„Verschnüren Sie ihn“, wies Julez Commander Kaydee an, während sie ihre Tasche unter der Konsole hervorzog, und warf ihm eine große Rolle Klebeband zu. „Ich kümmere mich inzwischen um die Sicherheitsvorkehrungen, wenn’s recht ist.“
„Mhm, verschnüren. Sagen Sie, Commander Julez, Sie sind sich aber schon dessen bewußt, daß ich über Vorgänge wie diesen hier grundsätzlich umgehend Meldung zu machen habe, oder?“ Er legte den Kopf schief und schaute ihr direkt in die Augen. „Speziesrechte, die United Planets, Amnesty Interplanetary und all der Kram, Sie wissen schon...“
The Cat kam langsam aus der Hocke hoch und erwiderte ruhig seinen Blick.
„Grundsätzlich, Commander, müßte ich Ihnen zustimmen. Aber dieser Fall“ sie zog eine Augenbraue hoch und steckte eine kleine Karte in das Lesegerät „ist ein wenig anders gelagert.“ Sofort quengelte der Bordcomputer los. „Sie haben keine Befugnis, Daten in das System zu lad“ – aber schon hatte sie mit ein paar Klicks die automatische Steuerung deaktiviert.
Commander Kaydee runzelte die Stirn und deutete mit dem Kinn auf die Steuereinheit. „Was...?“
„Ich sagte Ihnen doch: Sicherheitsvorkehrungen. Diese kleine Firewall wird künftig unter anderem verhindern, daß sich Leute wie Tomarctus ungefragt auf Ihr Schiff beamen können. Außerdem ist die Stealth-Funktion nicht zu verachten, wenn Sie mal ein bißchen ungestört sein wollen.“ Sie grinste breit. „Wenn Sie jetzt bitte Ihre Zugangsdaten eingeben und mit der Installation weitermachen wollen?“
Sie kam auf ihn zu und zuckte die Achseln. „Commander Kaydee, ich weiß, es ist schwer, jemandem zu vertrauen, den man erst seit einer dreiviertel Stunde kennt und der bisher nur Scherereien gemacht hat. Ich bitte Sie aber – tun Sie’s trotzdem. Ich bin von der guten Seite.“ Dann nahm sie ihm das Klebeband aus der Hand und machte sich daran, den reglosen Tomarctus selbst zu verpacken, während der Commander an der Konsole Platz nahm.
„Was die UP und die Canidianer betrifft: Nein. Diese Sache hier“, sie biß schnaubend das letztes Stück von der Rolle ab und betrachtete nachdenklich ihr Werk in Form des sorgfältig verschnürten canidianischen Anführers, der im Schlaf richtig friedlich wirkte, „geht nur die Canidianer und die Shebanianer was an. Ich darf Sie außerdem daran erinnern, daß unsere beiden Planeten nicht der UU angehören. Wollen Sie wirklich Bericht über eine kriegerische Auseinandersetzung zweier fremder Spezies auf der Brücke Ihres Schiffes erstatten?“
Commander Kaydee rieb sich die Schläfen. „Sie verlangen ziemlich viel von mir, wissen Sie? Diese Sache geht nämlich jetzt auch mich was an, und ich repräsentiere als Commander dieses Schiffs die Universal Union. Aber angesichts der erfreulichen Tatsache, daß ich in dieser Mission ziemliche Narrenfreiheit genieße und die Wahrscheinlichkeit einer unangemeldeten UUSA-Inspektion als äußerst gering erachte, verzichte ich auf eine Meldung an die Zentrale. Vorerst.“ Insgeheim grinste er. Meldung an die Zentrale, haha. Dieser Schwachfug war ihm immer schon schwer auf die Senkel gegangen, wenn er ehrlich war.
The Cat lächelte erfreut. „Vor allem möchte ich dann mit dem Subraumscan beginnen, Commander. Dauert nämlich seine Zeit, und Wurmlöcher sind nicht gerade sehr stabil, wie Sie wissen.“
„Tun Sie, was Sie tun müssen“, seufzte Kaydee und machte ihr Platz. „Ich gehe inzwischen Kaffee kochen.“
„Oh, eine fabelhafte Idee. Mit extraviel Milch, bitte.“ Sie steckte eine weitere Karte – den Subraumscanner – in das Lesegerät und begann mit der Installation.
Commander Kaydee stand in der Raumschiffsküche und suchte ohne Erfolg nach sauberen Kaffeebechern, während die Kaffeemaschine gurgelte. Letztere hatte er nebst 100 Kilogramm seines Lieblingsbohnenkaffees selbst mitgebracht, denn das belebende Heißgetränk war für ihn definitiv unverzichtbar. Er öffnete die Milchlade des Kühlschranks, der die gesamte Wand einnahm, und nahm eine Packung Milch heraus. Hoffentlich macht mir das Kätzchen nicht meine ganzen Vorräte alle, dachte er mit dem Anflug eines spitzbübischen Grinsens. Verdammt lang her, daß er einer Frau Kaffee serviert hatte... Ach ja, die Becher. Seufzend holte er zwei aus der Spüle und hielt sie nacheinander in den Ultrareinigungsnebel. Da konnte die Menschheit Raumschiffe wie dieses bauen und hatte noch immer das Problem des unkomfortablen Geschirrspülens nicht gelöst. Komische Welt. Der Kaffee war inzwischen fertig, und er stellte alles auf ein großes Tablett, um es auf die Brücke zu tragen.
