Archiv für March 2007

Sneak Preview

Diese Band hat zwar noch keinen Namen, aber immerhin schon eine wilde Vergangenheit, einen (verdammt guten) fertigen Song und jede Menge Fotos (von mir). Na bitte. (Foto-)Album t.b.a.

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Schöne Dialoge (7)

Vorhin in der Schreibfabrik, ca. 22.20h:

Mein Chef hat sein Chefbüro vor geraumer Zeit in ein fettes… kann man zu einem Heimstudio in einem Büro eigentlich Heimstudio sagen?… in ein fettes Musikzimmerheimstudiochefbüro (Hilfsausdruck!) verwandelt. Anlage, Keyboards, Effektkastln noch und nöcher, alles da. Als ich heute abend wieder einmal länger im Büro bin, höre ich ihn die ganze Zeit Boogie spielen und, dank Harmonizer, mehrstimmig singen.)

Chef (formvollendet in Anzug und Krawatte bei der Tür hereinkommend, verdutzt): Boa! Was machst denn du noch da?
dJ (geduldig): Arbeiten?
Chef (jovial, zackig): Echt! Bin beeindruckt!
dJ (sich am Hinterkopf kratzend): Yo, is viel zu tun die Tage…
Chef: (zögernd): Und sag mal… wieso sagst denn nichts… das muß doch laut sein?
dJ (Zeige- und Mittelfinger unauffällig hinterm Rücken überkreuzend, gewinnend lächelnd): Naaaaaaaaaa, nicht doch. Ich habe keinen Ton gehört!
Chef (kurz angebunden): Okay. (dreht sich schnell um, macht die Tür zu und geht ohne ein weiteres Wort. Zwei Minuten später setzt die Musik wieder ein. Um einen Hauch leiser diesmal. Fast, aber nur fast, ein bißchen verhalten.)

Nachsatz (Plötzliche Erkenntnis des Augenblicks - Bloggen ist ja doch gut für’s Hirn!): Der Unterschied zwischen einer Angestellten und einem Chef besteht darin, daß die eine nachts arbeitet und der andere Boogie spielt. Sollte mir das jetzt zu denken geben?)

Kalaueralarm!

Wenn ein Holzwarenhändler seine Geschäftsauflösung bekannt gibt, macht er dann eigentlich einen Restpfostenabverkauf?

Dieser Ausbund an Heimtücke!

Ich habe ein Mobiltelefon, das mir die sagenhafte Möglichkeit bietet, fünf Weckzeiten zu programmieren - was ich gestern eingedenk der Tatsache, daß ich heute um spätestens acht aufstehen mußte, auch tat. 7:37h, 7:47h, 7:57h, 8:07h (Publikums-Joker), 8:17h (akademisches Viertel-Joker). Lautstärke: pervers. Stellen Sie sich vor, Sie stünden neben einer Kreissäge, auf der gerade jemand versucht, ein Stahlrohr zu durchsägen. (Ganz zufrieden bin ich mit dem Vergleich noch nicht, aber für eine ungefähre Vorstellung dürfte es reichen.)

So.

Heute, 7:50h: Mein offizieller Wecker, ein Radiowecker aus dem Jahre Schnee, erstanden um ca. 50 Schilling (heute ca. €3,60) beim damaligen Mondo (heute: Penny), bricht in sein in letzter Zeit dissonant verhalten-weinerliches Piepen aus, das am ehesten noch dem kaum hörbaren Winseln einer glück- und kraftlosen extraterrestrischen Kreatur gleicht, die gerade mit dem Zeh gegen ein Stuhlbein gelaufen ist. Gottlob ist mir das Schicksal heute gnädig gestimmt, und so erwache ich davon, was aber lang nicht Usus ist. An vier von fünf Wochentagen läßt mich das verhuschte Aliengejaule nämlich vollkommen kalt, vor allem wenn ich - so wie gestern - viel zu spät schlafen gehe (weil ich mich doch nicht entschließen kann, den Rechner herunterzufahren und noch einmal alle offenen Tabs aktualisiere. Suchthaufen, ich!)

Zudem schnurrt mich mein Telefon an, das ich neben das Bett gelegt habe. Weckruf vom Liebsten.

Allein das Mobiltelefon schweigt hartnäckig. Weder um 7:57h, noch um 8:07h und, wer hätte es gedacht, auch nicht um 8:17h kann es sich zu irgendeinem Geräusch aufraffen.

Und wissen Sie was?
Als ich das (eingeschaltete!) Gerät aufklappte, mich im Menü zu den Weckern klickte und die Schuld noch bei mir suchte (man kann jeden einzelnen Weckruf aktivieren bzw. deaktivieren), konnte ich feststellen, daß ALLE FÜNF brav auf aktiviert standen. Signaltyp: laut.

Es ist mir nicht zum ersten Mal passiert. Aber diesmal hab ich es auf frischer Tat ertappt. Beim Nichtwecken.

Übrigens: ich habe ein Motorola. Dieses schlanke, schwarze, das man dauernd putzen muß. Noch. Könnte ja sein, daß es mir demnächst im Affekt ins Klo fällt oder sowas.

