Mein Verhältnis zu Kaffeemaschinen ist ein nicht ganz friktionsfreies.
Um es so simpel wie möglich auszudrücken: es besteht ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen mir und dem Küchengerät. Es kann ohne mich wunderbar auskommen, ich hingegen brauche es, um an meinen Stoff zu gelangen. Vielleicht haben Maschinen doch eine Seele, und vielleicht bin ich bisher immer an die Selbstmordkandidaten unter ihnen geraten. Vielleicht haben Kaffeemaschinen eine perfide Form von Humor. Vielleicht liegt aber auch ein kaffeemaschinenmordender Fluch auf dieser Wohnung. Man weiß es nicht. Jedenfalls war es heute wieder einmal soweit.
Als ich die Kanne mit Wasser füllte, um sie – gottlob war das nach dem Morgenkaffee – auszuspülen, machte es ganz leise knack, dieses unheilverkündende kleine Geräusch, das ich gar nicht gern höre. Mit der Ruhe eines durch jahrzehntelang ausgeübte Meditation allem Irdischen entsagenden Zen-Buddhisten, der bei jedem Wetter kontemplierend auf seinem öden Felsen sitzt, besah ich mir kurz den Sprung, der sich am Kannenboden gebildet hatte, beförderte das unbrauchbare Gefäß in den Müllsack, den ich sogleich verschloß, lächelte milde und zog los, um eine neue Kaffeemaschine zu erwerben.
Es ist, seit ich hier vor ca. sechs Jahren einzog, meine sechste.
(Die erste war schwarz und von Melitta, es war eine mit Thermoskanne, die eines Morgens ohne mein Zutun implodierte, während ich mir die Zähne putzte. Eine Antwort auf meine launige Mail an den Hersteller ist bis heute nicht eingetroffen. Dann hatte ich eine rote Melitta, den Glaskannentod verursachte ich wie bei ihrer weißen Nachfolgerin derselben Marke selbst. Kurz darauf stand dann ein weißes No-Name-Gerät in meiner Küche, die Kanne fand das gleiche Ende wie die seines Nachfolgers (Severin), der bis heute seine unverzichtbaren Dienste auf meiner Anrichte versah.
So machte ich mich also auf den Weg in eine kleine Einkaufsstraße ganz in der Nähe, als etwas ganz Ungeheuerliches mit mir geschah. Das Tussi-Virus schob sich unerkannt an der sonst so zuverlässigen Firewall vorbei und richtete in den folgenden Stunden irreperable Schäden im System an: plötzlich zogen Geschäfte für Anziehsachen meine Aufmerksamkeit auf sich. Im ersten erwarb ich einen Bikini und zwei T-Shirts, bei H&M mußte ich etwas befremdet feststellen, daß das Unternehmen es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, der zunehmenden Überalterung der Industrienationen entgegenzuwirken und heuer nur umstandsmodeähnliche Oberteile im Angebot hat, und im vierten (!) Schuhgeschäft (!!), das ich (!!!) freiwillig (!!!!) betrat (…), erwarb ich schließlich um neunzehn Euro achtzig ein wunderhübsches Paar olivgrüner Schlapfen, wegen Geschäftsauflösung 50 Prozent preisreduziert. Darüber, daß ich mir entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten beinahe noch sehr edle dunkelrote Pumps von Gabor um preisreduzierte 49,90- gekauft hätte, möchte ich mich an dieser Stelle dezent ausschweigen (sonst werde ich am Ende noch damit aufgezogen, und zwar völlig zu Recht. Oh Mann. Pumps. Ich!).
Ach ja. Die neue Kaffeemaschine kann Kaffee kochen, ist cremeweiß und hübsch anzusehen. Ich wünsche ihr ein langes Leben, das sie, ich bin da Pessimistin aus Erfahrung, nicht haben wird.
Nach den Gründen für meine hormonelle Umnachtung suche ich übrigens noch. Sowas darf nicht wieder passieren!

laß dir vom hersteller gleich 2-4 ersatzkannen schicken und kauf dir vom (künftig locker ersparten!, da keine neue maschine nötig…) gleich jetzt die geilen roten pumps!!! die grünen schnuckis freuen sich über weitere farbenpracht sicher!
nun, das aufziehen hattest du noch gut, baby - ich sage nur “golfhemd”… ;-)
aber die schlapfen sind großes fußsohlenkino. echt!
