Erdäpfelsauce: so und nicht anders!

Im Internet kann man ja heutzutage praktischerweise alles finden, aber zum Thema Erdäpfelsauce stößt man, wie ich vorhin im Zuge meiner Recherchen feststellen mußte, ausschließlich auf nackenfellsträubenden Humbug, der nichts, aber absolut nichts mit dieser paradiesischen altösterreichischen Köstlichkeit zu tun hat.

Und weil ich zufällig gerade mit der Herstellung dieses kulinarischen Kleinods zugange bin, enthülle ich auch gleich das Geheimnis der ca. schönsten Sauce der Welt.

dieZutaten:

1 kg Erdäpfel (=Kartoffeln), idealerweise mehlig
1 große Zwiebel
etwas Butter
ca. 1l Rindsuppe oder Wasser/Suppenwürfel (+/- … je nach gewünschter Konsistenz)
etwas Butter (oder meinethalben zur Not auch Öl)
4-5 Lorbeerblätter
1 gehäufter Eßlöffel Majoran
2-3 Eßlöffel (Wein- oder Apfel-) Essig, Hauptsache weiß
Salz
Pfeffer (aus der Mühle)
getrocknete Steinpilze (lasse ich weg, weil ich abgesehen von Mu-Err keine Pilze mag.)

so geht’s:

Zwiebel fein hacken, Erdäpfel schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Zwiebel in etwas Butter anschwitzen; wenn sie glasig sind, die Erdäpfel dazugeben, bei mittlerer Hitze anbraten und - Stammleser wissen das ja - immer schön engagiert umrühren, bis man merkt, daß sich am Boden des Topfes ein leichter Belag bildet. Das ist der ideale Zeitpunkt, um die Sache mit Wasser oder Suppe abzulöschen. Dann kommen Essig, Salz, Pfeffer, Majoran und Lorbeerblatt dazu. Aufkochen lassen, Deckel drauf und warten, zwischendurch immer wieder einmal umrühren und eventuell angießen. Ich für meinen Teil mag sie generell recht “suppig”, aber das ist Geschmackssache.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde/Stunde sollte eine sämige Sauce entstanden sein (man kann natürlich mit dem Kartoffelstampfer nachhelfen, sofern man ein solches Küchengerät besitzt), die man eventuell noch einmal abschmeckt.

Der gelernte Österreicher serviert Erdäpfelsauce übrigens zu gekochtem Rindfleisch und reicht Schwarzbrot dazu, mir reicht sie als Hauptmahlzeit.

Extras:
die Herstellung dieses bodenständigen Traums von einer Sauce ist kinderleicht wie alle schönen Dinge im Leben, und der Geschmack ist - aufgrund der magischen Kombination von Essig, Majoran und Lorbeerblatt - ein Erlebnis, das sensible Naturen vor Glück durchaus ein bißchen zum Weinen bringen kann.
Empfohlener Soundtrack: Attwenger, Willi Resetarits aka (Prof. Dr. Kurt) Ostbahn oder Blood, Sweat & Tears (live).

Erdäpfelsauce

4 Kommentare zu “Erdäpfelsauce: so und nicht anders!”


  1. 1 MoniqueChantalHuber

    ha! da hab ich was zum nachkochen für morgen. danke für die erinnerung. aber ´n erdäpfelbauernkind braucht kümmel.

    (hach, was mir da jetzt plötzlich wieder für kartoffelgerichte einfallen… erdäpfelnudeln mit rahm überbacken, gekochte, zergatschte kartoffel mit butter oder leinöl, die maronibraterwintergußeisernerherdscheibenbratkartoffel, kartoffelauflauf,….)

  2. 2 poodle

    Sie sehen mich verwirrt, beste Julia! Eine »Sauce« ist für mich das eher dicke Zeug, mit dem sich andere Speisenbestandteile nappieren lassen, sofern man sie nicht gleich darin versenkt. Dick soll nicht heißen pampig oder mehlig, aber dicker wie z. B. »Suppe«, als die ich das oben Beschriebene eher bezeichnen würde – durchaus ein Hauptgericht, da gebe ich Ihnen recht. Übrigens sprechen Sie ja selbst von »suppig«. Also was nun: Supppe oder Sauce? Oder halten Sie absolut nichts von dieser Unterscheidung?

  3. 3 Kristof

    Rezeptwochen in Bloggistan?

  4. 4 dieJulia

    Kümmel, liebe Madame MCH, hab ich generell auch gern - eine Dämpfte Hex darf nie ohne sein -, aber in der Erdäpfelsauce hat er für mich persönlich jetzt absolut nix verloren.

    Das mit der Verwirrung tut mir, wertester Herr poodle, außerordentlich leid. Aber sehen Sie - mit der Erdäpfelsauce ist es wie mit einem Steak, das bei gleicher Zubereitungsart von rare bis well done auch alle Stückln spielt. Das Saucerl bleibt ja geschmackstechnisch immer gleich, egal, ob - wie oben - suppig oder, als Beilage zu Tafelspitz und Co., gabelfest.

    Kristof: oh, das wirkt in der Tat sehr nachkochenswert bei dir drüben!

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