Archiv für January 2007

Sieben Jahre her…

Immer und immer wieder muß ich um diese Zeit an diesen neunzehnten Jänner anno Zwotausend denken. Immer und immer wieder reißt es mich an diesem Tag mit seinen Ausläufern (den kurzen Nächten davor, dem Tag an sich und den vielen, vielen Tagen danach) in die Tiefe, immer und immer wieder kocht das alles hoch, verdichtet sich zu einem Schrei ohne jeden Ton, zerreißt mich, erinnert mich, schmerzt, kratzt, mit den langen Fingernägeln der Wahrheit, die langsam und unerbittlich deine Eingeweide bearbeiten, bis du an die Decke gehst und beinah den Verstand verlierst.

Anderntags war Kaiserwetter. Oder, wie ich das ganz pragmatisch ausdrückte, so ganz für mich, in meinem Tagebuch, damals: Ein Tag, viel zu schön für mich. Blauer Himmel, Sonne. Ich hatte das damals nicht wirklich im Griff - ganz im Gegenteil hatte es mich. Im Würgegriff. Erstaunlicherweise habe ich mich aber doch da durch manövriert, durch dieses Irrsinnsjahr. Sieben Jahre später, 2007, bläst der Sturm, den sie so gedankenlos den Herrlichen nannten, vieles weg. Ich erlaube es mir an dieser Stelle, kryptisch zu sein. Schreibe das hier: für mich allein, als Mahnmal gegen die Feigheit und gegen die womöglich falsch interpretierte Vernunft. Nur für mich, für niemand anderes.

Das Leben lebt. Und tobt. Und alles hat seinen Sinn. Das ist die Conclusio, ganz gleich, wie naiv sie ausfällt in einer ausfällig gewordenen Nacht wie dieser. Morgen wieder Normalbetrieb abseits der nächtlichen Randale. Ich verspreche es.

“Jürgen” ist eine Nebenform des Namens Georg…

Der Name Georg ist eine Entwicklung des griechischen Männernamens Geōrgios/Jeórjios (altgriechische/heutige Aussprache), griechisch Γεώργιος. Geōrgios ist eine Ableitung von geōrgós/jeorgós (γεωργός), „Bauer“, einer Zusammensetzung von gÄ/ji (γῆ/γη), „Erde“ und érgon/érgo (ἔργον/έργο), „Arbeit“. (Wikipedia)

Halten wir uns also gut fest und hoffen wir, daß uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt, wenn der Bursche (in Deutschland: “Kyrill”) die Bühne betritt.

PS - in Österreich gilt auf Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, im Ortsgebiet sind nicht mehr als 50 zulässig, Jürgen. Nur damit du’s weißt.

[Edit] mittlerweile (22.26h) hat es 17,1 Grad Celsius, der Sturm ist noch immer nicht da, wird aber inzwischen auch hierzulande Kyrill genannt.

[Edit 2] Ich glaub, ich spinne. Wien, Innere Stadt, 18. Jänner 2007, 23:47h: 18,9 Grad Celsius (Meßwerte von 23:00h). Siehe Screenshot. Ansonsten weiterhin recht ruhig.

Vor dem Sturm

[Edit 3] 2:01h, 18,5 Grad, Fenster offen. ein durchaus heftiger, böiger Wind braust in unterschiedlicher Intensität durch die Gassen, unten zerbrechen von Zeit zu Zeit ein paar Dinge, einige zu sensible Autoalarmanlagen gehen los und verstummen wieder, Fensterläden schlagen gegen Wände, Dinge scheppern die Straße entlang; ansonsten ist es aber erstaunlich ruhig und nicht halb so apokalyptisch wie prognostiziert. Ich glaube, Wien hat Glück gehabt, und denk mir: gottseidank. Und gehe jetzt dann schlafen. Die Außentemperatur fasziniert mich allerdings immer noch. Ich sitze hier im T-Shirt, komme mir vor wie in einer lauen Maiennacht und halte mir vor Augen, daß es im letzten Sommer Tage gab, die kälter waren als diese Winternacht. Wenn es nicht so beklemmend wäre, könnte man es eigentlich fast schön finden.

