Gott würfelt nicht?
Die Fallen sind gewürfelt, aber Wölfin, die ich bin, überlege ich mir dennoch mit keiner Faser, mir ein Bein abzubeißen, um mich zu retten. Eher verwandle ich mich in ein Lamm. Ich. Ich!
Etwas passiert mit mir dieser Tage, mitten im sonst so nicht gemochten Winter. Ich schaue in den Spiegel und stelle ein neues Lächeln an mir fest. Ich bin auf dem Weg irgendwo hin und fühle plötzlich, wie ich aufrechter und freier gehe als je zuvor.
Sehnsucht. Ich sitze hier fest in der göttlichen Sackgasse und bleibe ruhig dabei, was mich über alle Maßen wundert. Die Ungeduld lächelt mich traurig an und murmelt ein leises Adieu, steigt aus und diffundiert in eine verrückte Nacht. Die Plejaden fallen mir ein. Das Siebengestirn, benannt nach den sieben Töchtern des Atlas und der Pleione, von Zeus an den Himmel versetzt… sagen die Poeten. Ein offener Sternhaufen, mit freiem Auge gerade noch erkennbar als Miniversion des Großen Wagens, so die realistische Version. Und jetzt kommt der Clou: Du siehst diesen Sternhaufen ausschließlich dann, wenn du bewußt daran vorbeischaust. Falls du versuchst, ihn anzustarren, entzieht er sich deiner Blicke und existiert einfach nicht.
Die Schritte der Ungeduld sind längst verhallt. Stille jetzt. Und Sehnsucht, die alles einnehmende Sehnsucht. Die Wölfin starrt auf ihr Bein, das in dieser liebgewordenen Falle steckt. Sie fühlt keinen Schmerz, sie denkt eine Sekunde lang rational und erwägt es abzubeißen, um auf allen dreien davonzuhumpeln in ihre gewohnte Welt. Aber eine gütige Nacht läßt sachte ihre Schleier fallen, der Mond da oben geht auf wie ein kosmischer Luftballon, und dann ist da nur mehr die Sehnsucht, die still und anmutig in die Knie geht, um der Wölfin den Kopf zu streicheln. Die läßt sich diese unfaßbare Mischung aus Schmerz und Glück gefallen, weil sie nicht anders kann. Und wer könnte anders an dieser Stelle?
Three thousand five hundred miles away
But what would you change if you could
Ein neuer Regen zieht auf, und er kommt von dort, wo sich in ein paar Stunden, Tagen, Wochen ein prächtiger Sonnenaufgang heraufschieben wird. Die Sehnsucht wird zu einem neuen Gott, ein neuer Regen weint mein Gesicht naß und bringt die Farben wieder, die ich so lange vermißt habe, Türen fliegen auf, die Wahrheit hat ihren Auftritt über den Tafelbergen der gewohnten Gänge. Das ist alles Euphorie. Eudämonie. Ein Ankommen. Zweifellos.
Gott würfelt nicht.
unfassbar schön…während man liest, kann man sich richtig den Ausdruck auf Ihrem Gesicht vorstellen, während Sie das geschrieben haben, werte Frau Julia…und ich musste wieder mal an den wunderbaren Film mit Cher denken, auch dafür danke.
wow! diese buchstabenkombintion ist eine wucht, ich kann mich kaum einkriegen (sie wissen, was ich meine..)…
nein, gott würfelt nicht…
und ich bin sogar zu blöd, um zu kommentieren… denken sie sich bitte das fehlende “a” dazu…
… aber für eine Partie Black Jack ist er immer zu haben.
Frau Klappaltar: ich sage dankeschön…
Ad: ja, das weiß ich.
mq: Gott als Croupier… was für ein Bild. Dem Verstecken spielen, Schiffe versenken und Mensch ärgere dich nicht ist er aber wahrscheinlich auch nicht abgeneigt, wenn man so drüber nachdenkt.
Genau. … und auch mit Killergames lenkt er sich gerne von seiner Verantwortung ab. Aber die werden bald verboten, weil sonst alle Jugendlichen Mörder werden.
Ja, wunderbar! Verbieten! Ich bin ja auch so eine potentiell voll gefährliche Person, wenn ich nach dem Spielende von ‘Civilization’ (das einzige Computerspiel, das ich je gespielt habe und noch immer mit größter Begeisterung spielen kann) manchmal noch ein bißchen weiterregiere, Atombomben auf verfeindete Zivilisationen werfe und ihre Städte erobere. Ich habe Kill Bill I+II und Sin City im Kino gesehen, und Natural Born Killers auch. Ich hab ein großes Messer in meiner Küche und eine Schere in meiner Schreibtischlade. Außerdem hab ich ein paar voll arge Bücher gelesen, unter anderem “Der Sterne Tennisbälle” von Stephen Fry. Als Jugendliche konnte ich gut mit Dartpfeilen umgehen, und auf leere Bohnendosen hab ich auch schon geschossen. Meine Lieblingsfarbe ist schwarz und ein Webtagebuch führe ich auch.
Kommt mich jetzt vielleicht wer abholen und vorsorglich einsperren, so zum Schutz der Gesellschaft?
ich…
Meine Sitten sind verlottert
Mein Weltbild ist verdreht
Und schmutzig meine Phantasie
Bin schuldig groben Unfugs
Der Völlerei
Und gut zu Tieren war ich nie*
Erklär mir meine Rechte
Sperr mich ein
Ich will von dir verhaftet sein (Element of Crime/”Sperr mich ein”)
*trifft allerdings definitiv nicht auf mich zu…
Ich habe schon die Behörden informiert :o)
Bisher dachte ich, alle Nutzer des Internet seien harmlos.