"... Wir dachten, wir rufen dich mal kurz an..."
Oh Popvatern!
Weißt du eigentlich, wie kurz vor dem Überschnappen ich war? Tu mir das nie, nie, nie wieder an!
Mensch... Eltern! Ich sags euch...
Und jetzt geh ich auf ein bis drei Biere.
"... Wir dachten, wir rufen dich mal kurz an..."
Oh Popvatern!
Weißt du eigentlich, wie kurz vor dem Überschnappen ich war? Tu mir das nie, nie, nie wieder an!
Mensch... Eltern! Ich sags euch...
Und jetzt geh ich auf ein bis drei Biere.
Es ist viele Jahre her, da habe ich die erste Ohrfeige meines Lebens kassiert.
Das war, als ich noch zur Volksschule ging. Ich hatte damals eine Klassenkameradin, Susanne hieß sie, mit der ich manchmal ein gemeinsames Stück des Schulwegs zurücklegte. Meine beste Freundin war sie nie so recht, aber an einem dieser Tage erzählte sie mir, daß ihre große Schwester einen Hasen bekommen hätte, den ich mir anschauen könnte, wenn ich wollte. Ich dürfte ihn auch gerne streicheln. Und wie ich wollte! Der restliche Tag verging ungefähr so langsam wie sonst nur die Woche vor Weihnachten, und als wir schließlich vor dem Hasenkäfig ganz hinten im großen Garten von Susannes Eltern standen, war ich ungefähr so begeistert, als hätte ich gerade eine neue Spezies entdeckt. Der Hase war wohl ein besonders gutmütiges Exemplar, er ließ sich von vier Kinderhänden geduldig das Fell und die langen Ohren streicheln und mit Karotten und altem Brot füttern. Die Zeit spielte plötzlich überhaupt keine Rolle mehr. Ich kann nicht sagen, wie lange wir mit Meister Lampe spielten, ich weiß nur, daß plötzlich Susannes Mutter auftauchte und mich fragte, ob meine Mutter denn Bescheid wissen würde, wo ich sei. Ich log eifrig "Ja", und Susannes Mutter brachte Limonade und Kekse. Vielleicht war eine Stunde vergangen, vielleicht waren es zwei, als meine Mum um die Ecke bog, mit einem Gesichtsausdruck kurz vor der Auflösung, den ich noch nie an ihr gesehen hatte und der mir schlagartig klar machte, daß ich Scheiß gebaut hatte. Ich glaube mich zu erinnern, daß sie irgendwas in die Richtung "Mein Gott, da bist du ja" keuchte, mich sehr fest an der Hand nahm und mich mit einem knappen "Wir müssen jetzt gehen" von Susanne und dem Hasen wegzog. Ihre folgenden Worte waren klar, eindeutig und verständlich. Sie sei vor Sorge um mich fast gestorben, und ich dürfe das nie, nie, nie wieder tun. Kurz bevor wir daheim waren, hab ich dann besagte Ohrfeige gekriegt, und dann hat sie geweint, wohl weil die Anspannung nachließ und weil es ihr das Herz brach, die Hand gegen ihr Kind erhoben zu haben, und das alles war mir eine Lehre. Für den Rest meines Lebens.
Rot ist die interessanteste Farbe, die ich kenne, aber ich will jetzt nicht über Rot als Farbe, sondern über Rot als Empfindung sprechen.
Wenn ich krank vor Angst bin, wenn ich mich unendlich hilflos fühle, empfinde ich Rot. Ich weiß nicht, ob ich das jemandem erklären kann, der das nicht selber kennt; ich habe einmal gelesen, daß sich das Phänomen Synästhesie nennt, und daß es nicht so oft vorkommt. Genauso wie ich Farben und Muster sehe, wenn ich bestimmte Musik höre, gibt es Situationen in meinem Leben, in denen ich dieses Rot empfinde. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das sich nicht auf der optischen Ebene abspielt, sondern das gesamte Denken und Fühlen betrifft. Ich habe dafür keine Erklärung. Diese Worte sind, wenn ich sie schreibe, rot. Jede Musik, die ich jetzt hören würde, wäre rot. Jede Stimme, jede Handlung, jedes Ereignis, jede Berührung, jeder Geruch, jeder Sinnesreiz, jeder Gedanke: rot. Wenn ich die Augen schließe, ist es besonders stark, dann tritt diese Empfindung an die Stelle des Dunkels, das da sonst ist.