Wolfgang, O-Ton:

De Deitschn. Zeast nehman’s uns de Oabeitsplätz’ weg, dann de Studienplätz’ und jetz a no de Frau’n…

[Die Deutschen. Zuerst klauen sie uns die Arbeitsplätze, dann die Studienplätze und jetzt auch noch die Frauen…]

pffft. ;-)

Schöne Sätze (2)

Ich bin so vergnügt nach dir…

Perlen vor die Soulsau!

Ich mag mir ja so kranke Funk-Dinger nämlich sehr, sehr gern in die Steigbügel hämmern lassen, vor allem an einem Tag wie heute, an dem einfach nur alles stimmt… und dein nasaler Sprechgesang, Anthony, der macht mich irgendwie einfach gaga, und dein Baß, Flea, der fetzt ohne Umweg ins Zentralnervensystem und tut da sehr, sehr unanständige Dinge, und auf euren irgendwie verkrachten, dreckigen Sound steh ich sowieso, und Stadium Arcadium ist meines Erachtens eine ganz, ganz geile Geschichte, vor allem wenn ihr dieses schiebende, drängende, hypnotische, animalische Ding bringt, das nur ihr könnt (Hump de Bump, She’s only 18, Especially in Michigan, Warlocks, Storm In A Teacup, Turn It Again), und der Rest, der ist wie immer ein bißchen sehr larmoyant und dank deiner (nix für ungut: ungefähr eine Quart umfassenden) Range, Anthony, ziemlich monoton, aber trotzdem halt irgendwie versponnen genug, daß mir schon nach dem ersten Durchgang klar ist, daß dieses derzeit geborgte Album irgendwann demnächst gekauft wird, also deshalb:

Danke, Red Hot Chili Peppers. Ihr seid und bleibt Sex für die Ohren.

Für Dich…

… weil deine Stimme mich in den Schlaf wiegt und morgens aufweckt. Weil es seit rund zwei Monaten keinen Tag gegeben hat, an dem wir uns nicht gehört haben. Weil ich an einem ganz normalen Montag in deinem T-Shirt, das noch immer nach dir riecht, meinen Kaffee trinke und mit der Sonne in einem wolkenlosen Himmel um die Wette strahle. Weil du aus einem Winter einen Frühling machst. Weil ich dich nie wieder missen möchte. Weil ich mir mein Leben lang gewünscht habe, dich zu finden, ohne dich zu suchen. Weil ich bei dir daheim bin. Weil ich dich liebe, aus meinem ganzen Herzen, mit meinem ganzen Verstand.

Danke, daß es dich gibt!

...

Wasser

Donauinsel 1 Donauinsel 2 Donauinsel 3

Donauinsel 4 Donauinsel 5 Donauinsel 6 ... und ein seltsamer Himmel

[zum Vergrößern bitte Bild klicken.]
[Soundtrack: Tool, Lateralus]

[Edit:] Und so sah das vor ziemlich genau einem Jahr aus dort.

to whom it may concern (2)

All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are
endowed with reason and conscience and should act towards one another in a
spirit of brotherhood. (Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 beschlossenen Fassung)

Ich muß da mal was loswerden.
Ich bin kein Gutmensch, das möcht ich einleitend betonen. Ich kann, wenn ich in Fahrt bin, fluchen und verbal um mich schlagen, das würden Sie nicht glauben. Wenn mir jemand blöd kommt oder jemandem, den ich mag, werde ich rasch zur Furie und sehr giftig. Aber, und das liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an meiner Erziehung, ich habe ein paar Werte, für die ich einstehe. Mein Wertesystem hat eigentlich einen ganz banalen Kern, und der lautet, so simpel, daß es schon fast weh tut: Leben und leben lassen.