Ernstgemeinte Frage an potentielle Kenner der Materie: gibt es da vielleicht irgendein Software-Update, das das Problem löst?

tragisch.

Seit die Vertretung unserer allergoldigsten Putzfrau die Papierkügelchen entsorgt hat, mit denen wir uns täglich zu bewerfen pflegen, ist zwischen Kollegin K. und mir irgendwie nichts mehr so, wie es vorher war.

Schöne Dialoge (6)

Nachmittags in der Schreibfabrik:

dJ (sentimental): Wie es dem Wulnikowski* jetzt wohl geht?
Kollegin K (empört): Maaa! Du bist voll arg! Dir ist eh klar, daß der Ärmste jetzt dafür sorgt, daß es in ein paar Wiener Wohnungen mit Anschluß an die Fernwärme wärmer wird?!
dJ (verklärt): Nein, schau, du mußt das so sehen: ich habe ihm nur bei der Transformation in eine andere, in eine bessere Existenz geholfen. Wiedergeburt und so! Ich bin stolz auf mich und habe dadurch sicher einen Wahnsinnsbatzen Karmapunkte gesammelt!
KK: (mit sphinxischem Lächeln auf den Apfel schauend, den sie gerade ißt): So wie ich mit meinem Apfel…
dJ: Äh, weißt du… ähm ja. So ähnlich.

(Den Rest der Unterhaltung, wiewohl sie an diesem Punkt erst richtig interessant wurde, gebe ich jetzt aber angesichts der Tatsache, daß hier vielleicht minderjährige, herzinsuffiziente und katholische Menschen mitlesen und ich schließlich auch so etwas wie einen Restruf (?) zu verlieren habe, nicht wieder, obwohl wir selten so genial waren wie an diesem Nachmittag. Rektoskopal war noch einer der vornehmsten Begriffe, mit denen wir uns, irr gackernd, bewarfen.)

*die mit Abstand allerhäßlichste Büropflanze der Welt, vor ein paar Wochen unter anhaltendem Protest von Kollegin K., die ihn zwar auch nicht auf ihre Seite des Schreibtisches stellen wollte, mir aber deshalb mit nachhaltigem Liebesentzug drohte, von mir, ähm, entsorgt. Ruhe in Frieden, Wulnikowski! Warst ein Freund.

Schöne Dialoge (5)

Heute, später Nachmittag, Schwedenplatz. Ich bin ganz analog mit dem technischen Direktor spazieren, wir entschließen uns spontan (und wohl auch aufgrund meiner nicht ganz unlarmoyant vorgebrachten Äußerungen über bestehende Unterzuckerung meinerseits - ich habe noch nichts gegessen), uns ein Kebab reinzupfeifen. Ich bin, auf einer Parkbank in der Sonne hockend, mit dem ersten Drittel fertig, der technische Direktor hat schon aufgegessen und geht sich zum Nachtisch noch ein Eis holen.

Aus dem linken Augenwinkel nehme ich wahr, wie ein kleiner Bub, vielleicht sechs Jahre alt, pechschwarze Haar’, Schokoeis in der Hand, auf die Bank klettert und es sich etwas umständlich gemütlich macht, seine Beine baumeln fröhlich in der Gegend herum. Ich merke, daß er mich anguckt, also drehe ich mich ein Stück nach links. Kauend. Seine haselnußbraunen Knopfaugen sind mit voller Aufmerksamkeit auf mich gerichtet.

der Junge (schüchtern-verschmitzt): Grüßgott!
dJ (Ein Schmunzeln unterdrückend, seriös-freundlich): Grüßgott der junge Herr.
der Junge: Kannst du Arabisch?
dJ (verwundert): Wie bitte?
der Junge (mit forschendem Knopfaugenblick): Sprichst du Arabisch?
dJ (bedauernd): Nein, leider.
der Junge (ein bißchen enttäuscht, sich seinem Eis zuwendend, aber immer noch formvollendet höflich): Oh. Entschuldigung.

Passiert mir nicht zum ersten Mal, ehrlich. Das machen wohl meine langen, dunklen Haare und meine dunklen Augen. Sollte ich mich vielleicht einmal ein bißchen mit Genealogie auseinandersetzen? Irgendwie berührt mich sowas aber jedenfalls immer wieder. Die Welt ist ein Dorf. Und ich mag die Menschen, die darin leben. Sehr sogar. Soul-Faktor: 11 von 10.

[Soundtrack des Augenblicks: Guy Klucevsek and Alan Bern | Starting Over]

Botanischer Garten Wien, 25. März 2007

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[Bißchen spät und bißchen nicht so optimales Licht. dieKnipse knipst trotzdem, immer im Dienst der Dokumentationsneurose.]
[Dafür mit dem technischen Direktor im vollen Einsatz.]
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[Ich erwarte wirklich nicht, daß Sie das kommentieren.]