Ich bin, um auf den Anfang meiner Geschichte zurückzukommen, in diesem Moment krank vor Angst um zwei Leute, die mir näher stehen als jeder andere Mensch auf dieser Welt. Diese beiden Leute sind gestern gegen Mittag in den Urlaub aufgebrochen, und es war ausgemacht, daß sie sich bei mir melden, wenn sie angekommen sind, so, wie es bei uns Brauch ist. Ich bin gestern mit einem flauen Gefühl zu Bett gegangen, weil der Anruf ausblieb, und heute bin ich aus wirren Träumen hochgeschreckt und hab meine Telefone inspiziert, unnötigerweise Mailboxen abgehört, immer wieder eine Handynummer gewählt und immer wieder eine gutgelaunte Ansage gehört "... derzeit nicht erreichbar ...". Ich habe mit anderen Leuten telefoniert, die auch keine Information hatten, ich habe den halben Tag im Internet nach Informationen gesucht, in welcher Unterkunft sie sein könnten, ich habe schließlich meine Suche stark eingegrenzt und am Abend in einer Pension angerufen, es ging keiner ans Telefon. Ich habe wieder und wieder mit verkrampftem Magen die Chronikressorts der österreichischen Medien nach besonders schlimmen Autounfällen abgesucht. Nichts. Im Moment halte ich mich mit der Theorie über Wasser, daß die beiden Leute da, wo sie sind, keinen Empfang haben. Ich versuche die Bilder von einem Autowrack zu verdrängen, das völlig demoliert in einem einsamen Bachbett liegt. Ich versuche mich an den Gedanken zu klammern, daß mich längst jemand angerufen hätte, wenn das Schlimmste passiert wäre. Die Polizei. Jemand in einem Krankenhaus. Ich versuche gerade nicht durchzudrehen in meiner beinah unerträglichen Hilflosigkeit und tippe rote Worte in ein rotes Universum an einen roten Gott.
Ich bin die nächste Angehörige. Die beiden Leute sind meine Eltern. Und meine erste Ohrfeige, die finde ich in diesem Moment so sinnvoll, daß ich sie im Affekt mit einem weinenden "Weißt du noch?" sehr gern zurückgeben würde.
I can live without a finger
I can live without a toe
But the head is necessary
[The Nits | J.O.S. Days]

[Kopfschmerz.jpg | Gunkl]
Ich schau da drauf (wie immer, wenn ich fotografiert werde) ein bißchen bescheuert aus, aber ich hab's gerade gefunden. Und ich liebe es.

Und das hier sowieso. :-)

Ich sezierte heute mit erschreckend ruhigem Händchen ungeniert (und das, obwohl mein Feingefühl mich da für normal abrupt schaumbremst) Befindlichkeiten und Zustände von einem, der mir sehr nahesteht. Und jetzt führe ich mein exaktes Werk fort und mache mich an mich selbst, als wäre ich nicht beteiligt oder sediert (was ich nach zweieinhalb Bieren wohl trotzdem irgendwie bin). Weder fließt Blut, noch tut es weh. Aber interessant, was man diagnostizierend so alles zu Tage fördert. Das Seelenendoskop ist schrecklich genau und von merkwürdig präziser Hand gelenkt, obwohl Doktor und Patient in Personalunion auftreten in diesem Lustspiel, in diesem Dramolett, in diesem Schmierentheater. Bin ich jetzt mehr die, die akribisch mit dem Skalpell agiert, oder bin ich die, die wächsern und hilflos unten liegt? Ich weiß es nicht.
Schwebezustand. Ich bin tausend Schwebeteilchen. Ich diffundiere.
