Archiv für June 2007

Schwere See, mein Herz

Ich schau dich an, die Erde rollt vorbei wie eine wundersame Murmel, versunken in einem selbstvergessenen Spiel. In deinen Augen, Miniplaneten in einem Universum aus klarstem Weiß, sehe ich, was ich selbst die ganze Zeit über fühle, und mein Herz stolpert, fängt sich unsicher, erinnert sich seiner Pflicht und schlägt schnell und schwer, pumpt einen unerklärlichen Schmerz durch meine Adern, ein dunkelroter Paukenschlag. Ich habe Angst, flüsterst du, und ich würde dich gern trösten, aber als deine Augen sich verschatten und das Planetenblau darin verschwimmt, werde ich selbst zur Schwimmerin auf dem aufgewühlten Meer dieser milden Nacht. Irgendwo höre ich eine Grille zirpen, eine Autotür schlägt zu, jemand lacht. Die Stadt rauscht herauf und brandet gegen die Fenster, wir liegen auf dem Leintuchstrand, zwei verlorene Primaten kurz vor dem Rausschmiß aus dem Paradies, ich halte dich oder mich an dir fest, meine Nase an deiner Wange, ich möchte tapfer sein, aber mir ist bang, und endlich verliere auch ich den Kampf gegen die Flut. Wir lassen uns nicht los, als die Welle kommt und uns unter Wasser zieht, Mund an Mund sinken wir tiefer und tiefer in einen mächtigen Strudel, der salzig ist und warm, und, als wir uns darin ergeben, plötzlich nicht mehr schrecklich, sondern tröstlich und sanft.

Irgendwann später tauchen wir auf, weiße Taschentuchvögel landen mit raschelndem Flügelschlag auf dem Boden. Ich koche, obwohl der Zeiger der Uhr auf Mitternacht zusteuert, Kaffee, dessen würziger Duft nach Daheimsein die winzige Wohnung erfüllt, in der wir wie in einer Nußschale durch die Nacht segeln, und als wir uns über den Rand unserer Tassen anschauen, lachen wir uns an, und das Licht dieses Lachens wird uns sicher ankommen lassen.

Wenn uns die Gnade zuteil wird, Wurzeln schlagen zu dürfen, muß uns bewußt sein, daß es von mal zu mal schwerer wird, Abschied zu nehmen, auch wenn der nur auf Zeit ist.
Ein Preis, den wir beide gern zu zahlen bereit sind. Weil wir wissen, daß wir einen mächtigen Verbündeten haben: Chronos.

“Wenn Sehnsucht Leid hervorbringt, so mag das daran liegen, daß wir nicht weise sehnen oder daß wir ungeschickt darin sind, das zu erlangen, wonach wir uns sehnen. Warum sollten wir nicht, anstatt unsere Köpfe in Gebetsmänteln zu verbergen und Mauern gegen die Versuchung zu errichten, lieber daran gehen, Sehnsüchte zu erfüllen? Die Erlösung ist für die Schwachen, das ist meine Meinung. Ich will keine Erlösung, ich will das Leben, das ganze Leben, das elende ebenso wie das wunderbare. Wenn die Götter Begeisterung besteuern würden, wäre ich bereit zu zahlen; aber ich werde bei jeder Gelegenheit gegen ihre Steuern Einspruch erheben, und wenn Wodan oder Schiwa oder Buddha oder dieser Christentyp – ich komm jetzt nicht auf seinen Namen – das nicht respektieren, dann werde ich ihren Zorn auf mich nehmen. Zumindest werde ich von dem Bankett gekostet haben, das sie auf diesem reichen, runden Planeten vor mir auftischen, anstatt mich zu verkriechen wie ein zahnloses Kaninchen. Ich kann nicht glauben, daß die köstlichsten Dinge lediglich da sind, um uns zu prüfen, um uns in Versuchung zu führen, um es uns nur noch schwerer zu machen, den Großen Preis zu gewinnen: die Sicherheit des Nichts. Das Leben zu einem derart armseligen Spiel zu machen, ist weder der Menschen noch der Götter würdig.”*

(*Tom Robbins: Pan Aroma)

(mal so richtig die Sau rauslassen!)