Commander Julez staunte nicht schlecht. „Echter Kaffee? Ich faß es nicht!“
Er grinste sie freundlich an. „Na klar! Dieses Automatenzeug ist ja eine Beleidigung des guten Geschmacks...“
Sie schenkte ihm ein seliges Lächeln, als sie ihren Becher an die Lippen hob. „Mein Vater hat diese wunderbare Pflanze und die Technik, sie zu verarbeiten, nach Sheba gebracht. Ist ein ganz schön großer Wirtschaftszweig geworden...“ Sie setzten sich auf die Couch, die er in seiner ersten Woche im interstellaren Raum aus seiner Wohneinheit auf die Brücke geschafft hatte.
„Der Scan wird ungefähr 20 Minuten dauern“, erklärte Commander Julez und machte es sich bequem. „In der Zwischenzeit kann ich Ihnen ein bißchen von den Canidianern, den Shebanianern und den Wurmlöchern in diesem Sektor erzählen.“
Commander Kaydee lehnte sich zurück und wärmte sich die Hände an seinem Becher.
„Gute Idee,“ brummte er. „Ich bin ganz Ohr!“
[Fortsetzung folgt...]
Was bisher geschah:
Teil 1, Teil 2,
Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6. Oder gleich Kategorie: derWeltraumroman
Zur Feier des Tages (und weil dieAutorin es kaum erwarten kann, diesen Teil online zu stellen) gibts Teil 6 schon jetzt...
„Hüllenbruch auf Deck 10“, vermeldete die kühl-weibliche Stimme des Bordcomputers. „Ursache unbekannt. Manuelle Steuerung deaktiviert, Schadensbericht: Transportereinheit schwer beschädigt. Alle Schleusen dicht. Lebenserhaltungssysteme: intakt. Steuereinheit: intakt. Antriebskern: intakt“.
Commander Kaydee lag rücklings auf dem Boden und hatte sich mächtig den Kopf angestoßen. Commander Julez war mit einem Satz bei ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Commander Kaydee? Sind Sie verletzt?“
„Nee, geht schon. Was zum Kuckuck war das?“ Er richtete sich langsam auf und rieb sich den Hinterkopf.
„Jemand hat uns gerammt“, stellte sie trocken fest. „Und ich weiß auch schon, wer. Wir werden gleich Besuch bekommen, fürchte ich.“
„Was??“
„Ja. Das ist die Handschrift der Canidianer... Hinterrücks anfallen, Transportereinheit zerstören und entern. Das einzig Gute an der Sache: er kommt immer allein.“
Etwas knisterte im Raum. Violette Blitze krochen ungut zischelnd durch die aufgeladene Luft.
Commander Kaydee sprang auf die Beine und zog seine Waffe. Commander Julez nickte ihm grimmig zu.
„Ich erklär’s Ihnen später. Vertrauen Sie mir.“
Was blieb ihm auch anderes übrig?
Commander Julez steckte sich irgendwas in die Ohren und schob mit einem Fuß ihre Tasche unter die Steuerkonsole. „Es geht los, Kaydee. Wenn ich Sie gleich um einen seltsamen Gefallen bitte, tun Sie’s einfach, okay?“ Sie drückte ihm einen kleinen Gegenstand in die Hand, der aussah wie eine Pfeife. „Und tut mir leid wegen Ihrer Ohren... aber Sie werden’s überstehen.“
„Hä, Ohren?“, fragte er mit gerunzelter Stirn. „Ich hab mir bloß den Kopf gestoßen...“ Aber Commander Julez achtete nicht auf ihn.
Ein tiefer, anschwellender Ton, der direkt in sein Hirn fuhr und dort höllisch schmerzte, überlagerte plötzlich alles andere. Kaydee preßte vergeblich die Hände an seine Ohren und schnappte nach Luft. Er kam sich vor wie im Inneren eines riesigen Gongs und ging vor Schmerz fast zu Boden. Ein dünnes Rinnsal Blut bahnte sich seinen Weg von der Nase in Richtung Oberlippe. Er bemerkte es nicht einmal. „Aufhören!“, brüllte er, ohne seine eigene Stimme zu hören.
Dann brach der Ton unvermittelt ab, und in der Mitte des Raumes materialisierte eine Gestalt.
„Verdammt noch eins! Materialisation ohne Transportereinheit???“ knurrte der Commander mit einigem Respekt und kniff die Augen zusammen. Der fiese Schmerz in seinem Kopf verzog sich nur langsam. „Hundsbuam, miserablige!“
„Stimmt exakt,“ vermeldete Commander Julez mit dunkler Stimme. Sie stand dicht neben ihm, und ihr Körper war so angespannt, daß er die Energie, die durch sie raste, fast spüren konnte. „Hundsbuam, miserablige,“ wiederholte sie in perfektem Bayrisch.
„Hallo Tomarctus,“ zischte sie dem Hünen zu, der sich nun langsam aufrichtete – und er war, das mußte ihm der Neid lassen, mit Sicherheit einer der schönsten Männer, die das Universum je gesehen hatte. Sehnig, muskulös und nahezu zwei Meter groß. Markante Gesichtszüge. Grau meliertes Haar. Die hellblauesten Husky-Augen, die man sich vorstellen kann. Wie eine Statue stand er da und grinste wölfisch. Dabei entblößte er zwei ungemein beeindruckende Eckzähne.