Frosch- und Vogelperspektive verschmelzen, die Zeit steht still, die Kröte feixt die Schwalbe an, und die feixt zurück und wirft sich lachend in die Lüfte.
Überhaupt: Was kümmert es die Sonne, wenn das Schwein sie angrunzt?
Egotrip deluxe.
Spieltrieb. Das ist ein Spiel. Und alle Würfel stehn auf Sechs.
the world is just a game. Man gewinnt, man verliert. Also: na und?
Und morgen wird der Kater die Schwalbe fressen, ich ahne es schon. :)
... fragt man sich manchmal, so ganz aus dem Nichts, was eigentlich geworden wäre, wenn man zum Beispiel bei diesem einen Telefonat nicht so erschrocken und laut und deplaziert gelacht hätte, weil man aus lauter Verwirrung und im Schock sonst nichts auf Lager hatte.
Wo man denn so wäre mit sich selber, wenn man zum Beispiel die Tür nicht aufgemacht hätte im entscheidenden Moment, den man aber natürlich nicht als solchen erkannte.
Man fragt sich, ob dies oder jenes gut war oder schlecht. Und ob es jetzt gut ist oder schlecht. Man weiß sich keine richtige Antwort, weil man nicht richtig spürt, wie es sich eigentlich anfühlt, das alles. Die Eindrücke überlagern sich. Man ist wie in Watte gepackt. Alles ist gut, mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Aber die Wahrheit ist ein Biest. Kratzt mit langen Fingernägeln immer wieder über dieselbe Stelle, bis es unangenehm wird und irgendwann echt lästig und später so richtig schmerzhaft, und sie ist so ungreifbar wie die gewitzte Gelse im Schlafzimmer. Ohne daß man auch nur den Hauch einer Chance hätte, sie zu erwischen. Ihr Summen hält einen wach, und man hat überhaupt keine Lust drauf, daß sie einen kriegt, weil das juckt. Vielleicht an einer Stelle, an der man sich nicht kratzen kann. Und weil es dann mit Sicherheit weh tut, später. Erschlagen? Ist nicht drin. Sie hat die Oberhand.
Man passiert manchmal so seine Meilensteine, ohne sie auch nur ansatzweise zu erkennen. Die wichtigen sind in Wirklichkeit immer total unscheinbar. Und später, wenn man irgendwann zur Ruhe kommt und ein bißchen Rückschau hält, ungewollt, so ganz aus dem Nichts, verschlägt es einem schier den Atem angesichts der Faktenlage. Mit welcher Lässigkeit man sich da für einen Weg entschieden hat. Und welchen Wahnsinn man manchmal ganz spontan in Kauf nimmt, ohne überhaupt zu ahnen, was auf einen zukommt. Man schlägt nach einem summenden Biest. Ein bißchen wütend, vielleicht auf sich selbst. Man erwischt es nicht. Wie auch?
Und dann dominiert manchmal sowas wie Arroganz.
Die Tatsachen stieren einem böse ins Gesicht, und man hat dafür nur das Hochziehen einer Augenbraue übrig. Na und? Laß mich doch in Ruhe mit der Wahrheit, Wahrheit.
Aber man kann sich in aller Arroganz doch nicht wehren. Manche Dinge hinterlassen einfach ihre Spuren. Und manchmal sind die echt tief und werden, wenn es heiß wird, eine perfekte Brutstätte für Gelsen, die stechen wollen. Autsch.
Ich fische im Trüben, also sollte ich mich nicht über das beschweren, was an meiner Angel zappelt. "Wirf den Fisch zurück ins Wasser", brummelt Großvater gutmütig. "Der schmeckt nicht".
White noise
Living compromised
Sounds of the wells running dry
Opposites beneath a common sky
Signs that you followed
Begged, stole or borrowed
Won’t make a difference when you’re gone*
Erbettelt, gestohlen oder geborgt. Nullsummenspiel.
Won't make a difference when you're gone. Etwas war nie richtig da, und jetzt ist es weg. Warum also jammern?