Literatur-Content

Er ging umher wie ein verkannter Reicher und bekümmert wie ein Geizhals, der seinen Schatz von Dieben belauert weiß. Alle, die ein geschwätziges Entzücken aus dem Theater Sapajou in die Welt hinaustrugen, waren Diebe in seinen Augen, denn sie drohten die Schar der Dummen und Banalen hinter sich her zu ziehen, die das Große in den Staub schleifen, indem sie es zur Mode machen.

Es war sein Traum, die Tänzerin auf eine verlassene Insel im Ozean zu entführen. Er hätte sich dann begnügt, sie anzubeten, ohne ihr mit einem Wunsch zu nahen.

So wie er für Lorm, den Schauspieler, Beifall verlangt hatte, haßte er den Beifall, den die Tänzerin gewann. Nicht weil sie ein Weib war, nicht aus Männereifersucht. Er betrachtete sie gar nicht wie ein Weib. Sie war ihm als Wesen die Erfüllung dunkler Ahnungen und Gesichte; sie war das Leichte im Gegensatz zum Schweren, das in ihm und allen andern lastete; das Schwebende im Gegensatz zum Kriechenden, das Geheimnis im Gegensatz zum Wissen, die Figur im Gegensatz zum Wirrsal.

Er sagte: »Dieses berühmte zwanzigste Jahrhundert, so jung es ist, geht mir auf die Nerven, die Menschheit wälzt sich wie ein häßlicher, plumper Wurm über die Erde. Sie will von ihrer Wurmhaftigkeit befreit werden, und in ihrer Sehnsucht nach Entpuppung entsteht in ihr die Lust zu hüpfen. Es ist der Gipfel barbarischer Komik.«

Das Leben, das er führte, war ihm als herausfordernde Störung seiner schweißtriefenden Mitmenschen wohl bewußt. Er schwärmte von Zeiten, in denen die herrschende Klasse wirklich geherrscht, wo ein geistlicher Fürst unter den Angestellten seines Hofstaats einen Kapaunenstopfer gehabt und irgendein unbedeutender Reichsgraf eine Armee besoldet hatte, die aus einem General, sechs Obersten, vier Trommlern und zwei Gemeinen bestand.

Daß ihn die Tänzerin aus der Zeit riß, ganz anders noch als der Komödiant, das war es, was er ihr dankte.

Er schuf sich ein Idol, denn es kamen die Jahre, wo er dessen bedurfte, ein satter Gieriger, lüstern nach Vogelflug.

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(mein Lieblingsbuch.)

das relativ sinnlose Regenwalfischbauchposting

Es regnet.
Es regnet von allen Seiten, und das Mitführen des Schirms ist ungefähr so sinnvoll wie das Tragen eines handelsüblichen Sturzhelms anläßlich eines nuklearen Fallouts.
Der Wind reißt mir die Kapuze vom Kopf und zerzaust mich gründlich, fette Regentropfen zerplatzen auf meinem Gesicht, die Hose wird binnen kürzester Zeit naß bis zu den Kniescheiben, Feuchtigkeit kriecht in die Schuhe und geht eine kühle Liaison mit den Socken ein.

Der Asphalt spiegelt die Lichter der Ampeln mit ihrem gleichmütigen Rhythmus, ich lasse mich von einem zischenden Niederflurkoloß schlucken und fühle mich wie Jonas, nur daß es da drin entscheidend gemütlicher ist als draußen. Meinen nutzlosen Schirm, der kalten Regen schwitzt, halte ich irgendwie in maximaler Körperferne, ein dünnes Regenwasserrinnsal bahnt sich seinen Weg durch den Niederflurwalfischbauch, die Scheiben sind beschlagen vom Atem der wenigen nächtlichen Mitinsassen, ich widerstehe nur knapp der Versuchung, ein Herz zu malen, oder ein simples 42.

Ein asiatischer Herr gesetzteren Alters hat meinen herumstreunenden Blick aufgefangen und streichelnd festgehalten, seine Ebereschenaugen haben sich in meinem Gesicht festgesaugt, er lächelt, und ich muß unwillkürlich zurücklächeln, mit mindestens 25 Watt, während in meinen Ohren der Grönemeyer was ziemlich Poetisches singt, es handelt sich, glaube ich, um ein Liebeslied oder sowas in der Art.

Ich schaue weg und gucke dem Wasser zu, wie es surreal-anmutige Spuren zieht auf der durchsichtigen Außenhaut des geduldig dahinschwimmenden Wienerlinien-Walfischs. Ich habe nichts zu sagen in dieser Nacht, und ich sage es doch. Ich diffundiere. Ich diffundiere in eine wilde Nacht, eine sanfte Nacht, eine Nacht jenseits der gewohnten Gänge. Vieles passiert dieser Tage, ich bin ein reichlich verwirrter Passagier, ein regennasser Mensch, der ins Trockene will, ein kleines Licht in einem unendlichen Universum, eine lachende Seele, die sich in ihrer Grundtraurigkeit spiegelt und sich zu einem heiteren Wolkenkuckucksheim aufschwingt, japsend, mit klapprigen Holzflügeln.

Eigentlich ist es unbeschreiblich.
Schreiben muß ich es dennoch.
Was immer mich gerade denkt, es zwingt mich dazu.