Was ich auf den Tod nicht ausstehen kann und wo ich die Wände hochgehe ist, wenn Leute andere Leute heruntermachen. Sich verächtlich über Leute äußern, die anders sind als sie selbst, in der Minderheit, schwächer, einen – in ihren Augen minderen - Lebensstil verfolgend.

Und das fängt nicht erst an, wenn einer dem anderen den Schädel einschlägt, weil der seiner Meinung nach die falsche Weltanschauung hat; das fängt im kleinen an – exakt dann, wenn Leute glauben, anderen Leuten vorschreiben zu können, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ich habe etwas gegen Leute, die sich einbilden, was besseres zu sein als andere, weil die die falsche Musik hören, die falschen Filme sehen oder die falschen Klamotten tragen. Ich habe etwas gegen das Hinhauen auf Raucher, Dicke, Unsportliche, Junkies, Obdachlose, Ausländer, Prolos, Schlagerfans und Briefmarkensammler undsoweiterundsofort.

Wissen Sie, was mich so aufregt? Das ist dieser latente Sozialdarwinismus (vielleicht ein zu starker Ausdruck, aber der beste, der mir einfällt), der wie eine stinkende Wolke über unserer kleinen Welt liegt. Überall selbsternannte Eliten, die sich einbilden, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, cool, weltoffen und verdammt schlau zu sein und sich mit einem Selbstverständnis, bei dem mir nichts mehr einfällt, über andere stellen, die nicht in ihr kleinkariertes Weltbild passen. Wißt ihr was, ihr armseligen Gehirnamputierten da draußen: kauft euch eine Insel, baut euch eine große Mauer und ergeht euch in ewigen Tiraden gegen die Andersdenkenden und Andersartigen und badet euch in eurer Exklusivität – ihr werdet im Paradies sein. Und der Rest der Menschheit auch.

Die Welt ist ein reicher, runder Planet, auf dem jeder seine Daseinsberechtigung hat. Die Raucher, die Dicken, die Unsportlichen, die Obdachlosen, die Ausländer, die Prolos, die Schlagerfans und die Briefmarkensammler. Kein Mensch hat einem anderen Menschen vorzuschreiben, wie er zu leben hat. Kein Mensch hat das Recht, verächtlich auf etwas hinzuhauen, was er nicht versteht oder nicht selbst erlebt hat. Kein Mensch hat das Recht, einem anderen vorzuschreiben, wie er zu sein hat.

Ich weiß, daß das alles ganz schrecklich naiv klingt und den Mief von Sozialromantik mit sich bringt, und ich weiß außerdem, daß ich meinen eigenen Gedankengang ad absurdum führe, wenn ich mich in einem Atemzug über Business-Schlämpchen und ihre Verehrer, Bobos, kalte Sozialdarwinisten, Indie-Faschisten, Gesundheitsfanatiker, Missionare und elitäre Arschlöcher aufrege und gleichzeitig leben und leben lassen postuliere. Egal. Mich kotzt sie nur einfach an, diese Arroganz, diese Überheblichkeit, mit der manche Zeitgenossen der Welt begegnen, als hätten sie sie persönlich erfunden und als würde sie ihnen persönlich gehören.

Ich glaube an die Kartenspieler
Und an meinen Vorstadtkinderinstinkt
Mehr als an die Regeln der Vorstandsvorsitzenden
Nachsitzender, der ich in der Schule war.

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Ein bißchen Toleranz täte uns allen gut, kann ich abschließend nur sagen.

Und jetz is wirklich gut.

[siehe auch… und so.]

to whom it may concern

Rein aus Gründen der Psychohygiene: Der Stinkefinger der Woche ergeht an - egal.

stinkefinger.jpg

*fauch*
Und jetz’ is auch schon wieder gut.

Novum!

