Archiv für June 2007

völlig losgelöst

Wer als kunstsinnige Natur angesichts des omnipräsenten Hit-Gesumms der Handtelefone im öffentlichen Raum mehr und mehr an Magenübersäuerung, Ohrensausen und mitunter zarten Anflügen wüster Aggressionen leidet, kann nun endlich mit dem eigenen Mobiltelefon zum subversiven Gegenangriff übergehen.

Auf earsahead.com haben Avantgarde-Komponisten und Künstler aus dem Feld der neuen und experimentell-elektronischen Musik (darunter Olga Neuwirth, Wolfgang Mitterer, Zeitkratzer, Sofa Surfer Wolfgang Schlögl und “Krachforscher” Fuckhead) Klingeltöne der etwas anderen Art bereitgestellt, die für 3 Euro pro Werk heruntergeladen werden können.

Ihre erstaunliche Mission: “Komponisten und Musiker schaffen Abhilfe gegen den akustischen Müll auf unseren Straßen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Kaffeehäusern, etc.”

Ich hab da einmal ein bißchen probegehört. Besonders bemerkenswert: brachial-dissonante Jodelunfälle (Zeitkratzer: zeitkratzer01, minimalistisches Schreibmaschinengeratter (Wolfgang Mitterer: Schreibma), mysteriöse Klangcollagen (Olga Neuwirth: 04), nervöser Heavy Metal-Terror (Fuckhead: Roentgenlampe), fröhliche extraterrestrische Polkas (Bernhard Lang: AlienAttack), entrückte Störgeräusche (Wolfgang Schlögl: melody1electron) und wundersam herzerwärmende Kostbarkeiten, eigentlich viel zu schade fürs Handy (Heiner Goebbels: Waiting).

“Diese Seite will und soll dazu beitragen, unseren Alltag ästhetischer zu gestalten”, so die Initiatoren. Nachsatz: “Es liegt an Ihnen, diese Töne auch klingen zu lassen.”

[Ich für mich trage übrigens Kopfhörer … beziehungsweise Knöpfe in den Ohren, die mir meine selbstgewählte Musik vorspielen, wenn ich meine akustische Privatsphäre verlasse und in den öffentlichen Verkehr abtauche. Auch ein probates Mittel gegen unerwünschte Klangbelästigungen. Aber das wirklich nur so ganz nebenbei.]

Vom Suchen und Finden

Antworten für ein paar Menschen, die in den letzten 24 Stunden via Google zu mir gekommen sind:

Ich möcht so gern landen …heißt in Wirklichkeit „I mecht landen“ und ist ein Lied von Maria Bill.
juchitzer video …würde ich auch gern einmal sehen, weil die alpine Sabine aka Zabine wirklich klaß ist und diese Nummer mir Gänsehaut bereitet.
stringente Alphabetisierung …ja, da bin ich ganz bei Ihnen.
fotos charlton heston privat …hab ich nicht. Bedaure.
drache …meinen Sie das Fabeltier oder die Schwiegermutter/Handarbeitslehrerin?
schafkäse …ist aus keinem vernünftigen Haushalt wegzudenken.
ich ist ich ist ich ist ich …Fanta4, Fornika. Tatsächlich das lässigste Album, das ich von denen kenne.
40 miles from the sun …Sie beweisen Geschmack! Eine meiner Lieblingsnummern von Bush.
Felicitas Sternberg …kenn ich nicht.
verhärmte alte …haben Sie vorhin nach dem Drachen gesucht?
jemanden unbeschreiblich finden … ach, das Deskriptive wird allgemein überschätzt. Genießen Sie’s doch. Oder singen Sie es einfach!
Kartoffelgesicht …also nein, wirklich nicht!
traumdeutung …kann ich nicht. Wenden Sie sich an den Lebensberater Ihres Vertrauens.
besten bilder der welt …da sind Sie hier ja goldrichtig! Kategorie: abgebildet. Los! ;-)

Probieren Sie das!

Sitzen Sie in einem Büro? Haben Sie ein Gegenüber? Dann lesen Sie dem in ganz normaler Geschwindigkeit einmal folgendes vor:

Mähen Äbte Heu?
Äbte mähen nie Heu!
Mägde mähen Heu - Äbte beten.