„Ja wen haben wir denn da? Tststs, Kätzchen... Glaubst du wirklich, daß du mir so leicht davonkommst?“ Seine Stimme klang fast zärtlich, und er verschlang die vor Wut zitternde Julez mit den Augen.
„Exliebhaber?“ konnte sich Commander Kaydee nicht verkneifen zu fragen.
„Nein, Todfeind“, fauchte Julez. „Tomarctus, der Urvater aller Wolfsartigen, Oberbefehlshaber der Armee der Canidianer.“
„Miez, miez, miez“ machte Tomarctus sanft und kam, immer noch grinsend, geschmeidig einen Schritt näher. „Komm zu Papa und laß dich kraulen. Und vor allem – gib mir den Subraumscanner, Pussycat. Oder willst du dir’s unnötig schwer machen?“
„Den Teufel werd ich tun, du dummer Köter!“ Julez duckte sich fauchend. Ihre Augen sprühten Funken.
Tomarctus ließ ein tiefes Knurren hören, und sein Silberhaar stellte sich auf. „Du willst also spielen, Pussy... Soll mir recht sein!“ Er kam noch einen Schritt näher.
„Commander Kaydee“, flüsterte Commander Julez heiser. „Würden Sie die Güte haben, meinen Po anzufassen...? Und zwar genau... JETZT!“
Commander Kaydee verstand zwar die Welt nicht mehr, kam ihrer Bitte aber gern nach. Er legte eine Hand auf ihr exorbitant wohlgeformtes Gesäß und kniff es sanft.
Tomarctus runzelte fragend die Stirn und fletschte die Zähne.
„Ooooooooooooooooooh ja, das ist genau das, was ich brauche, um in Stimmung zu kommen, Kaydee. Machen Sie bloß weiter so“, raunte Commander Julez und schmiegte sich an ihn.
Er spürte, wie sich ihre Muskeln unter seinen Fingern spannten, und dann setzte sie mit einem definitiv unmenschlichen Kampfschrei zu einem Sprung quer durch den Raum an, landete mit beiden Beinen auf Tomarctus‘ Brust, der mit einem wütenden Heulen das Gleichgewicht verlor und stürzte, und verbiß sich mit bemerkenswerter Wucht in seiner Kehle.
Commander Kaydee hielt den Atem an und beobachtete die beiden Gestalten, die mit der animalischen Eleganz zweier äußerst gefährlicher Raubtiere miteinander rangen. Aus Commander Julez‘ Augen war alles Menschliche verschwunden, als sie von Tomarctus‘ Kehle abließ und mit blutverschmierten Lippen fauchend einen Satz nach hinten machte. Sie spuckte aus. Tomarctus stieß ein langgezogenes Heulen aus und kam zitternd auf die Beine. Sie umkreisten einander.
Er duckte sich bedrohlich, die Haare hochgestellt, und knurrte derart fürchterlich, daß Commander Kaydee das Blut in den Adern gefror. Jetzt war Tomarctus derjenige, der zum Sprung ansetzte.
„Die Pfeife! Kaydee! Pfeifen Sie!!!“, gelang es Commander Julez noch zu rufen, ehe sie sich vor schnappenden Reißzähnen wegduckte und unter Tomarctus zur Seite rollte.
Commander Kaydee hob das kleine Ding zu den Lippen und pfiff aus Leibeskräften, ohne auch nur den Hauch eines Tons zu erzeugen. Beziehungsweise keinen, den das menschliche Gehör wahrzunehmen imstande gewesen wäre.
Nun fiel Tomarctus die undankbare Rolle zu, die Hände an die Ohren zu reißen und sich verzweifelt keuchend am Boden zu krümmen. Er ... winselte!
Sofort war Commander Julez über ihm und rammte ihm mit aller Kraft etwas in den Oberschenkel. „So, du Höllenhund. Zeit zum Schlafengehen!“ Er japste überrascht auf, versuchte noch einmal, die Zähne zu fletschen, dann fiel sein schöner Kopf zur Seite. Commander Julez zog die dünne Spritze aus seinem Bein und warf sie achtlos auf den Boden. „Damit bändigt man bei uns zuhause randalierende Riesenratten“, grinste sie grimmig und schüttelte sich das Haar aus dem Gesicht.
Commander Kaydee ließ langsam die Pfeife sinken und setzte sich etwas benommen hin.
„Echt praktisch, so eine Hundepfeife. Sie haben in allen Belangen gute Arbeit geleistet, Kaydee!“, stellte Commander Julez leicht außer Atem fest und zwinkerte ihm schelmisch zu. „Dann wollen wir diesen Köter mal an die Leine legen, nicht wahr?“
[Fortsetzung folgt...]
Was bisher geschah:
Teil 1, Teil 2,
Teil 3, Teil 4, Teil 5.
„Mensch, Commander Kaydee, das ist ja 'n Ding!“
Lieutenant Julez starrte mit großen Augen wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum auf das wabernde Wurmloch da draußen und ließ langsam ihre Tasche zu Boden gleiten.
Commander Kaydee hatte sich in der Zwischenzeit wieder halbwegs gefaßt und nickte zustimmend. „Ich hab so was Großes auch noch nie gesehen, Lieutenant Julez. Da drin ist grad vorhin 'ne ganze Sonne verschwunden, müssen Sie wissen...“
„Wow...“, hauchte der Lieutenant ergriffen.