Du mieser, blöder, fauler Sackschädel !!
Du neureicher, wanziger Rentnerbremser !!
Du abhängige, schnodderige, schlabberige Ersatzbeule !!
Du wanziger, kaputter, stinkiger Hasenhaufen !!
Du klebrige Wuchtklemme !!
Du mieser, stinkender, ausgelutschter Hilfsfurz !!
Du neureicher, oxidierender, schimmelnder Knallbär !!
Du miese, schleimige, armselige Nebelwachtel !!

[selber? klick den Schimpfgenerator!]
[siehe auch: Schimpfen (Wikipedia)]

Palais Focky, Ostflügel, 07:57h

Infernalischer Höllenlärm in der Fliesenfabrik gegenüber, Business as usual um diese Zeit. Der Süße kommentiert im Halbschlaf:

“Baby, ich glaube, die versuchen gerade, das Nachbarhaus zu klauen. Aber die sind schön blöd. Fangen von unten an.”

MAdoppelT: Midnight Special im Porgy & Bess, 9. Juni 2007

MAdoppelT: vocals
Pierre: vocals
DJ Playmaka: turntables
Davoodi: keyboards
Albin Janoska: keyboards, bass
Alex Pohn: drums
Juci Janoska: vocals

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[zum Vergrößern bitte Bild klicken.
[das ganze Album gibt es da (klick!).]
zu MAdoppelT geht’s hier lang.]

Urlaubsgrüße. Punkt.

Coole Hasen

Ach ja

bin schon wieder Urlaub zusammenkehren. Bevor sich noch wer Gedanken macht. Oder so.

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fiebrig

Mit den Bienen hatte es angefangen.
Sie waren gestorben, beziehungsweise nahm man das an, denn in Wahrheit waren sie einfach verschwunden, im ersten Drittel des Jahres 200-. Ganze Völker waren fort, die USA hatte es ganz besonders schlimm erwischt, aber auch in manchen Regionen Europas blieben viele Stöcke leer. Man konnte bei den wenigen kleinen Leichen, die man fand, kein Virus, keine Krankheit, kein Gift feststellen. Ihr Immunsystem war zusammengebrochen, das war alles, was man registrieren konnte. Man fand keine Erklärung und nannte es das rätselhafte Bienensterben.

Es war Frühsommer, und es war, wie auch schon im Jahr zuvor, für diese Breiten ungewöhnlich heiß. In den vergangenen vier Wochen hatte es zwei schwere Unwetter gegeben, die beträchtlichen Schaden in der Stadt angerichtet und in den Außenbezirken hundertjährige Bäume gefällt hatten, aber es regierte die Dürre. Das Erscheinungsbild der Stadt hatte sich in nur kurzer Zeit gewandelt, nachdem man das Wasser rationiert und das Bewässern von Pflanzen strikt untersagt hatte. Eine Bürgerwehr wurde gegründet, deren Mitglieder sich zu ungefähr gleichen Teilen aus rechten Schlägern und Mitgliedern von Global 2000 und Greenpeace rekrutierten, Tausende patrouillierten Nacht für Nacht durch die Stadt. Sie waren bewaffnet, und es gab zunehmend Meldungen von schwerverletzten Schrebergartenbesitzern, die das neue Umweltschutzgesetz übertreten hatten, weil sie versuchten, ihre illegalen Gärten am Leben zu erhalten, wo sie meist Gemüse und Obst zogen.