Sie werden sich wundern.

Ich möchte ein Faultier sein

Uuaaaahmjamrrrrrrrrrrrrrrr… war das gerade der Wecker?

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Bäh, schmeckt nach Dienstag.

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Da schlaf ich doch lieber weiter. Ihr könnt mich mal.

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[…kann man auch großmachen, wenn man das Bild klickt.]

Deep Water

Manchmal… bin ich wieder 14, 15, liege in meiner Hängematte und rieche den Duft von frisch gemähtem Gras und bin ganz dramatisch gelaunt, und Seal in meinen Ohren, sowas vonwegen a shade of pain and then we die, und alles rührt mich, alles nimmt mich mit, alles reißt mich in den Himmel und läßt mich fallen, ganz alltägliche Naturgesetze sind das für einen Teenager.

Both of them swam from a northern blue sky
Smile on their faces they entered their doom like they knew
If their world should end they won’t care about that anyway
I jade the water and I burn the fire
Nuclear chemicals making their doom like you knew
If the world should end you won’t care about that anyway
Maybe thats the way you live your life but I know
Life it don’t always live that way

Ungeheuerlich, nicht? Mehr als doppelt so alt, aber nicht mehr als doppelt so klug oder abgebrüht oder weiß der Teufel, was. Heute sind es die Flugzeuge, die mich an manchen Tagen kirre machen und mir die Tränen in die Augen treiben, ich habe die Erfahrung gemacht, daß Flughäfen mich zugleich glücklich und traurig machen, und ich bin immer noch nicht erwachsen, immer noch nicht abgebrüht genug, immer noch nicht mehr als doppelt so klug, ich bin schon wieder 14, 15 und schaukle in meiner Hängematte und bin krank vor Sehnsucht. Bloß daß ich in der Zwischenzeit gelernt habe, daß Lächeln und Witzereißen entschieden besser ankommen, so im Alltag.

We will find a way
Letting the sun go down
Maybe we’ll find a way
Holding the sun
We will find a way
Letting our life go by
I tell you we’ll find a way
Holding the sun

[Soundtrack des Augenblicks: Seal | Deep Water]

Ganz unter uns, kleiner Hacker-Anfänger…

Ihre Google-Suche wie geht man in ein system von anderen leuten rein rein hat Sie heute auf meine kleine Seite geführt. Leider kann ich Ihnen die gewünschte Information nicht anbieten, weil ich selbst ein denkbar unbedarfter DAU bin - und offengestanden glaube ich außerdem, daß Sie auf diesem doch ein bißchen plumpen Weg die gewünschte Antwort kaum erhalten werden. Wissen Sie… suchen Sie sich lieber einen richtigen Job, wie Ihr Kollege, der Spammer. So wird das nix.

Jill Scott (live): He Loves Me

Irgendwann mußte es ja so kommen. Das hier ist also der Augenblick, in dem ich zum ersten Mal ein Youtube-Filmchen hier reinklatsche. Aber auch nur, weil… Jill Scott einfach die Göttin ist.

Werbebotschaften

Es fällt mir offengestanden schwer, die bizarre Puppe mit dem verzweifelten Gesichtsausdruck, die da so dramatisch über dem Eingang des Südbahnhofs kollabiert, mit besonders verlockenden Angeboten der ÖBB in Verbindung zu bringen.

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Das mutige Werk einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Abriß und Umbau des Bahnhofs? Eine PR-Kampagne für eine neuartige Religion? Welchem grausamen Gott huldigt dieses androgyne Geschöpf mit den roten Lippen? Ist es ein Märtyrer?

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Aber schließlich brachte ich das seltsame Ding dann doch mit dem Plakat dahinter in Zusammenhang. (”ÖBB - Du am Zug.”) Naja, liebe Werber… verstehen Sie mich nicht falsch, aber… was genau wollen Sie dem Betrachter damit eigentlich sagen? Daß die verzagte Puppe besser mit dem Zug gefahren wäre? Daß Bahnfahren auch wieder nicht so teuer ist, daß man sich deshalb gleich vor den Zug werfen muß? Ich werde es wohl nie erfahren.

