Weiß

Die Realität ist in Watte gepackt. Ich bin nicht richtig da, sondern ein Geist in einer Nebelwelt, wo er sich nur zurechtfinden kann, wenn er die Augen schließt. Mein Körper findet traumwandlerisch seinen Weg durch eine erstarrte Wirklichkeit, jeden Moment erwarte ich, daß der Film gestoppt wird, die Farben sind seltsam unecht heute, die Eindrücke zweidimensional.

Der größte Teil von mir ist an einem Ort, an dem er den Kontrast von Weiß auf Weiß sehen und die absolute Stille hören kann. Gänsehaut überzieht meine Haut, ich kann ihr heißkaltes Glitzern spüren. Die Kuppel der Zeit wölbt sich wie ein ferner Himmel über mir, meine Beine tragen mich kaum, die Schwerkraft ist anders als sonst. Mit jedem Schritt wird der Widerstand größer, weil ich nicht befugt bin, dieses Gelände zu betreten, aber niemand wird mich hier vertreiben.

Als ich die weiße Sonne erreicht habe, ist meine Haut längst weggeschmolzen, sind meine Knochen längst zu Asche verbrannt, aber etwas in mir ist stärker, und dann breche ich ihren Willen wie eine Erdnuß, schäle sie und zerbeiße ihren Kern, der als weißes Licht in meinen Eingeweiden explodiert und mich mit einem letzten Kraftakt an den Rand der Wahrnehmung schleudert, wo ich mir eine neue Haut und neue Knochen wachsen lasse, um in die Wirklichkeit zurückzukriechen.

Nebel

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1 Kommentar zu “Weiß”


  1. 1 dieJulia

    Keine Sorge, ich bin nicht übergeschnappt.
    Ich geh jetzt auf ein Bier. Das erdet zusätzlich. ;)

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