Obst und Gemüse war zum kaum bezahlbaren Luxusgut geworden, auch Milchprodukte waren kaum mehr erschwinglich. Nur Fleisch war billig, weil kaum ein Milchbauer es sich leisten konnte, seine Rinder am Leben zu belassen, sobald die Futterbestände erschöpft waren. Wiesen gab es nicht mehr, nur mehr Steppe, landauf, landab. Die Leute kochten Rindsuppe, die nicht so richtig schmecken wollte. Ein weltumspannender Lebensmittelkonzern, dessen Aktien so richtig gut standen, hatte sich ein neues Futtermittel patentieren lassen, dessen Hauptbestandteile angeblich Holzfasern waren, ein junger Journalist hatte aber recherchiert, daß es sich dabei vielmehr fast hundertprozentig um die Endprodukte der Tierkörperentsorgungsbetriebe handelte, versetzt mit künstlichen Vitaminen und Hormonen. Er hatte den Prozeß wegen Verleumdung, den der Konzern gegen ihn anstrengte, verloren und war kurze Zeit später tot in seiner Zelle aufgefunden worden, die Pulsadern mehr zerfetzt als aufgeschnitten, weil er eine Glasscherbe benutzt hatte. Aber es interessierte sich ohnehin kaum jemand für Nachrichten in diesem Sommer, dazu war es einfach zu heiß. Es wurde massenweise gestorben, wer nicht jung und kräftig war, erlag der drückenden Hitze. Der Rest schleppte sich durch das Delirium dieses Sommers, und viele feierten nachts verzweifelt-schwitzige Partys in ausgetrockneten Flußbetten. Die Ladenöffnungszeiten, über die man so lange gestritten hatte, wurden blitzartig liberalisiert. Supermärkte hatten nun bis Mitternacht und darüber hinaus geöffnet, in Büros wurde von 3 bis 10 oder ab 16 Uhr gearbeitet. Mittags glich die Stadt einer vergessenen Filmkulisse. Manchmal schleppten sich Verrückte oder Lebensmüde durch die Straßen und verloren ihre Schuhe an die glühendheiße Melasse des Asphalts, der sich alles einverleibte, was nicht niet- und nagelfest war. Die Straßen glichen einem seltsamen Kunstwerk. Getränkedosen, Zeitungen, Schuhe und Müll ragten nachts wie eingefroren aus dem Straßenbelag, bevor er anderntags wieder schmolz und neue Dinge schluckte. Es sah fast hübsch aus.

Dann erwischte es die Blondinen. Die Praxen der Dermatologen füllten sich und mußten bald einem so derart heftigen Ansturm standhalten, daß man leichte Fälle gar nicht erst einließ, wobei die leichten Fälle schon schlimm genug waren. Hellhäutige Menschen mit schweren Brandwunden saßen mit schmerzverzerrten Gesichtern vor ratlosen Ärzten, fast alle wurden blind, weil ihre Hornhaut verbrannt war. Die Wissenschafter konnten sich erneut nicht erklären, was geschehen war, und bald waren selbst dunkelhäutige Menschen betroffen. Die Regierung rief den Notstand aus und verhängte eine Ausgangssperre von 10 bis 18 Uhr. Die Bevölkerung wurde dazu angehalten, auch frühmorgens und abends Sonnenschutzprodukte mit Lichtschutzfaktor 50 zu verwenden. Die Menschen glichen seltsamen Mumien mit dunklen Sonnenbrillen, wie sie durch die ausgetrockneten Häuserschluchten schlichen. Ein weltumspannender Konzern hatte weitere Produkte patentieren lassen. Unter anderem eine Art Knäckebrot aus Holzfasern, Sonnenschutz (LSF 70) und Sonnenbrillen. Die privilegierten Mitarbeiter in ihren klimatisierten Räumen tranken Kaffee und hielten Meetings ab.

Und dann, irgendwann, kamen die Wolken. Fette, schwarze Wolken, die sich vor die unbarmherzige Sonne schoben, die mehr als fünf Wochen vom Himmel gebrannt hatte. Es waren fettere, schwärze und virulentere Wolken, als die Menschheit je gesehen hatte. Die Leute rannten ins Freie. Ein Wind kam auf, lauter und schwerer als alles, was sie je gehört und gefühlt hatten. Als die ersten Tropfen fielen, reckten die meisten die Arme in den Himmel. Als sie die Tropfen auf ihren weißverschmierten Extremitäten fühlten, jubilierten sie. Aber nur kurz. Denn der Regen war glühend heiß und zäh und rot. Verdutzt sahen sie aus, als sie zu surrealen Gebilden schmolzen. Und die Sonne lachte mit einem tiefen, fiebrigen Brummen. Die Bienen waren erst der Anfang gewesen.