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Wie ich mir einmal wegen einer kaputten Kaffeemaschine grüne Schuhe gekauft habe

Mein Verhältnis zu Kaffeemaschinen ist ein nicht ganz friktionsfreies.
Um es so simpel wie möglich auszudrücken: es besteht ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen mir und dem Küchengerät. Es kann ohne mich wunderbar auskommen, ich hingegen brauche es, um an meinen Stoff zu gelangen. Vielleicht haben Maschinen doch eine Seele, und vielleicht bin ich bisher immer an die Selbstmordkandidaten unter ihnen geraten. Vielleicht haben Kaffeemaschinen eine perfide Form von Humor. Vielleicht liegt aber auch ein kaffeemaschinenmordender Fluch auf dieser Wohnung. Man weiß es nicht. Jedenfalls war es heute wieder einmal soweit.
Als ich die Kanne mit Wasser füllte, um sie – gottlob war das nach dem Morgenkaffee – auszuspülen, machte es ganz leise knack, dieses unheilverkündende kleine Geräusch, das ich gar nicht gern höre. Mit der Ruhe eines durch jahrzehntelang ausgeübte Meditation allem Irdischen entsagenden Zen-Buddhisten, der bei jedem Wetter kontemplierend auf seinem öden Felsen sitzt, besah ich mir kurz den Sprung, der sich am Kannenboden gebildet hatte, beförderte das unbrauchbare Gefäß in den Müllsack, den ich sogleich verschloß, lächelte milde und zog los, um eine neue Kaffeemaschine zu erwerben.

Es ist, seit ich hier vor ca. sechs Jahren einzog, meine sechste.
(Die erste war schwarz und von Melitta, es war eine mit Thermoskanne, die eines Morgens ohne mein Zutun implodierte, während ich mir die Zähne putzte. Eine Antwort auf meine launige Mail an den Hersteller ist bis heute nicht eingetroffen. Dann hatte ich eine rote Melitta, den Glaskannentod verursachte ich wie bei ihrer weißen Nachfolgerin derselben Marke selbst. Kurz darauf stand dann ein weißes No-Name-Gerät in meiner Küche, die Kanne fand das gleiche Ende wie die seines Nachfolgers (Severin), der bis heute seine unverzichtbaren Dienste auf meiner Anrichte versah.

So machte ich mich also auf den Weg in eine kleine Einkaufsstraße ganz in der Nähe, als etwas ganz Ungeheuerliches mit mir geschah. Das Tussi-Virus schob sich unerkannt an der sonst so zuverlässigen Firewall vorbei und richtete in den folgenden Stunden irreperable Schäden im System an: plötzlich zogen Geschäfte für Anziehsachen meine Aufmerksamkeit auf sich. Im ersten erwarb ich einen Bikini und zwei T-Shirts, bei H&M mußte ich etwas befremdet feststellen, daß das Unternehmen es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, der zunehmenden Überalterung der Industrienationen entgegenzuwirken und heuer nur umstandsmodeähnliche Oberteile im Angebot hat, und im vierten (!) Schuhgeschäft (!!), das ich (!!!) freiwillig (!!!!) betrat (…), erwarb ich schließlich um neunzehn Euro achtzig ein wunderhübsches Paar olivgrüner Schlapfen, wegen Geschäftsauflösung 50 Prozent preisreduziert. Darüber, daß ich mir entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten beinahe noch sehr edle dunkelrote Pumps von Gabor um preisreduzierte 49,90- gekauft hätte, möchte ich mich an dieser Stelle dezent ausschweigen (sonst werde ich am Ende noch damit aufgezogen, und zwar völlig zu Recht. Oh Mann. Pumps. Ich!).

Ach ja. Die neue Kaffeemaschine kann Kaffee kochen, ist cremeweiß und hübsch anzusehen. Ich wünsche ihr ein langes Leben, das sie, ich bin da Pessimistin aus Erfahrung, nicht haben wird.

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Nach den Gründen für meine hormonelle Umnachtung suche ich übrigens noch. Sowas darf nicht wieder passieren!

Jetzt wo ollas wochst und ollas bliaht

Georg Danzer ist tot.