Archiv für November 2007

DVDependenz

In den letzten sechs Wochen habe ich so viele Filme (zum Teil wieder) gesehen wie in den vergangenen vier Jahren zusammen. Und dabei gemerkt, daß zu zweitiges Couchkartoffeln doch was Schönes sein kann. Deshalb an dieser Stelle ein paar Gedanken zum Gesehenen:

The Others: Hysterieexpertin Nicole Kidman als nervlich zerrüttete und heillos überforderte mutmaßliche Kriegswitwe, die ihre an einer ominösen Lichtallergie leidenden Kinder in einem waschechten Spukhaus mit allerlei katholischen Erziehungsmaßnahmen und das nicht ganz koscher erscheinende Personal mit ihren Befindlichkeiten traktiert. Wirklich gelungener Überraschungseffekt inklusive.

Mary Shelley’s Frankenstein: Kenneth Branaghs opulente Kitschorgie wirft mit viel Pomp und Trara einige Fragen auf, zum Beispiel warum man die frisch zombifizierte Ehefrau quer übers Gesicht zusammennähen muß, wo man doch eigentlich nur ihren Kopf auf einen Körper gepflanzt haben will, oder wieso zum Geier John Cleese es nötig hatte, da mitzuspielen. Robert de Niro als lebendes Schnitzel scheint aber Spaß an seiner Rolle gehabt zu haben. Außerdem kann ich Helena Bonham-Carters schokoriegelgroße Augenbrauen nicht mehr vergessen. Ein Film wie Peking-Ente. Ist er zu Ende, ist man heillos überfressen.

Krieg der Welten: H.G. Wells hätte diese Adaption seines Romans gemocht, da bin ich mir nach wie vor sicher, und welcher Sekte Herr Cruise angehört oder was er privat sonst so tut, kann mir gottseidank blunzenwurscht sein, weil ich ja schließlich nicht jeden zweiten Tag mit ihm auf ein Bier gehen muß. Genauso unangebracht wie reflexhaftes Cruise-Bashing ist übrigens reflexhaftes Spielberg-Bashing. Neinnein, da fährt die (brennende) Eisenbahn drüber: dieser Film ist ein großartiger.

28 Days Later: Wenn Danny Boyle am Existenziellen kratzt, erinnert das trotz der ja schon eher infantilen Idee mit der Turbotollwut ein bißchen an Rosendorfers “Großes Solo für Anton” oder Glavinics grandiosen Alptraumroman “Die Arbeit der Nacht”. Die Hölle, das sind die anderen. Ein eschatologisches Kammerspiel der Extraklasse in einem menschenleeren London. Groß.

Terminator: Doch, man kann sich auch den ersten Terminator bisweilen wieder einmal anschauen. Ja, die Frisur von Linda Hamilton ist wirklich jenseits von Moral und Anstand, und ja, über den Soundtrack sollte man besser betreten schweigen, am besten für immer – aber hej, das waren die frühen Achtziger, und der Film hat auch 23 Jahre nach seinem Entstehen wenig von seiner düsteren Faszination eingebüßt.

American History X: Edward Norton als Ikone der Neonazi-Szene und der androgyn-engelsgesichtige Edward Furlong als sein kleiner Bruder, der ihm bedingungslos nacheifert; ein heftiger und erstaunlich unpathetischer Film über Rassismus, Schuld und Einsicht. Tragisch im aristotelischen Sinn.

Komm, süßer Tod: Hader super. Haas super. Murnberger super. Sofa Surfers super. Super, um nicht zu sagen: extremst leiwander Film, auch nach dem n-ten Mal. Dasselbe gilt für das (wenn auch um einiges düsterere) Silentium.

Gottes Werk und Teufels Beitrag: Auch wenn im Vergleich zum gleichnamigen Roman viele Details, Handlungsstränge, Figuren und Feinheiten auf der Strecke bleiben mußten, haben Lasse Hallström und John Irving, der höchstselbst das Drehbuch verfaßte, in allen Belangen gute Arbeit geleistet. Tobey Maguire ist als Homer Wells so überzeugend, daß man meint, sich den Protagonisten schon beim Lesen so vorgestellt zu haben, Michael Caine brilliert als Wilbur Larch, und keine hätte Rose Rose so verkörpern können wie Erykah Badu. Taschentücher sollte man sich durchaus bereitlegen, wenn man den Film zum ersten Mal sieht. Und Äpfel. Frische, knackige Äpfel, auf die man garantiert Appetit bekommt.

Wächter der Nacht: Dieser Film könnte ein Meisterwerk sein, wäre da nicht das leider wirklich extrem lausige Drehbuch. An Komik allerdings kaum zu überbieten. Russischer Sozialhilfeempfänger-Neo (© Ad) trifft auf allerlei obskures Zwielichtpersonal im Plattenbau. Visuell in jedem Fall umwerfend.

