Schluß mit Kitsch-Content!

Hier geht’s jetzt erst einmal wieder garstig weiter. ;) Aber nicht, weil ich so gelaunt wäre (abgesehen davon, daß meine schlaflosigkeitsgepeinigten Augäpfel sich anfühlen, als wären sie mit Sandpapier bearbeitet worden und ich müd bis auf die Knochen bin), sondern weil ich wieder einmal meine verehrte Juli Zeh lese und ja jederzeit gern meine Begeisterung teile.

“Wir sind der banalen und kleinkrämerischen Reglementierungen müde, die uns bei Strafe zwingen, ein Licht an unser Fahrrad zu schrauben, mit dem Rauchen bis zum sechzehnten Lebensjahr zu warten und unsere Autos für zwei Euro pro Stunde in ein Kästchen zu stellen, das irgendjemand feinsäuberlich auf den Boden gemalt hat, während wenige Flugstunden entfernt ganze Welten verbrennen, vertrocknen, ersaufen, explodieren, verbluten. (…) Ich breche keine Lanze für die Anarchie. Ich schildere Ihnen nur die spezielle Müdigkeit, die jeden befällt, der sich anhören muß, was gut und böse, richtig und falsch sei, obwohl niemand mehr die Grundlagen dieser Unterscheidung zu erklären oder auch nur zu benennen vermag. Moral dient der Herbeiführung von Berechenbarkeit. Der Mensch ist, ich wiederhole es noch einmal, am berechenbarsten, wenn er pragmatisch handelt. Wenn er spielt.”

[Auszug aus Adas Plädoyer in Spieltrieb]

3 Kommentare zu “Schluß mit Kitsch-Content!”


  1. 1 madame murkel

    spieltrieb, ein wunderbares buch. ich muß mal wieder lesen. fange heut abend an, glaub ich. ja.

  2. 2 dieJulia

    Endlich einmal jemand, der es kennt und toll findet! Ich freu mich, Madame…

  3. 3 Popvatern

    Zu den bananlen und kleinkrämerischen Reglementierungen fällt mir gerade die gestrige Nachrichtensendung ein, wo ich mit fassungslosem Erstaunen hören mußte, daß wir jetzt das Autobahnpickerl ja richtig picken müssen,
    links oberer Rand, oder höchstens hinter dem Innenspiegel, oder so was. Eventuell mit der Wasserwaage ausrichten !
    Nein gell, das ist schon wichtig, sonst setzt es 120 EURO (hundertzwanzig EURO) Strafe. Ich kann mir den erfinderischen “Hofrat” in seiner Tintenburg so richtig vorstellen, wie er mit seiner säuerlichen Spießbürgerlichkeit diese wichtige Verordnung “verordnet” ! Ich glaube kaum, daß sich irgendwer das blöde Pickerl unter den Kotflügel kleistert!
    Und das schreckliche: solcherart Verordungen gibt es unglaublich viele. Aber was erzähle ich da. Franz Kafka läßt grüßen.

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