Oh Mann!

Nachdem ich heute einen wunderbaren Weckruf erhalten hatte, begab ich mich in die Küche, trank einen Kaffee und beschloß, meiner Wohnung die längst schon überfällige Mittelklassetiefenreinigung angedeihen zu lassen (die High-End-Variante inklusive Bücherregalabstauben und Altglas/Gerümpel entsorgen habe ich immer noch nicht über mich gebracht, aber das samstägliche Normalputzen schaut auch anders aus).
Nachdem das Werk schließlich getan war, war ich ein bißchen stolz auf mich und machte mich gleich noch an mein neuerdings durchaus regelmäßig (klopf auf Holz) durchgezogenes Wohnzimmerworkout, nahm eine Dusche und fand, daß der Tag bisher prima verlaufen war.
Anschließend - das war vor einer halben Stunde - schulterte ich fröhlich meinen Rucksack, warf meinen CD-Player an, sang laut mit Les Mc Cann mit und trabte die Treppe hinunter in Richtung Supermarkt.

Wo mir das Lachen abrupt verging, denn ich stand vor verschlossenen Türen, drinnen war alles dunkel und kein Mensch außer mir war auf der Straße zu sehen. Niemand kann sich vorstellen, in welchen Schockzustand mich das versetzte, und zwar nicht, weil ich meine Milch und mein Brot nicht auch am Westbahnhof kaufen kann, wo es ein Geschäft gibt, das auch sonn- und feiertags geöffnet hat.

Nein, ich zweifelte an meinem Verstand. Wo ist der Tag geblieben, der mir fehlt, kreischte es in meinem Gehirn. Bin ich verrückt geworden? Es kann doch noch nicht Sonntag sein! Äh, okay, beruhige dich, schaltete sich meine Ratio ein. Vielleicht haben die einfach die Öffnungszeiten geändert. Ich schaute auf das Schild, wo mich das vertraute “Samstag: 8-18h” anblinzelte. Die Ratio dachte kurz nach. Inventur, sagte sie lässig. Gehen wir halt zum nächsten Supermarkt.

Dort erwartete mich allerdings dasselbe Bild. Ein dunkles, verschlossenes Geschäft. Öffnungszeiten Samstag: 8-18h. Benommen und sehr verwirrt machte ich mich auf den Heimweg und nahm mir vor, mich nötigenfalls an eine einschlägige Hotline für psychiatrische Notfälle zu wenden, sollte es tatsächlich nicht Samstag sein, sondern schon Sonntag. In der Wohnung angekommen erreichte meine Verwirrung dann einen einsamen Höhepunkt, als ich den Rechner hochfuhr, meine Funkuhr anschaute und feststellen mußte, daß ja tatsächlich Samstag ist. Hatte ich etwas übersehen? Generalstreik in Österreich? Was, wieso und weshalb?

Erst der Blick auf den Kalender brachte mir dann schließlich die Erkenntnis in Form einer roten Ziffer, die mich einerseits beruhigt und andererseits ärgert…
… wieso hat mir eigentlich keiner gesagt, daß heute ein Feiertag ist?

So. Und jetzt fahre ich zum Westbahnhof. Milch und Brot kaufen…

11 Kommentare zu “Oh Mann!”


  1. 1 Kristof

    Heute ist Feiertag? Was denn für einer? Hier in Hessen konnte ich zum Glück einkaufen …

  2. 2 dieJulia

    Dreikönigstag.
    Und wo ich grad auf Wikipedia war: eine kleine Bauernregel (für Wintersportler wahrscheinlich eher nicht lustig, hähä):

    “Ist bis Dreikönig kein Winter, folgt keiner dahinter.”

    Juhu! :-)

  3. 3 Kristof

    Du willst mich provozieren, ich merk’s genau!

  4. 4 dieJulia

    ;-)

  5. 5 Popvatern

    Streikt die Stalldirn zu Drei-König
    regnet es im Juni wenig !
    (Wetterregel aus dem Allgäu)

    Traum einer Schlagersängerin:
    Was brachten die Drei Könige dem Christkind?
    Gold, Weihrauch und Wencke Myhrre !
    Das Christkind sagte dann wahrscheinlich:
    “Das paßt mir eh”

  6. 6 dieJulia

    Papa Artmann. Gefällt mir! :-)

  7. 7 Kataklysm

    ha, lustig. genauso ist es mir auch gegangen. ich wollte einkaufen gehen und sogar ein wenig shoppen, aber war dann nix.

    bin dann zum fr. josef bahnhof gefahren und dort waren so viele leute, dass der billa eine einlasssperre (mit türsteher!!!) gemacht hat. d.h. es wurde niemand (!) mehr hineingelassen, bis wieder eine kritische masse draußen war. sowas hab ich noch nicht erlebt.

    gewundert hat mich, dass die leute darüber eigentlich alle mehr amüsiert waren (vermutlich überall der gelcihe gedanke: “wieso habe ich nicht gewußt, dass heute feiertag ist”), als verärgert.

    aja, gutes neues dirJulia

  8. 8 Etosha

    Hier sind noch zwei, die beim Magnet-Markt (mit bereits gelöstem Wagerl! :) vor verschlossenen Schiebetüren standen. Du hast sehr treffend auf den Punkt gebracht, was einem da innerhalb dieser paar Sekunden alles durch den Kopf schießt.
    Wir waren dann beim Flughafen-Billa, der holde Mann hat sich dort durch die Menschenlawinen gekämpft und das Wichtigste erjagt, das uns gefehlt hatte: Hundefutter.

  9. 9 dieJulia

    ;-))

  10. 10 Pathologe

    Feiertag? Welcher Feiertag? Seit ich genau 1,3km hinter der Grenze zum benachbarten Bundesland wohne, erkenne ich den Feiertag, den ich nicht mehr habe, nur noch an den Autoschlangen, die in unser Dorf kriechen. Zum Einkaufen, weil es gibt ja nichts mehr…

    Feiertag hatte ich erst am 28. übrigens…
    ;-)

  11. 11 dieJulia

    Jö, Herr Pathologe…
    ich hab’s natürlich wieder einmal zu spät gecheckt. Schande über mein Haupt…

    (und noch einmal: herzlichen Glückwunsch!)

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