Offengestanden bin ich, was Musik anbelangt, eine äußerst sture und missionsresistente Person. Es gibt nur wenige Menschen, von denen ich Empfehlungen annehme, weil mich ihr Geschmack interessiert. Vor allem habe ich gegen alles, was sich in das so zerschlissene wie hippe Mäntelchen Indie oder von mir aus Alternative hüllt, gröbste Vorurteile. Musik mit Hornbrille, das, was in Österreich “FM4-Musik” genannt wird, Musik, die sich Leute anhören, um sich vom – in ihren Augen – indiskutablen Rest der Menschheit abzuheben, nicht weil sie ihnen gefällt; “Ich bin so anders als ihr”-Musik verursacht mir Sodbrennen und ärgste Verachtungstendenzen, die sich gegen das dumpfbackige Zielpublikum richten.
Unter anderem aus diesem Grund beißt man bei mir ganz offengestanden generell auf Granit, wenn man mich mit selbst zusammengestellten Samplern zu beglücken versucht. Ich fürchte geschmackliche Peinlichkeiten genauso wie missionierendes Hervorkramen angeblicher Kostbarkeiten und gebe solchen Geschenken nur in sehr schwachen Momenten eine Chance – um mich anschließend innerlich darüber lustig zu machen und das Ding schnell in die Rundablage zu befördern. So bin ich halt nun einmal.
Heute kam ein Päckchen. Luftpost. Mit einem kurzen, herzlichen Brief und einer selbstgebrannten CD.
Dieses Mal war ich ausgesprochen neugierig, wenngleich durchaus mißtrauisch, wie ich gestehen muß, und so fand sie, kaum daß ich mir den Mantel ausgezogen hatte, den Weg in den CD-Player, der sie zunächst nicht spielen wollte. Nach langem guten Zureden (und der einen oder anderen Drohung, ihn aus dem Fenster zu werfen) hat er sie schließlich doch noch angenommen.
Und da sitze ich jetzt und höre Perlen und bin wirklich berührt. Kriegt einen Ehrenplatz in meiner Sammlung, die CD…
Sehr schön, das freut. Und rutscht gut hinüber !
Fast wäre mir ein “Juchu, Mission erfolgreich” aus den Tasten gepurzelt. Aber um musikalische Mission ging es ja auch gar nicht. Auch wenn ich mich musikalisch eher der Indie-Ecke zurechne (wobei ich von geschmacklichen Scheuklappen mal so gar nix halte und mein CD-Regal ein riesiges (wenn auch bewusstes) Stilkuddelmuddel beherbergt), so bin ich niemand, der anderen seine musikalische Meinung aufdrücken will oder seinen Geschmack über andere erhebt. Umso mehr freut mich, dass Dir die Scheibe Spaß macht. Sehr schön.