Dann schwiegen sie eine Weile und ließen in vollkommener Eintracht das kosmische Theater auf sich wirken.
„Hatten Sie gerade Sonne gesagt?“ fragte Lieutenant Julez plötzlich mit lauter Stimme und blickte dem Commander voll ins Gesicht.
„Äh? Ja“, brummte der noch etwas abwesend. „War 'ne mittlere, hat wohl ein paar Minuten gedauert.“
„Scheiße, nein!“ Lieutenant Julez verlor deutlich an Gesichtsfarbe und fuhr sich nervös mit einer Hand zum Mund.
Verdammt, was wurde da gespielt? Commander Kaydee gab sich einige Mühe, sich nichts anmerken zu lassen, setzte erst mal sein Pokerface auf und beobachtete sie aus den Augenwinkeln, als sie wieder in ihrer Tasche kramte. Sie wußte etwas, das er ganz offensichtlich nicht wußte.
Verarschte ihn da jemand?
Sie kam aus der Hocke hoch und wirkte jetzt wieder etwas ruhiger, wenn auch äußerst wachsam.
„Commander Kaydee, ich möchte jetzt den Subraumscanner einsatzfähig machen. Dazu müßten Sie mich an die Steuereinheit lassen..." Sie probierte so etwas wie ein gewinnendes Lächeln, aber ihre großen Augen versuchten vergeblich, das Entsetzen zu verbergen, das sich darin spiegelte.
„Jetzt hören Sie mir mal gut zu, Lieutenant!“, entgegnete der Commander in scharfem Ton. „Was immer da eingebaut werden soll – ich kenne es nicht. Wer immer Sie sind – ich weiß es nicht. Was immer Ihre Intentionen sind – ich habe keine Ahnung! Wie eine vertrauensbildende Maßnahme wirkt das ganze auf mich nicht gerade! Sagen Sie mir, wer Sie sind, was zum Geier Sie hier für 'ne Show abziehen und wer Sie geschickt hat, dann können wir darüber reden. Und lügen Sie mich nicht an! Okay?“ Seine rechte Hand war in Lichtgeschwindigkeit an seiner Impulswaffe gelandet und hatte diese entsichert. Mit diesem Kätzchen würde er locker fertig werden, keine Frage, aber vor allem interessierte ihn, wie viele ihrer Sorte ihm da wohl auf den Fersen waren.
Lieutenant Julez‘ Coolness brach im Bruchteil einer Sekunde in sich zusammen wie eine morsche Holzhütte im Sturm.
„Scheiße,“ vermeldete sie leise, setzte sich resigniert ausgerechnet auf Commander Kaydees Platz und schlug die Hände vors Gesicht. Er ließ sie keine Sekunde aus den Augen. Sie hob langsam ihre Hände, richtete sich auf und schaute ihm direkt in die Augen. „Sie können Ihre Waffe da lassen, wo sie ist“, sagte sie mit müder Stimme. „Ich komme nicht in feindlicher Absicht.“ Sie nickte ihm langsam zu, und etwas in ihrem Gesicht und vor allem in den weit aufgerissenen, dunklen Augen sagte ihm, daß er ihr vertrauen konnte. Männliche Intuition.
„Schon gut“, brummte er und deaktivierte die Impulswaffe wieder. „Legen Sie mal los.“
Sie schüttelte ihr pechschwarzes Haar und seufzte.
„Ich bin Commander Julia Felidez der Shebanianischen Sternenflotte. Meine Freunde nennen mich Julez – und bitte tun Sie das auch. Der Grund, weshalb ich hier bin, ist so simpel wie schrecklich. Mein Heimatplanet ist dem Untergang geweiht."
Ihre Stimme war zu einem dunklen Flüstern heruntergeschmolzen.
„Wir sind nicht Mitglied der UU, weil es für die Union bis jetzt uninteressant war, unseren Planeten aufzunehmen. Wir sind ein friedlicher Hinterwäldlerplanet auf der anderen Seite, verstehen Sie? Ohne nennenswerte Ressourcen für Ihre Spezies. Aber die Canidianer haben es auf uns abgesehen. Weil wir etwas haben, das die wollen."
Commander Kaydee runzelte die Stirn. „Aber Sie sind doch überwiegend menschlich, äh, Commander Julez?“
Sie schenkte ihm ein trauriges Lächeln. „So ist es. Ich bin ein Bastard. Meine Mutter ist Shebanianerin, mein Vater ein Aussteiger vom Planeten Erde, der nicht wieder zurück wollte. Es gab da zwischen 2073 und 2082 Ihrer Zeitrechnung einige von der Erde, die auf meinen Heimatplaneten kamen. Die Technokratie hatte ihnen gereicht. Das Klonen, das Genmanipulieren, die Mega-Cities, die unerträglichen Lügen der Regierungen, der Pharma- und Musikindustrie...“
„Davon wußte ich nichts.“ Commander Kaydee war erstaunt.