Und dann packst du den ganzen Kram in eine große Kiste. Vielleicht wirst du die wieder einmal hervorholen, beim nächsten Frühjahrssputz. Vielleicht auch nicht. Prognosen kannst du gerade überhaupt nicht ausstehen, das einzig Zumutbare ist der Wetterbericht, und der ist gar nicht so schlecht für die nächsten Tage.
Und du schiebst die Kiste mit dem Kram energisch in eine Ecke, die dich nicht weiter interessiert. Du hast deine Schlüsse gezogen. Irgendwann wird irgendwas gehen, auf deiner Augenhöhe. Und kommen. Und bleiben.
Ich muß dieser Tage die ganze Zeit an Uma denken, wie sie im zweiten Teil von "Kill Bill" wieder und wieder und wieder gegen das unerbittliche Holz einhaut, bis die Haut in Fetzen hängt, und wie es irgendwie Sinn hat, daß das weh tut, wenn auch erst viel später. Wirklich, dieses Szenen hab ich dauernd im Hirn, wenn ich mit der Straßenbahn fahre, wenn ich durch die Stadt renne, wenn ich an der Supermarktkasse stehe, wenn ich wasweißdennich tue.
Ist alles nichts, nicht?
Gelassenheit setzt manchmal voraus, daß es geblutet hat vorher.
Großvater macht leise Mädel, Mädel...
Ich schenke ihm ein schräges Grinsen und mache mich an der Angel zu schaffen. Gelassen, irgendwie.
Und das fällt jetzt wahrscheinlich unter blog like nobody's reading, aber so halte ich es nun einmal in meinem virtuellen Wohnzimmer. Trotzdem sagen, was ich spüre. Trotzen. Trotzig.
In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine? Sie wissen was ich meine? Sei dahingestellt.
In der Nacht sind alle Katzen grau? Nein. Das hat jemand gesagt, der überhaupt nichts am Hut hat mit der Genauigkeit. Die aber wichtig ist. Weil Schärfe. Und Sättigung. Und Tiefen und Lichter und Mitteltöne. Und Tonwertkorrektur sowieso.
In der Nacht lebt es auf. In der Nacht wird es durchaus bunt, man muß das nur sehen können. Rede ich Mist?
Vielleicht.
Vielleicht nicht.
Im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte bin ich sowieso nie gewesen. Eher besitzen die mich, und die lassen mich an der langen Leine laufen, tja. Got a long enough leash, I could almost hang myself. It's a dog's life loving you baby, when you love someone else. Wuff.
Der Moment, in dem die Nacht in den Tag übergeht, der interessiert mich. Dieser wirklich monochrome Moment. Genau der. Wo alle Farben nur mehr via Erinnerung abzurufen sind, was nahezu unmöglich unterdrückbar ist, und das ist der Clou. Versucht das mal. Visuelles Chaos. Das ist der faszinierendste Moment, dem ich nachhetze, seit ich denken kann. Ich werde ihn heute nimmer erleben, aber ich hoffe, ihm bei Gelegenheit abpassen zu können. Wieder einmal. Weil ich ihn kenne. Diesen Moment, in dem alles ohne Farbe ist. Graustufen. Jede Farbinformation obsolet. Irgendwann um Vier, wenn die Vögel zu zwitschern beginnen. Das ist der genialste Moment, den es gibt.
Versteht mich wer?
Rede ich Mist?
Egal.
Ist mein Wohnzimmer hier. Schräglagenlastig im Moment.
Gut' Nacht. Und viel Glück.
