.]

8 Kommentare zu “Grant, aber nicht Hugh oder Cary.”


  1. 1 ker0zene

    Grant? Nicht Hugh, nicht Cary?

    Dann Avram.
    Der hat auch den zum Eintrag passenden Gesichtsausdruck.
    http://images.google.de/images?hl=de&q=avram%20grant

    (Ganz toller Text übrigens!)

  2. 2 Mieselauneverstärker

    …und zu allem Ärger fehlt hier seit Tagen die Sidebar im Blog *duckundwech*

  3. 3 eigenart

    Zeit für MEHR CHOLERIK und Gehässigkeit:

    1. Techno-Zombie einen stumpfen Gegenstand über den Schädel ziehen und anbrüllen “ICH HAB DICH SCHON ZWEI MAL DARAUF HINGEWIESEN, DASS DU NE PLATZWUNDE AM HINTERKOPF HAST, ABER DU HÖRST JA NIX!!!”

    2. Telefon-Asiate: Hingehen, Handy abnehmen, umdrehen, Handy volle Möhre gegen die Wand werfen, umdrehen, sich vor Asiaten stellen, Handflächen gegeneinanderpressen, verbeugen, wortlos wieder hinsetzen.

    3. zu Wappler: (ruhig) “Sie können mir auch alle drei gerne einfach ne Spermaprobe mitgeben, ich erledige das dann in Ruhe zuhause.”

    4. Nagetier-Blondie (schnippisch zur Seite): “Das hat er wohl gestern Abend auch gesagt, als er nicht noch auf nen Kaffee mit hoch kommen wollte, was?”

  4. 4 dieJulia

    Herr ker0zene, das kommt tatsächlich ganz gut hin. ;)
    Grant… gibt’s den eigentlich auch in D? Ich bin mir manchmal irgendwie echt so unsicher, ob man mich versteht…
    http://ostarrichi.org/wort-4734-reise-at-Grant.html

    (danke!)

    War klar, daß das kommen mußte, Herr P.
    Aber - ich bin halt Sklavin meines Technischen Direktors, TAFKAB (The Artist Formerly Known As Bratwurst), und der haut so ca. einmal im Jahr alles über den Haufen, um es schneller, besser, weiter und, äh, schöner zu machen. Wenigstens werde ich vorher nicht informiert - das passiert einfach so, nach Lust und Laune (und glaub mir, wenn ich diese Update-Anzeige von WP sehe, werde ich immer ganz nervös). Ein paar kleinere Kollateralschäden muß man da aber schon in kauf nehmen jedesmal. Daß meine Links durcheinander und unangepaßt sind, ist, wie mir erklärt wurde, eine Lappalie. Und ich bin außerdem ja selber schuld an der Misere. Da TAFKAB und ich auf der Basis bargeldloser Gegengeschäfte operieren, hätte ich im Gegenzug einen Text redigieren sollen. Was fällt mir auch ein, übers Wochenende zu arbeiten und nicht vorauszuahnen, daß es ein WP-Update und daher einen blitzartig zu leistenden Gefallen geben würde?. Wirklich eine Sauerei. Jetzt hab ich den Text nicht redigiert, und mit der Sidebar ist’s aus Rachegründen vorläufig Essig. Immer mal was Neues, nä? Aber die Technik dahinter ist saugeil. Hat man mir gesagt. Irgendwann… irgendwann mach ich so einen Kurs…

    Herr e!genart, Ihre Tips sind Goldes wert!
    Insbesondere Nr. 2 und 3 erscheinen mir sehr praktikabel - schade, daß Sie mir das nicht zeitnah eingeflüstert haben. Hähä.

  5. 5 ker0zene

    Das Wort “grantig” dürfte den meisten in D geläufig sein, auch wenn man das nicht wirklich oft verwendet, zumindest in meinen Breiten nicht. Im Süden mag das schon anders aussehen. Wir wissen aber alle, was ein “Grantler” ist. Schließlich hat Max Merkel jahrzehntelang für die Bild geschrieben … ;)

  6. 6 dieJulia

    Den mußte ich jetzt gugeln.
    Ein ehemaliger Kollege und guter Freund hat in diesem Zusammenhang einmal total erbost geschnaubt: “Weißt du, Julia, es gibt aber schon so einen Bereich, wo Sport in Allgemeinwissen übergeht.”

    *hüstel*

  7. 7 eigenart

    Dabei ist es doch z.B. so toll, zu wissen, dass Mozart inzwischen in Moskau Fußball spielt

  1. 1 ker0zene.de » Blog Archive » Warum ich Blogs lese - II.
    Pingback am 17. Nov 2007 um 23:55

Schreiben Sie einen Kommentar