„Können Sie auch nicht. Die Gruppe um meinen Vater, einen österreichischen Astrophysiker, wurde nie ernst genommen, als sie die stärker und stärker werdende Strömung der Extropianer kritisierte. Sie hatte Angst vor den immer augenscheinlicher werdenden Möglichkeiten der digitalen Evolution und wurde übrigens von einem der namhaftesten verbliebenen Wiener Topfengolatschenhersteller unterstützt, das aber nur am Rande. Der kleine Haufen floh schließlich 2073, als es gelang, den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush aufzutauen, zunächst auf eine Barackensiedlung auf dem Mars und von dort dann auf den - offiziell nicht verzeichneten - Planeten Sheba, weil die Leute um meinen Paps den Vierten Weltkrieg befürchteten. In den Jahren danach gelang es ihnen, noch ein paar mehr nachzuholen. Sie blieben. Und sie verstanden sich gut mit den Shebanianern.“
Commander Kaydee nickte ernst. „Und die Canidianer?“
Zu einer Antwort kam Commander Julez nicht mehr, denn ein gewaltiger Stoß erschütterte das Raumschiff, und alle verfügbaren Sirenen plärrten in derselben Sekunde
ALARM!!! ALARM!!! ALARM!!! ALARM!!!
In fettgedruckten Großbuchstaben. Mit drei Rufzeichen. Na fein.
[Fortsetzung folgt... (vielleicht, sagt TheCat)]
Was bisher geschah:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
TheCat has landed, liebe Leserschaft. Jetzt wird's wild!
„Materialisation erfolgreich abgeschlossen“ vermeldete der Bordcomputer, und Commander Kaydee schaute via Überwachungskamera gespannt zu, wie sich ein weibliches Wesen humanoider Art in unauffälliger Straßenbekleidung schemenhaft aus dem Dunkel der Transportereinheit zum Scanner bewegte, um dort seine Körperfunktionen checken zu lassen.
Interessiert beobachtete er das Statusfenster.
Primäre Daten:
Datenübertragung: 100% <-> Datenverlust: 0,00 %
Strukturelle Integrität: 100% <-> Fragmentierung: 0,00%
Auswertung des biologischen Profils:
Anzahl der Gesamtzellen: 101.002.521.211.456
Genetischer Code: 62,1435788% homo sapiens / 37,8564212% indeterminabel; Wahrscheinlichkeit der Felidenartigkeit 99,9%
Geschlecht: weiblich.
Alter: 365 irdische Monate
Durchschnittliche Herzfrequenz: 129/min [Normwert überschritten]
Operationale Vigilanz: 129% [Normwert überschritten]
„Soso, ein energiegeladenes Kätzchen also. Schnuckelig!“, befand Commander Kaydee mit einem unnachahmlichen Hochziehen des linken Mundwinkels und ließ die Maschine weitere Daten über den Gesundheitszustand von Lieutenant Julez ausspucken, die ihn aber nicht weiter interessierten. Lieber schaute er sich an, was die Transporterraum-Cam übertrug. Dann räusperte er sich und stellte eine Verbindung zum Transporterraum her.
„Lieutenant Julez, Willkommen auf meinem Schiff. Alles okay bei Ihnen?“
„Könnte nicht besser sein, Commander“, gab sie zurück und präsentierte eine weißblitzende Zahnreihe, als sie direkt in die Kamera grinste. „Lassen Sie mich jetzt rein?“
„Es wird mir ein Vergnügen sein, Sie abzuholen, Lieutenant!“
Die Schleusentür glitt zur Seite und gab den unverstellten Blick auf Lieutenant Julez frei, die sich gerade um ihr Gepäck kümmerte. Commander Kaydee stand für den Bruchteil einer Sekunde mit verschränkten Armen da und schaute verzückt zu, wie dieses niedliche Wesen sich systematisch daran machte, seine Weltraumhandtasche zu durchsuchen. Er war, um der Wahrheit die Ehre zu geben, schwer beeindruckt, und versuchte die 101.002.521.211.456 Zellen (wovon ein nicht unbeträchtlicher Anteil das lange, schwarze Haupthaar ausmachte) nicht bei ihrer Arbeit zu stören. Lieutenant Julez drehte sich herum und blickte ihm mit grünen Katzenaugen mitten ins Gesicht. Mit einer geschmeidigen Bewegung kam sie auf ihn zu und streckte ihm die Hand hin.
„Hallo Commander, schön, Sie kennenzulernen!“
Fester Händedruck. Gut.
Commander Kaydee spürte eine doch recht auffällige Trockenheit in der Kehle und verschluckte sich fast an seinem Kaugummi.
„Das hier“, meinte sie unbefangen, ohne erst ein „Hallo“ abzuwarten und während sie ihm ein kleines, quadratisches Ding unter die Nase hielt, „ist mein ganzer Stolz. Ein Subraumscanner. Hab ich selbst gebaut.“ Sie drehte sich um ihre Achse, ohne eine Antwort in Betracht zu ziehen, warf ihre Tasche über die Schulter und marschierte durch die Tür.
„Gleich rechts geht’s zum Lift!“ hörte sich Commander Kaydee mit dünner Stimme sagen.
„Jaja, ich kenne diesen Schiffstyp. Bin selbst schon drei Missionen damit geflogen. Ach, und Commander?“ Sie blieb stehen und wandte sich mit einem eigenartigen Lächeln zu ihm um. Er stand immer noch etwas trottelhaft in der Tür. „Versuchen Sie bloß nicht, meinen Hintern zu begrabschen. Auch nicht unabsichtlich. Nie, verstehen Sie?
Ich beiße nämlich.“
Commander Kaydee war versucht, seine Kinnlade herunterklappen zu lassen, verschluckte stattdessen aber einfach seinen Kaugummi und nickte folgsam wie ein kleines Kind, was nicht notwendig gewesen wäre, denn Lieutenant Julez hatte sich schon umgedreht und ging flott zum Lift. Er legte den Kopf schief und biß sich auf die Unterlippe. Dann folgte er mit einem leicht kribbeligen Gefühl in der Bauchgegend dem wendigen Lieutenant und dachte in fettgedruckten Großbuchstaben und mit drei Rufzeichen:
WAS FÜR EIN TEUFELSWEIB!!!
