Suppenkoma
Suppenoma
Suppenamok
Nüsse, für den Kuchen, kannst du nehmen, aber Mohn, Otto, nie!
Nimm niemals Mohn, oh Toni!
Gestern hab ich es getan, ich hab die seit einiger Zeit herumliegen, auf dem Küchentisch, die Schlaftabletten, nur für den Fall, daß nichts mehr geht, irgendein Zeug, das sie an Menschen verfüttern, die sie sedieren wollen, mit dem Zusatz forte, damit die Vigilanz adagio wird; ich hab’s also getan, um 3:16h, hellwach war ich da und kribbelig, die Augen so weit offen wie die Fenster, eine halbe, dachte ich, würde reichen, um einen unternehmungslustigen Elefanten umzuhauen. Sie schmeckte bitter.
Rückenlage, Licht aus, die Gedanken jagen wie junge Hunde über Stoppelfelder, das Hirn macht Party, Special Guest: die Zukunft. Ich sehe sie tanzen, enthemmt, fühle mich wie ein Voyeur in meinem eigenen Seelengebäude, möchte nur, daß das alles Ruhe gibt, die Gäste nach Hause gehen, den Abwasch auf morgen verschieben, schlafen.
Ich warte auf die Wirkung des Elefantenniederstreckungsmittels, und tatsächlich, die Beine werden schwer, die Hände greifen nach Riesenluftballons, die Atemfrequenz verlangsamt sich, die Augendeckel klappen herunter, den Gedanken entgleitet das Denken.
Und deshalb Widerstand, das Bewußtsein ist ein Biest, es wehrt sich mit Zähnen und Klauen. Befeuert das Herz, das umso wilder pocht, sich aufbäumt, den Rest aufweckt, Adrenalinschübe gegen den Bewußtseinsverlust, Augenlider werden in aller Eile hochgezogen wie Markisen, rasseln gleich wieder herunter, jetzt macht sich noch viel tiefere Angst breit als die gewöhnliche. Angst vor Kontrollverlust. Der Körper so schwer, als würde er von Riesenhand in ein überdimensionales Samtkissen gedrückt, das Hirn alle Register ziehend, um ihn wach zu halten. Ein Titanenkampf, dem ich nur sehr ungern beiwohne, wie ich feststellen muß.
Die Zeitungsausträger machen ihren Job, ich kenne das ja. Haustür auf, Stille, Haustür zu, klack, Fahrrad. Die Gasse rauf. Eine stöckelt die Gasse hinunter und lacht, eine Frühaufsteherin unter den Krähen macht metallisch trippelnd Gymnastik auf dem Dach gegenüber, eine Amsel beginnt zu zwitschern, eine zweite, ein ganzer Chor, schwarzberockt und total bei der Sache, dissonant, weil der Dirigent noch schläft. Ein Auto. Noch eins. In meinem Zimmer ist es monochrom, ich genieße das. Ich lebe. Da drüben über dem Dach wird es dunkelblau, ein Radio schaltet sich ein, eine weitere Tür fällt ins Schloß.
Irgendwann um fünf Uhr früh beschließe ich, das chemische Dreckszeug in den Mistkübel zu verfrachten, für immer, es nützt halt nichts, die Pharmakeule ausgerechnet gegen den zickigen Morpheus zu schwingen. Vor den Fenstern wandelt sich das Dunkelblau in einen kitschigen Türkiston, das Hirn beruhigt sich langsam, die Hände finden eine Position unter dem Nabel, parken wie auf Kommando auf warmer Haut, Schalter werden umgelegt, der Letzte macht das Licht aus. Klack. Klack. Klack. Stille.
Die Augendeckel klappen herunter, dauerhaft jetzt. Alltagsgeräusche wandeln sich in Schlaflieder. Weißt du, wieviel Sternlein stehen. Draußen ist es tröstlich hell. Menschengeräusche. Ich bin nicht allein. Es gibt kein Monster in der Wohnung. Danke, Stadt. Wenn in drei Stunden mein Telefon läutet, werde ich abheben. Selig und wach.
Ich werde es tunlichst unterlassen, den Schlaf herbeizuzwingen mit unlauteren Methoden. Künftig werde ich mir einfach wieder ein Buch schnappen, lesen, Tee trinken. Abwarten. Mich nicht wehren. Wenn ich nicht schlafe, schlafe ich halt nicht. Ist alles halb so wild.
GEIL !!! das hat was !