Nachtarbeit

Also das war so. Zuerst konnte ich nicht schlafen, weil ich einen Hexenschuß hab und sich einfach keine bequeme Liegeposition finden ließ.
Also las ich mit herzlichem Vergnügen ein wenig in Midas Dekkers’ Das Gnu und du herum (”Der anrührendste Anblick, den ich kenne, ist der Gesichtsausdruck einer Katze, die gerade beim Scheißen ist”), fand anschließend eine halbwegs erträgliche Seitenposition, in der ich nur ein leichtes Stechen im Nacken verspürte und schickte mich an, einzuschlafen.

Was sich ca. folgendermaßen abspielte: Ich sollte das Album umsortieren. Die Leute wollen die Fotos nicht in chronologischer Reihenfolge sehen, sondern die Brüller zuerst. Du hast nur eine Chance, sie zu kriegen: die erste Seite … irgendwie hab ich Durst. Wasserglas in der Küche vergessen. Mist. … ich muß morgen unbedingt Klopapier kaufen. Und Kaffeefilter. … Man sollte schlechten Geschmack flächendeckend verbieten, besonders nachts. Was muß der Idiot in der Nachbarwohnung eigentlich ausgerechnet jetzt Folklore unklarer Provenienz hören? … Irgendwie hab ich Hunger. Waren da nicht noch diese Kekse, die der Liebste dagelassen hat? Haha, Scherz. Ich mag keine Kekse. Und außerdem war heute Elmex-Gel-Tag. Ein Hoch auf die Remineralisierung der Zähne! Oh. Toll. Jetzt muß ich aufs Klo. Na, eh praktisch. Kann ich gleich das Wasser mitnehmen.

Also Klo. Wieder zurück in die Bettstatt, einigermaßen nackenschonende Haltung eingenommen. Siehe voriger Absatz. Kurz nach Drei: zum letzten Mal aufs Klo gegangen und auf die Uhr geschaut.

Kurz vor Vier: Ich wache, aufgescheucht von einem bösen Alptraum, an den ich mich nicht erinnern kann, auf und bin der Überzeugung, daß ein Monster im Zimmer ist, das offenbar zuvor den Nachbarn mit der Folklore erledigt hat. Es ist still. Unnatürlich still. Verkrampft harre ich unter der Bettdecke und warte auf verdächtige Geräusche, die Monster beim Aufenthalt in kleinen Stadtwohnungen zu machen pflegen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, worauf ich eigentlich achten soll. Der Adrenalinspiegel sinkt, und ich stelle fest, daß ich aufs Klo muß und mein scheiß Nacken wirklich höllisch wehtut. Irgendwann wird mir das zu blöd, und ich beschließe - Monster hin oder her -, pinkeln zu gehen. Kein Monster. Das Licht lasse ich trotzdem aufgeschaltet. … Liegeposition finden. Boah, die Vögel! So klein und soviel Krach machen.

Halb Fünf. Komm schon, Mädchen. Du hast dreieinhalb Stunden. Mach was draus. Aber das Monster…? Klappe jetzt.

Entschädigt werde ich dann in Form einer Reise nach New York, wo ich in einem riesigen Buchgeschäft Heroines von Bettina Rheims um vier Euro neunzig (!) kaufe und dazu ein afrikanisch anmutendes Hemdblusenkleid aus herrlich anschmiegsamem und wunderschön gewirktem Stoff erhalte, das ich auch gleich anziehe. Außerdem komponiere ich eine unglaublich geniale Nummer, schaffe es aber leider nicht, aufzuwachen und sie in das Diktiergerät zu singen. Schade, denn ich wäre berühmt geworden, glaube ich. Als ich mich gemeinsam mit Freunden, die ich in dem sauteuren Hotel, in das ich eingeladen wurde, getroffen habe, anschicke, die köstlichste Pasta meines Lebens zu verspeisen, läutet irgendwo ein Telefon… meins.

Das Buch mußte ich leider im Hotel lassen.

3 Kommentare zu “Nachtarbeit”


  1. 1 MoniqueChantalHuber

    übrigens besteht, glaub ich, ein zusammenhang zwischen kalten füßen und nachtgepinkel.

    mit socken schlafen gehen reduziert die häufigkeit der entleerungsvorgänge enorm. das haben empirische studien (n=1) praktisch zweifelsfrei belegt.

  2. 2 Ad

    oh, sorry, du bekommst 4,90 von mir…

    p.s. aber bitte - und ob du die kekse magst. :-P

  3. 3 dieJulia

    Werteste Frau Huber, das mit den Socken hat grundsätzlich schon was Wahres - aber nicht, wenn es in der Wohnung über 27 Grad Celsius hat. Ich kann Ihnen versichern, daß meine Füße, obwohl über der Bettdecke plaziert, gestern sogar eine Idee zu warm waren. Hätte ich sie noch mit Socken bedeckt, wären sie vermutlich verglüht, wiewohl ich eingestehen muß, daß ich darüber vermutlich glatt die Sache mit der Blasenentleerung vergessen hätte.

    Ad, Baby, nicht doch! Wir treffen uns einfach heute nacht gemeinsam dort und suchen es. :-)

    Äh, und: die Kekse. Grundsätzlich hast du recht, es sind welche, die ich mag. Aber nach ca. 7 Stück, die ich in der vergangenen Woche gegessen habe, ist mein Bröselbedarf nun wieder für ein halbes Jahr gestillt. Oder so. Dann doch lieber ein Schinkenweckerl. ;)

Schreiben Sie einen Kommentar