*[Fortsetzung folgt...]
Was bisher geschah:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Voilà - Hier ist Folge 3 des fulminanten Weltraumgroschenromans, in der Commander Kaydee mit einem alten Kumpel chattet und Besuch von Subraumanomalie-Auskennerin Lieutenant Julez bekommt, die nicht ganz von ungefähr so heißt. Ein Weltraumgroschenroman-Alter Ego wollte ich nämlich auch schon immer kreieren!... ;)
Er rieb sich das Kinn mit dem Dreitagebart (da war er mitunter etwas nachlässig, aber die Damenwelt hatte sich andererseits auch noch nie daran gestoßen) und klappte ein paar Regler um. Sacht schob sich ein Bildschirm in Augenhöhe, auf dem eine erneute Paßwortabfrage erschien. Commander Kaydees Finger huschten ganz ohne Protest über die Tastatur. Er loggte sich ein und stellte eine nach bestem Wissen und Gewissen verschlüsselte Verbindung zum UWW (dem Universe Wide Web) her. Das hier war zur Abwechslung sein Rechner, und die kleine Einbauaktion war - gemessen an den Zeiträumen, die in diesem Teil des Alls an der Tagesordnung standen - quasi gerade mal pausenfüllend gewesen. Er öffnete eine Seite. Genauer: einen Messenger, den er zwischen ein paar Partien Schach gegen den Rechner programmiert hatte.
„Tom, altes Haus“ tippte er. „Bist du online?“
Tom – um genau zu sein: Commander Thomas Miller – war nicht nur ein Kumpel seit Academy-Zeiten, sondern seines Zeichens Mitglied eines äußerst streng geheimen Geheimdienstes der eher kleineren Sorte. Standort: meist irgendwo im Andromeda-Nebel, wo er hübsche Mädchen zu verführen pflegte und sich seine Brötchen offiziell mit der Katalogisierung von – ganz genau: Wurmlöchern verdiente.
Es dauerte keine drei Sekunden, und ein warmes blub ertönte.
„KAYDEE! Mensch, lang her! Sauschön, dich zu lesen, Mann! Urlaub, du Gauner?“
„Nö, Mission.“ Commander Kaydee linste mit einem Auge auf das Sichtfenster, wo die mittlere Sonne bockend im wabernden Wurmloch verschwand. So halb jedenfalls. Es sah aus, als wehrte sie sich mit Händen und Füßen, falls man das von einer Sonne so einfach sagen kann. „Tom, was weißt du über Sektor D/C?“
Enter. Sekunden verstrichen.
„Kaydee, bist du völlig beknackt? Sprich Sektor D/C aus, und du bist schon im Arsch!!! Du steckst doch nicht da? Sag mir, daß du nicht da steckst! ... Scheiße, Mann! Du steckst mittendrin, oder? Okay, Kumpel. Wie kann ich dir helfen?“
„Tom, ich möchte wissen, was sich da grad so rumtreibt. Glaubst du, du schaffst das?“
Der Cursor blinkte. Die Sonne stemmte alles, was sie hatte, gegen das Wurmloch. Sie wirkte müde. Kaydee blickte sorgenvoll auf sein Display und checkte inzwischen ein paar Daten.
„Kaydee! Das da ist das verdammtnochmal größte Wurmloch, das ich aus sicherer Distanz je gesehen habe. Dein Schiff mutet dagegen an wie ein kleines Buchenblatt im Sturm!“ (Tom hatte immer schon ein Faible für poetische Ausreißer gehabt). „Schau, daß du da wegkommst!“
Commander Kaydee lächelte ein kryptisches Lächeln.
„Ich kann hier nicht weg, Tom. Das Ding zieht mich an. Ich muß dranbleiben. Ich hab da so ein Gefühl...“
„Ach, nee. Weißt du was? Ich mach dich mal mit Lieutenant Julez bekannt. Freundin von mir.“ Tom schnaubte quasi hörbar durch den Cyberspace. „Ist Spezialistin für Subraumanomalien und zufällig grad anwesend. Ich hol mir in der Zwischenzeit einen Drink. Macht euch mal bekannt.“
Commander Kaydee schaute der zappelnden Sonne zu.
„Hi. Ich bin Lieutenant Julez“ blinkte es auf seinem Bildschirm auf.
„Hallo auch. Kaydee der Name. Die Subraumanomaliespezialistin, nehm ich mal an.“ Er tippte das mit einem speziell grinsenden Gesichtsausdruck. Ob sie ihr Höschen wohl schon wieder anhatte?
„Roger, Commander Kaydee. Alles wird gut. Sind Sie allein?“
„Worauf Sie Gift nehmen können, Lieutenant. Allein in meiner Nußschale, ziemlich weit draußen. Mit einem Wurmloch, das großen Appetit auf die Nuß hat. Any ideas?“
Ein paar Sekunden verstrichen.
„Kaydee, ich habe Ihre Koordinaten. Machen Sie Ihren Transporter bereit. Ich beame mich zu Ihnen hoch, wenn’s recht ist!“
Commander Kaydee schaute etwas verzwickt drein. Anderer Leute Mädchen im interstellaren Raum? Das war so eine Sache. Vor allem was Tom betraf. Dennoch. Mit diesem Ding hier war nicht zu scherzen. Er aktivierte den Transporter und schickte noch eine Kurznachricht an Tom.