Butterfly Effect: Chaostheorie light für die MTV-Generation, immer wieder sehenswert.

Snatch/Schweine und Diamanten: Sowas wie Fight Club im Kleinkriminellen-Milieu, bloß daß die Gewaltverherrlichung in Fight Club irgendwie mehr Spaß gemacht hat. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur humorlos.

Die purpurnen Flüsse: Daß mit der Eliteuniversität irgendwo in den französischen Alpen was nicht stimmt, wird Jean Reno (diesmal als gewohnt kauziger Kratzbürsteninspektor) schon bald klar, als er sich mit dem bestialischen Mord am Bibliotheksleiter beschäftigt, und die unwirsche Jungglaziologin scheint auch irgendwie Dreck am Stecken zu haben. Großartige Landschaftsaufnahmen, toller Spannungsbogen, allerdings ein eher enttäuschendes Ende. Irgendwie.

Casino Royale: Quasi Hardcore-Bond für Luxusmessenbesucher, Anzugmöger, Pokerauskenner und Folterszenen-Fans. Nix für Mädchen, aber schon witzig auch, etwa wenn 007 ganz lässig in Ms Haus einbricht oder sich selbst mit dem Defibrillator behandelt.

Die Bourne Verschwörung: Der zweite und düsterste Teil der Bourne-Trilogie als atemberaubend choreographierte Hetzjagd durch das alte Europa. Als bekennender Fan sag ich da nicht mehr.

Die neun Pforten: Für mich ein bißchen so der zeitgemäße böse Zwilling von “Tanz der Vampire”, zumindest sehe ich da bisweilen gewisse Ähnlichkeiten. Mit Polanski ist es symboltechnisch gründlich durchgegangen bei diesem Film, aber ich bin ihm gar nicht böse, weil gruselig ist er schon, und Johnny Rotzbärtchen Depp macht seine Sache durchaus gut. Ach ja, und merke: 666 is the number of the Viech!

Matrix Revolutions: Die alles entscheidende Materialschlacht der Wachowski-Brüder, über die schon alles gesagt wurde.

Spurwechsel: Gavin Banek (Ben Affleck), unsympathisch, karrieregeil und passenderweise Anwalt, verursacht im dichten Morgenverkehr einen Autounfall und läßt seinen Unfallgegner, den Versicherungsvertreter Doyle Gipson (Samuel L. Jackson), kaltblütig im Regen stehen, nicht ahnend, daß er eine wichtige Akte zurückgelassen hat. Gipson kommt deshalb zu spät zum Gerichtstermin um das Sorgerecht für seine Kinder und verliert auf diese Weise alles, was ihm wichtig ist – und Banek will um jeden Preis seine Akte wieder. Was folgt, ist ein so gnadenloser wie stiller Kampf der beiden Männer, in dem Rache und Vergeltung auf Ethik und Moral treffen. Ein spannender und klug gemachter Film.

Shining: Von Zeit zu Zeit muß man sich Shining anschauen, allein schon der gruseligen Hoteleinrichtung und der ausgeflippten Horrorehefrau wegen. Kubrick war ein seltsamer Mann und hat mit seinen seltsamen Filmen Filmgeschichte geschrieben. So sei es.

The Simpsons: Die gelbste Familie der Welt als Kinofilm. Ziemlich witzig, vor allem die Sequenz bei der Inuit-Schamanin inklusive gemeinsamem Kehlkopfgesang.

Departed: Ein störrisches Biest von einem Mafiafilm, der unter einer hollywoodesken Oberfläche auf so vielen Ebenen spielt, daß man sich dauernd beim angestrengten Stirnrunzeln ertappt, was ihn halt nicht besser macht, auch wenn Scorsese dafür endlich den Oscar erhalten hat. Es ist halt alles sehr kompliziert, um einen berühmten Österreicher zu zitieren. Filme, die es schaffen, eine komplexe Geschichte ohne Stirnrunzelattacken auf Zuschauerseite zu erzählen, nötigen mir trotzdem mehr Respekt ab. Da hilft auch kein noch so brillanter Jack Nicholson, kein integrer Leonardo di Caprio und kein karrierebesessener Matt Damon.

Folgerichtig

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Klassiker der Filmgeschichte

Ich hatte ja schon immer irgendwie den Verdacht, daß Terminator ein gefühlvolles Beziehungsdrama ist.

Und Shining ein berührender Familienfilm.

Grabinschriftsentwürfe

Ein Postler aus Niederwaldkirchen
Ging abends ganz gerne mal fort
Und trank mit der Freundin ein Bierchen
Die Gattin, die dachte an Mord.

Ein Postler, er war aus Amstetten,
Liegt hinter dem Hügel im Wald
Er setzte nicht richtig beim Wetten
Jetzt ist er seit drei Stunden kalt.