"Während du schläfst, Bruder, lerne ich neue Wörter ... Zum Beispiel: kontaminieren." (Christa Wolf, Störfall)
Ich war noch ein Kind am 26. April 1986, ich war knappe elf Jahre, und ich weiß noch gut, daß ich trotz herrlichsten Wetters (in diesen Breiten ungewöhnlich für die Jahreszeit) längere Zeit dazu angehalten war, nur soviel Zeit wie nötig draußen zu verbringen, als die Meldung die Runde machte. Sprich: Schulweg und aus. Ich hatte Angst und fühlte mich eingesperrt. Ich kann mich an das Häufchen Grün-Alternativer erinnern, die in meinem verschlafenen Heimatort mit einem spukig-knarrenden Geigerzähler herumliefen und aufgeregt diskutierten. An Haustüren klopften und warnten. An die Schleuse, die meine Mum hinter der Haustüre errichtet hatte. Es war lästig, damals. Zuerst war es der Staub, der gefährlich war, dann der Regen. Mich nervte das ganze, gleichzeitig war es für das Kind auch aufregend, daß plötzlich etwas Großes im Gange war und permanent die Nachrichten liefen. Ich erinnere mich, daß meine Mum dem Bauern, der uns belieferte, keine frische Milch mehr abkaufte. Wie sie mir einmal panisch die Finger von den Blättern der jungen Nachbarhecke wegriß. Und wie meine um Jahre ältere Cousine im ersten warmen Mairegen tanzte, den Kopf in den Nacken legte und "das ist der Atomregen, das ist der Atomregen" rief; eine surreale Szene.
Das Salzkammergut zählte im Frühjahr 1986 zu den am meisten verstrahlten Regionen Westeuropas, deshalb war der GAU bei uns ein Riesenthema. So weit wir auch von der wirklichen Katastrophe weg waren. Vielleicht erinnere ich mich (und mich gruselt's!) deshalb so gut an Tschernobyl. Sonst noch wer?
Da kämpfe ich den ganzen Tag schon mit einem Rudel wildgewordener Gedanken, die wie unternehmungslustige Wölfe an ihrer Leine zerren. Sie wollen, ein unbändiger, eigenständiger Organismus mit klaren Augen und witternden Schnauzen, in die verbotene Zone, und ich habe meine liebe Not, sie zu bändigen. Bitte nicht dorthin. Wir wollen hübsch auf unserem Weg bleiben und nicht in die abgründige Tiefe dieses erschreckenden Dickichts schlittern. Ich jedenfalls will das nicht. Denn da würdet ihr, liebe Gedanken, euch nur in euren Leinen verheddern, und ich säße dann da auf meinem zerbrochenen Vehikel, Marke Jetzt, und wäre eine fleischgewordene Havarie in einem fremden Dschungel, auf einem absurden Planeten, in einer glutdurchhitzten Wüste, und ihr würdet mir in alle Richtungen davonlaufen und durch das Unterholz hetzen, über Dünen, durch fahle Sümpfe, auf der Jagd nach der einen oder anderen scheuen Sensation, dem einen oder anderen fetten, kleinen Selbstbetrug, den ihr mit einem unerbittlichen Prankenschlag erlegen würdet, um euch an seinem flehentlichen Überlebensinstinkt zu weiden, ehe ihr ihn in säuberlicher Mordslust schlachtet. Wölfe seid ihr, Wölfe, die ich kaum zu zähmen weiß. Wölfe, die ich mir nicht ausgesucht habe, Wölfe, die mir gehören. Wildpferde seid ihr, aber ich weigere mich, die Zügel aus der Hand zu geben und mich abwerfen zu lassen. Und so wende ich alle Kraft auf, und niemals würde ich zugeben, daß ich langsam müde werde am Ende eines langen Tages. Legt euch schlafen, Gedanken, denn seht, da kommt schon die Nacht angeraschelt, in blauen Gewändern, einen zitternden Stern auf ihrer blassen Stirn. Laßt mich für einen Moment ausruhen und das weiße Rauschen kosten, die Stille. Ich befehle euch: habt Gnade! Ich will und werde euch nicht folgen, will und werde mich nicht erinnern, will und werde nicht nachdenken oder euch hinterher stolpern in die schreckliche Steppe des Sehnens, die fürchterliche Ödnis des Sehens, die tödliche Bergkette der Vernunft. Und es ist mein Wille, der siegen wird!
Bedenkt, Gedanken.
Ohne mich seid ihr nichts! Also legt euch nieder, das Fell gesträubt, die Nase zitternd im lauen Nachtwind, die Tatzen leise scharrend im Sand, der immer und ewig verweht. Meinetwegen. Aber laßt mich jetzt schlafen. Laßt mich an diesem sicheren Ort. Gebt endlich Ruhe.