„Ist sie sauber? Und ist es okay von deiner Seite?“
Tom antwortete im Bruchteil einer Sekunde.
„Vertrau mir, Kaydee. Sie ist die Wucht. Und jetzt: viel Glück! Ach... und vorsicht: Sie beißt. He... mach’s gut da draußen, mein Alter!“ Das kam etwas sehr seltsam rüber, aber was, bitte, war nicht seltsam an dieser ganzen Geschichte?
„Danke“, antwortete Commander Kaydee also. „Bist ein echter Freund, Tom!“
Commander Thomas Miller sendete einen Smilie.
Commander Kaydee trennte die Verbindung und ließ seinen Bildschirm wieder unter der Konsole verschwinden. Er war durchaus nervös, als er sich das Innere des Transporterraums anzeigen ließ, aber auch neugierig.
„Daten werden übertragen ... Transmission läuft ... 49 ... 50 ... 89 ... 93 ... 99% abgeschlossen ... Binärdaten werden verifiziert ... Bitte haben Sie einen Moment Geduld“, vermeldete der Bordcomputer stumm.
„Na dann“, stellte Commander Kaydee fest und verriegelte die Schleuse.
Sicherheitshalber.
Die Sonne verschwand mit einem letzten Funkeln im Wurmloch.
[Fortsetzung folgt...]
Was bisher geschah:
Teil 1
Teil 2
Ihr wolltet es nicht anders... Episode 2!
„Soda, dann mal auf zur Tat“, bemerkte der Commander frisch und ließ seine Fingerknöchel knacken. Auch so ein Punkt, den seine Exfrau nicht gerade goutiert hatte, will man einen kleinen Euphemismus anbringen.
Er guckte auf die Windschutzscheibe und schaute stirnrunzelnd zu, wie in einiger Entfernung eine mittlere Sonne in das Wurmloch gesogen wurde. Echt blöde Situation. Vor allem in diesem Quadranten waren sie gefährlich, diese Biester – man konnte vorher nicht sagen, in welchem Paralleluniversum man landen würde. Hier im Sektor D/C hatten sich noch nicht viele Forscher herumgetrieben. Zu gefährlich. Die wenigen Expeditionen hierher waren gescheitert; die drei Teams, die bisher hierher gereist waren, waren aus Sektor D/C entweder nie wieder, oder, im letzten Fall, mit einem solchen Schock zurückgekehrt, daß schließlich nichts anderes übriggeblieben war, als die völlig paralysierte Mannschaft das Brain-Wash-Programm der Universal Union Space Agency (extra deep, in der Beta-Version) durchlaufen zu lassen. Wenn man bedachte, daß sieben Spitzenkräfte der UUSA heute mürrische Gebrauchtwagenhändler, buckelnde Hotelpagen und blödglotzende Straßenkehrer waren oder Imbißstände zweifelhafter Provenienz betrieben, so auch Megan, die einst so leidenschaftliche rothaarige Astrophysikerin, die an der Zerrüttung der Ehe mit Liz ebenfalls nicht ganz unschuldig gewesen war, konnten sogar einem harten Kerl wie Commander Kaydee fast die Tränen kommen.
Die Informationen waren äußerst spärlich gesät. Die ganze Sektor D/C-Geschichte war natürlich so geheim, daß nicht einmal die größeren interplanetaren Geheimdienste überhaupt von der Existenz des Quadranten, innerhalb dessen sie sich abspielte, wußten. Das hier war wüsteste kosmische Wüste und absolutes Sperrgebiet für alle. Hier trieb sich nur unbekanntes und mit Sicherheit nicht gerade vertrauenswürdiges extraterrestrisches Gesocks herum, das nicht den leisesten Anflug auch nur ansatzweise geheuchelten – geschweige denn echten - Interesses zeigte, der Universal Union beizutreten oder sich an multilaterale Abkommen zu halten. Und diese Sauhunde machten ständig Wurmlöcher auf, um zwischen ihren ominösen Territorien zu reisen und weiß der Kuckuck was zu tun. Was dem gewitzten Leser die Vermutung nahelegt, daß Commander Kaydee in diesem Augenblick möglicherweise nicht allein war.
Commander Jonathan Kaydee war natürlich nicht zufällig hier.