Das mit der Ersatzkanne, liebe Katze, war ja meine Intention. Allein - es gab keine. Damals, anläßlich des Thermoskannenunfalls, hätte ich eine erwerben können, bloß war die teurer als die nachfolgende Kaffeemaschine. Aber diesmal hat die Verkäuferin nur müde abgewunken.
Und Ad, Baby, die fühlen sich auch richtig gut an. Bin sicher, daß man damit ganz famos spazierwandern kann. Hihi.
dann werden wir die green machines mal ganz famos testen müßen, gell?
Deal!
Ich werde sie in nächster Zeit ordentlich eingehen, dann steht olivgrün beschuhten Stadtspazierwanderungen beim nächsten Mal nichts im Wege. :-)
fuß drauf!
Dass sich Holzschlapfen vulgo Töffler “Esprit” nennen, das hat doch was. Kein Bemmerl ;)
Das nennt man wohl Übersprunghandlung. Männer neigen in solchen Situationen zu Untätigkeit bzw. Alko-hol.
Ich schleiche um die E-Klogs schon die ganze Saison rum, hätte sie aber lieber in Schwarz (oder Rot), leider sind sie mir hier deutlich zu teuer.
Und ich finde grüne Klogs als Frustkauf gehen durch. Basta!
Grüße an die Kaffeemaschine.
am besten sind die uralten kaffeemaschienen, wo man jegliche kanne dafür verwenden kann und nicht an den hersteller gebunden ist.
ansonsten: wieder mal eine sehr amüsante geschichte; gut erzählt…
Töffler!!!!
Lieber nömix, du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, welche Freude mir dieses schon lang unter dem dicken Mantel des Vergessens schlummernde Wort gerade macht. Kann gar nicht damit aufhören. Töffler, Töffler, Töffler. Großartig!
Übersprungshandlung, lieber Herr knurps, also ich weiß nicht. Nein, es muß etwas Virales gewesen sein. Aber Alkohol ist natürlich auch eine Lösung.
Klogs heißen die Schlapfen also, creezy? Und übrigens: zugegebenermaßen schleiche ich auch schon seit einiger Zeit um die herum, und ja, zum regulären Preis hätte ich sie nie und nimmer gekauft. Psst.
Du, Kataklysm, mit deiner uralten Kaffeemaschine, wo jede Kanne reinpaßt, hast eh schon einmal herumgeprotzt. ;-) Aber woher sollte ich denn so ein Monster bekommen, und vor allem - wenn man keine Glaskannen kaufen kann, welche sollte ich dann drunterstellen?
Ich hielt Sie eigentlich für den Senseo-Typ. So kann man sich täuschen.
Sie meinen diese Pads?
Nein, ich bin da ein ganz schrecklicher Kostverächter: ich liebe den ganz simplen, ordinären Filterkaffee. Ich frage sogar im Restaurant danach.
Haha. Sehr gelacht.
Ja, die Kaffeegeschichten. Besonders Montag Morgen. Wenn die Milch dann sauer ist, und in der wirklich allerletzten Tasse Kaffee herumflockt, und wirklich gar keine einzige Bohne mehr da ist undundund… Ich hab jedenfalls so eine schlichte auf-den-Herd-stell-Espressomaschine, die sind sehr sehr robust. Blöd nur, dass ich mich gelegentlich am Dampf, der vorn beim Schnabel rauskommt, verbrenn, und kürzlich hab ich doch glatt völlig in Gedanken frisch gekochten Kaffee wieder weggeschüttet. Also immer ein Risiko das mit dem Kaffee. Doch umso grösser umso unverzichtbarer das Vergnügen! :) Und viel Freude mit den grünen Schlapfen wünsch ich!
tja, solche kaffeemaschinen gibts leider heutzutage nicht mehr. die kannen zu bekommen ist kein problem (gibts beim installateur (!) - jedoch die lebenssaft-sprudler selbst kriegt man niergendwo mehr dank proprietärer systeme der wirtschaftstreibenden kaffeemaschinen-mafia.
ich hab im übringen leider selbster keine vom alten schlag, kenne das aber von ner exfreundin, die ruhigen gewissens billige 2 euro-kannen auf dem boden zerschellen konnte…
als alternativ-morgen-droge empfiehlt sich übringes grüner, japanischer tee mit macha drin. das putscht genauso auf. einziger nachteil: verdauensfördernde wirkung hat der aber leider keine…