Da ich seit einiger Zeit wieder Lust am Kochen verspüre, wird es an dieser Stelle (Kategorie: dieJulia kocht!) künftig das eine oder andere Lieblingsrezept zu lesen geben. Ich meine, ich bin ja serviceorientiert auch. ;)

Heute: So eine Art Nudelsalat, oder: Begegnung mit der dritten Art (ein Einstandsgeschenk quasi)

Ein Salat darf nie mit Nudeln sein postulierten seinerzeit Element of Crime, und da gebe ich ihnen grundsätzlich recht, weil mayonnaiseverklebte, kalte Teigwaren nicht dem entsprechen, was mich reizt. Dieser Nudelsalat ist nun aber anders - und ziemlich lecker. Er eignet sich hervorragend zur raschen Eindämmung heftiger Hungergefühle (geht schnell) oder zur raschen Bewirtung von Überraschungsgästen.

Ich habe (Anteil und Menge der Zutaten je nach Portionsbedürfnis und Geschmack veränderbar):

2 kleine Paradeiser (=Tomaten)
1 Paprika, grün
1/3 Salatgurke
1 Dose Thunfisch (ich nehme naturell, nicht den in Öl)
eventuell Mozzarella oder Schafkäse
1-2 Handvoll kleine Nudeln
2-3 Zehen Knoblauch
eine Handvoll Oliven (am liebsten schwarz und nicht entkernt)
Sambal Oelek
Tabasco-Sauce (und/oder sonstige scharfe Saucen, gern auch asiatisch)
Balsamico-Essig
Olivenöl (Walnuß-, Chili- oder ein sonstiges herzhaftes Gewürzöl geht natürlich auch)
Salz

So geht’s:

Nudelwasser (mit ordentlich Salz) zustellen. Gemüse waschen und in ca. 1×1 cm große Würfel schneiden. Wenn das Wasser kocht, müssen die Nudeln und die ungeschälten Knoblauchzehen in den Topf. Währenddessen am Gemüse weitersäbeln. Auch die Oliven kleinschneiden (ich mach das so, weil der Geschmack sich dann harmonischer ins Gesamtergebnis einfügt. Ist aber natürlich Ansichtssache, ob die ganz bleiben sollen oder nicht). Das alles kommt in eine große Schüssel und wird mit dem Thunfisch und - nach Belieben - dem ebenfalls kleingewürfelten Mozzarella oder Schafkäse vermischt und mit einem guten Schuß Balsamico, etwas Olivenöl, allerlei scharfem Zeug (Sambal Oelek, Chilisauce, was halt so im Haus ist), Salz und Tabasco abgeschmeckt. Wichtig: in dieser Phase darf das ruhig recht flüssig werden - die Nudeln sollen die Marinade ja schön aufsaugen.
Wenn die Nudeln al dente sind, mit kaltem Wasser abschrecken. Das ist wichtig, weil man dadurch den Garvorgang stoppt (bei warmer Pasta macht man das bitte nicht, gell…). Sie dürfen noch lauwarm aber nicht mehr heiß sein, wenn man sie zu den anderen Zutaten in die Schüssel gibt.
Die mitgekochten Knoblauchzehen zerdrückt man mit einer Gabel auf dem Schneidbrett und gibt sie zum Rest, der dann engagiert durchgerührt (eventuell nachwürzen…) und im Idealfall einige Zeit zugedeckt stehengelassen wird, damit er schön ziehen kann (während man als praktischer Mensch das Geschirr abwäscht und die Küche sauber macht, einen neuen Eintrag ins Blog stellt oder ein Buch liest).

Bewertung: absolut kinderleicht und schnell gemacht. Schmeckt auch am nächsten Tag noch lecker und gewinnt mit fortschreitendem Abend an geschmacklicher Qualität…
Empfohlener Soundtrack: Jovanotti/El Ombligo del Mundo und alles von Tito & Tarantula, aber auch italienische Opern oder die Fun Lovin’ Criminals.

Und so schaut das dann aus:

derNudelsalat

[Nudelsalat groß machen? Bild klicken!]