Die einzigen zwar nur halbwegs brauchbaren, dafür aber umso penibler ausgewerteten Erinnerungsreste eines bedauernswerten Teammitglieds der letzten Expedition hatten ergeben, daß da draußen etwas wirklich Großes im Gange war. Eingeweihte Teile der UU wurden nervös, interplanetare Geheimdienste arbeiteten plötzlich reibungslos zusammen, Hubble lief auf Höchsttouren. So was Großes hatte man überhaupt noch nie gesehen! Ein Profi mußte also her. Ein ausgebuffter Profi, der mit allen Wassern gewaschen war, fließend Englisch, Spanisch, Russisch, Vorarlbergerisch und Bayrisch sprach und schon an der UUSA-Academy nicht nur durch sein generell rotziges Verhalten, sondern auch durch seinen beachtlichen Frauenverschleiß und seine unerschütterliche Trinkfestigkeit aufgefallen war. Sein Hauptfach war Navigation, sein Lieblingssteckenpferd unter vielen Steckenpferden das Knacken unknackbarer Codes und spröder Wissenschaftlerinnen. Jonathan Kaydee hatte mehr Verwarnungen eingesteckt als jeder hochbegabte Academy-Absolvent vor ihm und dennoch bei der Abschlußprüfung mit einer Knockout-Rate von über 70 Prozent süffisant grinsend brilliert. Der Rabauke hatte später – erst 23jährig - einige interstellare Konflikte mit einer bis dato ungeahnten Sensibilität gelöst, indem er kräftig auf den Tisch haute und in perfektem Bayrisch „So nicht, Freunde!“ sagte, und außerdem hatte er den UU-weiten Slogan „Trinkt mehr Dosenbier!“ geprägt, der in der Zwischenzeit Eingang in den universellen Duden gefunden hat. Generationen von Jungen und Mädchen hatten (aus geschlechterspezifisch unterschiedlich gelagerten Gründen) ein Poster mit seinem schief grinsenden Konterfei an der Wand hängen, und Generationen verzweifelter Mütter hatten versucht, ihre Töchter wegzusperren, wann immer eine Zwischenlandung am jeweiligen Planeten publik wurde. Erfolglos. Commander Jonathan Kaydee war ein Mythos zu Lebzeiten. Also war er der Mann der Stunde. Und deshalb war er jetzt hier. Auf den Spuren eines richtig großen Dings.
[Fortsetzung folgt...]
Was bisher geschah:
Teil 1
Ich möcht einmal einen waschechten Weltraumroman schreiben. Einfach so. Ob den wer lesen will? This is just a test!
Der interstellare Raum ist verflucht still und, wenn man nicht grad ein durchgeknallter Astrophysiker, sondern zum Beispiel ein einfacher Commander in einem einfachen Raumschiff ist, eine verdammt leere Angelegenheit. Commander Kaydee linste durch seine Windschutzscheibe, schwebte ein bißchen in der Schwerelosigkeit herum und machte sich dann, weil er sonst nichts Besseres zu tun hatte, eine Tube Astronautenkäsecracker auf. Er gähnte und las ein paar Seiten des Buches, das er mitgebracht hatte.
„Schweinkram“, entfuhr es ihm kurze Zeit später etwas erzürnt. Es war keine sonderlich gute Idee von ihm gewesen, ausgerechnet den „Mann ohne Eigenschaften“ mit in den endlos leeren Raum zu nehmen. Um das Buch in eine Ecke pfeffern zu können, manövrierte er sich zu seinem Fahrersitz, schnallte sich an und betätigte den Gravitationsschalter. Mit einem lauten Ziiiiiiiiiiiiiiiiisch-Flupp kehrte die Schwerkraft zurück, und irgendwo hinter ihm landete die benutzte Kaffeetasse von vorhin scheppernd auf dem Boden.
Commander Kaydee verzog nicht einen Gesichtsmuskel. Das passierte ihm ständig. Daß er sein Frühstücksgeschirr nie zur Spüle trug, war schließlich auch einer der Gründe dafür gewesen, daß sich Liz, die langbeinige und sehr blonde Molekularbiologin, von ihm hatte scheiden lassen.
Er wollte gerade seinen Gurt lösen und den langatmigen Quatsch von Musil seiner bestimmungsgemäßen Zerschmetterung zuführen, als eine rote Warnleuchte vor ihm zu blinken begann und die kühl-weibliche Stimme des Bordcomputers lakonisch bemerkte:
„Warnung. Wurmloch auf D34/C55. Letalitätswahrscheinlichkeit bei Weiterflug 100 Prozent. Möchten Sie trotzdem fortfahren?“
„Abbrechen,“ knurrte der Commander, um dann in professionellerem Ton anzufügen: „Stoppen.“
„Weia, was für eine Maloche, das“, fluchte er laut, als das Raumschiff eine Notbremsung wie aus dem Bilderbuch hinlegte und sein Kopf beinahe auf dem Armaturenbrett samt Tastatur aufschlug.
„Befehl nicht erkannt. Spracheingabe wiederholen, fortsetzen oder abbrechen?“, entgegnete der Computer.
„Jetz reicht’s aber, Blechtrottel“, fauchte der Commander und stieß, ehe die Maschine ihre dummdreiste Frage erneut stellen konnte, mit mühsam unterdrücktem Zorn hervor „Manuelle Steuerung aktivieren!“
„Willkommen beim Assistenten für das Aktivieren der manuellen Steuerung. Sie sind nicht angemeldet. Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Paßwort an.“ säuselte es gleichmütig.
Der Commander funkelte wütend in den Raum. „Du kannst mich mal, du androgyner alter Tantenonkel!“
„Login fehlgeschlagen. Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Paßwort an.“
Das Gesicht von Commander Kaydee erhielt den Kurzbesuch eines listigen Grinsens, als seine Finger beinahe in Lichtgeschwindigkeit über die Tastatur flogen. Ihm konnte keiner was vormachen. Sein Studium hatte er sich als Hacker verdient. „Ich sagte doch, du kannst mich mal!“, wiederholte er mit Nachdruck und einiger Zufriedenheit. Der Bordcomputer schwieg verdutzt, und man hätte meinen können, daß ein hauchzartes Schmollen durch das Raumschiff waberte. Draußen waberte das Wurmloch, und das war in der Tat vordringlicher.
[Fortsetzung folgt...]