Da war dieser Postler aus Asten
Die Tasche, die wurde ihm schwer.
Er wollte beim Wasserfall rasten
Sehr glitschig war’s. Welch ein Malheur.

Lebensweisheiten (2)

Husten beim Fernsehen macht nur halb soviel Spaß wie in der Oper.

Notizbloggen

Das Wetter legt sich ganz schön ins Zeug, um dem Liebsten ordentlich was zu bieten, legt eine mollige Daunendecke über die Stadt und wirft den Nordwindgenerator an, um über Nacht malerische Schneeverwehungen zu produzieren. Und um ehrlich zu sein, finde selbst ich das weiße Zeug hübsch. Die tanzenden Flocken und die unförmigen Passanten, die sich mit zierlichen Schrittchen vorsichtig über verschneite Gehwege manövrieren, alle Hektik schaumgebremst und Atemdenkblasen in der rauchigen Winterluft.

Es empfiehlt sich angesichts solcher Wetterlagen, sich Filme wie Shining, Der Tanz der Vampire oder Fargo anzusehen. Shining hatten wir gestern. Sehr gruselig, vor allem die Inneneinrichtung. Beim Einschlafen dann laut über die Gründung einer Black Metal-Band nachgedacht und noch ein bißchen Ich fresse alle Schweine tot gesungen.

Überhaupt Singen – es dürfen, sobald ich den Technischen Direktor plugintechnisch um den Finger gewickelt habe, Podcasts in diesem Theater erwartet werden. Um über das derzeitige Niederfrequenzbloggen hinwegzutrösten, und um die Welt zu erobern. Mindestens.

Und wenn mein Zuhauserechner heute früh nicht von einer seltsamen “Kein Datenträger”-Attacke heimgesucht worden wäre (ich tippe auf Virusgrippe), gäbe es an dieser Stelle auch ein paar Bilder vom malerisch verschneiten Wien. Muß das halt warten.

Zettelkasten (3)

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Lebensweisheiten

Wo ungehobelt gesägt wird, fallen Späne, aber kein Kind wird so heiß im Bad ausgeschüttet wie es gekocht wird – und das ist halt die Kehrseite der Bredouille. Und trotzdem sage ich immer: jeder ist seines Glückes Schuster, und das Eisen muß man sieden, solange es noch weiß ist.

Das Leben ist, wie wir wissen, wie eine Lawine: Mal rauf, mal runter. Trotzdem sollte man die Finte nicht ins Korn schießen, wenn einem der Hafer einen Sprung in die Schüssel sticht. Es gibt immer einen Tunnel am Ende des Lichts! Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Wicht daher, der dir zeigt, daß der Bartel so lange zum Brunnen geht, bis der Most dem Krug die Krone ausschlägt.

Aber wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen. Seh’ ich ein.

DAS prangere ich an!

(sind ja hier nicht in Sibirien. Zefix.)

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Vermischtes zur Wochenmitte

1. Zwischendurch Amélie Nothomb: Quecksilber gelesen. Ein gewissermaßen altmodisches Kammerspiel – eine Insel, ein Haus ohne Spiegel, ein alter Mann, zwei junge Frauen und ein schreckliches Geheimnis. Auf den ersten Blick so schlicht geschrieben, daß einem schon fast die Lust an der Lektüre vergeht, dennoch von der ersten Seite an fesselnd, voller Überraschungen und bald schon gescheiter Dialoge – scharfe Wendung und alternativer Zweitschluß inklusive. Und wieder ist es (wie schon in der Reinheit des Mörders) eine so intelligente wie pragmatische Frau, die einem widerwärtigen alten Mann mit Allmachtsphantasien zeigt, wo der Hammer hängt, ohne daß das Buch den Stallgeruch von Weibchen”literatur” verbreiten würde. Doch. Als Entrée durchaus empfehlenswert.

2. Wiederentdeckt: eine der leisesten, verschrobensten und herzerwärmendsten (und fleißigsten) Bands auf diesem Planeten. Phish. Fast ein kleines Tränchen der Rührung zerdrückt gestern. Sooo schön!

3. Wenn der allmächtige Staatsfunk am 7. November den Advent ausruft, wird es allerhöchste Zeit, sich für den Rest des Jahres nach Abu Dhabi zu verziehen. Für den Fall, daß man den geschmacklosen Plunder und die künstlich aromatisierten Schnapsausdünstungen der ach so schönen Christkindlmärkte, die von jetzt bis Jänner krakengleich ein engmaschiges Netz des Grauens über Wien werfen, äh, nicht so gern hat.
Leider ist Abu Dhabi teuer. Vielleicht werde ich Teilzeitfremdenlegionärin. Oder so.

4. Hat gestern einer gegugelt: “Sitze im Fahrstuhl fest”. Leider ohne nähere Angaben. Ich hoffe, Sie sind wieder freigekommen.